TreffenDem ersten Eindruck haftet mitunter die unerträgliche Bedeutungsschwere eines Finals an. Studien (PDF) zufolge benötigt er allenfalls 100 Millisekunden, um sich zu manifestieren. Danach steht für uns nahezu unveränderlich fest, wie wir eine Person einschätzen, wer uns als attraktiv, sympathisch, vertrauenswürdig erscheint und wer nicht. Doch was genau prägt diesen ersten Eindruck? Worauf achten wir – oder umgekehrt gefragt: Was muss stimmen, damit wir Fremde für uns gewinnen? Die Psychologie weiß dazu einige überraschende Antworten…

Sensorische Reize sind wichtiger als Worte

Gerüche, Körpersprache, Gestik und Mimik sind dabei von entscheidender Bedeutung. Kein Wunder: In 100 Millisekunden lässt sich nicht viel Überzeugendes sagen.

Dass sensorische Reize unmittelbarer wirken als Worte, gilt als gesichert. Die Sprache der Augen kommt aber oft zu kurz. Dabei ist sie ein Spiegel der Seele und verleiht uns große Wirkung: Wer redet, blinzelt etwa häufiger als einer, der schweigt. Ist das umgekehrt, kann man davon ausgehen, dass sich der Zuhörer langweilt. Häufiges Augenklimpern wiederum, wie es Frauen gerne anwenden, wenn sie einem Mann Interesse signalisieren, ist in Wahrheit eine Unterwürfigkeitsgeste. Der starre, intensive Blick dagegen wird als Zeichen von Stärke und Charisma gewertet. Der Schauspieler Michael Caine soll jahrelang geübt haben, um bei Naheinstellungen kaum zu blinzeln.

Entsprechend sollten Sie auf folgende Schlüsselreize achten:

  • JWM/MOrguefileDuft. Ob wir jemanden sprichwörtlich riechen können oder nicht, entscheidet schon unsere Nase. Besonders einflussreich: die Haare. Ihre Duftoberfläche ist riesig. Dennoch sollten die Aromen (Vanille hat sich bewährt) knapp unter der Wahrnehmungsschwelle bleiben. Das haben Untersuchungen von Psychologen der Northwestern University in Chicago ergeben. Werden die Duftspuren zu stark, büßen die meisten den Sympathiebonus sofort wieder ein. Aus der Wissenschaft wissen wir ebenfalls, dass Männer für nasale Stimulanzen nicht nur anfälliger sind als Frauen, sie reagieren auch heftiger darauf. In seiner Studie für die US-Universität Purdue untersuchte etwa Robert Baron die Wirkung von Parfüms in Bewerbungsgesprächen. Männliche Personaler, so das Ergebnis, stuften parfümierte Kandidaten zum Beispiel als weniger gepflegt, weniger intelligent, unfreundlicher und auch unattraktiver ein als diejenigen ohne Eau de Toilette. Die Frauen reagierten exakt umgekehrt.
  • Handschlag-KooperationHändedruck. Ein Handschlag dauert in der Regel drei bis vier Sekunden. Nicht länger. Zugleich verstärkt er die positive Wirkung einer Person enorm. Als erste soziale Interaktion zwischen zwei Menschen aktiviert der Handschlag nachweislich diverse Hirnregionen – und zwar stärker als alle anderen verbalen Begrüßungsriten. Das Wichtigste daran aber ist: Er muss fest sein, besonders der von Frauen. Dann erzielen sie laut Untersuchungen des Management-Professors Greg Stewart von der Universität von Iowa Sympathiehöchstwerte – und bekommen nach dem Vorstellungsgespräch eher den Job.
  • AugenblickAussichtBlickkontakt. Halten Sie beim Händeschütteln (aber auch sonst) stets Blickkontakt zu Ihrem Gegenüber. Augenkontakt verstärkt Ihr selbstbewusstes Auftreten. Damit zeigen Sie, dass Sie sich nicht verstecken brauchen und Ihrem Gegenüber gewachsen sind. Jemandem in die Augen zu sehen, zeigt persönliches Interesse und Aufgeschlossenheit, dadurch erscheint man für sein Gegenüber automatisch sympathischer.
  • BewerbungsgesprächKleidung. Apropos Optik: Visuelle Reize bestimmen den ersten Eindruck zu mehr als 50 Prozent – was wir tragen, wie wir uns bewegen oder durch die Tür gehen. Während sich die Körpersprache und -spannung verändern kann, bleibt die Kleidung immer gleich. Entsprechend prägend wirkt sie. Aus der Sympathieforschung wiederum ist bekannt, dass wir Menschen netter finden, je mehr Gemeinsamkeiten wir an ihnen entdecken. Heißt für die Kleidung recht banal: Ziehen Sie sich zum Anlass passend an; im Bewerbungsgespräch also dem Dresscode des Unternehmens entsprechend. Bemerkenswert: Der Wissenschaftler Kurt Gray konnte in einer Studie etwa zeigen, dass uns nackte Haut dazu verleitet, sich mehr mit dem Körper unseres Gegenübers zu beschäftigen – ein enormer sexueller Reiz. Wollen Sie aber, dass Ihr Gegenüber sich auf das konzentriert, was Sie zu sagen haben, sollten Sie nicht zu viel nackte Haut zeigen.
  • JWM/MorguefileStimme. Unsere Stimme ist nicht nur eindeutiges Erkennungsmerkmal, sondern auch eine ebenso authentische wie intime Visitenkarte unserer Persönlichkeit. Mit Hilfe unserer Stimme bestimmen wir maßgeblich, wie wir auf andere wirken. Bereits Intonation und Atmung lösen Sympathien aus: Das hängt mit dem sogenannten psychorespiratorischen Effekt zusammen. Wir imitieren, wenn wir zuhören. Der Redner, der nervös radebrecht, verursacht auch bei seinen Zuhörern Atemkrämpfe. Genauso spürt man ein herannahendes Räuspern oder nimmt es vorweg, wenn das Knarren in der Stimme unerträglich wird. Umgekehrt: Wer uns durch seine Stimme beruhigt und entspannt, ist uns sofort sympathisch. Tiefe Stimmen empfinden wir dabei durchweg angenehmer und sympathischer, ihre Träger gelten als souverän, kompetent, viril. Hellen, piepsigen oder gar schrillen Sprechern hingegen wird gern das Etikett inkompetent, unsicher, unsachlich oder sprunghaft angepappt. Noch wichtiger ist jedoch die individuelle, sogenannte Indifferenzlage, also der Grundton jeder einzelnen Stimme. Nur wer regelmäßig um diesen Ton herumredet, wird von seinen Zuhörern als authentisch, überzeugend und selbstbewusst wahrgenommen. Finden lässt sich diese Indifferenzlage, indem man an ein gutes Essen denkt und ein wohliges Mmmmmh vor sich hinsummt. Die natürliche Stimme zirkuliert bis zu einer Quinte um diesen Ton, so entsteht Sprachmelodie. Erst wenn wir uns weiter davon wegbewegen, schlagen die Ohren Alarm.
  • ollyy/shutterstock.comWortwahl. Und dann ist es endlich soweit – Sie sagen etwas, begrüßen Ihr Gegenüber oder beginnen mit typischem Smalltalk. Dabei kommt es jedoch nicht nur darauf an, was Sie sagen, sondern auch wie Sie es sagen: Sprechen Sie langsam und betont; legen Sie Begeisterung und Überzeugung in Ihre Stimme und zeigen Sie damit, dass Sie selbst davon überzeugt sind, was Sie sagen. So wird Ihr Gegenüber auch davon überzeugt sein, dass Sie wissen, wovon Sie sprechen. Ihre Leidenschaft und positiven Emotionen übertragen sich – und machen Sie sympathisch. Achten Sie allerdings auch darauf, grammatikalisch korrekt und auf Hochdeutsch zu sprechen. Dialekt und Slang lassen Menschen weniger intelligent wirken – mit Ausnahme von regionalen Gesprächen, in denen die Mundart freilich wieder eher Gemeinsamkeiten betont.

Erster Eindruck: Diese 2 Fragen stellt sich jeder

Susan Fiske von der Princeton Universität fand bei ihren Untersuchungen heraus: Wenn sich zwei fremde Menschen das erste Mal begegnen, dann fragen sie sich insgeheim (und vielleicht auch nur unbewusst) exakt zwei Fragen:

  • Wie warmherzig ist dieser Mensch? Natürlich ist die Frage etwas komplexer, als sie sich anhört. Dazu gehört etwa auch die Einschätzung, wie freundlich, hilfsbereit, sozial und vertrauenswürdig die Person ist.
  • Wie kompetent ist dieser Mensch? Dabei wird im Kern und binnen Sekunden beurteilt, wie intelligent, clever, kreativ und nützlich der neue Kontakt sein könnte.

Sicher, die Erkenntnis zählt nicht gerade zu den Raketenwissenschaften. Das Besondere an Fiskes Studie ist allerdings: Sie untersuchte das Phänomen des ersten Eindrucks über mehrere unterschiedliche Kulturen, Anlässe und persönliche Situationen hinweg – trotzdem ließ sich die erste Einschätzung, das erste Kennenlernen jedes Mal auf diese beiden Fragen reduzieren – etwas salopper formuliert:

  • Ist das ein guter Menschen?
  • Und kann der Typ mir vielleicht mal helfen?

Und worauf achten Sie beim ersten Kontakt?