Eigenverantwortung: Warum sie so wichtig ist
Der Beruf kann helfen, die eigene Persönlichkeit zu entfalten, er kann sie aber auch einengen. Zum Beispiel in Situationen, die Arbeitnehmer übermäßig fordern: Was den einen anspornt, löst beim Kollegen am Nachbartisch ein Gefühl der Bedrohung aus. Das kann an der eigenen Einstellung liegen. Ein gesundes Maß an Eigenverantwortung ist die nötige Voraussetzung, um in schwierigen Situationen in Balance zu bleiben. Warum sie so wichtig ist...

Was bedeutet das überhaupt: Verantwortung für sich selbst übernehmen?

Nie war die Taktung in der Arbeitswelt so hoch wie heute. Produktzyklen werden kürzer, Arbeit verdichtet sich und verteilt sich auf immer weniger Schultern. Zudem verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Was zunächst nach mehr Freiheit aussieht, bereitet nicht wenigen Probleme: Die Arbeit - sie scheint nicht zu enden, nicht mal zuhause.

In der Folge haben stressbedingte Erkrankungen wie das Burnout-Syndrom, Hörstürze oder gar Depressionen Konjunktur.

Umso wichtiger wird es, im Berufsleben auf sich selbst zu achten, damit einen das steigende Tempo nicht überrollt. Und das gelingt eben vor allem durch Eigenverantwortung. Aber was heißt das genau?

Laut Definition verschiedener Experten bezeichnet der Begriff (synonym wir hierbei auch die Selbstverantwortung verwendet) die Fähigkeit und Bereitschaft, für das eigene Handeln bewusst Verantwortung zu übernehmen und für die Konsequenzen einzustehen. Das gilt allerdings auch für das eigene Unterlassen.

Es geht bei der Eigenverantwortung also nicht nur darum, für Fehler gerade zu stehen, sondern eben auch für die Versäumnisse und schädliche Passivität.

Verantwortung jemand niemand

Die meisten denken dabei in erster Linie an Aufgaben im Job. Das ist grundsätzlich auch nicht verkehrt. Übersehen wird dabei aber eben nur allzu oft das, was wir als selbstverständlich betrachten, solange alles funktioniert: die eigene körperliche und mentale Fitness und Gesundheit.

Eigenverantwortung zu übernehmen, heißt daher auch:

  • Bewusst Verantwortung für das eigene Wohlbefinden zu übernehmen.
  • Dafür zu sorgen und darauf zu achten, dass es einem emotional und mental gut geht.
  • Auf einen entspannenden Ausgleich zum Beruf zu achten.
  • Dafür zu sorgen, dass das eigene Leben glücklich und erfüllt bleibt.

So aufgeschrieben klingt das natürlich leicht, ist es in der Praxis aber nicht.

Tatsächlich müssen viele Arbeitnehmer erst mühsam wieder lernen, auf sich selbst acht zu geben und diese Selbstverantwortung zu übernehmen.

Eigenverantwortung zu übernehmen, heißt selber eine Lösung zu suchen

Man könnte auch sagen: Solange wir funktionieren, vergessen wir uns selbst. Gefährlich! Denn erstens ist der Mensch keine Maschine und zweitens interessiert hinterher auch keinen, warum wir plötzlich nicht mehr funktionieren. Schließlich ist das unsere Verantwortung alleine.

Wer derart Raubbau an sich selbst betreibt, ist also gleich doppelt dumm: Er gefährdet nicht nur seine psychische und physische Gesundheit, sondern auch die Karriere und den Job.

Es wäre natürlich ein Leichtes, die Verantwortung zu delegieren und auf andere (Umstände, Schicksal, Chefs, der Staat, ...) abzuschieben. Zum Beispiel auf Faktoren wie...

  • die steigende Verantwortung im Job.
  • den zunehmenden Zeit- und Leistungsdruck.
  • die ständige Erreichbarkeit.
  • die Erziehung, bei der Leistung über alles erhoben wurde.

All das mögen Gründe für wachsenden Stress sein. Aber die Verantwortung dafür, etwas dagegen zu unternehmen - nicht zuletzt aus purem Selbstschutz - tragen wir alleine.

Daher mahnen Psychologen auch immer wieder dazu, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und einer Lösung zuzuführen, statt darauf zu warten, bis andere das für einen tun. Die tun das nämlich entweder gar nicht oder viel zu spät.

Sie haben mehr Einfluss auf Ihr Wohlbefinden als Sie denken

Viele Menschen unterschätzen, wie groß der eigene Einfluss ist, den sie auf ihr Wohlbefinden durch eigenverantwortliches Handeln haben.

Am Ende geht es vor allem darum, eigene Entscheidungen zu treffen - und mit den Konsequenzen zu leben. Wie in der kurzen Formel: Love it, leave it or change it. Das ist gelebte Eigenverantwortung.

Machen Sie einen kurzen Selbsttest und beobachten Sie sich einmal selbst: Wofür übernehmen Sie Selbstverantwortung und wofür nicht? Wer sich etwa bei der Mehrzahl der folgenden Punkte erkennt, hat in Sachen Eigenverantwortung durchaus noch Luft nach oben...

  1. Nicht wenige Menschen machen gerne und häufig andere die eigenen Probleme verantwortlich. Das ist zwar weit verbreitet, aber selten zielführend: Chef, Kollegen oder Geschäftsführung können nichts dafür, wenn sich ein Mitarbeiter zum Beispiel regelmäßig zu viel aufhalsen lässt. Keiner verbietet einem, Grenzen zu setzen und auch mal "Nein" zu sagen. Die meisten sind nur zu bequem, die Konsequenzen zu managen - die Konflikte oder die Notwendigkeit, sich einen besseren (!) Job zu suchen. Die Folge: Sie verharren im Frust und bleiben obrigkeitstreu und fremdgesteuert.
  2. Zahlreiche Arbeitnehmer trauen sich nicht, Bedenken zu äußern - selbst wenn sie wissen, dass sich die Dinge gerade in eine ganz falsche Richtung entwickeln. Das sorgt dann für steigenden eigenen Stress. Dabei wäre durchaus sinnvoller, sein Selbstbewusstsein zu trainieren und seine Zweifel zu verbalisieren, bevor es zu spät ist. Klar, Bedenkenträger machen sich im ersten Moment nicht gerade beliebt. Bleiben sie dabei aber konstruktiv, steigt mit der Zeit nicht nur ihr Ansehen und Respekt, sondern auch der Wert für das Unternehmen.
  3. Auch flüchten sich viele in die sogenannte Opferrolle und werden dabei verbittert. Wer im Privaten wie im Berufsalltag aber zu sich selber steht und nicht nur wartet, bis das eigene Genie erkannt oder einem geholfen wird, gilt bald als Macher und nicht als Mitläufer. Obendrein erkennen solche Menschen mehr Chancen, wo andere nur Probleme sehen.
  4. Sprache verrät Bewusstsein. Das zeigt sich bereits daran, wie manchen ihre Gedanken teilen. Achten Sie einmal darauf, wer in Ich-Botschaften formuliert ("Ich denke...", "Ich bin davon überzeugt...") und wer sich stattdessen hinter Man-Formulierungen versteckt ("Man müsste...", "Man sollte..."). Wer so spricht, distanziert sich bereits von sich selbst und signalisiert, nicht zur eigenen Meinung zu stehen. Die anonymen Masse des "man" soll Mehrheiten vorgaukeln, auf die natürlich dann auch die Verantwortung übertragen werden kann, wenn es schief läuft: "Da hat man sich wohl getäuscht."
  5. Und nicht zuletzt bedeutet, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, auch, für eigene Fehler gerade zu stehen und diese nicht zu vertuschen. In der Regel nimmt die Reputation durch die Verschleierung und Vorwärtsverteidigung mehr Schaden, als durch ein Eingeständnis des Fauxpas'. Wer hier reuig und lösungsorientiert handelt und Vorschläge macht, wie der Fehler behoben und künftig vermieden werden kann, hat keinen Respekts- oder Autoritätsverlust zu befürchten.

Eigenverantwortung übernehmen: Aller Anfang ist schwer

Zugegeben, für viele ist ein solches Selbstverständnis und eigenverantwortliches Handeln eine echte Herausforderung. Wer das bisher nicht praktiziert hat, sollte deshalb auch nicht gleich eine 180-Grand-Wende erwarten. Das überfordert nur. Eher empfiehlt sich eine Strategie der kleinen Schritte.

Aller Anfang ist schwer, aber mit ein wenig Übung wird es leichter. Immer wenn Sie das Gefühl haben, Verantwortung abgeben zu wollen, machen Sie sich bitte klar:

  • Wer Verantwortung wegdelegiert, führt kein selbstbestimmtes Leben. Sondern lässt zu, dass andere für einen entscheiden.
  • Keine Eigenverantwortung zu übernehmen, bedeutet das eigene Wohlbefinden und die eigene Gesundheit in die Hände anderer zu geben, denen beides im Zweifel total egal ist.
  • Eigenverantwortliches Handeln stärkt die eigene Freiheit - etwa mitzuentscheiden, in welche Richtung sich Projekte oder Aufgaben entwickeln.
  • Wer zu sich und seiner Meinung steht, strahlt Stärke aus, was das Umfeld in aller Regel mit größerer Akzeptanz belohnt. Und das wiederum stärkt das Selbstbewusstsein.
  • Wer sich um sich selbst sorgt und kümmert, macht sein Leben nicht nur langfristig besser, sondern gewinnt auch einen wesentlichen Faktor für mehr Glück: Zufriedenheit.

Es ist nie zu spät, etwas in seinem Leben zu verändern. Verändern Sie daher zuerst die Einstellung zu sich selbst (und anderen) und übernehmen Sie mehr Verantwortung - vor allem für sich selbst. Nur Mut! Es lohnt sich...

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