MBA Checkliste: 50 Kriterien für die Studienwahl
Der Master of Business Administration - kurz MBA - hat sich nach anfänglichem Widerstand deutscher Unternehmen und Bildungsträger auch in Deutschland als anerkannter Abschluss etabliert. Doch die wachsende Akzeptanz des MBA-Abschlusses zieht leider auch schwarze Schafe an und nicht hinter jedem MBA-Label steht auch ein echter MBA-Studiengang. Als angehender Student sollten Sie daher genau hinschauen. Informationen zu Akkreditierung, Bewerbung, Kosten sowie Kriterien, die Ihnen bei der Wahl des richtigen Studiengangs helfen...

Der Unterschied zwischen einem MBA und einem Master

Da die Frage nach dem Unterschied zum Master immer wieder gestellt wird:
Der Master of Business Administration legt den Schwerpunkt klar auf Management- und Führungsaufgaben. Die Vermittlung von Fachwissen tritt hier in den Hintergrund, viel wichtiger sind Fähigkeiten und Kenntnisse, die für Leitungs- und Führungsverantwortung essentiell sind. Das erklärt auch, warum MBA-Studiengänge allesamt einige Jahre Berufserfahrung voraussetzen und nur Fachkräften mit entsprechender Erfahrung und Kompetenz offen stehen. Sie verfügen bereits über das erforderliche Fachwissen und erweitern dieses um Management-Komponenten.

Klassische Masterabschlüsse konzentrieren sich dagegen ganz auf die Vertiefung des vorhandenen Fachwissens, bauen auf bestehende Grundlagen auf und erweitern die entsprechende Wissensbasis. Sie sind vor allem für Arbeitnehmer geeignet, die sich in ihrem Fachgebiet weiterentwickeln und ihren thematischen Schwerpunkt weiter schärfen wollen. Daher sind Masterabschlüsse sowohl konsekutiv – also direkt nach einem Bachelorabschluss – als auch berufsbegleitend möglich. Denn die fachliche Vertiefung erfordert nicht zwingend Berufserfahrung und gerade für wissenschaftliche Laufbahnen kann ein konsekutiver Master enorm wichtig sein.

Wann es kein MBA sein muss

Rido/shutterstock.comDie Grenze zwischen MBA und Master hat sich in den letzten Jahren ein wenig aufgeweicht. Immer mehr MBA vertiefen auch das bestehenden Fachwissen und lassen Studenten zu, die nur über wenig Berufserfahrung verfügen. Andererseits gibt es zahlreiche Masterstudiengänge, die neben weiterem Fachwissen auch Managementwissen und -fähigkeiten vermitteln.

Es kann daher Situationen geben, in denen ein MBA nicht die beste aller Optionen ist. Die zwei wichtigsten Faktoren dafür sind:

  1. Kosten: Ein MBA Studium ist eine erhebliche Investition. Durchschnittlich 17.500 Euro - Tendenz steigend - kostet die Manager Ausbildung laut MBATrends-Studie in Deutschland. Das Ansehen Ihres MBA Abschlusses ist dazu stark abhängig vom Ruf der Business School, an der Sie ihn erwerben erworben wurde. Möchten Sie Ihren MBA allerdings an einer der Top Business Schools in Deutschland absolvieren, müssen Sie noch deutlich tiefer in die Tasche greifen.
  2. Fehlende Spezialisierung: Der MBA ist dafür bekannt, eine generalistische Management Ausbildung zu bieten. Auf dem Arbeitsmarkt steigt seit einigen Jahren aber vor allem die Nachfrage nach spezialisierten Fachkräften.

    Mit einem Master Studiengang im Bereich Management können Sie diesem Trend häufig besser gerecht werden, da dieser in der Regel Manager für bestimmte Bereiche ausbildet, zum Beispiel für das Dienstleistungs- oder Finanzmanagement.

Informationen rund um den MBA

rangizzz/shutterstock.comDie wichtigsten Informationen zum MBA haben wir hier für Sie zusammengefasst:

An wen richtet sich der MBA?

Die Ausbildung richtet sich an alle, die sich im General Management weiterbilden möchten und überwiegend an Personen, die eine Fach- oder Führungslaufbahn anstreben. Das Bewerberspektrum reicht vom Hochschulabsolventen bis zur langjährigen Führungskraft. Die Ausbildung richtet sich an alle Fachrichtungen gleichermaßen, vom Geistes- und Sozialwissenschaftler über den Wirtschaftswissenschaftler bis hin zum Mediziner oder Juristen. Oft gilt der MBA als Voraussetzung für:

  • eine internationale Karriere.
  • einen Aufstieg in die Partnerebene (einer Beratung).

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen MBA?

Es ist sinnvoller den MBA erst nach einigen Jahren Berufserfahrung aufzusatteln. Die gelehrte Theorie sollte durch den Wissensaustausch der Absolventen untereinander ergänzt werden, um eine praxisnahe Ausbildung zu garantieren. Je länger die Berufserfahrung der Teilnehmer, desto fundierter das Wissen und dementsprechend größer ist der mögliche Nutzen des Austausches. Vorausgesetzt dieser wird aktiv gefördert und nicht nur außeruniversitär gepflegt. Der richtige Zeitpunkt ist nach drei bis fünf Jahren Berufserfahrung, da:

  • dann der Gehaltsausfall während eines Vollzeitstudiums noch vertretbar ist.
  • die Amortisation der Studienkosten während der Berufstätigkeit noch möglich ist.

Wie lange dauert das Studium?

Ob sie ein Ein-Jahresprogramm oder ein Zwei-Jahresprogramm wählen, hängt letztlich von Ihnen und Ihrem akademischen Hintergrund ab. Der amerikanische Studienabsolvent ist durchschnittliche 21 Jahre alt und wird mit Hilfe eines zwei Jahre dauernden Programms seine Reifezeit verlängern wollen. Die meisten deutschen Absolventen sind derzeit wesentlich älter und bewahren sich durch eine kurze MBA-Ausbildung die Chancen für potentielle Arbeitgeber interessant zu bleiben. Für Absolventen mit geringer wirtschaftswissenschaftlicher Vorbildung lohnt sich wiederum das lange Programm, um so von der generelleren Ausbildung zu profitieren. In einem Ein-Jahresprogramm würden Sie sich wahrscheinlich zu früh beziehungsweise in die falsche Richtung spezialisieren. Nicht von ungefähr kommt die Empfehlung an Ingenieure und Naturwissenschaftler, das MBA-Studium als Alternative zu einem betriebswirtschaftlichen Aufbaustudium in Erwägung zu ziehen.

Wie läuft die Bewerbung ab?

Die Bewerbung läuft in der Regel in einem mehrstufigen Prozess ab. In einem ersten Schritt reichen die Bewerber schriftliche Unterlagen ein. Essays, spezielle Tests und Empfehlungsschreiben sind dabei ebenso Teil der Bewerbung wie der Lebenslauf und das Bewerbungsschreiben. Sofern die schriftlichen Unterlagen überzeugt haben, wird im anschließenden Gespräch die persönliche Eignung des Bewerbers von der Hochschule geprüft.

Wichtig: Sowohl die Stressprüfung namens GMAT (Graduate Management Admission Test) sowie der TOEFL (Test of English as a Foreign Language) sind Standardzulassungsvoraussetzungen. Schulen die darauf verzichten, sollten Sie meiden, denn es kann darauf geschlossen werden, dass auch die MBA-Ausbildung unterhalb des internationalen Standards liegen wird.

Wie erkenne ich ein seriöses Programm?

Mindestens ein Gütesiegel der folgenden Organisationen sollte die Schule besitzen, im Idealfall alle vier. Die Prüfung erfolgt nach drei Jahren am Markt, neue Schulen können daher meist kein Zertifikat vorweisen.

[ ] AACSB (Association to Advance Collegiate Schools of Business)
[ ] EQUIS (European Quality Improvement System)
[ ] AMBA (Association of MBAs)
[ ] FIBAA (Foundation for International Business Administration Accreditation)

Was kostet das Studium?

Die meisten europäischen Programme kosten zwischen 20.0000 und 50.000 Euro. 24 Prozent der deutschen Programme kosten unter 10.000 Euro. Den größten Anteil an den Kosten für das MBA-Studium nehmen die Studiengebühren für die Hochschule ein.

Weitere Informationen:

  • Sieben Mythen: Zeitonline beschäftigt sich mit den Mythen und Versprechungen rund um den MBA.
  • Interview: Christoph Loch, Leiter der Business School der Uni Cambridge, spricht mit dem Karrierespiegel über den MBA.
  • Studie: Entwicklungen und Trends 2013/14 zum Thema MBA-Ausbildung vom Staufenbiel Institut.
  • Ranking: Ein globales Ranking der besten MBA Programme 2014 der Financial Times.

Checkliste: 50 Kriterien für MBA-Studiengänge

Ismagilov/shutterstock.comDiese Liste kann Ihnen die Entscheidung nicht abnehmen und natürlich ist keines der folgenden Kriterien als alleiniges Ausschlusskriterium geeignet. Die Bewertung und Priorisierung der verschiedenen Punkte ist immer von Ihrer individuellen Situation und Zielsetzung abhängig.

Eine Bitte vorab: Auch wenn Sie den dringenden Wunsch verspüren, sich beruflich zu verändern und lieber heute als morgen mit dem MBA-Studium beginnen würden, sollten Sie sich für die Entscheidung Zeit nehmen. Immerhin werden Sie Jahre an Zeit und eine vermutlich nicht ganz niedrige fünfstellige Geldsumme in das Studium investieren. Auf eine Woche mehr oder weniger sollte es bei Ihrer Entscheidungsfindung daher nicht ankommen.

  1. Welches Zertifikat trägt der Studiengang? Wie wird dieses Zertifikat - national und international - bewertet und eingeschätzt?
  2. Welchen Ruf hat der Träger? Wie wird er vor allem von potenziellen Arbeitgebern gesehen?
  3. Wie sehen die sonstigen Studiengänge des Trägers aus? Welche Dozenten sind in den Kursen aktiv?
  4. Wie viele MBA-Studiengänge hat der Träger bereits durchgeführt? Wie viele Studenten haben den Abschluss geschafft?
  5. Ist die Bildungseinrichtung eigenständig oder an einen internationalen Bildungsträger angeschlossen?
  6. Finden Sie Erfahrungsberichte zu Träger und Studiengang? Klingen diese glaubwürdig und authentisch?
  7. Wie fallen diese Erfahrungsberichte tendenziell aus? Ist die Tendenz überzeugend und realistisch oder gibt es auffällig viele übertrieben positive Bewertungen?
  8. Welche Informationen stellt die Einrichtung auf ihrer Homepage zur Verfügung? Werden durch diese alle Ihre Fragen beantwortet?
  9. Ist die klare Ausrichtung auf das MBA-Konzept ersichtlich? Beschreibt das MBA-Konzept die Inhalte und Module klar und fachlich korrekt?
  10. Unterscheidet sich der Studiengang von einem thematisch verwandten Master? Wird deutlich, welchen Vorteil der MBA gegenüber einem ähnlichen Master bietet?
  11. Wie reagiert der Bildungsträger auf Ihre Kontaktaufnahme? Kommt die Reaktion schnell und kompetent oder wird Ihre Anfrage von einem Praktikanten beantwortet?
  12. Können Mitarbeiter des Trägers - bei einem Tag der offenen Tür, telefonisch oder schriftlich - die Unterschiede zwischen einem Master und dem MBA erläutern?
  13. Wie sieht die Reaktion auf (kritische) Nachfragen aus? Bleiben die Antworten auch nach mehreren Nachfragen noch höflich und kompetent?
  14. Ist der Stoffplan einsehbar? Unterscheidet er sich von anderen MBA-Angeboten? Wird der Unterschied zu einem ähnlichen Master deutlich?
  15. Finden sich in den Modulen umfangreiche Management-Elemente wieder? Sind diese auf die tatsächlichen Anforderungen ausgelegt, bieten Sie Ihnen das notwendige Wissen?
  16. Sind die ersichtlichen Lehr- und Lernmittel klar und überzeugend strukturiert? Wie schneiden die Lehr- und Lernmittel im Vergleich mit anderen Angeboten ab?
  17. Wie selbstbestimmt oder vorgegeben sind Lerngeschwindigkeit und Rhythmus? Entspricht die Struktur Ihrem Lerntyp und Ihrer Lernart?
  18. Welche Rolle spielen E-Learning-Elemente im Studiengang? Werden die Möglichkeiten des E-Learnings sinnvoll und effektiv genutzt?
  19. Sind die Dozenten während des Studiums erreich- und ansprechbar? Welche Reaktionszeit werden zugesagt und über welche Kanäle erreichen Sie die Dozenten?
  20. Ist die zeitliche Struktur des Studienganges mit Ihren Arbeitszeiten vereinbar? Gilt das auch für Projektphasen mit hoher Beanspruchung im Job?
  21. Verfügen die Dozenten selbst über praktische Management-Erfahrung? Können Sie diese durch Recherche bestätigen und nachvollziehen?
  22. Wie viele Führungskräfte kommen im Studiengang zu Wort? Kommen diese aus einem Bereich, der mit Ihrer Branche zu tun hat?
  23. Wie hoch ist der Praxisbezug im Lehr- und Modulplan? Weist er Parallelen und Gemeinsamkeiten mit Ihrer beruflichen Ausrichtung auf?
  24. Mit welchen Unternehmen kooperiert der Bildungsträger? Sind diese für Sie als Beispiele und/oder potenzielle Arbeitgeber interessant?
  25. Gibt es Demo-Vorlesungsmaterial? Ist dieses qualitativ hochwertig? Erhalten Sie dadurch einen Eindruck des Kursmaterials?
  26. Finden sich darin umfangreiche Praxisbeispiele? Sind diese wirklich realistisch oder wirken sie ausgedacht und konstruiert?
  27. Wirbt der Bildungsträger mit - unrealistischen - Erfolgs- und Geld-zurück-Garantien? Wie fühlen sich die Versprechen des Bildungsträgers intuitiv für Sie an?
  28. Können Sie Absolventen des Studienganges ausfindig machen? Vermittelt der Bildungsträger diese Kontakte möglicherweise sogar direkt?
  29. Wie klingen deren Erfahrungsberichte? Sind sie vom Studiengang überzeugt und können sie ihn weiterempfehlen?
  30. Kennt Ihr Arbeitgeber den Bildungsträger? Kennt Ihr Chef möglicherweise einzelne Dozenten oder Mitarbeiter, die in den Kursen zur Sprache kommen?
  31. Wie steht Ihr Arbeitgeber grundsätzlich zu Ihrem geplanten MBA-Studium? Wird er Sie dabei unterstützen?
  32. Stellt er Anforderungen an einen Abschluss, damit dieser beispielsweise für eine Beförderung qualifiziert?
  33. Sind Sie sicher, dass ein MBA der richtige Studiengang und Abschluss für Sie ist? Haben Sie thematisch ähnliche Master umfassend geprüft?
  34. Ist Ihr Ziel eine Führungsposition? Wenn ja, bringt Sie de MBA diesem Ziel näher oder könnte ein Master die bessere Wahl sein?
  35. Welche Voraussetzungen müssen Sie für den MBA-Studiengang bei verschiedenen Trägern erfüllen? Unterscheiden sich diese deutlich?
  36. Echte MBA-Studiengänge setzen mehrere Jahre Berufserfahrung voraus. Ist das auch bei Ihren Optionen der Fall? Wenn nicht, wodurch kann Berufserfahrung ersetzt werden?
  37. Wissen Sie, ob und wie der Abschluss Ihres favorisierten Bildungsträgers von Unternehmen anerkannt wird?
  38. Kooperiert möglicherweise einer Ihrer Wunscharbeitgeber mit einem MBA-Anbieter? Kommen möglicherweise sogar Mitarbeiter des Unternehmens in Vorlesungen zur Sprache?
  39. Wollen Sie sich mit dem MBA in Ihrem aktuellen Unternehmen weiterentwickeln oder sich einen neuen Job suchen? Stehen Ihnen mit dem Studium beide Optionen offen?
  40. Fühlen Sie sich persönlich - unabhängig von fachlichen Qualifikationen - einer Führungsaufgabe gewachsen? Wo wollen Sie sich vor einer Führungsaufgabe noch weiterentwickeln?
  41. Warum genau streben Sie einen MBA-Studiengang an? Können Sie Ihre Motivation dafür in einem Satz formulieren?
  42. Ist die Finanzierung Ihres Studienganges gesichert? Haben Sie dabei auch finanzielle Puffer eingeplant, um unvorhergesehene Ereignisse abzufangen?
  43. Beteiligt sich Ihr Arbeitgeber daran? Ist eine Unterstützung in finanzieller und organisatorischer - neue Aufgaben- und Zeitverteilung - möglich?
  44. Sind Ihnen die damit verbundenen Forderungen und Konsequenzen klar? Sind Sie bereit, diesen Preis zu zahlen?
  45. Haben Sie einen - zumindest groben - Karriereplan, in dem Ihr MBA-Studium eine Rolle spielt?
  46. Welche Vorteile könnte Ihnen ein klassisches Master-Studium gegenüber dem MBA bieten?
  47. Haben Sie eine Vorstellung von der Stelle, die Sie mit dem MBA anstreben? Können Sie ein Stellenprofil benennen?
  48. Was ist Ihre Hauptmotivation für das MBA-Studium? Ist diese Motivation von externen Faktoren abhängig?
  49. Haben Sie die Unterstützung Ihres Umfelds für das Studium? Ist diese zuverlässig und tragfähig? Ein MBA-Studium dauert schließlich einige Zeit.
  50. Sind Sie bereit, sich in anderen Lebensbereichen zu Gunsten des Studiums einzuschränken?

Berufsbegleitendes Studium

Weitere Tipps und Informationen für ein berufsbegleitendes Studium finden Sie in den folgenden Artikeln:

[Bildnachweis: Kritchanut, rangizzz, Ismagilov, Rido by Shutterstock.com]