Triales Studium: Ausbildung hoch drei!
Eine Lehre machen, parallel den Meisterbrief und gleichzeitig studieren – das ist unmöglich. Weit gefehlt! Im Trialen Studium ist genau das der Fall: Die studierenden Lehrlinge absolvieren sozusagen eine Ausbildung hoch drei. Damit will das Handwerk den dringend benötigten Führungskräftenachwuchs ausbilden. Das Triale Studium soll Abiturienten anlocken, die mit der Dreifachqualifikation bestens gerüstet ins Berufsleben starten. Theoretisch. Aber ist das zu meistern?

Triales Studium: Alles andere als trivial

Nur wenigen dürfte der Begriff Triales Studium geläufig sein. Nicht weiter verwunderlich, denn die Ausbildung gibt es noch nicht lange und wird auch nur von wenigen Ausbildungsstätten angeboten. Im vergangenen Jahr haben sich 26 junge Menschen für einen Karrierestart im Handwerk über ein Triales Studium entschieden.

Das Besondere: Im Trialen Studium durchläuft der Studierende die Ausbildung zum Gesellen, die Weiterbildung zum Handwerksmeister und das betriebswirtschaftliche Bachelor-Studium "Handwerksmanagement". Nach 4,5 Jahren hält er die drei anerkannten Abschlüsse Gesellenbrief, Meisterbrief und das Zeugnis für den Bachelor of Arts in den Händen. Dadurch sind die fachlichen Voraussetzungen erfüllt, um früh Führungsaufgaben in kleinen und mittelständischen Handwerks-Unternehmen zu übernehmen.

Folgende Berufsgruppen können sich aktuell in einem Trialen Studium ausbilden lassen:

  • Augenoptiker
  • Bäcker
  • Dachdecker
  • Elektrotechniker
  • Feinwerkmechaniker
  • Fliesenleger
  • Friseure
  • Informationstechniker
  • Installateure und Heizungsbauer
  • Karosseriebauer
  • Kraftfahrzeugtechniker
  • Konditoren
  • Maler und Lackierer
  • Maurer und Betonbauer
  • Metallbauer
  • Straßenbauer
  • Tischler
  • Zahntechniker
  • Zweiradmechaniker

Triales Studium: Drei Ausbildungen in 4,5 Jahren - geht das?

Goodluz/shutterstock.comKlingt in der Theorie vielversprechend, aber ist das praktisch umsetzbar? Rein rechnerisch ist der parallele Wissenserwerb für alle drei Abschlüsse in der dafür vorgesehenen Zeit eigentlich kaum zu bewerkstelligen. Der Bachelor beansprucht in der Regel drei Jahre, eine Ausbildung zwei bis drei Jahre und die Meisterausbildung nimmt meist nochmal ein Jahr in Anspruch – und das wohlgemerkt jeweils in Vollzeit.

Wie also kann das Wissen, das andere in sechs Jahren erwerben, im Trialen Studium in etwas mehr als vier Jahren aufgebaut werden? Ganz einfach: Indem Synergieeffekte genutzt werden. Klar: Wer alles hintereinander absolviert, muss vieles doppelt oder gar dreifach lernen. Das fällt beim Trialen Studium weg. Fachliches Know-how wird systematisch aufgebaut und ergänzt – Doppelungen gibt es nicht.

Doch zu beschönigen gibt es auch nichts. Wer sich nach seinem Abitur oder Fachabitur – Letzteres ist für das Triale Studium die Mindestvoraussetzung – für die Dreifachausbildung entscheidet, sollte die entsprechende Motivation mitbringen.

Zuerst muss ein Eignungstest bestanden werden

Denn das Pensum ist nichtsdestotrotz straff: Von montags bis freitags konzentrieren sich die Teilnehmer auf ihre Berufsausbildung. Alle zwei Wochen steht freitags abends und samstags das Studium im Vordergrund. Ergänzt werden diese Termine durch eine einmal wöchentlich stattfindende Online-Vorlesung, die die Teilnehmer von zu Hause aus verfolgen.

Kaum weiter verwunderlich, dass die dreifach-Azubis handverlesen ausgewählt werden. Den Anfang des Auswahlverfahrens macht ein Eignungstest - bestehend aus einem Persönlichkeitsprofil, einem Englischtest und einem Auswahlgespräch. Danach steht dem Einstieg in das Triale Studium nichts mehr im Weg. Oder fast nichts mehr. Denn das Angebot ist noch nicht weit verbreitet.

In Köln und Hannover gibt es das Modell schon etwas länger an der privaten Fachhochschule des Mittelstands. Seit dem Wintersemester bietet auch die Hochschule Niederrhein ein Triales Studium an, wenn auch mit etwas anderen Strukturen. Hier verbringen die Studenten zuerst drei Tage im Betrieb, zwei im Berufskolleg und einen an der Hochschule. Nach dem fünften Semester steht die Gesellenprüfung an. Während des achten und neunten Semesters besuchen sie die Meisterschule. Der Studiengang ist auf fünf Jahre angelegt.

Duales und Triales Studium - Wo liegen die Unterschiede?

bikeriderlondon/shutterstock.comÄhnlich wie das Duale Studium verbindet auch das Triale Studium Theorie und Praxis, Lernen an einer Hochschule und in einem Betrieb. Während man allerdings beim Dualen Studium den Praxisteil auch in der Form eines Praktikums machen kann, ist beim Trialen Studium eine Ausbildung Pflicht. Denn diese ist die zwingende Voraussetzung für den Meisterbrief.

Ein Model, mit dem die Handwerkskammern insbesondere Abiturienten für das Handwerk begeistern wollen. Denn der demografische Wandel führt zu erheblichen Nachwuchssorgen im Führungskräftebereich. Hinzu kommt, dass sich immer mehr Schüler für das Abitur und eine anschließende Ausbildung an einer Hochschule entscheiden. Das macht dem Handwerk weitere Nachwuchskräfte streitig.

Folgende Zahlen verdeutlichen das Dilemma, in dem das Handwerk steckt.

  • 1993 absolvierten noch 208.000 Jugendliche eine handwerkliche Ausbildung.
  • 2013 waren es nur noch rund 139.000.
  • Zum Vergleich: Für ein Studium entschieden sich im selben Jahr rund 509.000 junge Menschen.

Löst das Tripel Studium die Nachwuchssorgen im Handwerk?

Handwerksbetriebe müssen sich aber nicht nur gegen die Konkurrenz der Hochschulen durchsetzen, sondern auch gegen die Industrie und den Handel. Hier begannen im Vergleichszeitraum rund 318.000 junge Menschen eine Ausbildung.

Ob das Triale Studium das Nachwuchsproblem im Handwerk lösen wird, ist fraglich. Um hier repräsentative Aussagen treffen zu können, gibt es das Angebot noch nicht lange genug. Im Jahr 2010 starteten die ersten trialen Studenten ihre berufliche Laufbahn. Doch, dass diese glänzende Berufsaussichten haben, steht mehr als außer Frage. Etwa 200.000 Meister in Deutschland sollen ohne Nachfolger sein.

[Bildnachweis: racorn, Goodluz, bikeriderlondon by Shutterstock.com]