Ich bin kein Freund von Podiumsdiskussionen. Meist sagen die Redner nur, was sie sagen wollen, aber reden nicht – schon gar nicht miteinander. Und dass einer dem anderen zustimmt, passiert schon mal gar nicht. Es bleibt eine akustische Anordnung von Standpunkten. Langweilig.
Ähnlich ist es mit öffentlichen Reden, Präsentationen, schlimmstenfalls mithilfe von Powerpoint. Ich schrieb schon gestern darüber: Auch die bleiben in der Regel langweilig, inspirieren kaum und erinnern allenfalls an Frontalunterricht. Dabei gibt es ein paar ganz leichte Grundregeln für einen überzeugenden Vortrag – die sieben goldenen Gesetze für eine richtig gute Rede:
- Beginnen Sie mit einem Knall, einer Anekdote, einer Pause! Die meisten Zuhörer merken sich nur Auftakt und Schlusspointe eines Vortrags. Deshalb sollten beide sitzen. Wem partout nichts einfällt, sagt den Zuhörern wenigstens, warum das Kommende ihr Leben beeinflussen wird.
- Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche! Eine gelungene Präsentation orientiert sich am Zuhörer, ist deshalb kurz, folgt einem logischen Aufbau und regt zum Mitdenken an: Nicht mehr als zehn Folien, die Schriftgröße nicht kleiner als 30 Punkt und überfrachten Sie die Folien nicht! Die Faustregel: Nicht mehr als vier Worte pro Zeile, nicht mehr als sechs Zeilen pro Seite.
- Hauptsachen in Hauptsätze! Formulieren Sie möglichst keine Relativ- und schon gar keine Schachtelsätze. Überzeugend wirken allein Hauptsätze mit nicht mehr als zehn Wörtern. Wie dieser. Wiederholungen sind erlaubt, sie erhöhen sogar den Merkeffekt beim Zuhörer.
- Betonen Sie Verben! Die meisten Redner legen das Gewicht auf Substantive. Falsch! Verben, insbesondere aktive, regen das Gehirn wesentlich stärker an und machen den Vortrag spannend. Mit Fachvokabeln und Fremdwörtern erreicht man das Gegenteil. Dasselbe gilt für überflüssige Animationen oder überfrachtete Grafiken.
- Erst sagen, dann schreiben! Niemals Folien oder Flipchartblätter nur ablesen! Erstens beleidigt das die Intelligenz der Zuhörer (die können selber lesen); zweitens hört sowieso keiner zu, sondern liest erst einmal. Besser: Die Punkte zuerst verbal erarbeiten, dann notieren.
- Halten Sie Blickkontakt! Laut psychologischen Studien gilt: Wer überzeugen will, muss mindestens 90 Prozent seiner Redezeit Kontakt zum Publikum halten. Der Trick für Schüchterne: knapp über die Menge hinwegsehen. Den Unterschied merkt kein Mensch – Sie müssen nur regelmäßig mit den Augen über alle Kopfe fliegen.
- Der Schluss bleibt haften. Deshalb braucht er etwas Inspirierendes, einen Ausblick, etwas Spektakuläres. Aber keine Zusammenfassung! Selbst eine provokante Frage ist besser als seine Rede ausplätschern zu lassen. Der Rest ist Schweigen.
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Eva Ihnenfeldt
Man sagt ja auch, die Menschen haben weniger Angst vor dem Tod als vor Öffentlicher Rede…
dabei könnte man das so schön schon in der Schule lernen! Ich träume von individuellen kreativen E-learning-Programmen, Social Communities, gemeinsamen Treffen mit den Lehrkräften vormittags in der Schule (klassenübergreifend – nach Neigungen), Teamworking und dem Schulfach: “Die Kunst, interessante Vorträge zu halten”.
Vielleicht hätten dann auch unsere Jungens wieder Spaß am Lernen
derherold
Du hast ja in Deiner blogroll auch Guy Kawasaki – der hat eine schöne Beschreibung über nützliche *Präsentationen* entwickelt.
Jochen Mai
@eva: die schule bedarf ohnehin einer grundlegenden reform. den größten aufreger finde ich allerdings, dass inzwischen die lehrer nach der 4. klasse die laufbahn eines kindes vorherbestimmen mit ihrer entscheidung ob gymnasium, real- oder hauptschule. und das zu einem zeitpunkt, wo überhaupt noch nicht feststeht, welche fähigkeiten und neigungen das kind tatsächlich hat.
@herold: nicht nur das. guy hat so einiges interessantes in seinem blog geschrieben.
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