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Da ist sie endlich - die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Glückwunsch! Ihr Profil und Ihre Motivation haben offenbar überzeugt und neugierig gemacht. Jetzt trennt Sie nur noch eine überzeugende Selbstpräsentation vom ersehnten Traumjob - und eine richtig gute Vorbereitung: Tipps hierfür finden Sie auf der Karrierebibel zuhauf. Doch woran erkennen Sie hinterher, ob das Vorstellungsgespräch gut gelaufen ist? Nicht wenige Bewerber machen sich damit schon im Vorfeld nervös - Fehler!

Horrorgeschichten über den Verlauf des Vorstellungsgesprächs

ollyy/ShutterstockIm Internet, insbesondere in Foren, finden Sie zahlreiche Horrorgeschichten und Legenden um das Vorstellungsgespräch, die meist von Interview-Opfern verbreitet werden. In diesen Erfahrungsberichten mutieren harmlose Personaler regelmäßig zu Monstern, die mit heimtückischen Fragen Bewerber zu entlarven versuchen, um sie böswillig aus dem Rennen um die verdiente Stelle zu werfen.

Das Vorstellungsgespräch wird dabei zu einer Bewährungsprobe, das von Normalsterblichen nur noch mit viel Glück und Nahkampfausbildung zu meistern ist...

Das ist natürlich Blödsinn, von dem Sie sich besser nicht verrückt machen lassen sollten. Natürlich gibt es ebenso inkompetente wie arrogante Personaler aus der Hölle, die meinen, ihre eigene Profilneurose mittels der Macht über Bewerber therapieren zu können. Aber die sind die Ausnahme.

Geschichten aus dem Internet wirken wie ein Negativverstärker: Läuft alles prima, schreiben die wenigsten darüber - sie haben ja den Job (oder wenigstens eine nette Zeit gehabt); treffen sie aber auf eben solche Personalschinder, fühlen sie sich ausgeliefert, ohnmächtig und sinnen auf späte Rache - durch einen anonymen Eintrag in Foren. Die Geschichte kann also durchaus wahr sein, deren Häufigkeit aber spiegelt nicht die tatsächlichen Verhältnisse.

Vorstellungsgespräche sind in der Regel harmlos und mit guter Vorbereitung in allen 5 Phasen gut zu meistern. Damit Sie wissen, worum es wirklich geht, räumen wir zudem heute mit häufigen Mythen und angeblichen Gesprächsmustern auf...

Gut gelaufen? Interview-Mythen, von denen Sie sich besser verabschieden

  1. Im Vorstellungsgespräch muss man Fragen richtig beantworten.

    Wahr ist: Es gibt typische Personaler-Fragen. Dahinter steckt aber kein standardisierter Kanon mit richtigen Antworten als Jobgarantie. Vielmehr geht es um Ihre spezifische Motivation und Erfahrung im Kontext der jeweiligen ausgeschriebenen Stelle. Dazu hilft kein Auswendiglernen. Klassische Frageliste zeigen Ihnen lediglich, welche Themengebiete im Vorstellungsgespräch üblicherweise angesprochen werden und was Personaler mit dieser oder jener Frage in Erfahrung bringen möchten. Richtig oder falsch gibt es dabei nicht, nur authentisch, passend, überzeugend.

  2. Im Vorstellungsgespräch muss ich sofort antworten.

    Falsch! Wer immer wie aus der Pistole geschossen antwortet, gerät in den Verdacht, auswendig gelernt zu haben. Nehmen Sie sich also ruhig etwas Zeit (und Luft), um sich eine passende Antwort zu überlegen. Insbesondere, wenn Sie Ihr Gegenüber kalt erwischt hat. So verhindern Sie, ins Schwimmen zu kommen und sich anschließend um Kopf und Kragen zu reden. Ebenso sollten Sie einfach schweigen, wenn Sie mit Ihrer Antwort fertig sind. Bitte nicht einfach weiterreden, weil Ihr Gesprächspartner (noch) nichts sagt und um die scheinbar unerträgliche Stille zu füllen. Die ist nicht zwingend ein Zeichen dafür, dass der Personaler noch mehr wissen will. Vielleicht braucht auch er einfach nur Zeit, um Ihre Informationen zu verarbeiten. Gönnen Sie ihm Ruhe dafür.

  3. Im Vorstellungsgespräch wird meine Biografie überprüft.

    Selbstverständlich. Aber weniger, um Sie der Lüge zu überführen. Ihr Gegenüber will vor allem herausfinden, ob Sie zum Unternehmen passen und die hierfür erforderlichen Qualifikationen besitzen, die Sie für die neue Stelle brauchen. Deswegen gehen Personaler gerne ins Detail und stellen Fragen zu Ihren bisherigen Aufgaben, Projekten, Positionen. Sie interessiert: Wie haben Sie was gemacht und warum? Und was haben Sie daraus gelernt? Falls etwas unklar oder schwammig ist, fragen sie natürlich nach. Das können Indizien für verborgene Schwachstellen sein (die vielleicht später gefördert werden müssen) oder - da gibt es freilich auch - für Lügengeschichten. Wer hier ins Schwimmen kommt, kassiert deshalb Minuspunkte - oder wird beim Schummeln ertappt. Wer aber bei der Wahrheit bleibt, auch zu seinen Schwächen steht und gute Erklärungen liefert, überzeugt durch Souveränität und Selbstkenntnis.

  4. Im Vorstellungsgespräch weiß der Personaler schon alles.

    Das ist eines der hartnäckigsten Gerüchte: Der Personaler hat Sie gegoogelt, sämtliche sozialen Netzwerke nach verfänglichen Informationen über Sie durchsucht, Regelanfrage beim Verfassungsschutz gestellt, CIA, KGB und Mossad eingeschaltet - das volle Programm... Quatsch! Hat er natürlich nicht. Dafür hat er gar keine Zeit. Durchleuchtet wird allenfalls, wer in der Firma später auf einem prominenten Posten stehen wird und dem Image der Firma mit verborgenen Skandalen schaden kann. Über Sie weiß der Personaler meist nur das, was Sie ihm per Bewerbungsunterlagen mitgeteilt haben. Vielleicht hat er noch mit Ihrem früheren Arbeitgeber telefoniert, Referenzen eingeholt, und sich etwas bei Xing oder Linkedin umgesehen. Aber mehr auch nicht.

  5. Im Vorstellungsgespräch muss ich den Wechselwunsch begründen.

    Das ist richtig. Das heißt aber nicht, dass Sie den alten Arbeitgeber, die Ex-Kollegen und den ehemaligen Chef schlecht reden sollten. Schlimmstenfalls sogar, indem Sie deren Befähigung infrage stellen. Denn Sie profilieren sich, indem Sie andere herabsetzen. Das wäre keine Stärke, sondern soziale Inkompetenz und damit ein Ausschlusskriterium. Wenn Sie bei der Arbeit später genauso agieren, ist der Betriebsfrieden schnell ruiniert. Statt sich über andere zu definieren, betonen Sie lieber Ihre Motivation und passgenauen Stärken. So setzen Sie die entscheidenden Akzente.

  6. Im Vorstellungsgespräch muss ich immer meine Schokoladenseite zeigen.

    Sicher, schlecht reden sollten Sie sich nicht. Aber einen guten ersten Eindruck haben Sie ja schon hinterlassen. Sonst hätte man Sie kaum eingeladen. Falsch liegt also, wer glaubt, jetzt den idealen Kandidaten mimen zu müssen. Denn wer eine Rolle spielt, wirkt garantiert nicht echt und verspielt damit buchstäblich seine Chance auf den Job. Wer hingegen ehrlich und natürlich bleibt, warum er sich genau auf diese Stelle beworben hat, kommt im Jobinterview sympathisch rüber und nimmt sein Gegenüber für sich ein. Darauf kommt es letztlich an: Seien Sie Sie selbst - Sie wollen eingestellt werden, nicht der Typ, den Sie spielen.

Alles halb so wild. Ob Ihr Vorstellungsgespräch gut gelaufen ist, hängt also weniger von solchen Mythen ab. Und überzeugt haben Sie schließlich schon, sonst wären Sie nicht eingeladen worden.

Jetzt geht es ums nähere Kennenlernen. Um die Feststellung, ob die gegenseitigen Erwartungen wirklich erfüllt werden. Dabei wird man Ihnen mit Sympathie und Wohlwollen begegnen - und nicht mit Ablehnung und Misstrauen. Schließlich will man ja auch Sie von der Firma überzeugen und Sie nicht dazu bringen, von einer Anstellung dankend Abstand zu nehmen und hernach schlecht über das Unternehmen zu reden.

Trotzdem gibt es natürlich auch jene Personaler aus der Hölle, die sich in den Foren wiederfinden. Ebenso wie die entsprechenden Bewerber. Beide Spezies zählen aber zu den Ausnahmen. Und wenn Ihnen wirklich Mal so ein Exemplar über den Weg läuft, gibt es nur eins: abhaken - und woanders weiter machen.

Im nächsten Vorstellungsgespräch läuft es dann umso besser.

Wie geht es nach dem Bewerbungsgespräch weiter?

Egal, wie das Vorstellungsgespräch letztlich gelaufen ist: Auch in dieser Wartezeit bis zur Antwort können Sie etwas unternehmen – sei es, um den Vorgang zu Ihren Gunsten zu beeinflussen oder zu beschleunigen. So geht es weiter:

  1. Schicken Sie ein Dankschreiben.

    In Deutschland ist das noch eher selten, aber in den USA halten bereits 39 Prozent der Personaler ein solches Dankschreiben für extrem wichtig, 41 Prozent finden es wichtig. Ein solcher Brief oder auch eine E-Mail hat gleich mehrere Vorzüge: Er hebt von der Masse ab und bietet die Chance, Schiefgelaufenes noch mal gerade zu rücken sowie einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Betonen Sie, dass Sie das Gespräch anregend fanden und jetzt erst recht wissen, wie gut der Job zu Ihnen passt und es Ihren Wunsch erhöht hat, für dieses Unternehmen zu arbeiten. Wiederholen Sie maximal zwei Erkenntnisse des Jobinterviews und beantworten Sie eventuell offene Fragen. Danken Sie für die Zeit und Aufmerksamkeit (falls Sie gemeinsam Essen waren auch dafür), und freuen Sie sich auf eine baldige Antwort. Das alles sollte nicht länger als eine halbe Seite sein.

  2. Klären Sie die Fristen.

    Falls Sie im Jobinterview vergessen haben danach zu fragen, dürfen Sie auch jetzt noch nachhaken, wie lange der Bewerbungsprozess üblicherweise dauert und wann definitiv mit einer Antwort zu rechnen ist. Frühestens drei Werktage nach dem Vorstellungsgespräch können Sie sich telefonisch erkundigen, souveräner wirkt, eine Woche damit zu warten. Am Telefon können Sie natürlich auch noch einmal betonen, wie interessiert Sie an dem Job sind.

  3. Seien Sie enthusiastisch – aber nicht nervig.

    Bei der Bewerbung geht es auch darum, zu beweisen, wie sehr Sie sich in dem Unternehmen engagieren möchten und wie stark Sie sich auf den Job freuen. Diesen Enthusiasmus sollten Sie auch in der Nachphase behalten und möglichst nicht besorgt wirken. Das lässt Sie schnell wie ein Bittsteller aussehen. Allerdings schlägt Engagement leicht in Penetranz um. Und ab da schaden Sie sich nur noch. Bei allem Verständnis für Ihren Eifer, die Neugier und Ungeduld: Übertreiben Sie es nicht. Manche Bewerberauslese dauert eben etwas länger. Das kann an der internen Bürokratie liegen oder daran, dass ein wichtiger Entscheidungsträger krank ist. In diesem Fall hat die Personalabteilung genug zu tun und mag sich nicht auch noch mit drängelnden Bewerbern rumschlagen. Mit Verständnis und Freundlichkeit kommen Sie in der Regel schneller zum Ziel.

  4. Bleiben Sie selbstbewusst.

    Manchmal lassen die Unternehmen allerdings gar nichts mehr von sich hören, kein E-Mail, keine Absage, nichts. Das ist – keine Frage – grob unhöflich und wirft ein negatives Licht auf diesen Arbeitgeber. Spätestens nach zwei Wochen darf man eine Reaktion erwarten – und sei es nur ein Hinweis, dass Sie sich bitte noch gedulden mögen. In diesem Fall dürfen Sie ruhig Selbstbewusstsein dokumentieren und Ihre Position noch einmal erklären, Motto: "Ich bin noch immer sehr an der Position interessiert, wann kann ich mit Ihrer Entscheidung rechnen. Ich spreche inzwischen auch mit anderen interessierten Unternehmen und muss mich denen gegenüber ebenfalls bald entscheiden." Sollten Sie danach immer noch nichts hören, lautet mein Rat: Vergessen Sie den Laden! Offensichtlich eine Gurkentruppe.

  5. Hören Sie sich weiterhin um.

    Alles auf eine Karte zu setzen, wäre töricht. Sie verlieren so nur kostbare Zeit. Auch nach einem (aus Ihrer Sicht) erfolgreichen Vorstellungsgespräch, sollten Sie sich weiterhin umsehen und mögliche Einladungen zu Jobinterviews wahrnehmen. Erstens, weil Sie so die Initiative behalten und zweitens, weil Sie so Ihre Chancen auf einen Traumjob erhöhen.

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