Lesen lernen: 10 Tipps für effektiveres Lesen

Sind Sie ein Bücherwurm? Lesen ist ein beliebtes Hobby und die Auswahl an Autoren, Themen und Genres nahezu unbegrenzt. Doch auch wenn Sie viel lesen, bleibt die Frage: Lesen Sie effektiv? Das Gelesene richtig zu verstehen und – genauso wichtig – langfristig abzuspeichern, erfordert in der Regel Übung. Diese zehn Tipps können dabei helfen, effektiver zu lesen…

Lesen lernen: 10 Tipps für effektiveres Lesen

Lesen lernen: Warum effektiv lesen?

Wenn es ums Lesen geht, hat jeder seinen ganz eigenen Rhythmus. Der eine verschlingt ein Buch in wenigen Stunden, der andere lässt sich eine Woche Zeit. Doch beim effektiven Lesen geht es nicht darum, möglichst schnell zu sein, sondern den Inhalt auch zu verstehen und im Kopf zu behalten.

Um zu verstehen, wann effektives Lesen besondern hilfreich ist, müssen zwei verschiedene Arten des Lesens unterschieden werden:

  • Vergnügen. Wenn Sie für sich privat lesen, ist Effektivität natürlich nicht das Erste, woran Sie denken. Dennoch kann es Ihren Lesespaß erhöhen. Effektives Lesen kann Ihnen durch besseres Verständnis dabei helfen, Ihr Buch noch mehr zu schätzen.
  • Lernen. Wer schon einmal für eine Klausur mehrere Bücher lesen musste, weiß, wie wertvoll und hilfreich effektives Lesen sein kann. Es spart Zeit, Energie und im Falle der Klausurvorbereitung auch viele Nerven.

Nichtleser? So lernen Sie lesen!

lesen lernen Analphabetismus als Karrierehindernis zu bezeichnen, wäre wohl eine maßlose Untertreibung. Ein Dauerzustand muss er aber nicht sein. Auch Erwachsene können lesen und schreiben lernen. Aber wo? Hier einige Anlaufstellen:

Der langjährige Grundschullehrer Wolfgang Heller aus dem hessischen Weilmünster setzt schon früher an. Kinder, die nicht richtig lesen lernen – das muss seiner Meinung nach nicht sein. Dafür hat er einen Crash-Kurs entwickelt, mit dem angeblich jedes Kind lesen lernen kann – in nur fünf Tagen! Sein Hilfsmittel ist das Tieralphabet.

Was kann man tun, um effektiver zu lesen? Hier sind unsere zehn Anregungen:

10 Tipps für effektiveres Lesen

Wenn Sie zu den Lesern gehören, die ein Buch an einem Tag lesen können und es dabei noch schaffen, alles Wichtige zu verstehen und sich zu merken, sind Sie ein wahres Naturtalent. Doch das ist nicht jeder. Doch keine Sorge: Effektives Lesen können Sie lernen. Diese zehn Tipps können Ihnen dabei helfen, Bücher und Texte besser zu verstehen und die Inhalte länger abzuspeichern:

  1. Informieren Sie sich über den Autor

    Für ein tieferes Verständnis Ihrer Lektüre sollten Sie sich Informationen über den Autor ansehen. Das fängt im Klappentext des Buches an, wo Sie oft eine Kurzbiografie finden. Bei tieferem Interesse können Sie aber ruhig weiter recherchieren. Welche Bücher hat der Autor bisher veröffentlicht? Mit welchen Themen hat er sich beschäftigt? Je mehr Sie über den Autor wissen, desto besser werden Sie sein Werk verstehen und einordnen können.

  2. Hinterfragen Sie das Gelesene

    Ein gutes Buch lädt dazu ein, in die Sicht des Autors einzutauchen und sich führen zu lassen. Diese Art des Lesens kann auch ein schönes Erlebnis sein, doch wenn Sie effektiv lesen wollen, benötigen Sie Reflexion. Hinterfragen Sie die Meinungen und Ansichten, die Sie lesen. Stimmen Sie mit dem Autor überein? Falls nein, warum nicht? Durch die Reflexion des Gelesenen vertiefen Sie die Inhalte und werden sich besser daran erinnern. Auch Ihre Meinung werden Sie besser formulieren und begründen können.

  3. Diskutieren Sie in der Gruppe

    Dieses Phänomen ist vielen aus der Schul- oder Studienzeit bekannt: Wer gemeinsam lernt, lernt (oft) besser. Ähnliches gilt auch für das Lesen von Büchern. Nun ist es schwer, gleichzeitig in der Gruppe zu lesen, doch Sie können mit Gleichgesinnten über Bücher diskutieren. Sie können sich beispielsweise einem Buchclub in Ihrer Nähe anschließen oder im Internet nach einem passenden Forum suchen. Der Meinungsaustausch wird Ihnen dabei helfen, neue Sichtweisen und Erkenntnisse zu gewinnen, die Ihnen alleine ansonsten verborgen geblieben wären.

  4. Schreiben Sie auf, was Sie denken

    Wenn Ihnen die Zeit oder Lust fehlt, sich mit anderen über das Gelesene auszutauschen, können Sie Ihre Gedanken auch für sich persönlich aufschreiben. Beispielsweise in Form einer kleinen Buchrezension. Was hat Ihnen gefallen, was hat Sie gestört? Wo widersprechen Sie dem Autor? Sie können auch eine kurze Zusammenfassung des gesamten Buches oder wichtiger Abschnitte zu Papier bringen. Die Hauptsache ist, Sie formulieren Ihre Gedanken aus und beschäftigen sich auch nach dem Lesen noch einmal mit den Kernaussagen des Textes.

  5. Lesen Sie Rezensionen

    Auch Rezensionen, ob professionell oder nicht, können Ihnen eine neue Perspektive verschaffen. Sie können beispielsweise online nach professionellen Kritiken suchen oder die Kommentare anderer Leser studieren. Wenn Sie regelmäßig Rezensionen zu Ihrer Lektüre lesen, werden Sie auch ein effektiveres Leseverhalten entwickeln. Sie lernen, die wichtigsten Aussagen herauszufiltern und zu hinterfragen.

    Schneller lesen: So geht’s!

    Schneller lesen: So geht's!Wenn Sie nicht nur effektiver lesen wollen, sondern gleichzeitig auch die Ihre Lesegeschwindigkeit erhöhen wollen, haben wir zwei weitere Tipps für Sie:

    • Nicht Wort für Wort lesen. Unser Gehirn ist dazu in der Lage, mehrere Wörter auf einmal zu erfassen und auch zu verstehen. Wer einen Text Wort für Wort liest, braucht logischerweise länger als derjenige, der mehrere Wörter gleichzeitig liest. Diese Technik erfordert meistens ein wenig Übung, kann Ihre Lesegeschwindigkeit aber deutlich erhöhen.
    • Schauen Sie nicht zurück. Wenn uns etwas komisch vorkommt oder wir das Gefühl haben, etwas Falsches gelesen zu haben, springen unsere Augen im Satz zurück, um den Fehler zu finden. Versuchen Sie bewusst, dies zu verhindern und weiter zu lesen. Vertrauen Sie darauf, dass Sie den Text bereits beim ersten Mal richtig gelesen und verstanden haben.

    Schneller lesen – hier noch weitere Tipps:

  6. Entspannen Sie sich

    Wenn Sie gestresst oder unter Druck lesen, wird Ihnen nicht viel gelingen. Sie können sich nicht konzentrieren, Ihre Gedanken schweifen ab und von dem, was Sie lesen, bleibt nichts hängen. Versuchen Sie sich daher vor dem Lesen zu entspannen. Schließen Sie beispielsweise für eine Zeit die Augen, atmen Sie bewusst ein und aus oder nehmen Sie ein entspannendes Bad. Mit klarem Kopf fällt das Lesen gleich leichter.

  7. Machen Sie sich Notizen im Buch

    Dies erfordert natürlich, dass es sich um Ihr Buch handelt und Sie wild Notizen machen können, ohne Ärger mit der Bibliothek zu bekommen. Der Vorteil daran: Sie halten während des Lesens kurz inne, fassen wichtige Gedanken in Worte und schreiben Sie direkt auf. So verinnerlichen Sie den Punkt, ohne die Chance zuzulassen, etwas zu vergessen. Außerdem haben Sie die Textstelle, auf die Sie sich beziehen, direkt zur Hand.

  8. Nutzen Sie die Schwarm-Strategie

    Der Medienstratege und Autor Ryan Holiday machte diese Art des Lesens bekannt. Der Kernpunkt der Schwarm-Strategie ist es, ein Thema nicht nur von einer einzelnen Seite aus zu betrachten. Um das Themengebiet zu verstehen, muss man es aus verschiedenen Blickwinkeln unter die Lupe nehmen. Das Thema Marketing lässt sich beispielsweise nicht durch ein einzelnes Buch erarbeiten. Es gibt viele, teils widersprüchliche, Ansichten, die alle eine Betrachtung verdienen.

  9. Schlagen Sie wichtige Dinge nach

    Wer viel liest, kommt früher oder später an einen Punkt, wo er etwas nicht versteht. Ein Fremdwort, ein Konzept oder eine Redewendung – niemand kann alles wissen. Nehmen Sie sich daher die Zeit, diese Dinge nachzuschlagen, um Sie wirklich zu begreifen. Gleiches gilt, wenn beispielsweise in einem historischen Kontext von Personen oder Orten die Rede ist, die Sie nicht zuordnen können. Je genauer Ihre Informationen sind, desto besser werden Sie sich die Inhalte auch verstehen.

  10. Lesen Sie jeden Tag

    Der vielleicht offensichtlichste Tipp für effektiveres Lesen, doch leider auch schwer umzusetzen. Wir alle würden gerne mehr lesen, doch im Alltag fehlt oft die Zeit. Um jeden Tag zu lesen, muss es zu einer festen Gewohnheit werden. Gerade am Anfang ist das schwer. Tragen Sie daher immer ein Buch mit sich. Lesen Sie in der Pause, in der Bahn oder während Sie auf den Bus warten. Auch regelmäßige Zeiten können helfen. Sie können beispielsweise jeden Abend vor dem Schlafen eine halbe Stunde lesen.

Lesen lernen: Es krempelt sogar unser Gehirn um

Lesen lesen krempelt unser Gehirn um Folgt man der Studie der Universität Hamburg von 2011, dann sind 14 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland zwischen 18 und 64 Jahren funktionale Analphabeten. Das heißt, sie können nur einzelne Sätze lesen und schreiben. Das entspräche rund 7,5 Millionen Menschen. Für sie aber gilt: Es ist nie zu spät, Lesen zu lernen!

Ein internationales Forscherteam der Max-Planck-Institute hat im Rahmen einer Studie in Indien Frauen zwischen 24 und 40 Jahren untersucht, die allesamt kein einziges Wort ihrer Muttersprache, Hindi, entziffern konnten und nun lesen und schreiben lernen sollten. Nach nur sechs Monaten hatten die Teilnehmerinnen ein Lese-Niveau erreicht, das mit dem von Erstklässlerinnen vergleichbar ist. „Dieser Wissenszuwachs ist bemerkenswert“, so Studienleiter Falk Huettig vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik. „Obwohl es für uns als Erwachsene sehr schwierig ist, eine neue Sprache zu lernen, scheint für das Lesen anderes zu gelten. Das erwachsene Gehirn stellt hier seine Formbarkeit eindrucksvoll unter Beweis.“

So würden durch den Lernprozess – anders, als bisher angenommen – tiefgreifende Umstrukturierungen im Gehirn in Gang gesetzt, die bis in den Thalamus und den Hirnstamm reichen. Das Gehirn wird geradezu ummodelliert. Man könnte auch sagen: recycelt. Hirnareale, die die Evolution für die Erkennung komplexer Objekte wie Gesichter vorgesehen hatte, werden nun durch die Fähigkeit besetzt, Buchstaben in Sprache zu übertragen. Dadurch entwickeln sich einige Regionen unseres visuellen Systems zu Schnittstellen zwischen Seh- und Sprachsystem.

Die Forscher gehen davon aus, dass die einzelnen Hirnsysteme umso besser zusammenarbeiten, je besser die schriftsprachlichen Fähigkeiten ausgeprägt sind. „Auf diese Weise können geübte Leser vermutlich effizienter durch Texte navigieren„, so Neuropsychologe Michael Skeide, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig.

Auch werfen die Erkenntnisse ein neues Licht auf mögliche Ursachen der Lese-Rechtschreib-Störung (LRS). Bisher galten Fehlfunktionen des Thalamus als eine mögliche angeborene Ursache. „Da wir nun wissen, dass sich der Thalamus bereits nach wenigen Monaten Lesetrainings so grundlegend verändern kann, muss diese Hypothese neu hinterfragt werden“, meint Skeide.

So sei denkbar, dass Menschen mit Lese-Rechtschreib-Störung nur deshalb Auffälligkeiten im Thalamus zeigen, weil ihr visuelles System weniger trainiert ist. Das wiederum würde bedeuten, dass diese Auffälligkeiten im Thalamus nur dann als angeborene Ursache infrage kommen, wenn sie sich schon vor der Einschulung bemerkbar machen.

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3. Juni 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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