Internes Vorstellungsgespräch: Was ist anders?
Ein internes Vorstellungsgespräch unterscheidet sich gleich in mehreren Punkten von einem externen. Die wichtigste Besonderheit ist: Alle kennen sich bereits. Ihr Lebenslauf, Ihre Leistungen und Arbeitsweise sowie das bisherige Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden ist bekannt und teilweise in der Personalakte dokumentiert.
Deshalb liegt der Fokus im internen Vorstellungsgespräch umso mehr auf Ihrer beruflichen Entwicklung und dem Potenzial, das Sie mitbringen. Die bisherige Rolle und Position dient dazu als Referenz – positiv wie negativ. Personaler interessieren und konzentrieren sich im Jobinterview dann vor allem auf:
- Die Motivation für den Jobwechsel
- Die persönliche Vorbereitung darauf
- Erforderliche Zusatzqualifikationen
- Den Mehrwert für die neue Position
- Den geplanten Umgang mit den neuen Aufgaben
- Die Übernahme von Verantwortung
Rechnen Sie also damit, dass im internen Interview weniger Standardfragen gestellt werden, sondern vor allem praxisnahe uns situations- bzw. verhaltensbezogene Szenarien abgeklopft werden. Auch frühere Schwächen oder Misserfolge werden dabei schonmal unverblümt angesprochen. Hierfür sollten Sie sich unbedingt vorab reflektierte Antworten überlegen und eine klare Wechselmotivation formulieren – ohne die aktuelle Stelle schlechtzureden!
Vorstellungsgespräch intern: Nicht auf die leichte Schulter nehmen!
Das interne Vorstellungsgespräch verführt manche zu einer allzu lockeren Haltung, Motto: „Ich bin ja schon drin, meine Reputation wird reichen.“ Riesenfehler! Wer zu selbstbewusst und deshalb arrogant auftritt, disqualifiziert sich bereits im Ansatz. Eine zu defensive Haltung schadet aber genauso. Nicht zuletzt kann eine interne Absage, sogar das eigene Image beschädigen („nicht gut genug“).
Bleiben Sie deshalb auch im internen Bewerbungsprozess genauso professionell, leistungs- und lösungsorientiert wie bei einer externen Bewerbung und nehmen Sie das interne Bewerbungsgespräch zu keinem Zeitpunkt auf die leichte Schulter. Idealerweise bringen Sie gleich konkrete Ideen für die neue Rolle mit.
Wie bereite ich mich auf ein internes Bewerbungsgespräch vor?
Auch ein internes Gespräch ist mit einigem Aufwand bei der Vorstellungsgespräch Vorbereitung verbunden. Gleichzeitig erwarten Sie dort ein paar besondere Hürden und potenzielle Bewerbungsfallen:
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Der bisherige Chef ist nicht erfreut
Wenn Sie zu den Leistungsträgern im Team gehören, stellt Ihre Bewerbung für den aktuellen Chef einen erheblichen Verlust dar. Sollte es keinen Ersatz geben, reagiert mancher Vorgesetzte darauf mit gebremster Unterstützung. Manche werden Ihnen sogar bürokratische Steine in den Weg legen. Um das Problem frühzeitig zu lösen, müssen Sie zuerst versuchen, einen geeigneten und vollwertigen Nachfolger zu finden oder zu empfehlen.
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Die Konkurrenz ist groß
Wer denkt, beim internen Vorstellungsgespräch gäbe es weniger Konkurrenz, irrt gewaltig. Personaler können interne Kandidaten besonders gut miteinander vergleichen. Überlegen Sie sich also, wer Ihre internen Mitbewerber sein könnten und was Sie besser machen als diese. Gerade attraktive Stellen sind heiß begehrt. Zudem wissen Sie nie, ob es nicht bereits Favoriten für die Stelle – interne wie externe – gibt. Wird die Stelle gleichzeitig extern ausgeschrieben, müssen Sie sich gegen eine noch größere Konkurrenz durchsetzen.
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Sie müssen anderes bieten als bisher
Der größte Fehler interner Bewerber ist, dass sie sich auf bisherige Erfolge und Leistungen verlassen. Tatsächlich aber bedeutet ein neuer Job auch neue Herausforderungen und Fähigkeiten. Hierbei hilft es wenig, wenn Sie bisher in einem ganz anderen Bereich punkten konnten. Zwar können Sie mit Projekterfahrungen und Teamqualifikationen überzeugen. Mehr aber noch müssen Sie beweisen, auch den neuen Job meistern zu können und sich darauf optimal vorbereitet zu haben. Etwa durch Fortbildungen.
Bei jedem internen Vorstellungsgespräch findet ein neuer Auswahlprozess statt, auf den Sie sich intensiv und gewissenhaft vorbereiten sollten. Konzentrieren Sie sich unbedingt auf jene Stärken, die für die neue Stelle relevant sind – und gehen Sie nicht davon aus, dass Ihre Betriebszugehörigkeit und Loyalität allein den Ausschlag geben.
Mit welchen Fragen muss ich im internen Interview rechnen?
In einem internen Vorstellungsgespräch sind die Fragen meist konkreter, persönlicher und leistungsbezogener als bei externen Bewerbungen. Folgende Fragen werden aus unserer Erfahrung besonders häufig gestellt (in Du-Form, weil sich viele Mitarbeiter intern duzen):
- Warum möchtest du intern wechseln?
- Was reizt dich konkret an dieser Position?
- Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt?
- Was fehlt dir im aktuellen Job – und was suchst du stattdessen?
- Wie passt diese neue Stelle zu deinen langfristigen Zielen?
- Was waren deine größten Erfolge in den vergangenen 12 Monaten?
- Welche Projekte oder Erfolge qualifizieren dich für diese Position?
- Wo siehst du fachliche Lücken – und wie willst du sie schließen?
- Wo siehst du selbst deine größten Entwicklungsfelder?
- Wie würdest du typische Herausforderungen dieser Rolle angehen?
- Wie reagierst du, wenn ehemalige Kollegen deine Entscheidungen infrage stellen?
- Wie stellst du dir die Zusammenarbeit mit dem neuen Team vor?
- Wie organisierst du eine saubere Übergabe?
- Was erwartest du von deiner neuen Führungskraft?
- Woran würdest du nach 3-6 Monaten deinen Erfolg messen?
- Was brauchst du, um in der Rolle erfolgreich zu sein?
Bei Ihren Antworten können Sie sich gleichzeitig an der sogenannten STAR-Methode orientieren. Hierbei nennen Sie 1-2 starke Praxisbeispiele immer nach dem Muster: Situation – Aufgabe – Handlung – Ergebnis.
Wie läuft ein internes Vorstellungsgespräch ab?
Der genaue Vorstellungsgespräch Ablauf hängt maßgeblich von der Position ab, die Sie anstreben. Je höher diese in der Hierarchie angesiedelt ist, desto eher müssen Sie mit mehreren Auswahlrunden und -gesprächen oder gar einem Assessment Center rechnen. Siehe auch unsere Tipps zum zweiten Vorstellungsgespräch.
Handelt es sich dagegen um ein reguläres Interview besteht dies in der Regel aus sieben Phasen inklusive Vor- und Nachbereitung. Das eigentliche Jobinterview dagegen hat meist nur fünf Gesprächsphasen:
Eine gründliche Vorstellungsgespräch Vorbereitung macht schon 60 % des Joberfolgs aus. Dazu gehört, dass Sie sich nochmal über das Unternehmen, dessen Hintergrund, Markt, Werte und Produkte informieren sowie Hintergründe zu den Anwesenden recherchieren. Bereiten Sie sich ebenfalls auf unterschiedliche Formate vor, und üben Sie Ihre Selbstpräsentation sowie Antworten auf typische Fragen. Trainieren Sie zusätzlich Ihre Körpersprache, wählen Sie am Tag selbst ein angemessenes Outfit und planen Sie eine pünktliche Anreise.
Die Begrüßung prägt den ersten Eindruck nachhaltig. Stellen Sie sich hierzu mit Vor- und Nachnamen vor, lächeln Sie und halten Sie dabei Blickkontakt zu Ihrem Gegenüber. Ein kräftiger Händedruck vermittelt Selbstsicherheit. Danach folgt meist noch kurzer Smalltalk. Wichtig ist, dass Sie dabei nie jammern oder über die Anreise klagen. Immer positiv bleiben – und erst setzen, wenn man Ihnen einen Platz anbietet.
Die kurze Selbstvorstellung sollte nie länger als 3-5 Minuten dauern und ist grundsätzlich ein freier Vortrag – nie ablesen! Sprechen Sie hierbei lebhaft und zeigen Sie Energie und Körperspannung. Bleiben Sie fokussiert und sachlich und betonen Sie zu mehr 60 % wichtige Qualifikationen, Erfahrungen oder Alleinstellungsmerkmale – ohne nur den Lebenslauf zu wiederholen. Aufgebaut wird die Selbstpräsentation idealerweise nach dem Muster: „Ich bin – ich kann – ich will“.
Das Vorstellungsgespräch dient in erster Linie zum gegenseitigen Kennenlernen. Dazu stellen Personaler viele unterschiedliche Fragen. Hören Sie aufmerksam zu und machen Sie sich ruhig Notizen. Bleiben Sie bei Ihren Antworten unbedingt ehrlich und authentisch und erzeugen Sie keine Widersprüche zum Lebenslauf. Erklären Sie eine mögliche Wechselmotivation, ohne sich zur rechtfertigen und schaffen Sie bei den Antworten einen möglichst starken Unternehmensbezug. Genannte Stärken sollten für die angestrebte Stelle relevant sein (Beispiele nennen!); mit Schwächen gehen Sie wiederum stets reflektiert und konstruktiv um. Reagieren Sie auf Stressfragen stets souverän und gelassen. Und wenn Sie nicht sofort eine Antwort wissen, bitten Sie ruhig um Bedenkzeit.
Haben Sie immer 2-3 Rückfragen – oder mehr. Nutzen Sie eigene Fragen, um mehr über die Erwartungen des Unternehmens zu erfahren und überlegen Sie sich Fragen zu Entwicklungsperspektiven, z.B: „Wie definieren Sie Erfolg für diese Position?“, „Was erwarten Sie von einem idealen Kandidaten?“, „Was zeichnet Ihre besten Mitarbeiter aus?“ Ebenso können Sie bei den Rückfragen auf Ihre Notizen eingehen. Tabu sind jedoch Fragen zu Urlaub, Benefits oder Überstunden – wirkt nicht motiviert. Stellen Sie auch keine „dummen Fragen“, die Sie hätten vorher recherchieren können.
Bedanken Sie sich am Ende für das angenehme Gespräch und sprechen Sie alle Anwesenden nochmal mit Namen an. Verabschieden Sie sich höflich und professionell und werden Sie dabei nicht hektisch – Sie fliehen nicht! Fragen Sie noch nach den weiteren Schritten oder wann Sie mit einer Entscheidung rechnen können. Danach verlassen Sie das Gebäude und sind nett zu allen (!) Mitarbeitern – auch dem Pförtner!
Reflektieren Sie in der Vorstellungsgespräch Nachbereitung das Jobinterview zeitnah und lernen Sie daraus, was Sie zukünftig besser machen können. Überlegen Sie, ob Sie den Job weiterhin wollen und wenn ja: Schicken Sie ein Dankschreiben nach 24-48 Stunden – oder ziehen Sie Ihre Bewerbung zurück. Falls Sie nichts mehr hören: Frühestens nach 2-3 Wochen dürfen Sie nachfassen. Ansonsten bleiben Sie bitte weiterhin aktiv auf Jobsuche und informieren Sie sich über weitere Stellenangebote!
Perfekt aufs Vorstellungsgespräch vorbereiten!
Meistern Sie die letzte Hürde vor dem Traumjob: das Vorstellungsgespräch. Unser Interviewtraining (8 Module, 3 Stunden Videos + Zusatzmaterial) hat schon mehr als 1000 Bewerberinnen und Bewerbern geholfen, alle 7 Phasen und Fragen zu knacken:
Vorstellungsgespräch intern: Worauf muss ich achten?
Aus einer früheren Jobsuche haben Sie vielleicht noch die ein oder andere Erfahrung mit Vorstellungsgesprächen. Perfekt vorbereiten können Sie immer:
- Ihre Selbstpräsentation
- Typische Vorstellungsgespräch Fragen
- Eigene, kluge Rückfragen
Darüber hinaus empfehlen wir für ein internes Vorstellungsgespräch folgende Tipps und Strategien, um Ihre Bewerbungschancen zu steigern:
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Gewinnen Sie Ihren bisherigen Chef
Ihr aktueller Chef ist ein wichtiger und mächtiger Fürsprecher bei einer internen Bewerbung. Diesen sollten Sie vorab unbedingt mit ins Boot holen und für Ihre beruflichen Pläne gewinnen. Idealerweise unterstützen Sie ihn bei der Suche nach einem Nachfolger und sorgen für eine reibungslose Übergabe. Eine Empfehlung von der jetzigen Führungskraft kann viele Türen öffnen.
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Aktivieren Sie Ihr Netzwerk
Bevor Sie in das interne Vorstellungsgespräch gehen, machen Sie Ihre Hausaufgaben! Bedeutet: Gehen Sie über die interne Stellenausschreibung hinaus und recherchieren Sie relevante Informationen in der neuen Abteilung. Fragen Sie z.B. künftige Kollegen, worin die aktuellen Herausforderungen liegen und was von der Besetzung erwartet wird. Je mehr Einblicke Sie erhalten, desto gezielter können Sie Argumente für das Gespräch finden.
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Bleiben Sie diskret
Hängen Sie Ihren internen Wechsel jedoch nicht an die allzu große Glocke und weihen Sie so wenig Personen wie nötig ein. Nachforschungen können Sie auch diskret und unauffällig betreiben, etwa beim Smalltalk in der Mittagspause. Sollten Sie abgelehnt werden, wollen Sie keinen Klatsch und Tratsch riskieren.
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Erzählen Sie nicht zu viel
Natürlich sollten Sie Ihre bisherigen Erfolge betonen und über Ihre Leistungen sprechen. Plaudern Sie aber nicht zu viele Interna aus der Abteilung aus. Lästereien sind ein absolutes No-Go. Auch beim internen Vorstellungsgespräch müssen Sie professionell bleiben und sollten nur wirklich Relevantes ansprechen. Klatschtanten disqualifizieren sich sofort.
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Belegen Sie gefragte Kompetenzen
Wer eine Beförderung anstrebt, sollte bereits wichtige Zusatzqualifikationen mitbringen – entweder aus bisherigen Aufgaben und Projekten oder aus selbst finanzierten Weiterbildungen. Letztere sind für Personaler ein starkes Indiz für eine hohe Motivation und ausgeprägte Eigeninitiative. Erforderliche soziale Kompetenzen können Sie aber genauso durch Sport, Ehrenamt oder Hobbys nachweisen. Wichtig ist nur, dass Sie diese immer mit praktischen Beispielen belegen. Behaupten lässt sich sonst vieles.
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Beweisen Sie Ihre Entwicklung
Ihre Motivation ist bei der internen Bewerbung oft ausschlaggebend. Diese sollte stets eine sogenannte Hin-zu-Motivation sein. Bedeutet: Ihr bisheriger Lebenslauf und die interne Laufbahn stellen eine zielgerichtete Entwicklung „hin zu“ dieser neuen Position dar. Die Stelle, auf die Sie sich bewerben, sollte eine logische Folge dieser Entwicklung sein, mit der Ihr Arbeitgeber noch mehr von Ihnen profitiert.
Tipps zur Vorbereitung
Tipps für das interne Gespräch
Was sind die größten Fehler beim internen Vorstellungsgespräch?
Auch im internen Vorstellungsgesprächen lauern einige Fallstricke und Fehler, die Sie möglichst vermeiden sollten, etwa:
- Zu knappe Vorbereitung und deshalb keine überzeugende Argumentation für die neue Rolle.
- Eigene Erfolge, Motivation und der Mehrwert für das Unternehmen nicht klar strukturieren.
- Klagen oder negative Aussagen über aktuelle Aufgaben, das Team oder die Führung.
- Eigene Schwächen ignorieren oder beschönigen statt reale Entwicklungsfelder zu benennen.
- Heikle Themen nicht aktiv und reflektiert ansprechen.
- Vage Aussagen zur Entwicklung, Lernkurve und dem nächsten Karriereschritt.
- Fehlende Ideen und Impulse für die neue Position und die ersten Monate.
- Naiv über den Macht- und Rollenwechsel und damit verbundene Herausforderungen sprechen.
- Sich als sofort voll einsatzfähig darstellen, statt Einarbeitung zu skizzieren.
- Zu früh oder aggressiv über das neue Gehalt verhandeln.
- Ungeduldig werden, drängeln und das interne Timing nicht abwarten.
Intern heißt häufig nicht „einfacher“, sondern persönlicher und oftmals auch tiefgehender. Beim internen Wechsel bewerten Personalverantwortliche nicht nur Ihr bisheriges Können, sondern auch vor allem Ihre Reife und Ihr Potenzial. Versuchen Sie auch darauf stets einzugehen. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim internen Bewerbungsgespräch!
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