Ausbeutung englisch Ausbeutung Arbeit Ausbeutung am Arbeitsplatz
Der ein oder andere Gefallen am Arbeitsplatz trägt zu einer besseren Arbeitsatmosphäre bei, sorgt für ein stärkeres Teamgefühl und kann sogar dazu beitragen, gemeinsam bessere Leistungen zu erbringen. Wird es aber immer mehr zur Regel, dass unliebsame Aufgaben bei den Kollegen abgeladen werden, ist die Grenze zwischen einem Gefallen und böswilliger Ausbeutung schnell überschritten. Haben Sie es aber erst einmal so weit kommen lassen, ist der Weg zurück besonders steinig. Um die Kollegen oder auch den Chef in die Schranken zu weisen, ist Vorbeugung daher die beste Strategie. Welche Mitarbeiter besonders häufig zum Opfer von Ausbeutung werden, woran Sie diese erkennen und wie Sie die Ausbeutung am Arbeitsplatz stoppen...

Was ist Ausbeutung?

Ausbeutung englisch Ausbeutung Arbeit Ausbeutung Synonym Ausbeutung anderes WortDer Begriff Ausbeutung (englisch exploitation) hat verschiedene Bedeutungen und bezeichnet zunächst einmal die Gewinnung, Förderung oder auch Nutzbarmachung, vor allem von Rohstoffen und materiellen Ressourcen.

Nebendem wird der Begriff allerdings vor allem in seiner negativen Bedeutung benutzt, weitere Synonyme für Ausbeutung sind dann:

  • Ausbeuterei
  • Aufbrauchung
  • Ausnutzung
  • Ausplünderung
  • Auspressung
  • Sklaverei
  • Wucher

Seit Marx' Kritik der politischen Ökonomie und Geschichts- und Gesellschaftstheorie wird unter Ausbeutung vor allem die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen verstanden.

Auch 150 Jahre nach Erscheinen von Marx Schrift lässt sich die rücksichtslose Ausnutzung von Mensch und Natur beobachten. Regelmäßig ist von Skandalen die Rede, vornehmlich in Entwicklungsländern, wo Arbeitnehmerschutz kaum eine Rolle spielt und Industriestaaten ihre moralischen Verpflichtungen vergessen.

Marx' Kritik an der unvergüteten Aneignung fremder Arbeitskraft ist also nach wie vor aktuell. Glücklicherweise ist hierzulande Ausbeutung nicht mit derart menschenunwürdigen Bedingungen verknüpft, die Rechte und Interessen der Arbeitnehmer durch Gesetze und Gewerkschaften gestärkt.

Ausbeutung am Arbeitsplatz: Wer wird zum Opfer?

Dennoch gibt es auch hier Formen von Ausbeutung. Vorneweg: Es kann am Arbeitsplatz wirklich jeden Mitarbeiter treffen. Schneller als einem lieb ist, kommen immer mehr Kollegen und bitten um die Hilfe bei einer Aufgabe oder fragen nach, ob man am Wochenende nicht für Sie einspringen kann.

Gerade wenn es der Chef ist, der mit dem ein oder anderen Extrawunsch ankommt, lassen sich die meisten Mitarbeiter schnell überreden, auch gegen den eigenen Willen eine zusätzliche Aufgabe zu übernehmen.

Doch auch wenn grundsätzlich jeder zum Opfer von Ausbeutung am Arbeitsplatz werden kann, finden sich einige Mitarbeiter häufiger in dieser Situation wieder:

  • Neue Mitarbeiter

    Wer als neues Mitglied in ein bereits bestehendes Team kommt, hat oft das Gefühl, er müsste den anderen etwas beweisen. Deshalb werden bereitwillig alle Aufgaben von Kollegen übernommen, ohne zu bemerken, dass die Grenze zur Ausbeutung bereits lange überschritten ist.

  • Freundliche Mitarbeiter

    Freundlichkeit kann den Arbeitstag verschönern, aber sie kann leider auch ausgenutzt werden. Besonders freundliche Mitarbeiter kommen oft in die Situation, von ihren Kollegen um Hilfe gebeten zu werden und diesen Wunsch nicht abschlagen zu können.

Das Problem: Schnell haben betroffene Mitarbeiter bei der gesamten Belegschaft den Ruf, eine leichte Beute zu sein und so kommen immer mehr Anfragen und Bitten. Um die ständige Ausbeutung in den Griff zu bekommen, sollten Sie möglichst früh etwas dagegen unternehmen.

Wie zeigt sich Ausbeutung am Arbeitsplatz?

Wenn von Ausbeutung am Arbeitsplatz die Rede ist, denken die meisten Arbeitnehmer im ersten Moment an Aufgaben, die von Kollegen übernommen werden. Dies ist sicherlich der größte Teil, doch wo hört ein Gefallen auf und wo fängt Ausbeutung an? Anzeichen, dass Sie im Job ausgenutzt werden:

  • Die Bitten werden immer größer. Der Anfang ist meist schnell gemacht. Könntest du vielleicht kurz... oder Hast du gerade ein paar Minuten? Vorsichtig werden sollten Sie, wenn die Aufgaben, die Sie übernehmen sollen, immer größer werden und aus den paar Minuten auf einmal mehrere Überstunden geworden sind.
  • Mehrere Kollegen beteiligen sich. Kaum jemand kann dem netten Büronachbarn einen kleinen Gefallen abschlagen, doch kommt nach und nach die gesamte Abteilung zu Ihnen, wird es Zeit, dass Sie etwas dagegen unternehmen.
  • Es beruht nicht auf Gegenseitigkeit. Ein Kollege, der Sie um einen Gefallen bittet, will Sie nicht automatisch ausnutzen. Der entscheidende Faktor ist die Gegenseitigkeit. Solange der Kollege Ihnen bei Bedarf auch zur Hilfe kommt, brauchen Sie keine Angst haben, ausgenutzt zu werden.

Symptome durch Ausbeutung

Die Symptome infolge von Ausbeutung sind vielfältig und individuell vom Maß der Ausbeutung abhängig. Denkbar sind psychische Probleme, körperliche und auch soziale. Sollten Sie die im Folgenden aufgelisteten Beschreibungen bei sich beobachten, ist es wichtig dies ernst zu nehmen, da sie auf einen Burnout hinweisen können.

  • Psychische Symptome

    • Sie können nicht mehr abschalten.
    • Ihnen wird alles zu viel.
    • Sie fühlen sich leer.
    • Sie haben Konzentrationsschwierigkeiten.
    • Sie machen sich viele Sorgen.
    • Sie haben Ängste.
  • Körperliche Symptome

    • Sie haben Schlafstörungen.
    • Sie fühlen sich schnell erschöpft.
    • Sie haben Kopfschmerzen/Rückenschmerzen/Herz-Kreislauf-Probleme.
    • Sie putschen sich mit Medikamenten auf, um Ihre Arbeit zu schaffen.
    • Sie nehmen Medikamente, um Ihre körperlichen Beschwerden zu unterdrücken.
    • Sie entspannen sich häufiger mit Alkohol.
  • Soziale Symptome

    • Sie fühlen sich ständig angespannt und gereizt.
    • Sie haben den Eindruck, im Job zunehmend isoliert und allein zu sein.
    • Sie werden neuerdings schnell laut und aggressiv.
    • Andere bemerken Veränderungen an Ihnen.
    • Sie haben kaum noch Zeit für soziale Kontakte.
    • Sie gehen kaum Hobbys oder Interessen nach.

Ausbeutung durch Arbeitgeber: Wenn der Chef nicht locker lässt

Ausbeutung durch Arbeitgeber Ausbeutung am Arbeitsplatz Ausbeutung der Arbeitskraft Ausbeutung ZeitarbeitWas aber tun, wenn der eigene Chef Sie ausbeutet? Es ist nicht immer eine Frage von nicht nein sagen können, oftmals stehen existenzielle Ängste dahinter. Viele Arbeitnehmer fürchten schlicht um ihren Arbeitsplatz - sind vielleicht noch in der Probezeit oder dringend auf die Stelle angewiesen.

Gerade wenn kein Betriebsrat existiert und ganz selbstverständlich Überstunden und/oder zusätzliche Einsatzbereitschaft am Wochenende erwartet wird, fällt es Arbeitnehmern schwer etwas zu unternehmen. Die Furcht vor Arbeitslosigkeit im Falle einer Kündigung ist verständlich.

Allerdings sollten Sie Ihre Rechte und Möglichkeiten kennen:

  • Wer in einem Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern arbeitet, genießt Kündigungsschutz, das heißt, Ihr Arbeitgeber kann Sie nicht einfach willkürlich kündigen, nur weil Sie eine rechtmäßige Beschwerde vortragen.
  • Am besten ist es natürlich, Sie suchen sich auf der Arbeit Verbündete. Gibt es in Ihrem Unternehmen fünf wahlberechtigte Arbeitnehmer, können Sie einen Betriebsrat gründen. Dazu sollten Sie die jeweilige Gewerkschaft kontaktieren und sich in das Betriebsverfassungsgesetz einlesen.
  • Es bleibt Ihnen immer noch die Möglichkeit einer anonymen Anzeige beim Amt für Arbeitsschutz oder dem Gewerbeaufsichtsamt. Denn gemäß Arbeitszeitgesetz steht Ihnen ein Ausgleich für Überstunden zu - anderenfalls sind maximal acht Stunden pro Tag erlaubt.

Ausbeutung: Wie können Sie diese stoppen?

Brian A Jackson/shutterstock.comDie Initiative der Ausbeutung geht immer von einer Seite aus. Doch auf der andere Seite muss sich auch immer jemand finden, der sich nicht dagegen wehrt.

Leider fällt es vielen Arbeitnehmer schwer, genau das zu tun. Aus Unsicherheit oder auch übertriebenem Pflichtbewusstsein wird den Kollegen jeder Wunsch erfüllt, bis man selbst an seine Belastungsgrenze gekommen ist.

Die gute Nachricht: Sie können selbst dazu beitragen, dass es gar nicht erst soweit kommt. Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei, Ausbeutung am Arbeitsplatz zu stoppen.

  1. Betrachten Sie Ihre Situation

    Bevor Sie das nächste Mal voreilig einem Gefallen zustimmen, fragen Sie sich zunächst, ob Sie überhaupt die nötige Zeit und Energie haben, um zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Wenn Ihr Terminkalender und Ihre To-do-Liste bereits prall gefüllt sind, sollten Sie lieber noch einmal darüber nachdenken, ob weitere Aufgaben wirklich machbar sind. Auch wenn es als nette Geste gemeint ist, dürfen Sie sich selbst nicht überlasten.

  2. Lernen Sie nein zu sagen

    Es ist ein kurzes und einfaches Wort, aber trotzdem fällt es vielen Arbeitnehmern schwer, es regelmäßig im Job zu benutzen. Fühlen Sie sich nicht gezwungen, jede Bitte zu akzeptieren, die von einem Kollegen an Sie herangetragen wird. Es ist völlig in Ordnung, auch einem netten Kollegen mitzuteilen, dass man selbst momentan leider auch keine freie Minute für zusätzliche Arbeit hat. Trauen Sie sich!

  3. Bleiben Sie bei Ihrem Wort

    Wenn Sie sich nicht ausbeuten lassen wollen, dürfen Sie keinen Spielraum für Spekulationen zulassen. Begründen Sie kurz Ihre Entscheidung und bleiben Sie dabei. Verzichten Sie auf Formulierungen wie Ich schaue mal, was sich machen lässt. Gerissene Kollegen verstehen dies ohnehin als Ja und schon bleiben die Aufgaben wieder an Ihnen hängen.

  4. Holen Sie den Chef ins Boot

    Wird es Ihnen einfach zu viel, da die Kollegen täglich Projekte bei Ihnen abladen, wird es Zeit, sich an eine höhere Instanz zu wenden. Erklären Sie Ihrem Chef die Situation und verdeutlichen Sie, dass Sie sich von den Kollegen ausgebeutet fühlen und Ihre Arbeit darunter leidet. Sollte aber der Chef selbst seine Mitarbeiter ausbeuten, können Sie sich entweder an die Personalabteilung wenden oder überlegen, ob Ihr aktueller Arbeitgeber wirklich der richtige für Sie ist.

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