Ein Gastbeitrag von der Buchautorin Elke Fleing
Selbstständige Kommunikations-Dienstleister müssen nicht nur auf kreativer Ebene stets ihr Bestes geben. Sie haben sich – im Gegensatz zu ihren angestellten Kollegen – auch um all die administrativen Belange ihres Unternehmens zu kümmern. Vor allem: Sie müssen dafür Sorge tragen, dass sowohl ihr Auftragsbuch als auch ihr Bankkonto gut gefüllt sind.
Die Kalkulation und Akquise von – möglichst lukrativen – Aufträgen ist eine Aufgabe, vor denen Dienstleister ihr ganzes Unternehmerdasein lang stehen. Immer wieder und immer wieder mit geänderten Parametern.
Selbst wenn ein Dienstleistungs-Unternehmen nach einer Weile so gut etabliert ist, dass Kunden und Aufträge ohne aktive Akquise hereinkommen: Auch dann sollte jeder Baustein des Akquise-Prozesses immer wieder überprüft und eventuell den sich verändernden Gegebenheiten angepasst werden. Damit die gute Auftragslage auch so bleibt und die Honorare stimmen. Insbesondere die folgenden 13 Punkte des Akquise-Prozesses sollten Sie in regelmäßigen Abständen prüfen und gegebenenfalls anpassen.
Checkliste für die Akquise
- Deckt sich die klare, nutzenoptimierte Beschreibung Ihres Leistungsangebots noch mit den jetzigen Realitäten oder den Schwerpunkten in naher Zukunft?
- Sind Ihre Zielgruppen unverändert geblieben?
- Sollten Sie sich mal wieder ans Auswählen und Akquirieren bestimmter Wunschkunden machen?
- Hat sich bezüglich Ihrer Alleinstellungsmerkmale etwas verändert?
- Deckt Ihr Bedarfs-Stundensatz noch ihren derzeitigen finanziellen Bedarf?
- Hat sich der Marktwert Ihrer Leistungen verändert?
- Passen Ihr Bedarfs-Stundensatz und der Marktwert Ihrer Leistungen noch gut zusammen?
- Ist die Personaldecke in Ihrem Unternehmen noch optimal, um alle Aufträge exzellent bearbeiten zu können und andererseits nicht zu hohe Personalkosten zu produzieren?
- Können Sie Ihre Maßnahmen zur Expertenpositionierung optimieren, um Ihrem Unternehmen mehr Reichweite und mehr Vertrauen in Ihre Kompetenz zu erzielen?
- Ist Ihre Unternehmenspräsentation noch up to date?
- Ist Ihr Katalog mit Fragen an potenzielle Auftraggeber, auf die Sie Antworten vor Ihrer Honorarkalkulation benötigen, noch auf dem neuesten Stand?
- Sind Ihre Textbausteine für Projekt-Bewerbungen und Angebotsschreiben noch aktuell?
- Gibt es neue Plattformen mit interessanten Projektausschreibungen, die Sie abonnieren könnten?
Wenn Sie auf die Aktualität dieser 13 Bausteine achten, sind Sie immer gut präpariert für Ihre nächste Akquise und die nächste Projekt-Kalkulation. Klar, akquirieren müssen Sie dann immer noch. Aber so sind Sie schon mal auf der sicheren Seite, dass alles gut vorbereitet ist und Ihr Unternehmen bleibt in gesundem, steten Wandel und Wachsen.
Und für alles Weitere sind hier noch fünf praktische Tipps, um den Kunden Ihrer Träume zu fischen:
Überraschen: Veröffentlichen Sie auf möglichst spektakuläre Art Ihren Wunsch, mit dem Kunden zusammenzuarbeiten. Prominentes Beispiel ist der Aufwand von Matthew Epstein, der extra eine Website einrichtete, um einen Job bei Google zu bekommen und ein aufwendiges Video produzierte.
Observieren: Beobachten Sie alle relevanten Aktivitäten Ihres Traumkunden gründlich. Legen Sie sich Google-Alerts zu seinem Unternehmen und Marken, den Namen der Ansprechpartner, den Aktivitäten und Neuigkeiten rund um das Unternehmen an. Recherchieren Sie gründlich und passen Sie so den besten Zeitpunkt für Ihre Ansprache ab.
Antriggern: Folgen Sie Ihren potenziellen Ansprechpartnern im Social Web. Folgen Sie ihnen bei Twitter, Facebook, Google+ und kommen Sie dort – ganz unverbindlich natürlich, und keinesfalls über Ihren Wunschauftrag sprechend – mit ihm ins Gespräch. Retweeten Sie – ergänzt durch eigene Kurz-Statements – wirklich interessante Tweets und geben Sie gute Tipps aus den Interessensbereichen der betreffenden Person. Kurz: Machen Sie es sich in seinem Gedächtnis gemütlich. Dann wird Ihr Haben-will-Kunde aller Wahrscheinlichkeit nach auf Sie zukommen, wenn er Bedarf nach einem Profi Ihres Kalibers hat.
Treffen: Recherchieren Sie, bei welchen Konferenzen, Kongressen die Person als Speaker oder Teilnehmer ist. Wenn die Themen der Meetings zu Ihren Interessensgebieten zählen, gehen Sie dort unbedingt hin! Vielleicht kommt man in den Pausen ins Gespräch. Aber auch dann nicht darüber sprechen, dass Sie mit dem Unternehmen zusammenarbeiten wollen! Noch nicht. Es sei denn, Ihr Gegenüber kommt von sich aus auf das Thema.
Kennenlernen: Spielen Sie Detektiv und finden Sie heraus, welche persönlichen Interessen der Wunschkunde hat. Können Sie sich für eine seiner privaten Interessen ebenfalls erwärmen? Dann ergeben sich vielleicht Möglichkeiten, sich in privatem Umfeld persönlich kennenzulernen: auf dem Golfplatz, einem Pferdeturnier, einem Gaming-Event? Aber auch hier gilt: Verbiegen Sie sich nicht. Zwingen Sie sich nicht zu Aktivitäten, die Ihnen absolut nicht liegen. Hier wie überall gilt: Authentizität ist das Allerwichtigste.
Zugegeben, all diese Optionen sind mit viel Aufwand verbunden und einige brauchen auch ein tüchtig Quäntchen an frisch-frechem Selbstbewusstsein. Aber wir reden hier über Ihren Wunschkunden! Für den sollte sie Berge versetzen, oder?

Über die Autorin
Elke Fleing lebt in Hamburg und ist Unternehmensberaterin für Positionierung und Kommunikation, Seminarleiterin und Trainerin, Bloggerin und Autorin. Seit 2011 schreibt sie regelmäßig Artikel für das Online-Journal Deutsche Startups.
Ihr gerade erschienenes Buch “Kommunikation verkaufen” hilft dabei, souverän neue Aufträge an Land zu ziehen. Dabei zeigt die Autorin, wie man das eigene Leistungsangebot kommuniziert, Angebote erstellt, die besten Aufträge auswählt, geschickt verhandelt und konstruktiv mit Absagen umgeht.
Zwei Bücher zu gewinnen
Unter allen Kommentatoren verlosen wir zwei Bücher. Hinterlassen Sie dazu einfach einen Kommentar mit einer kurzen Begründung, warum Sie das Buch haben wollen. Teilnahmeschluss ist Freitag der 1. Juni 2012. Danach werden die Gewinner gelost und per Mail benachrichtigt. Die Bücher lassen wir ihnen dann direkt vom Verlag zuschicken.
Bewerbungstipps: Die perfekte Bewerbung
Bewerbungsvorlagen: 16 kostenlose Muster zum Download
Denksport: 50 Brainteaser für Jobinterviews
Smalltalk-Tipps:



Bewerbungs-Dossiers zu Mappe, Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsfoto und Zeugnissen.
Die besten Tipps und Dossiers für das Vorstellungsgespräch: So überzeugen Sie jeden Personaler.

Andreas Hahn
Ein sehr nützlicher Artikel.
Nicht alle, aber ein Teil der praktischen Tipps lässt sich auch direkt für die “normale” Jobsuche übernehmen. Besonders, wenn man bereits in einer Anstellung ist und gerne wechseln würde.
Andreas Hahn
Und natürlich würde ich gerne ein Exemplar gewinnen. Schließlich bin ich spätestens ab Ende des Jahres auf dem Stellenmarkt unterwegs und kann Unterstützung im Bereich der (Selbst-)Vermarktung gut gebrauchen.
ein potentieller traumkunde(?)
jemand, der die fünf “praktischen” tipps befolgt und sich damit zu meinem stalker entwickelt, ist bei mir von vornherein unten durch! (als mensch und als potentieller lieferant sowieso).
das geschilderte vorgehen ist nicht mehr “frisch-freches selbstbewusstsein” sondern belästigung. wer so vorgeht riskiert eher eine anzeige als das er/sie von mir jemals auch nur einen termin bekäme.
observieren, “kennenlernen”, “treffen” = hinterherschnüffeln. was kommt als nächstes? kameraüberwachung meiner privatwohnung? geht’s noch?
wenn jemand mein lieferant werden will, kann er mich jederzeit durch leistung und qualität überzeugen. und wenn ich so jemanden brauche, dann melde ich mich schon bei ihm/ihr. das hier vorgeschlagene schnüffelverfahren hingegen lehne ich auf das schärfste ab.
ps: die meisten artikel hier auf karrierebibel lese ich ja sehr gerne, aber dieser hier ist echt ein ei.
Ulrike Zecher I. Emotionsberatung
Dem “Stalking”-Ansatz kann ich auch nicht so folgen. Gutes Selbstbewusstsein bedeutet für mich auch sein Angebot charmant und vor allem direkt zu präsentieren.
Stephan Panter
Ich möchte das Buch gerne gewinnen, da Elke Fleings Gastbeitrag klar Appetit auf “mehr” gemacht hat! :)
Emina Mazak
Ich denke, dass diese Tipps und das Buch für viele hilfreich sein können. Viele haben einen optimalen Gesprächsleitfaden im Kopf. Hmm und dann kommt’s. Der Angerufene sieht das nicht zwangsweise genau so. Viele haben auch schon vor der Antwort des Angerufenen Angst, bevor überhaupt ein Anruf stattfand! Das kann zu emotionalen Blockaden führen. Erst hat man Angst, dann hat man auch noch Angst vor Angst… Für all jene dürften, einfache, umsetzbare Checklisten und Tipps sehr wertvoll sein. Dann könnte man die vorhandene Energie in die Kreativität und Nachricht stecken, statt sich von Unsicherheiten beeinflussen zu lassen. Es wird nicht für jeden die richtige Form sein, aber das muss es ja auch nicht. Man darf immer noch selbst entscheiden, es mag ja auch nicht jeder Spinat. Sonnige Grüße aus Wiesbaden sendet Emina Mazak
RA Michael Seidlitz
Die Sprache im Allgemeinen und Kommunikation mit allen Beteiligten im Besonderen sind die Handwerkszeuge einen guten und erfolgreichen Anwalts.
Was geschicktes und erfolgreiches Verhandeln anbelangt, kann man nie auslernen.
Aus diesen Grunde lese ich sehr gerne alles, was mir zu diesem Thema in die Hände gerät.
Borko
Super! Ich lese schon lange Elkes Blog und freue mich immer über ihre Tipps. Das Buch käme mir gerade recht ;)
bosef
Wenn ich kein Exemplar des Buches “Kommunikation verkaufen” von Elke Fleing gewinne würde dieses bei mir eine weitere Betriebsausgabe verursachen, die meine Steuerlast mindert. Doch dies möchte ich meiner armen Kommune ersparen ;-)
maec
Wie bereits von “ein potentieller traumkunde(?)” erwähnt muss man eine gewisse Vorsicht walten lassen. Aber know your coustomer ist nie verkehrt
Elke Fleing
Natürlich muss man a) Vorsicht walten lassen, wie @maec schon schrieb und b) ist mit Tipp 5 natürlich nicht (!) gemeint, dass man sich zum Stalker entwickeln sollte. Und mal ehrlich: Wer unter den selbstständigen Kreativen hätte auch die Zeit dazu? Der Tipp ist ja auch mit Vorbehalten versehen – ich hätte nicht angenommen, dass ich ausdrücklich dazu schreiben muss, dass man demjenigen nicht nervend auf die Pelle rückt. Ich nehme an, das versteht sich von selbst. Außerdem wäre das ja völlig kontraproduktiv, weil nerven ja nun garantiert weder Sympathie noch Aufträge generiert…
gruppli
Habe schon mal ein sehr gutes Online-Seminar bei Elke Fleing gemacht. Nach meinem Einstieg in die Selbstständigkeit käme das Buch gerade richtig.
Die Checkliste hier zeigt mir schon mal einige Dinge auf, die ich noch nicht systematisiert habe: Textbausteine, Fragenkatalog, Expertenpositionierung …
Also – ich würd mich sehr freuen.
Vielcom
Nützliche checkliste – vielen dank
Jutta Wodopia
Das sind doch wirklich ein paar praktische Tipps, die man sich immer mal wieder in Erinnerung rufen sollte. Das Buch könnte also wirklich eine Art Bibel sein…
Kerstin
Ein interessantes Buch, das ich gern mal genauer anschauen würde. Wie Elke schon schreibt, Akquise ist ein Baustein des täglichen Geschäfts, der nicht zu vernachlässigen ist, Aber oft ist es frustrierend, mühsam und von vermeintlichen Rückschritten begleitet. Daher würde ich gern mal vergleichen, was ich auf diesem Gebiet noch optimieren kann.
Mario
Wichtiger Beitrag.
Wie wäre der Vorschlag, sich mit einem Vermarketer zusammen zu tun, der nichts anderes macht, als Vertrieb und Verkauf?
Ich stelle immer wieder fest, dass in dieser Branche ein guter kreativer Output vorhanden ist, aber gerade der Bereich Akquise schwächelt.
Warum also nicht netzwerken?