Gehaltskürzung: Wann ist sie erlaubt?
Im Arbeitsvertrag wird sehr genau geregelt, wie hoch das Gehalt ausfällt, dass ein Mitarbeiter am Ende des Monats von seinem Arbeitgeber ausgezahlt bekommt. Etwas schwieriger wird es aber dann, wenn der Chef mit den Leistungen seines Angestellten nicht mehr zufrieden ist. Immer häufiger schleichen sich Fehler ein, die Ergebnisse sind alles andere als zufriedenstellend oder Aufgaben bleiben sogar gänzlich liegen. Arbeitgeber sehen dann häufig Handlungsbedarf und schnell kommt das Thema Gehaltskürzung auf. Doch ist es wirklich so einfach und schlechte Leistungen machen sich auf dem Lohnzettel bemerkbar? Wir erklären, wann eine Gehaltskürzung überhaupt in Betracht gezogen werden kann und welche Wege Arbeitgeber stattdessen nutzen können, um fehlende Leistungen Ihrer Mitarbeiter zu bestrafen...

Gehaltskürzung: Wann ist sie gerechtfertigt?

Gleich einmal vorneweg: Sie brauchen keine Angst haben, dass Ihr Chef bei einer schlechten Leistung gleich Ihr Gehalt kürzt. Von keinem Arbeitnehmer kann erwartet werden, immer vollkommen fehlerfrei zu arbeiten, also brauchen Sie sich keine Sorgen machen, wenn Ihre letzte Präsentation nicht so gut war, wie Sie es sich gewünscht hätten oder wenn Sie einen Kunden nicht von der neuen Idee überzeugen konnten.

Zwar kann der Arbeitgeber einmalige Fehler ansprechen oder auch kritisieren und Verbesserungsvorschläge machen, doch geben diese noch lange keinen Anlass, um über Sanktionen in Form von Gehaltskürzungen nachzudenken. Um dies zu rechtfertigen, muss die Leistung des Angestellten über einen längeren Zeitraum deutlich unter den Erwartungen des Unternehmens zurückbleiben.

Außerdem ist es Aufgabe des Arbeitgebers, die ausbleibenden Leistungen eines Arbeitnehmers nachzuweisen, um im Ernstfall überhaupt nachweisen zu können, dass der Mitarbeiter tatsächlich schlechte Leistungen erbracht hat und damit eine Gehaltskürzung zu rechtfertigen ist.

Gehaltskürzung: Wen kann sie treffen?

igor.stevanovic/shutterstock.comDoch selbst wenn der Arbeitgeber nachweisen kann, dass ein Mitarbeiter bereits seit geraumer Zeit die geforderten Leistungen nicht mehr erbringt und im Vergleich mit seinen Kollegen weit zurückgefallen ist, kommt die Gehaltskürzung nur als Ausnahme in Betracht. Der Grund: Es ist nicht ohne weiteres möglich, das Gehalt eines Arbeitnehmers zu kürzen, wenn die Ergebnisse seiner Arbeit nicht mehr stimmen.

Dahinter steht die Regelung, dass die Verträge zwischen Arbeitgeber und -nehmer keine Gehaltskürzung bei schlechter Leistung vorsehen. Der Arbeitnehmer ist im Arbeitsverhältnis keinen Erfolg schuldig, der Arbeitgeber darf also nicht voraussetzen, dass ein Mitarbeiter immer Bestleistungen erbringt.

Eine Ausnahme sind Arbeitsverträge, in denen vorab explizit ein leistungsabhängiger Lohn vereinbart wurde. Stellt ein Arbeitgeber hier fest, dass ein bestimmter Mitarbeiter die vereinbarten Leistungen nicht erbringt - und dies über einen längeren Zeitraum - kann die Gehaltskürzung ein Mittel sein, um darauf zu reagieren.

Gehaltskürzung Alternativen: So können Arbeitgeber vorgehen

Bevor Sie nun der Versuchung erliegen und sich im Job zurücklehnen, da Sie Ihr Gehalt unabhängig von Ihrer Leistung für sicher halten, sollten Sie lieber vorsichtig sein. Denn natürlich müssen Arbeitgeber sich nicht einfach damit abfinden, wenn ein Mitarbeiter langfristig schlechte Leistungen erbringt und damit vielleicht sogar für Unmut im Team sorgt, da die Aufgaben an andere Kollegen übertragen werden müssen.

Der Chef kann auf die ausbleibenden Leistungen beispielsweise mit einer Abmahnung reagieren. Dies wirkt für den Mitarbeiter wie eine Verwarnung und ist gleichzeitig die Aufforderung, das bisherige Verhalten zu ändern und die Leistungen zu steigern. Bleibt aber auch der Erfolg einer Abmahnung aus, hat das Unternehmen zwei Möglichkeiten, um den in Ungnade gefallenen Mitarbeiter zu kündigen:

  • Eine personenbedingte Kündigung. Sind die Leistungen eines Mitarbeiters so schwach, dass dadurch die betrieblichen oder wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens gefährdet werden, kann dieser personenbedingt gekündigt werden. Zunächst müssen in diesem Fall allerdings andere Wege ausprobiert werden, um die Leistungen des Arbeitnehmers auf ein höheres Level zu befördern. Dies kann beispielsweise eine Versetzung in eine andere Position sein, in der die Möglichkeit auf bessere Leistungen bestehen würde.
  • Eine verhaltensbedingte Kündigung. Wer längere Zeit weit hinter den Leistungen von Kollegen zurückbleibt, kann auch durch eine verhaltensbedingte Kündigung seinen Job verlieren. Auch hier gilt jedoch, dass zunächst versucht werden muss, die Leistung auf anderem Weg zu steigern und ebenfalls muss zunächst mindestens eine Abmahnung erfolgen, bevor eine endgültige Kündigung ausgesprochen werden darf. Die verhaltensbedingte Kündigung stützt sich dabei auf die Nichterfüllung der Vertragspflichten.
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