Motivieren ist eine Kunst, demotivieren dagegen ist ganz leicht. Was dabei besonders effektiv wirkt, haben Managementexperten am National Business Research Institute in Texas untersucht. Und das ist zugleich der letzte Teil meiner Gute-Laune-Wochen-Serie – folgende Dinge bringen umgehend Bosse in Verruf und die Belegschaft um ihre gute Laune:

  1. Mangelhafte Kommunikation. Nichts frustriert Mitarbeiter schneller als die selbstgewählte Isolation an der Spitze – also Chefs, die sich hinter dicken Türen verschanzen, fehlendes Feedback, Nicht-zuhören-können und überwiegende Kommunikation per E-Mail statt von Angesicht zu Angesicht.
  2. Unfaire Bezahlung. Relativ wie absolut hat die Höhe der Gehälter großen Einfluss auf die Stimmung. Relativ: Erstaunlich viele Mitarbeiter haben ein sicheres Gespür dafür, wer mehr und wer weniger verdient – vor allem aber, ob dies gerechtfertigt ist. Kollegen, die mit Prämien überschüttet werden, obwohl andere die Arbeit machen, sind Motivationskiller für den ganzen Betrieb. Absolut: Das Gehalt ist immer auch Ausdruck von Wertschätzung. Wer überdurchschnittlich viel leistet ohne dass sich das auf dem Lohnzettel spiegelt, schiebt irgendwann nur noch Dienst nach Vorschrift.
  3. Jobunsicherheit. Outsourcing, Downsizen, Change Management – das sind nicht nur hässliche Anglizismen. Sie verunsichern Mitarbeiter auch. Das lässt sich zwar konjunkturbedingt manchmal nicht vermeiden. Perfide aber wirken Chefs, die diese Unsicherheit auch noch schüren – und sei es nur, um ihren Machthunger zu stillen. Fakt ist: Wer ständig um seine Existenz fürchten muss, kann nicht kreativ werden.
  4. Geringschätzung. Kaum etwas sagt deutlicher, wie egal einem das so gelobte „Humankapital“ in Wahrheit ist, wenn sich Kollegen wochenlang abschuften und anschließend nicht einmal ein Danke hören.
  5. Vetternwirtschaft. Chefs sind auch nur Menschen. Das schließt ein, dass sie manche Kollegen sympathischer finden als andere. Der Umstand sollte sie allerdings nie zu Favoritentum verführen. Vetternwirtschaft hat eine enorm destruktive Wirkung auf die Moral der Truppe. Sie sagt: Es ist egal, was du leistest; was zählt, ist allein die Gunst des Chefs.
  6. Überlastung. Wird überdurchschnittliche Arbeitsbelastung chronisch, führt das nicht selten zu psychischen wie physischen Störungen. Dauerstress kann Fehlzeiten, aber auch Produktionsfehler und Fluktuationsraten erhöhen. Neben schlechter Bezahlung und gefühlter Ausbeutung hat Überlastung die schnellste Wirkung auf die Motivation der Mitarbeiter.
  7. Mikromanagement. Klar muss ein Chef wissen, was in seinem Laden läuft. Aber Kontrollfreaks sind die Hölle. Ein Boss, der weder delegieren kann, noch seinen Mitarbeitern vertraut, raubt ihnen letztlich jede Chance, den Job selbst zu erledigen. Ursache hierfür sind oft Unsicherheit und eine ausgewachsene Profilneurose bei den Vorgesetzten.
  8. Unrealistische Erwartungen. Psychologen, wie der Kreativitätsforscher Mihaly Csikszentmihalyi beschreiben jenen optimalen Zustand, in dem wir maximal für eine Aufgabe motiviert sind, als „Flow“. Flow entsteht an der Grenze zwischen Überforderung (Folge: Angst) und Unterforderung (Langeweile). Flow entsteht allerdings nicht exakt auf dieser Grenze, sondern leicht darüber. Wir sind also genau dann optimal motiviert, kreativ, produktiv, wenn uns eine Aufgabe nicht langweilt, aber immer noch herausfordert. Nur so lernen wir hinzu und behalten den Spaß am Job. Sind die gesteckten Ziele jedoch völlig überzogen, folgen nicht Flow und Fröhlichkeit, sondern Frust und Fehler.
  9. Ungenaue Leistungsziele. Zielvereinbarungen und variable Gehaltsanteile als Führungs- und Motivationsinstrument sind heute Gang und Gäbe. Es spricht ja auch einiges dafür. Doch sie werden zur Katastrophe, wenn die Ziele sowie die dafür nutzbaren Ressourcen schwammig bleiben. Das öffnet Willkür Tür und Tor.
  10. Gläserne Decken. Jeder Mensch möchte sich in seinem Beruf weiterentwickeln, verändern, aufsteigen. Wenn jedoch klar wird, dass dies auf absehbare Zeit nicht möglich ist, hat auch überdurchschnittliches Engagement keinen Sinn.

Dieser Beitrag ist Teil der aktuellen Gute-Laune-Serie. Darin werden hier im Blog eine Woche lang nur Artikel zu diesem Thema veröffentlicht. Anlass ist meine 10-seitige Aufmacher-Story in der WirtschaftsWoche. Anregungen und Gastbeiträge dazu sind jederzeit willkommen. Die Artikel zur Serie finden Sie auch indem Sie das Stichwort “Gute Laune” im obigen Suchfeld eingeben.