Key Facts zum Gleittag
- Definition: Ein Gleittag ist ein freier Arbeitstag, der durch zuvor angesammelte Überstunden entsteht. Gleittage basieren auf einem Arbeitszeitkonto, auf dem Plus- und Minusstunden erfasst werden.
- Anspruch: Ein gesetzlicher Anspruch auf Gleittage besteht nicht, sondern ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung.
- Genehmigung: Der Arbeitgeber darf festlegen, ob und wann ein Gleittag genommen werden kann. In der Regel ist ein vorheriger Antrag mit Genehmigung erforderlich.
- Verfall: Nicht genommene Gleittage oder Zeitguthaben können verfallen, wenn entsprechende Regelungen dies vorsehen. Auch wenn man an einem genehmigten Gleittag krank wird, geht dieser verloren und wird nicht wieder gutgeschrieben.
- Kündigung: Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses müssen Zeitguthaben meist durch Freizeit oder Auszahlung ausgeglichen werden.
Was ist ein Gleittag genau?
Ein Gleittag (Abkürzung: „GLT“, Plural: „GL“) ist ein ganzer arbeitsfreier Tag, den Arbeitnehmer im Rahmen eines Gleitzeitmodells nehmen können, um Mehrarbeit oder Überstunden auszugleichen – auch im Öffentlichen Dienst. Rund 37 % der Arbeitnehmer in Deutschland verfügen über ein Kurzzeit- oder Gleitzeitkonto und können dadurch angesammelte Zeitguthaben als Freizeitausgleich in Form eines Gleittages „abbummeln“.
Was sind typische Gleittag Merkmale?
- Der Gleittag ist bezahlte Freizeit und Ausgleich von angesammelten Überstunden oder Mehrarbeit.
- Der Tag kann von Arbeitnehmern selbst gewählt werden, muss aber mit dem Arbeitgeber abgestimmt und genehmigt werden.
Gesetzliche Grundlagen
Gleittage sind im Arbeitsrecht nicht explizit gesetzlich geregelt. Grundlagen existieren aber im…
- Arbeitszeitgesetz (ArbZG): Arbeitgeber müssen sicherstellen, dass die tägliche Höchstarbeitszeit, Pausen und Ruhezeiten eingehalten werden.
- Bundesurlaubsgesetz (BUrlG): Gleittage wirken sich nicht negativ auf den Jahresurlaubsanspruch aus. Dieser bleibt uneingeschränkt bestehen.
- Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG): Für Teilzeitarbeitnehmer oder Minijobber gelten dieselben Regeln und Ansprüche wie für Vollzeitmitarbeiter.
Weitere Regelungen finden sich oft in einschlägigen Tarifverträgen bzw. Betriebsvereinbarungen. Existiert in Ihrem Unternehmen ein Betriebsrat, hat dieser gemäß § 87 BetrVG ein Mitbestimmungsrecht bei der Einführung und Gestaltung von Gleitzeitregelungen.
Wie werden Gleittage berechnet?
Gleittage werden auf Grundlage eines Arbeitszeitkontos berechnet. Die Basis bildet die vertraglich vereinbarte Sollarbeitszeit. Diese wird mit den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden verglichen. Arbeiten Beschäftigte mehr Stunden als vorgesehen, entstehen Plusstunden, die auf dem Zeitkonto gesammelt werden. Erreicht das Zeitguthaben die erforderliche Stundenzahl, um sich einen regulären Arbeitstag freinehmen zu können (z.B. 8 Stunden), kann dieser als Gleittag genommen werden. Wie viele Stunden hierfür erforderlich sind, richtet sich nach der individuellen täglichen Arbeitszeit.
Wird ein Gleittag bezahlt?
Kurze Antwort: Ja. Während des Gleittages erhalten Arbeitnehmer ganz normal ihr Gehalt weiter, weil es sich um eine Kompensation von Mehrarbeit durch Freizeit handelt. Darüber hinaus gibt es aber keine Extra-Bezahlung.
Gleittag-Regelung – Beispiele
Werden im Unternehmen Gleitzeit und Gleittage angeboten, existieren dazu in der Regel genaue Regelungen – etwa zum Gleitzeitrahmen und Arbeitszeitkonto, zur Kernarbeitszeit, zu Voraussetzungen für Gleittage sowie zum Umgang mit Überstunden und Minusstunden.
Typische Regelungen und Beispiele
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Mindestguthaben
Dürfen im Unternehmen Gleittage genommen werden, muss dafür meist ein bestimmtes Plus an Stunden auf dem Gleitzeitkonto erreicht sein (z.B. mindestens 8 Plusstunden für einen Gleittag).
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Beantragung
Gleittage müssen zwingend beantragt und vom direkten Vorgesetzten genehmigt werden. Häufig ist hierfür eine Vorlaufzeit festgelegt (z.B. eine Woche vorher).
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Maximalanzahl
Oft wird in der Gleittag-Regelung bestimmt, wie viele Gleittage maximal am Stück oder pro Jahr genommen werden dürfen. Üblich ist eine maximale Zahl von 5 Werktagen am Stück (eine Arbeitswoche).
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Kernarbeitszeit
Viele Gleitzeitmodelle sehen eine Kernarbeitszeit vor, in der Anwesenheitspflicht besteht (z.B. Montag bis Donnerstag, 10-15 Uhr). Gleittage können dann nur außerhalb dieser Zeiten genommen werden.
Beispiel für eine Gleitzeitregelung
Ein Arbeitnehmer hat eine 40-Stunden-Woche und einen Arbeitszeitkorridor von 6-20 Uhr. Arbeitsbeginn und Arbeitsende werden digital erfasst. Bei 8-40 Plusstunden dürfen einzelne Gleittage mit einer Woche Vorlauf selbstständig im System eingetragen werden. Ab 2 oder mehr Gleittagen am Stück ist jedoch die Rücksprache mit der Führungskraft erforderlich.
Bitte beachten Sie: Überstunden dürfen nur dann geltend gemacht werden, wenn sie zuvor vom Arbeitgeber angeordnet wurden! Freiwillige Mehrarbeit muss nicht bezahlt oder ausgeglichen werden.
Wie kann ich einen Gleittag beantragen?
Um einen Gleittag zu beantragen, gehen Sie idealerweise wie folgt vor:
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Arbeitszeitkonto prüfen
Prüfen Sie zunächst, ob Ihr Gleitzeitkonto ein ausreichendes Zeitguthaben aufweist, um einen ganzen Gleittag nehmen zu können. Die Mindestanzahl an Stunden ist entweder in der herrschenden Gleitzeitvereinbarung oder im Arbeitsvertrag festgelegt.
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Antrag stellen
Stellen Sie einen Antrag auf einen Gleittag bei Ihrem Chef oder in der Personalabteilung. Je nach Regelung kann das formlos per E-Mail, über ein internes System oder schriftlich per Formular erfolgen.
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Termin abstimmen
Stimmen Sie den gewünschten Termin mit dem Vorgesetzten und dem Team ab. Bitte nie ohne unterschriebene Genehmigung freimachen! Bei einer „Selbstbeurlaubung“ drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen wie Abmahnung oder gar Kündigung im Wiederholungsfall.
Nach der Genehmigung wird der Gleittag vom Arbeitszeitkonto abgezogen und entsprechend verbucht. Danach können Sie den vereinbarten Tag freinehmen.
Was tun, wenn ich am Gleittag krank werde?
Gleittage zählen nicht als gesetzlicher Urlaub und unterliegen auch nicht dem gesetzlichen Urlaubsanspruch oder Urlaubsrecht. Bedeutet: Eine Krankheit unterbricht den Gleittag nicht. Das Zeitguthaben wird trotzdem abgebaut, und die abgebuchten Stunden werden Ihnen nicht wieder gutgeschrieben. Ein Nachholen oder Zurückfordern des Gleittages ist im Arbeitsrecht nicht möglich. Wer am Gleittag krank wird, hat dann doppeltes Pech.
Wir empfehlen aber: Melden Sie sich dennoch ordnungsgemäß krank bzw. lassen Sie sich an dem Tag von Ihrem Arzt krankschreiben – denn die Meldepflicht gegenüber dem Arbeitgeber bleibt bestehen! Manche Unternehmen und Arbeitgeber reagieren bei einem Attest zudem kulant und lassen mit sich über einen anderen Freizeitausgleich verhandeln.
Gleittag nehmen – Tipps
Mit guter Planung und klarer Kommunikation holen Sie das Maximum aus einem Gleittag heraus und fördern gleichzeitig ein positives Arbeitsumfeld. Hier unsere bewährten Tipps, wenn Sie einen Gleittag nehmen:
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Zeitguthaben kontrollieren
Überprüfen Sie Ihr Gleitzeitkonto regelmäßig, damit sich nicht zu viele Überstunden ansammeln. Erstens sieht das weniger organisiert aus; zweitens dient das nicht der Erholung.
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Rechtzeitig planen und beantragen
Stimmen Sie die Termine für Ihren Gleittag frühzeitig mit Team und Chef ab und bleiben Sie fair, um Konflikte zu vermeiden. Beliebt bei allen Arbeitnehmern sind typische Brückentage oder der Freitag und Montag für ein langes Wochenende.
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Abwesenheit organisieren
Planen Sie Ihre Aufgaben so, dass keine wichtigen Projekte oder Deadlines auf den Gleittag fallen. Idealerweise strukturieren Sie Ihre Woche im Voraus und richten für den Tag eine Abwesenheitsnotiz ein.
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Gleittag nutzen
Profis legen auf den Gleittag gleich mehrere private Termine, wie wichtige Arztbesuche, Behörden- oder Handwerkertermine, um keine Urlaubstage zu opfern. Das spart Zeit und reduziert den organisatorischen Aufwand.
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Erholung einplanen
Nutzen Sie wenigstens einen Teil des Gleittages für sich selbst – für Sport, Entspannung oder Treffen mit Freunden! Das fördert eine gesunde Lebensbalance und die Lebensqualität.
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Feedback geben
Geben Sie Ihren Vorgesetzten regelmäßig Feedback zur Gleitzeitregelung, um mitzuhelfen, die Nutzung von Gleittagen zu verbessern. Unternehmen wiederum sollten die Regelungen regelmäßig überprüfen und anpassen.
Bonus-Tipp: Sammeln Sie permanent Ideen für die freien Tage – zum Beispiel in einer Bucket-Liste (Kostenlose Vorlage), um den Freizeitausgleich noch besser zu nutzen.
Was sind die Gleittag Vor- und Nachteile?
Gleittage bieten den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Chance, ihre Arbeitszeit flexibler zu gestalten sowie eine bessere Work-Life-Balance zu realisieren. Das Gleitzeitmodell hat aber ebenso Nachteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Hier eine Übersicht:
Gleittag Vorteile
Arbeitnehmer |
Arbeitgeber |
| Mehr Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung und bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. | Höhere Motivation der Mitarbeiter steigert Produktivität und Leistungen. |
| Überstunden gezielt abbauen und Stress reduzieren, wenn nötig. | Unkomplizierter Ausgleich von Überstunden. |
| Nutzen der produktivsten Tage, um Leistungsfähigkeit zu steigern. | Angebot dient dem Employer Branding und stärkt Mitarbeiterbindung. |
| Autonomie fördert Motivation und Arbeitszufriedenheit. | Insgesamt besseres Betriebsklima und geringere Fluktuation. |
| Wahrnehmung privater Termine – dadurch weniger Fehltage (siehe: Krankfeiern) | Sichere Personalplanung und weniger Kurzfehlzeiten. |
Gleittag Nachteile
Arbeitnehmer |
Arbeitgeber |
| Höherer Abstimmungsbedarf und erschwerte Teamarbeit. | Erhöhter Aufwand für Zeiterfassung und Dokumentation. |
| Mehr Eigenverantwortung und Koordination. | Schwierige Personalplanung bei spontanen Gleittagen. |
| Gleittage können bei Krankheit verfallen. | Risiko von Unterbesetzungen oder schlechtere Servicezeiten. |
| Genaue Zeiterfassung und Dokumentation erforderlich. | Potenzielles Missbrauchsrisiko bei ungenauer Zeiterfassung. |
Gleittage bieten erhebliche Vorteile, wenn es um mehr Flexibilität, Motivation und Work-Life-Balance geht. Gleichzeitig erfordern sie ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Abstimmung sowie eine zuverlässige Zeiterfassung, um die Nachteile wie organisatorische Probleme oder Teamkonflikte auszugleichen.
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