Wer Ergonomie am Arbeitsplatz hört, denkt vermutlich an erster Stelle an Büromöbel, die für eine rückenschonende Körperhaltung gedacht sind. Aber haben Sie einmal überlegt, wie sich Ihr Arbeitsplatz auf Ihre Augen auswirkt? Das sogenannte Office-Eye-Syndrom ist nämlich eine direkte Folge der Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes. Die Augen sind mitunter unser wichtigstes Werkzeug bei der Arbeit. Lesen Sie hier, was Sie tun können um das Office-Eye-Syndrom zu vermeiden: Tipps zur Entlastung der Augen...

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Office-Eye-Syndrom: Viele Namen für ein Phänomen

Office-Eye-Syndrome-Gamer-Eye-Sicca-SyndromDas Office-Eye-Syndrom wird auch als Trockenes-Auge-Syndrom oder Gamer-Eye bezeichnet. Der wissenschaftliche Name dafür ist Keratoconjunctivitis sicca (kurz KCS), weshalb auch teilweise vom Sicca-Syndrom die Rede ist.

Wie der deutsche Name es bereits andeutet, geht es hierbei um trockene Augen, die beim Office-Eye-Syndrom durch die Bildschirmarbeit verursacht werden. Wobei Bildschirm hier weit gefasst werden kann: Dazu zählen nicht nur Monitore, sondern auch Fernseher, Laptops, Tablets und Smartphones.

Alles, worauf wir stundenlang unser Auge richten ohne zu blinzeln, trägt zum Office-Eye-Syndrom bei. Der Grund dafür ist, dass unsere Augen eigentlich dafür gemacht sind, in die Ferne zu blicken - bei der Bildschirmarbeit tun wir jedoch genau das Gegenteil.

Vor allem bei der Arbeit an Laptops, aber auch bei Tablets und Smartphones neigen wir dazu, zu nah am Bildschirm zu sitzen und bei zu kleiner Schrift zu lesen. Dabei ist fürs Auge auch unerheblich, ob Sie bei der Arbeit zu nah am Monitor sitzen oder als passionierter Spieler Ihr Gamer-Eye provozieren, weil Sie zu wenig blinzeln.

Office-Eye: Typische Symptome und weitere Ursachen

Die Nähe zum Bildschirm zieht wiederum andere Verhaltensweisen nach sich, die für unsere Augen ungesund sind. Wir beginnen auf den Bildschirm zu starren und somit haben unsere Augen insgesamt zu wenig Bewegung. Das kann zu unangenehmen Begleiterscheinungen bis hin zum Office-Eye-Syndrom führen. Typische Symptome dieser Erkrankung sind:

  • morgens verklebte Augen
  • Fremdkörpergefühl
  • Trockenheitsgefühl
  • gerötete Bindehaut
  • Brennen
  • Flimmern
  • Schmerzen
  • Jucken
  • Druckgefühl
  • Schweregefühl
  • müde Augen



Der Computer als hocheffizientes Arbeitsgerät hat zur Beschleunigung der Arbeitsabläufe beigetragen, so dass in einem Bürojob das Arbeiten am Bildschirm zum Alltag gehört. Nachteil ist allerdings, dass im Zuge der Computerarbeit das dynamische Sehen abgenommen hat.

Früher wurden Ablagen noch sortiert und archiviert, jetzt läuft alles mit wenigen Klicks über einen Bildschirm, bei dem mit wenigen Grad Sehwinkel alles überblickt wird. Unser Auge muss täglich Schwerstarbeit verrichten, wird gleichzeitig aber vernachlässigt:

Wir blicken häufig stundenlang hochkonzentriert auf den Bildschirm. Das führt dazu, dass die Lidschlagfrequenz sinkt. Das bedeutet auch, dass wir nunmehr starren, da es deutlich weniger Blickwechsel gibt, die Reflexe wie das Blinzeln fördern.

Üblicherweise würden wir 20 bis 25 Mal pro Minute mit dem Auge blinzeln, stattdessen tun wir dies häufig nur noch zwei- bis viermal. Infolgedessen wird der Tränenfilm weniger auf dem Auge verteilt. In Kombination mit trockener Büroluft - etwa in der Heizsaison, aber auch durch Klimaanlagen im Sommer - ist das der Supergau für die Hornhaut.

Ein weiteres Symptom infolge der Trockenheit ist, dass unsere Augen anfangen zu tränen. Was zunächst widersprüchlich klingt, hängt damit zusammen, dass durch die Trockenheit kleine Partikel im Auge landen, die die Hornhaut reizen, weil sie durch den fehlenden Lidschlag nicht (wie eigentlich nötig) ausgewaschen werden.

Um die Fremdkörper loszuwerden, tränen nun die Augen - allerdings reicht dieses zusätzliche Tränen nicht, um die Augen nachhaltig zu befeuchten. Trockene Augen können ihre Ursache nicht nur in der Bildschirmarbeit haben. Auch andere Umstände können dazu führen, dass nicht mehr genügend Tränenflüssigkeit produziert wird.

Wenn Sie beispielsweise...

  • Kontaktlinsen oder eine alte Brille tragen,
  • eine Krankheit wie Rheuma, Diabetes mellitus, eine Schilddrüsenerkrankung oder Hauterkrankung haben,
  • anfällig für Allergien sind,
  • bestimmte Medikamente einnehmen (zum Beispiel die Anti-Baby-Pille, Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Beta-Blocker),
  • als Frau hormonelle Veränderungen durchmachen.

Office-Eye-Syndrom: Die Gefahren und was Sie tun können

Ein Blick in die jüngste Vergangenheit zeigt: Das Arbeiten und Lesen am Bildschirm hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen und es ist nicht davon auszugehen, dass sich das so schnell ändert. Dabei geht es nicht allein um ein unangenehmes Gefühl am Auge:

  • Trockenheit kann dazu führen, dass sich Bakterien leichter ansiedeln und eine Bindehautentzündung hervorrufen.
  • Kopfschmerzen sind als Folge des angestrengten Sehens möglich.
  • Sehschwäche resultiert aus der Nähe zum Bildschirm.
  • Schlafstörungen werden durch das Arbeiten an Tablet, Handy oder Laptop verursacht, schuld ist das bläuliche Licht.

Schlafstörungen trotz Entspanntheit

Office-Eye-Syndrome Schlafstörungen trotz Müdigkeit Nebenwirkungen Computerarbeit spätViele werden das kennen: Am Abend, wenn Sie nicht nur die Arbeit, sondern auch sonstige Verpflichtungen wie Hausarbeit hinter sich gelassen haben, greifen Sie zum Handy.

Oder zum Tablet, schnell ein paar Mails beantworten. Oder ein bisschen in den sozialen Netzwerken surfen, ein paar Spiele zur Entspannung spielen.

Merkwürdigerweise werden Sie immer wacher, die Müdigkeit verfliegt zusehends. Das könnte an den Wellenlängen des bläulichen Lichts liegen, das von elektronischen Gerätschaften wie Smartphone und Co. ausgestrahlt wird. Vom Auge werden sie als weiß wahrgenommen.

Diese Helligkeit verhindert, dass das Hormon Melatonin ausgeschüttet wird. Das ist üblicherweise für Müdigkeit zuständig. Manche Apps bieten eine Veränderung des Bildschirmlichts an, so dass zum Abend hin mehr gelbe und rote, dafür weniger blaue Anteile enthalten sind.

Letztlich könnten Arbeitnehmer auch zu Blaufilterbrillen greifen, allerdings gibt es auch einen sehr kostengünstigen Tipp: Einfach ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen nicht mehr auf die elektronischen Geräte schauen.

Auch steigt durch die veränderten Arbeitsgewohnheiten das Risiko, dass Mitarbeiter wegen Seh-Stress ihre Leistungsfähigkeit einbüßen. Dies kann Arbeitsausfälle bis hin zur Arbeitsunfähigkeit bedeuten. Im Sinne der Ergonomie geben wir hier einige Tipps, die zur Entlastung Ihrer Augen beitragen:

Das können Sie am Arbeitsplatz gegen das Office-Eye-Syndrom tun

  • Keine Notebooks oder Tablets

    Der Bildschirm ist bei Laptops besonders tief, das bedeutet eine ungesunde Körperhaltung bei der der Kopf nach vorne geneigt und der Sehabstand verringert ist. Noch ungünstiger sind Tablets und Smartphones, die besser nur für kurze Texte verwendet werden. Ist ein längerer Gebrauch unumgänglich, können externe Zusatzgeräte wie Tastatur, Maus oder auch ein Notebook-Ständer dabei helfen, die passende Höhe für Sie einzustellen, um Ihre Körperhaltung entsprechend zu verändern.

  • Große Monitore

    Je größer der Monitor, desto besser. Auf einem großen Bildschirm werden nicht nur kleinere Bildelemente größer dargestellt, sondern Sie können leichter mit mehreren Fenstern parallel arbeiten. In vielen Unternehmen sind Monitore mit 21 Zoll Bildschirmdiagonale bereits Standard, noch besser sind 24 oder 27 Zoll.

    Bei diesen müssen außerdem die richtigen Einstellungen vorgenommen werden. Als grobe Orientierung gilt ein Abstand von 50 bis 80 Zentimetern zu Ihrem Bildschirm; dieser variiert je nach Größe Ihres Monitors. Je nachdem muss auch die Schriftgröße angepasst werden, damit Sie entspannt lesen können. Da Ergonomie nicht nur fürs Auge wichtig ist und Sie auch Nackenverspannungen vermeiden wollen, ist es wichtig, die Bildschirmhöhe und Neigung des Monitor entsprechend einzustellen.

  • Beleuchtung

    hier geht es um die Wahl der richtigen Lichtquellen. Grundsätzlich ist Tageslicht etwas Positives; allerdings sollten Sie darauf achten, dass Sie nicht geblendet werden. Ideal wäre ein Arbeitsplatz seitlich zum Fenster mit paralleler Blickrichtung (90-Grad-Winkel), dann werden Sie nur bei ungünstigem Sonnenstand geblendet und sollten das Fenster verdunkeln. Für einen Sitzplatz direkt vor dem Fenster oder mit dem Rücken zum Fenster gilt erst recht, dass sich die Fenster verdunkeln lassen müssen.

    Auch künstliche Lichtquellen können dabei helfen, den Arbeitsplatz entsprechend auszuleuchten. Am besten ist eine Mischung aus Deckenbeleuchtung und einer Schreibtischlampe oder eine Kombination verschiedener Leuchtmittel. Der Vorteil bei einem Mix aus konventionellen Glühlampen, Leuchtstoffröhren und Halogenlicht ist, dass diese Lichtquellen in Kombination dem Tageslicht recht nah kommen. Auch hier ist natürlich darauf zu achten, dass sie so angebracht werden, dass ihr Licht nicht direkt auf dem Monitor reflektiert.

Entspannungsübungen gegen das Office-Eye-Syndrom

  • Sorgen Sie dafür, dass die Augen entspannt bleiben.

    Ermöglichen Sie Ihnen genügend Bewegung und Abwechslung. Wenn Sie lange auf den Monitor starren, ermüden die Augen schnell. Machen Sie Augen-Yoga: Schauen Sie häufiger mal aus dem Fenster oder bewegen Sie die Augen ein paar Mal zum linken und rechten Augenwinkel.

  • Lassen Sie Ihre Augen kreisen.

    Schwingen Sie mit dem ausgestreckten Arm nach links und rechts, zeichnen Sie ganze Kreise nach. Lassen Sie Ihre Augen den Kreisen folgen. Diese Übung können sie in zwei, drei Minuten machen und sollten sie am besten acht Mal wiederholen. Sie trainieren damit Ihre Augenmuskeln und beide Gehirnhälften.

  • Massieren Sie Ihre Augen.

    Klopfen Sie erst ganz leicht mit Zeige- und Mittelfinger die Augenpartie ab. Dann streichen Sie vom inneren Augenbrauenrand nach außen bis zum unteren Knochenrand der Augen. Steigern Sie dabei leicht den Druck. Sie tragen so zur Durchblutung der Gesichtshaut bei, Sauerstoff und Nährstoffe werden transportiert.

  • Gähnen Sie bewusst.

    Am besten ist das natürliche beziehungsweise reflexhafte Gähnen: Dann füllen sich nämlich die Augen automatisch mit Tränen. Das können Sie sich zunutze machen, indem Sie von Zeit zu Zeit so tun, als ob Sie gähnen müssten. Öffnen Sie drei bis vier Mal den Mund, oft müssen wir dann unwillkürlich gähnen. Gähnen Sie mit weit geöffneten Mund, kneifen Sie die Augen zu und recken und strecken Sie alle Glieder.

  • Geben Sie Ihren Augen An- und Entspannung.

    Kneifen Sie dazu die Augen zu, um sie im nächsten Moment wieder aufzureißen. Diese Übung kann Augenzucken Lindern und funktioniert nach dem Prinzip der progressiven Muskelentspannung. Wer den Grünen Star hat, sollte die Augenlieder nicht fest zusammenkneifen, sondern nur leicht schließen.

  • Bedecken Sie Ihre Augen.

    Die Übung nennt sich Palmieren. Dazu werden die Hände aneinander gerieben und erwärmt. Anschließend legen Sie den Handteller auf die geschlossenen Augen. Konzentrieren Sie sich für ein paar Minuten nur auf die Dunkelheit. und die Wärme - beides trägt zur Linderung und Entspannung bei.

  • Schweifen Sie in die Ferne.

    Richten Sie Ihren Blick nacheinander auf fünf Gegenstände in unterschiedlicher Entfernung von etwas in nächster Nähe bis aus dem Fenster, weit weg. Verweilen Sie jeweils wenige Sekunden auf einem dieser Zielobjekte und kommen Sie anschließend mit Ihrem Blick genauso wieder zurück. Idealerweise führen Sie diese Übung alle 15 Minuten durch - Sie erhöhen so die Flexibilität Ihrer Linsen.

Augenübungen bei Office-Eye-Syndrom: Scharlatanerie?

Augentraining nach BatesWer sich nach Übungen gegen das Office-Eye-Syndrom umschaut, wird auf den Namen William Bates stoßen. Die These des amerikanischen Arztes war, dass Fehlsichtigkeit durch Entspannung der Augen wieder behoben werden könne.

Das ist ein Versprechen, das diese Übungen sicherlich nicht halten können. Was allerdings bekannt ist: Gerade wenn wir müde sind, lässt das Sehvermögen nach, haben wir Schwierigkeiten, scharf zu sehen. Insofern haben die Entspannungsübungen Ihren Sinn - erst recht, wenn es auch darum geht, die Position zu verändern, frische Luft ins Zimmer zu lassen.

Mittlerweile wird jedoch "das neue Augentraining nach Bates" von Bates-Anhängern angeboten, die seelische Probleme als Ursache von Sehschwächen sehen. Oftmals sind die Trainer in keiner Form medizinisch ausgebildet oder qualifiziert. Nach Meinung des Berufsverbands der deutschen Augenärzte sind außerdem Versprechungen wie eine Reduzierung der Dioptrienstärke absolut unseriös.

Bevor Sie also viel Geld in sinnlosen Seminaren lassen, sollten Sie ausprobieren, welche der hier genannten Übungen Ihnen persönlich gut tun. Einige Tipps werden Sie auch aus anderen Zusammenhängen kennen, sie sind hier der Vollständigkeit halber aufgeführt und weil sie sich bewährt haben.

Allgemeine Tipps gegen das Office-Eye-Syndrom

  • Vermeiden Sie Zugluft.

    Auch Klimaanlagen und Heizungen trocknen das Auge aus. Sie können die Luft dadurch ein wenig anfeuchten, dass Sie im Winter ein Schälchen mit Wasser auf die Heizung stellen. Generell sollten Sie immer gut lüften.

  • Verzichten Sie auf Zigaretten.

    Der Verzicht aufs Rauchen wird sich nicht nur auf die Augen, sondern allgemein positiv auf Ihre körperliche Fitness auswirken, ebenso wie eine gesunde Ernährung.

  • Kühlen Sie Ihre Augenlider.

    Legen Sie kühle Schwarzteebeutel auf die Augenlider. Die enthalten Tanninen und Antioxidantien, die beruhigend und antibakteriell wirken. Das Koffein belebt und erfrischt und trägt dazu bei, dass die Lymphdrüsen aktiv werden. Mögliche Schwellungen können so zurückgehen.

  • Greifen Sie auf Tränenersatzpräparate zurück.

    Manchmal hilft alles nichts - vor allem dann, wenn mehrere Faktoren zusammen kommen. Dann können Sie in Apotheken oder Drogerien Augentropfen erwerben, mit denen sich die Symptome behandeln lassen. Je nach Schweregrad empfehlen sich unterschiedliche Mittel, daher sollten Sie unbedingt einen Augenarzt zu Rate ziehen, wenn Sie Beschwerden haben.

  • Lassen Sie Ihre Sehhilfe kontrollieren.

    Kontaktlinsen können trockene Augen verursachen, aber auch bei einer alten Brille ist das Office-Eye-Syndrom möglich. Daher ist es wichtig, die Sehstärke kontrollieren zu lassen. Eventuell muss auch eine eigens auf den Abstand zum Monitor angepasste Brille angefertigt werden.

[Bildnachweis: Rostislav_Sedlacek by Shutterstock.com]

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