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Selbstständig zu sein ist etwas Wunderbares. In der Theorie. Die Freiheit in der Zeiteinteilung, keiner redet einem rein, man arbeitet in die eigene Tasche... Und es stimmt ja auch: Noch immer gibt es in Deutschland keinen besseren Weg zu Wohlstand und Unabhängigkeit als als Unternehmer (oder Erbe). Die andere Seite wird dabei allerdings oft ausgeblendet: Gerade am Anfang ist der Weg in die Selbstständigkeit mit hohen Risiken, Unsicherheiten und Knochenarbeit verbunden. Nicht umsonst heißt es: Als Selbstständiger arbeitest du selbst und ständig...

Die Schattenseiten des Unternehmertums

Man könnte auch sagen: Die meisten Menschen schauen nur auf die süßen Früchte - und übersehen den Baum, der lange gehegt und gepflegt werden muss, bis er überhaupt die ersten Früchte trägt.

Deshalb heute sieben Wahrheiten über das Leben als Selbstständiger, die einem vorher kaum einer sagt...

  1. Das Geschäftsmodell, mit dem Du startest, ist nicht das, mit dem Du reüssierst.

    Am Anfang steht zwar immer die Grundidee. Aber die lässt sich nur selten in der Form gewinnbringend umsetzen: Entweder, weil es dafür keinen Markt gibt oder sich das Geschäftsmodell schlicht nicht rechnet. Auch die erste Website wird sich noch einige Male wandeln und das Business immer weiter verfeinern.

    Gut so! Denn das Geheimnis des Erfolgs als Selbstständiger und Unternehmer ist dasselbe wie in der Evolution auch: Anpassungsfähigkeit. Nicht die fitten überleben, sondern die, die sich am schnellsten und besten anpassen können.

    Wer krampfhaft auf die Erfüllung seines Plans stiert, übersieht höchstwahrscheinlich eine große Chance, die sich abseits des erdachten Weges auftut.

  2. Du wirst Zweifel haben und alles hinschmeißen wollen.

    Nicht einmal Karrieren verlaufen heute linear; Unternehmertum erst recht nicht. Mal läuft es richtig gut, mal gar nicht. Rechnungen müssen trotzdem weiter bezahlt werden.

    Spätestens dann kommen einem die (Selbst-)Zweifel, der Mut schwindet. Das gehört dazu - und ist zugleich der Lackmus-Test für den wahren Unternehmer: Der kann sich in solchen Phasen (die immer wieder kommen) trotzdem motivieren, arbeitet diszipliniert weiter und verfolgt seine Ziele - oder justiert sie neu (siehe Punkt 1).

  3. Familie und Freunde werden deine Euphorie nicht teilen.

    Vor allem wenn diese selbst nie selbstständig waren.

    Die meisten Menschen sind nun mal auf Sicherheit bedacht und scheuen das Risiko und Ungewisse. Auch wenn Sie selbst für Ihre Idee brennen - viele andere werden es nicht tun. Womöglich, weil die Ihre Idee und Ihr Produkt nicht verstehen oder nicht das sehen, was Sie visionieren.

    Machen Sie das keinem zum Vorwurf - so ist das eben. Hauptsache, Ihr Partner zieht mit, denn an zwei Fronten kann keiner dauerhaft kämpfen.

    Wenn also sonst keiner an Ihre Idee glaubt: Betrachten Sie das als Test, wie stark Ihr eigener Glaube ist. Denn genau diese unbeirrbare Leidenschaft und Begeisterung brauchen Sie später auch, um Kunden zu begeistern.

  4. Es gibt keinen Instant-Erfolg.

    Im Fernsehen und in Büchern werden sie häufig gefeiert: Jene, die es vom Tellerwäscher zum Millionär gebracht haben. Bravo! Aber das sind die glorreichen Ausnahmen - und selbst bei diesen wird meist unterschlagen, dass der Weg dorthin lange und beschwerlich war.

    Wir sehen oft nur den Erfolg - und ignorieren die Arbeit die dahinter steckt.

    Vielleicht verfolgen Sie die Karrierebibel ja auch schon länger. Sicher, heute erreichen wir viele Leser am Tag, haben circa 57.000 Fans auf Facebook - können davon leben und Autoren bezahlen. Was aber kaum noch einer auf dem Radar hat: Die Seite existiert seit sieben Jahren! Die ersten drei Jahre gab es keinerlei Werbeeinnahmen, keine Mitstreiter, trotzdem habe ich nahezu jeden Tag gebloggt, manchmal sogar zweimal am Tag, mehrere tausend Euro Eigenkapital in Design und Betrieb gesteckt und täglich auf rund zwei Stunden Freizeit verzichtet, auch an Wochenenden. Der Motor dafür: allein Lust und Leidenschaft.

    Aber was ich aber eigentlich sagen will: Der unternehmerische Erfolg kam erst deutlich später.

  5. Die Akquise ist das härteste Stück Arbeit.

    Auch das sagt einem keiner: Die Kunden kommen nicht von alleine.

    Das tollste Geschäftsmodell, die schickste Website nutzen nichts, wenn man sich nicht um Akquise und Vertrieb kümmert. Qualität setzt sich eben nicht von alleine durch, sondern braucht erst mal einen kräftigen Anschub.

    Nicht umsonst spricht man davon, das Geschäft anzukurbeln. In dem Begriff steckt schon ein wichtiger Hinweis: Kurbeln ist nichts Passives, man muss selber Hand anlegen und aktiv werden, zum Hörer oder zur Tastatur greifen und sich etwas ausdenken.

  6. Als eigener Chef machst Du trotzdem die Drecksarbeit.

    Endlich der eigene Chef sein und andere für sich arbeiten lassen... Hübsche Vorstellung, leider naiv.

    Natürlich ist es sinnvoll, später einmal jene Arbeiten auszulagern, die man nicht so gut und so schnell erledigen kann wie Spezialisten dafür. Zum Beispiel die Buchhaltung.

    Aber am Anfang fehlen dazu meist das Budget und folglich auch die Mitarbeiter. Der Solopreneur darf sich also für nichts zu schade sein. Ja, man ist jetzt Chef - zugleich aber auch sein eigener 400-Euro-Jobber.

    Die Sache hat aber auch etwas Gutes: Es gibt ein gutes Vorbild ab, wenn sich der Chef auch später noch die Hände schmutzig machen kann.

  7. Nach drei Jahren willst Du nie wieder etwas anderes machen - oder gibst auf.

    So wie der Erfolg nicht über Nacht kommt, stellt sich auch so etwas wie Routine und ein halbwegs geregeltes Arbeitsleben erst nach Jahren ein. Fragt man Unternehmer, sagen die: Frühestens nach durchschnittlich drei Jahren weiß man, ob man wirklich davon leben kann oder nicht.

    Bis dahin braucht es die Zeit, um Netzwerke und eine Marke aufzubauen, Absatzmärkte und einen Kundenstamm zu etablieren. Wer dann fest im Sattel sitzt, will in der Regel nie wieder ins Angestelltendasein zurück - oder gibt auf.

    Aber auch das ist genau genommen kein Scheitern: Denn man hat es wenigstens versucht!

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