Karrierestillstand
Der Job passt zu Ihnen, die Aufgaben fordern Sie, mit Kollegen und Chef kommen Sie gut klar, Ihre Position im Unternehmen ist gesichert. Klingt traumhaft. Dennoch fehlt etwas: Seit Monaten kommen Sie nicht voran, nichts bewegt sich. Sie befinden sich in einem Karrierestillstand. Früher oder später erleben viele Mitarbeiter eine solche Phase des Stillstands und es muss auch nicht gleich bedeuten, dass Ihre Karriere vorbei und der höchste Punkt erreicht ist. Die entscheidende Frage ist: Was tun Sie gegen den Karrierestillstand? Woran Sie erkennen, dass Ihre Karriere zum Stillstand gekommen ist und was Sie unternehmen können, um sie wieder in Schwung zu bringen...

Karrierestillstand: So erkennen Sie ihn

Wann das Gefühl eines Karrierestillstands aufkommt, ist sehr individuell und hängt in erster Linie von den eigenen Erwartungen an den Verlauf des beruflichen Werdegangs ab. Manche Mitarbeiter wollen es schnellstmöglich an die Spitze schaffen, alle anderen Positionen sind nur Stationen auf ihrem Weg, die sie im besten Fall nur kurzfristig besetzen wollen, um den nächsten Sprung nach oben auf der Karriereleiter zu machen.

Andere haben weniger hohe Ziele - oder einfach mehr Geduld - und können auch über einen längeren Zeitraum ohne nennenswerte Fortschritte zufrieden mit der Jobsituation sein. Für alle gilt jedoch gleichermaßen: Ist die Karriere zum Stillstand gekommen, sollte man dies erkennen, um darauf reagieren zu können. Wenn Sie es in zwei Jahren vom neuen Mitarbeiter nicht direkt in die Chefetage geschafft haben, müssen Sie noch nicht beunruhigt sein, dass Ihre Karriere stillsteht, doch gibt es einige Anzeichen, auf die Sie achten können:

  • Ihre Aufgaben verändern sich nicht. Über Monate oder gar Jahre die immer gleichen Aufgaben? Dann können Sie davon ausgehen, dass Ihre Karriere stagniert. Natürlich bringt jeder Job gewisse Kernaufgaben mit, doch mit der Zeit sollte sich das Aufgabenfeld erweitern und auch ein wenig verändern.
  • Ihnen wird keine Verantwortung übertragen. Verantwortung an Mitarbeiter abzugeben ist ein Zeichen von Respekt und Wertschätzung der Leistungen. Dürfen Sie trotz langer Betriebszugehörigkeit keine wichtigen Projekte betreuen und auch sonst keine Verantwortung tragen, kann dies für einen Karrierestillstand sprechen.
  • Sie erlernen keine neuen Fähigkeiten. Im Job geht es nicht nur darum, seine Fähigkeiten und Kenntnisse anzuwenden, sondern diese auch zu erweitern und weitere Kompetenzen zu erwerben. Bleibt Ihr Kenntnisstand über längere Zeit unverändert, scheint auch Ihre Karriere sich nicht zu entwickeln.
  • Ihnen fehlt die Perspektive. Worauf arbeiten Sie hin? Was wollen Sie erreichen? Fehlt Ihrem Job die Perspektive, steigt auch die Gefahr, dass Sie in einen Karrierestillstand geraten, da Sie nicht wissen, in welche Richtung Sie sich entwickeln wollen.

Karrierestillstand hat nicht unbedingt etwas mit Langeweile zu tun

Stokkete/shutterstock.comVielleicht assoziieren Sie Stillstand automatisch mit Langeweile. Natürlich kann diese dabei eine Rolle spielen, doch sie ist selten die Ursache und, auch wenn es kontraintuitiv klingt, kein verlässliches Warnzeichen des Stillstands.

Im Gegenteil, bestimmte Formen der Langeweile können sogar positiv, nützlich und normal sein. Eine Forschergruppe unter der Leitung von Professor Dr. Thomas Götz von der Universität Konstanz hat fünf Formen der Langeweile ermittelt.

Zu diesem Zweck haben die Forscher ihre Probanden mit Persönlichen Digitalen Assistenten ausgerüstet, die unregelmäßig den Zustand des Trägers prüften. Langweilte sich ein Proband, musste er weitere Fragen beantworten, mit deren Hilfe die Forscher die Form der Langeweile identifizieren konnten.

Der Versuch lief über zwei Wochen, insgesamt waren 63 Universitätsstudenten und 80 Gymnasiasten als Probanden beteiligt. Die Forscher ermittelten fünf Formen der Langeweile:

  1. Indifferente Langeweile

    Die Person fühlt sich entspannt und ist in sich zurückgezogen. Diese Art kommt dem allgemein als Langeweile bezeichneten Zustand am nächsten. Er ist völlig normal und in seiner Wirkung meist neutral.

  2. Kalibrierende Langeweile

    Die Gedanken der Person schweifen umher, die Aufmerksamkeit gilt keinem bestimmten Thema, grundsätzlich ist sie offen für neues. Diese Form der Langeweile kann durchaus Neugier ähneln und sich - gerade in kreativen Prozessen - positiv auswirken.

  3. Suchende Langeweile

    Die Person fühlt sich rastlos, sucht beständig nach einem neuen Reiz oder einer neuen Aufgabe. In manchen Fällen lenkt sie sich auch mit Aktivität von ihrer Ruhelosigkeit ab. Diese Art der Langeweile kann sich sowohl positiv als auch negativ auswirken. Sie kann auch bei Stillstand auftreten, wenn dieser langsam - bewusst oder unbewusst - wahrgenommen wird.

  4. Reaktante Langeweile

    Die Person wehrt sich gegen die Situation, lenkt sich ab und versucht alles, um der Lage zu entfliehen. Diese Form der Langeweile kann sich stark negativ auswirken und beispielsweise zur impulsiven Kündigung oder einem wenig durchdachten Jobwechsel führen. Sie kann auch auftreten, wenn der Stillstand als Belastung empfunden wird.

  5. Apathische Langeweile

    Diese Form der Langeweile wurde in der Untersuchung neu entdeckt. Sie ähnelt dem Zustand der erlernten Depression oder Hilflosigkeit und hat meist negative Auswirkungen. Bei einem Stillstand kann sie vor allem dann auftreten, wenn dieser unumkehrbar scheint und Resignation und Frustration einsetzen.

Längst nicht alle Formen der Langeweile sind also negativ zu sehen. Manche sind für kreatives Arbeiten und die geistige Leistungsfähigkeit sogar nötig. Doch gerade die apathische und reaktante Langeweile sollten als Warnzeichen gesehen werden. Treten sie auf, ist es meist ein deutliches Zeichen für eine inakzeptable Situation, die Sie möglichst zeitnah ändern sollten.

Karrierestillstand: Schnelle Soforthilfe

Hat sich der Karrierestillstand erst einmal eingestellt, löst er sich nicht mehr von alleine auf. Für Sie bedeutet das: Wenn Sie etwas an der Situation ändern wollen, um beruflich weiter zu kommen, müssen Sie selbst handeln, da dies niemand anders für Sie übernehmen wird. Der einfachste und auch schnellste Weg funktioniert dabei über zwei Schritte:

  1. Der erste Schritt: Vergleichen Sie Ihre aktuelle Situation mit dem Szenario, das Sie sich vorgestellt haben. Haben Sie erwartet, mehr zu verdienen oder eine höhere Position zu vertreten? Ein solcher Vergleich des Ist-Zustands mit dem Soll-Zustand macht die Unterschiede deutlich und kann Ihnen die eigenen Ziele klar machen.
  2. Der zweite Schritt: Überlegen Sie, was nötig ist, um den angestrebten Zustand zu erreichen. Manchmal kann eine neue Gehaltsverhandlung mit dem Chef ausreichen, in anderen Fällen kann vielleicht eine Fortbildung oder auch ein Arbeitgeberwechsel nötig sein.

Identifizieren Sie die Diskrepanz, alle nötigen Schritte und beginnen sofort mit der Umsetzung, können Sie den Karrierestillstand aufheben und Ihre Entwicklung wieder in Schwung bringen. Doch auch wenn dies eine schnelle Möglichkeit ist, sollten Sie keine Wunder erwarten. Es kann einige Zeit dauern, bis die Veränderungen spürbar werden.

Karrierestillstand: Vorbeugen und vermeiden

lenetstan/shutterstock.comIm besten Fall kommt es gar nicht erst zu einem Karrierestillstand, weil Sie frühzeitig gegengesteuert haben. So tun Sie nicht nur etwas für Ihren beruflichen Werdegang, weil dieser nicht ins Stocken gerät, sondern steigern gleichzeitig auch Ihre Zufriedenheit, da Sie dazu beitragen, dass die Dinge sich so entwickeln, wie Sie es gehofft haben.

Mancher Arbeitgeber kann es einem ganz schön schwer machen, einen Karrierestillstand zu vermeiden, doch mit den richtigen Methoden können Sie es trotzdem schaffen - oder zumindest frühzeitig erkennen, wenn Sie auf eine Sackgasse zusteuern.

  1. Machen Sie einen Karriereplan

    Die Karriere lässt sich zwar nicht detailliert planen, da zu viele unbekannte Variablen eine Rolle spielen, doch als grobe Orientierung kann ein solcher Karriereplan durchaus helfen. Überlegen Sie sich, was Sie bis wann erreichen wollen und prüfen Sie regelmäßig, ob Sie Fortschritte in diese Richtung machen.

  2. Bilden Sie sich weiter

    Vielleicht bietet Ihr Arbeitgeber keine Fort- und Weiterbildungen an, doch Sie können dies auch selbst in die Hand nehmen. Es gibt unzählige Kurse und Tagungen, an denen Sie teilnehmen können, um Ihre Fähigkeiten zu erweitern und so dem Karrierestillstand vorzubeugen. Gleichzeitig können Sie so gezielt bestimmen, wie Sie Ihre Karriere gestalten wollen.

  3. Halten Sie Ihre Erfolge fest

    Leider ist es leicht, die eigenen Erfolge und Leistungen zu übersehen und sich so selbst die Schuld am Karrierestillstand zu geben. Wenn Sie Ihre Erfolge festhalten, steigern Sie Ihre Motivation und haben immer die Erinnerung, dass Sie zu mehr in der Lage sind. Dies kann Ihnen auch den Mut geben, Entscheidungen zu treffen, die Ihre Karriere verändern können.

[Bildnachweis: Kaspars Grinvalds, Stokkete, lenetstan by Shutterstock.com]