Stillstand: Warum es nix mit der Karriere wird
Der Job passt zu Ihnen, die Aufgaben fordern Sie, mit Kollegen und Chef kommen Sie gut klar, Ihre Position im Unternehmen ist gesichert. Klingt traumhaft. Dennoch fehlt etwas: Seit Monaten kommen Sie nicht voran, nichts bewegt sich. Ihre Karriere ist zum Stillstand gekommen. Wenn Sie sich in dieser Beschreibung wieder erkennen, befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Viele Menschen, auch erfolgreiche Geschäftsleute, erleben solche Phasen des Stillstands früher oder später. Die entscheidende Frage ist: Was tun Sie dagegen?

Stillstand durch fehlenden Fokus

Der naheliegende Verdacht: Stillstand entsteht, wenn Ihnen klare Karriereziele oder ein Karriereplan fehlen. Das mag zwar eine Rolle spielen, ist in den meisten Fällen aber nicht der Grund für den Stillstand.

Relevant sind hierfür vielmehr zwei Fragen, die den Kern des Stillstands erfassen:

  1. Was bedeutet Arbeit für Sie?

    Ihre Wahrnehmung von und Haltung zur Arbeit sind maßgeblich für den Karrierefortschritt. Zumindest in Deutschland muss Arbeit, so die gängige Haltung, anstrengend und mühsam sein und darf keinen Spaß machen. Dieser Ansatz ist aber falsch. Wenn Sie sich von dieser Sicht lösen und Arbeit als eine Chance betrachten, Ihre Fähigkeiten einzusetzen und sich selbst weiterzuentwickeln, gehen Sie Ihre Karriere gleich ganz anders an. Der temporäre Stillstand wird dann zur Option, zur (Neu-)Orientierungsphase.

  2. Was treibt Sie an?

    Wissen Sie, warum Sie jeden Morgen zur Arbeit gehen? Ist es der reine Broterwerb? Oder erfüllt Ihre Arbeit einen Zweck in Ihrem Leben? Sehen Sie einen Sinn in Ihrer Tätigkeit? Selbst wenn der Job nur der finanziellen Absicherung dient, kann er beispielsweise die Gelegenheit bieten, sich - nebenbei - ehrenamtlich zu engagieren. Wenn Sie wissen was Sie antreibt, gibt es keinen generellen Stillstand.

Kurzum: Wenn Sie Ihre Haltung regelmäßig reflektieren, können Sie Ihre Karriere sofort aktiver gestalten.

Langeweile: Spannender als gedacht

Stokkete/shutterstock.comVielleicht assoziieren Sie Stillstand automatisch mit Langeweile. Natürlich kann diese dabei eine Rolle spielen, doch sie ist selten die Ursache und, auch wenn es kontraintuitiv klingt, kein verlässliches Warnzeichen für Stillstands.

Im Gegenteil, bestimmte Formen der Langeweile können sogar positiv, nützlich und normal sein. Eine Forschergruppe unter der Leitung von Professor Dr. Thomas Götz von der Universität Konstanz hat fünf Formen der Langeweile ermittelt.

Zu diesem Zweck haben die Forscher ihre Probanden mit Persönlichen Digitalen Assistenten ausgerüstet, die unregelmäßig den Zustand des Trägers prüften. Langweilte sich ein Proband, musste er weitere Fragen beantworten, mit deren Hilfe die Forscher die Form der Langeweile identifizieren konnten.

Der Versuch lief über zwei Wochen, insgesamt waren 63 Universitätsstudenten und 80 Gymnasiasten als Probanden beteiligt. Die Forscher ermittelten fünf Formen der Langeweile:

  1. Indifferente Langeweile

    Die Person fühlt sich entspannt und ist in sich zurückgezogen. Diese Art kommt dem allgemein als Langeweile bezeichneten Zustand am nächsten. Er ist völlig normal und in seiner Wirkung meist neutral.

  2. Kalibrierende Langeweile

    Die Gedanken der Person schweifen umher, die Aufmerksamkeit gilt keinem bestimmten Thema, grundsätzlich ist sie offen für neues. Diese Form der Langeweile kann durchaus Neugier ähneln und sich - gerade in kreativen Prozessen - positiv auswirken.

  3. Suchende Langeweile

    Die Person fühlt sich rastlos, sucht beständig nach einem neuen Reiz oder einer neuen Aufgabe. In manchen Fällen lenkt sie sich auch mit Aktivität von ihrer Ruhelosigkeit ab. Diese Art der Langeweile kann sich sowohl positiv als auch negativ auswirken. Sie kann auch bei Stillstand auftreten, wenn dieser langsam - bewusst oder unbewusst - wahrgenommen wird.

  4. Reaktante Langeweile

    Die Person wehrt sich gegen die Situation, lenkt sich ab und versucht alles, um der Lage zu entfliehen. Diese Form der Langeweile kann sich stark negativ auswirken und beispielsweise zur impulsiven Kündigung oder einem wenig durchdachten Jobwechsel führen. Sie kann auch auftreten, wenn der Stillstand als Belastung empfunden wird.

  5. Apathische Langeweile

    Diese Form der Langeweile wurde in der Untersuchung neu entdeckt. Sie ähnelt dem Zustand der erlernten Depression oder Hilflosigkeit und hat meist negative Auswirkungen. Bei einem Stillstand kann sie vor allem dann auftreten, wenn dieser unumkehrbar scheint und Resignation und Frustration einsetzen.

Längst nicht alle Formen der Langeweile sind also negativ zu sehen. Manche sind für kreatives Arbeiten und die geistige Leistungsfähigkeit sogar nötig. Doch gerade die apathische und reaktante Langeweile sollten als Warnzeichen gesehen werden. Treten sie auf, ist es meist ein deutliches Zeichen für eine inakzeptable Situation, die Sie möglichst zeitnah ändern sollten.

Sofortmaßnahmen gegen den Stillstand

Erkennen Sie eine oder mehrere negative Formen der Langeweile bei sich und ist Ihre Karriere zum Stillstand gekommen, sollten Sie handeln.

  1. Der erste Schritt: Beantworten Sie die beiden eingangs gestellten Fragen, und machen Sie sich sowohl die Bedeutung der Arbeit als auch Ihren Antrieb klar.

    Für die Sofortmaßnahmen ist vor allem die Bedeutung der Arbeit relevant. Kennen Sie diese können Sie daraus auch eine Beschreibung des individuell passenden Jobs und einer wünschenswerten Karriere ableiten.
  2. Der zweite Schritt: Vergleichen Sie die wünschenswerte Situation mit der aktuellen Lage. Was muss sich ändern, um Ihre jetzige Situation Ihrem Wunsch anzunähern?

Identifizieren alle nötigen Schritte und beginnen Sie so schnell wie möglich mit der Umsetzung. Manche Veränderungen - beispielsweise ein Gespräch im Team oder mit Ihrem Chef - mögen eine ziemliche Hürde darstellen. Andere Schritte, beispielsweise die Neuorganisation Ihres Workflows oder eine Veränderung Ihrer Arbeitszeit innerhalb der Gleitzeitgrenzen, lassen sich vermutlich mit geringerem Aufwand umsetzen.

Beginnen Sie mit den einfachsten Schritten und arbeiten Sie sich langsam weiter vor. Nach und nach näheren Sie sich Ihrem Wunschzustand an und können so den Stillstand überwinden.

Stillstand vorbeugen und vermeiden

Sergey Nivens/shutterstock.comHaben Sie den aktuen Stillstand überwunden und nehmen Sie die ersten Anzeichen dafür wahr, ist die Zeit zur Prävention gekommen. Idealerweise können Sie verhindern, dass Stillstand überhaupt erst entsteht.

Die folgende Sammlung umfasst fünf bewährte Tools und Verhaltensweisen, mit denen Sie Stillstand vorbeugen und vermeiden können. Es müssen nicht alle zur Anwendung kommen. Wählen Sie die aus, die sie regelmäßig in Ihren Alltag integrieren können:

  1. Erfolgs- und Dankbarkeitstagebuch

    Diese Methode hilft Ihnen nicht nur dabei, Ihre Leistung im Blick zu behalten. Sie machen sich dadurch auch immer wieder bewusst, was für Sie wichtig und verlieren so Ihren Antrieb nie aus den Augen. Dadurch können Sie aufkeimendem Stillstand entgegenwirken und immer wieder neu motivieren.

  2. Reflexionsgespräche

    Wenn Sie sich für Ihre Reflexion regelmäßig einen Sparringspartner - egal ob professioneller Coach oder Freund - dazu holen, wird diese deutlich effektiver. Solche Reflexionsgespräche lassen Stillstand gar nicht erst aufkommen.

  3. Karriereplan

    Auch wenn wir nicht die größten Fans von Karriereplänen sind, hat ein grober Plan durchaus seine Berechtigung. Haben Sie einen solchen Roten Faden, können Sie sich immer wieder an ihm orientieren und merken schnell, wenn Sie sich karrieretechnisch in die falsche Richtung entwickeln und gegensteuern sollten.

  4. Weiterbildung

    Damit ist nicht die vom Arbeitgeber vorgegebene, sondern die selbst gewählte und erwünschte Weiterbildung gemeint. Auch der Erwerb neuer Kompetenzen und Qualifikationen kann dabei helfen, Ihr Spektrum zu erweitern und Stillstand vorzubeugen.

  5. Freizeitgestaltung

    Eine aktive Freizeitgestaltung, in der Sie ganz bewusst Wert auf Zeit mit Familie, Freunden und Leidenschaftsthemen legen, ist die beste Vorbeugung gegen Stillstand. Ganz nebenbei sorgen Sie so auch für einen hervorragenden Ausgleich zur Arbeit.

Stillstand zu vermeiden, bedeutet, für konstante Entwicklung zu sorgen, die Bedeutung der Arbeit zu reflektieren und sich neuen Wegen zu öffnen.

Tun Sie das bewusst, hat Stillstand keine Chance.

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