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Man kann vieles richtig machen – und trotzdem scheitern: Der Termin mit dem Chef steht seit drei Wochen, die Gehaltsverhandlung ist perfekt vorbereitet, im Gespräch werden vergangene Leistungen sowie der Mehrwert für das Unternehmen betont. Trotzdem würgt der Chef die Debatte ab, er habe gerade selbst eine Budgetkürzung erfahren. Alle müssen sparen. Und wo man gerade zusammensitzt: Wie sieht es eigentlich bei der eigenen Abteilung aus? Sparpotenziale??? Tja. Timing ist alles. Zur rechten Zeit am rechten Ort sein, die Zeichen der Zeit erkennen, die Gunst der Stunde nutzen, den rechten Augenblick abpassen, wissen, was die Stunde geschlagen hat, ... - wer im Leben, in der Liebe und im Job den Erfolg will, muss das beherrschen.

Der richtige Augenblick: Timing ist alles

Profis wissen um die Macht des perfekten Zeitpunkts:

  • Orchestermusiker ohne rechtes Timing klingen wie der Einsteigerkurs für musikalische Früherziehung.
  • Börsenspekulanten ohne Gespür für den richtigen Moment, verkaufen entweder zu spät oder steigen zu spät ein. Auf jeden Fall machen sie Verlust.

"Nichts auf der Welt ist so mächtig, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist", sagte einst Victor Hugo. Und man möchte dem hinzufügen: Nichts lässt sie grandioser misslingen als schlechtes Zeitmaß.

Das Problem daran ist nur: Wie erkennt man den richtigen Zeitpunkt?

Es gibt Dinge, die keinen Aufschub dulden – andere dagegen verlangen geradezu danach.

Drei Wünsche frei: Ein Witz über perfektes Timing

Flaschengeist-AladinsLampe-3WünschefreiZwei Mitarbeiter und ihr Chef finden in der Mittagspause eine alte Lampe mit einem Geist darin. Der offenbart ihnen jeweils einen Wunsch. "Ich zuerst. Ich zuerst", brüllt Kasupke aus dem Marketing. "Ich möchte an einem Strand auf den Seychellen umringt von den hübschesten Mädchen liegen..." KLONK - der Wunsch geht in Erfüllung. "Jetzt ich", fordert Lehmann vom Controlling. "Ich möchte Rockstar sein und ein Penthouse in New York bewohnen..." KLONK - auch der Wunsch geht in Erfüllung. "Und du?", fragt der Geist den Chef. "Ich möchte, dass die beiden nach der Mittagspause wieder im Büro sind."

Gunst der Stunde: Die Bedeutung und das Erkennen

Zugegeben, richtiges Timing hat manchmal auch ganz viel mit Zufall zu tun: Sie verpassen Ihren Flieger und kommen in der Wartelounge mit einem Mann ins Gespräch, der gerade auf der Suche nach einem neuen Geschäftsführer ist – jemand, wie Ihnen. Das ist Glück. Aber selten.

Viel öfter ist erfolgreiches Timing eine Frage des Gespürs.

Was viele erfolgreiche Menschen eint: Sie entwickeln schon frühzeitig sensible Antennen dafür, wann es besser ist, die Klappe zu halten oder selbige aufzumachen.

  • Sie machen zum Beispiel im Meeting öfter Pausen und schonen so ihre Kräfte bis sich alle müde gestritten haben und offenbaren dann erst einen Vorschlag, der von allen am wenigsten Veränderung erfordert. Breiter Applaus ist ihnen sicher.
  • Ebenso wissen sie, dass es nicht klug ist, eigene Konzepte zu präsentieren, wenn der Chef einen gerade auf dem Kieker hat.
  • Und dass man mit dem Boss nicht über mehr Gehalt spricht, wenn der gerade schlechte Laune hat, gehört für sie ebenfalls zum kleinen Einmaleins.

Zum richtigen Timing zählt aber nicht nur Pünktlichkeit im Sinne von: auf den Punkt genau platziert. Auch auf das rechte Tempo kommt es an.

Rechtzeitig fertig werden, können einige. Es schadet aber, wenn jemand anderes parallel ein noch schillernderes Projekt abschließt. Das mindert immer Aufmerksamkeit, denn man muss sie sich nun teilen. Schlauer wäre deshalb, schneller zu sein und die Abschlussrede zuerst zu halten. Oder etwas später, um dem anderen die Schau zu stehlen (falls das geht).

Die Gunst der nächsten Stunde: Timing ist keine Einmal-Chance

Wahr ist aber auch: Optimale Zeitfenster öffnen sich im Leben immer wieder. Die wenigsten sind einmalig. Das ist eine gute Nachricht.

Deshalb gehört Geduld und Abwarten können zur Strategie des richtigen Timings ebenso dazu, wie auch die Gunst der nächsten Stunde nutzen zu können. Zumindest, wenn man dafür aufmerksam genug ist und flexibel. Dann aber auch wieder beharrlich, um dranzubleiben.

1962 stellte sich zum Beispiel eine kleine Band mehreren Plattenfirmen vor. Sie erhielt lauter Absagen. Das Unternehmen Decca Records bescheinigte ihnen gar, Gitarrengruppen seien aus der Mode. Schlechtes Timing. Für den Moment. Die Truppe gab dennoch nicht auf und fand schließlich doch noch eine Plattenfirma. Der Name der Band: The Beatles.

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