Wartesemester: Die Zeit sinnvoll nutzen
Nicht immer klappt es auf Anhieb mit dem Wunschstudium. In den meisten Fällen steht dabei die Abschlussnote im Weg, weshalb viele angehende Studenten immer wieder über den Numerus Clausus reden. Aber auch wenn es mit dem Studienplatz nicht im ersten Anlauf funktioniert, müssen Sie die Flinte noch nicht ins Korn werfen. Es gibt schließlich noch andere Möglichkeiten, in einen zulassungsbeschränkten Studiengang zu kommen. Eine davon sind die sogenannten Wartesemester. Zugegeben erfordert es ein gewisses Maß an Geduld, doch wenn die Motivation für einen Studiengang groß genug ist, nehmen Sie auch die Wartezeit in Kauf. Aber nur herumsitzen macht sich spätestens bei Ihren Bewerbungen im Lebenslauf negativ bemerkbar. Aus diesem Grund zeigen wir Ihnen, wie Sie die Zeit der Wartesemester sinnvoll nutzen...

Wartesemester: Was ist das überhaupt?

Als Wartesemester wird die Zeit bezeichnet, die zwischen Ihrem Abitur - oder einem anderen Abschluss, der Ihnen den Besuch einer Universität oder Hochschule ermöglicht - und dem tatsächlichen Beginn Ihres Studiums liegt. Zur Verdeutlichung ein einfaches Beispiel: Hätten Sie das Abitur im Sommer 2014 erworben, hätten Sie aktuell vier Wartesemester: Das Wintersemester 2014/2015, das Sommersemester 2015, das Wintersemester 2015/2016 und das Sommersemester 2016. Das Semester, in dem Sie Ihr Abitur erhalten haben, wird nicht in die Berechnung Ihrer Wartesemester einbezogen.

Es gibt aber auch Ausnahmen von dieser Berechnung. Diese Zeiten werden als Parkstudienzeiten bezeichnet. Dabei handelt es sich um die Semester, die Sie an einer deutschen Universität oder Hochschule eingeschrieben waren. Wollen Sie sich über Ihre Wartesemester für einen zulassungsbeschränkten Studiengang qualifizieren, dürfen Sie sich in dieser Zeit also nicht an einer anderen deutschen Universität immatrikulieren.

Auslandssemester werden hingegen in der Regel nicht von der Wartezeit abgezogen. Denken Sie darüber nach, sollten Sie sich zunächst aber trotzdem über die genauen Regelungen informieren. Diese können in Deutschland je nach Bundesland variieren.

Wartesemester: Wie funktionieren sie?

Oft wird fälschlicherweise angenommen, die Wartesemester würden sich positiv auf den NC auswirken, wodurch mit der Zeit die Chancen steigen würden, einen der begehrten Studienplätze zu erhalten. Diese Annahme ist jedoch schlichtweg falsch, denn es findet keine Anrechnung der Wartesemester auf den NC statt.

Stattdessen gibt es eine Wartesemester-Quote, nach der jedes Semester eine gewisse Anzahl an Studienplätze an Studenten mit den höchsten Wartesemestern vergeben werden. Je nach Beliebtheit des Studiengangs können aber auch einige Jahre vergehen, bevor Sie auf diese Weise einen Studienplatz ergattern können.

Für Medizin liegt die Wartezeit beispielsweise meist besonders hoch. Hier kann es bis zu 14 Wartesemester (also sieben Jahre) dauern, bis Sie einen Studienplatz über die Wartesemester erhalten.

Wartesemester: Wie Sie Ihre Zeit sinnvoll nutzen können

Peter Bernik/shutterstock.comAbhängig vom Wunschstudiengang können aus einigen Wartesemestern also auch schnell einmal mehrere Jahre werden. Da ist es wichtig, einen konkreten Plan zu haben, wie Sie diese Zeit sinnvoll nutzen können. Niemand möchte bei seiner Bewerbung angeben müssen, dass er einige Semester lang nur darauf gewartet hat, endlich studieren zu können. Eine solche Hartnäckigkeit kann zwar Ihre Motivation und Ihren Willen unterstreichen, doch ist es dennoch eine große Lücke im Lebenslauf, die Sie zu erklären haben. Aber es gibt viele Möglichkeiten, wie Sie Ihre Zeit nutzen können - und dabei möglicherweise sogar schon an Ihrer späteren Karriere arbeiten. Wir haben einige Vorschläge für Sie zusammengestellt.

  1. Studieren Sie im Ausland

    Wie bereits erwähnt, werden Auslandssemester häufig nicht von der Wartezeit abgezogen. Somit bieten Sie eine gute Gelegenheit, erste Kurse zu absolvieren, die Sie sich vielleicht sogar später anerkennen lassen können. An dieser Stelle sei aber noch einmal erwähnt, dass je nach Bundesland andere Regelungen gelten. Versichern Sie sich daher, dass ein Studium im Ausland wirklich keine Auswirkungen auf Ihre Wartesemester hat. Am besten erfragen Sie dies direkt beim Studierendensekretariat der Universität, für die Sie sich entschieden haben.

  2. Machen Sie ein Praktikum

    Ein Klassiker, um die Wartezeit zu überbrücken, ist das Praktikum. Kritiker beklagen immer wieder, dass es sich dabei nur um günstige Arbeitskräfte handelt, aber nichtsdestotrotz kann es eine große Hilfe für den späteren Berufseinstieg sein. Vielleicht haben Sie sogar das Glück, Ihr Praktikum in einem namhaften Unternehmen machen zu können und sich nicht nur gute Referenzen für Ihre Bewerbungen zu erarbeiten, sondern auch hilfreiche Kontakte zu knüpfen.

  3. Machen Sie eine Berufsausbildung

    Bei längerer Wartezeit können Sie auch eine Berufsausbildung in Ihrem Bereich machen. Dadurch erhöhen Sie nicht nur Ihre Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt, sondern verschaffen sich gleichzeitig einen Vorteil für Ihr Studium. Viele Inhalte werden Sie bereits kennen und auch in der praktischen Umsetzung beherrschen.

  4. Verreisen Sie für längere Zeit

    Sie können die zusätzliche Zeit auch nutzen, um für eine längere Zeit ins Ausland zu gehen und andere Kulturen kennenzulernen. Voraussetzung ist natürlich das nötige Kleingeld. Sollte es daran mangeln, können Sie das Reisen auch mit Arbeit kombinieren und beispielsweise ein Work & Travel oder einen Au-Pair Aufenthalt planen. Ein zusätzlicher Tipp: Wenn Sie vor Ort sind, sollten Sie unbedingt auch einen Sprachkurs machen.

Was ist der Numerus Clausus?

Für Abiturienten rücken Wartesemester meist erst in den Fokus, wenn der direkte Studienzugang nicht geklappt hat. Schuld daran ist in der Regel der häufig thematisierte Numerus Clausus (NC). Doch was genau hat es damit eigentlich auf sich?

Meistens wird der NC mit der Abschlussnote des Abiturs gleichgesetzt. Getreu dem Motto Ich habe einen NC von... werden so die Zeugnisse untereinander verglichen. Doch eigentlich sind es nicht die Abiturienten, sondern die Studienfächer, die einen NC haben.

Der NC kommt immer dann zum Einsatz, wenn es für ein Studium zu viele Bewerber für eine begrenzte Anzahl an Plätzen gibt. In diesem Fall werden die verfügbaren Plätze an die besten Kandidaten vergeben, angefangen bei einer Note von 1,0. Der Numerus Clausus für dieses Fach entspricht dann der Note des letzten Kandidaten, der mit seinem Schnitt noch einen Platz erhalten hat.

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