In einem funktionierendem Team arbeiten die einzelnen Personen nicht nur gut zusammen, nein, sie reden auch miteinander und schaffen eine angenehme Team-Atmosphäre. Das funktioniert allerdings nicht immer, daher gibt es in vielen Teams Außenseiter. Sie sind zwar offiziell Mitglieder des Teams, gehören jedoch nicht wirklich dazu und werden weitestgehend ausgeschlossen. Das ist sowohl auf der persönlichen als auch auf der professionellen Ebene ein Verlust. Dabei können viele Außenseiter ins Team integriert werden – wenn der Vorgesetzte aktiv daran arbeitet.
Und das sollten Sie als Chef oder Vorgesetzter unbedingt tun, denn im “besten” Fall ist ein Außenseiter ruhig und frisst so lange alles in sich hinein, bis er ausfällt. Im schlimmsten Fall kann er jedoch zur Belastung für das Team werden und die Atmosphäre nachhaltig stören. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie den einzelnen Mitarbeiter als Problem sehen sollten. Sicher gibt es Menschen, die einfach nicht mit anderen zusammenarbeiten können. In einem solchen – seltenen – Fall kann eine Versetzung des Mitarbeiters an eine Position, in der er weitestgehend alleine arbeiten kann, die Lösung sein.
Ursachenforschung
Bevor Sie jedoch zu solch drastischen Mitteln greifen, sollten Sie die Art des Problems und dessen Ursachen ermitteln. Es kann sich bei dieser Situation um
- eine aktive Ausgrenzung durch die Kollegen,
- eine aktive Abschottung des Einzelnen oder
- eine ungewollte Ausgrenzung handeln.
Das Problem an der Wurzel packen
Im ersten Fall haben Sie ein deutlich größeres Problem, als die Situation des einzelnen Mitarbeiters. Denn in einem Team, das einen Mitarbeiter aktiv ausgrenzt, fehlen ganz grundlegende Mechanismen wie beispielsweise gegenseitiger Respekt, professionelle Anerkennung und kollegiale Unterstützung. Hier sollten Sie aktiv mit professioneller Supervision und Team-Coachings ansetzen. Erlebnispädagogische Maßnahmen – etwa der Besuch eines Hochseilgartens oder gemeinsames Rafting – sind nicht zielführend.
Schottet sich der Mitarbeiter allerdings aktiv ab, kommen Sie um ein klärendes Mitarbeitergespräch und möglicherweise eine anschließende Aussprache im Team nicht herum. Liegen die Gründe der Abschottung im privaten Bereich, können Sie als Chef zumindest für eine gewisse Entlastung des einzelnen Mitarbeiters sorgen. Dabei müssen Sie dem restlichen Team jedoch zumindest grob erläutern, warum diese Entlastung notwendig ist. Denn die Kollegen müssen die Arbeit des Mitarbeiters mit übernehmen und sind so ebenfalls von dem Problem betroffen.
Der häufigste Fall ist jedoch die dritte Konstellation. Die Ausgrenzung findet hier schleichend und unbewusst statt. Es ist entscheidend, dass Sie als Vorgesetzter rechtzeitig reagieren, bevor die Situation eskaliert. Denn dann entstehen oft Gräben, die sich nicht oder nur schwer überbrücken lassen. Meist fallen dann Sätze wie: “Wenn wir das früher gewusst hätten!” Ersparen Sie sich und Ihren Mitarbeitern diesen Ärger.
Bewusstsein schaffen und gemeinsame Lösungen finden
Versetzten Sie sich bitte in folgende Situation: Sie sind Chef eines zehnköpfigen Teams. In den letzten Wochen haben Sie den Eindruck gewonnen, dass einer der Mitarbeiter nur mitläuft und von den anderen mehr oder weniger spürbar ausgegrenzt wird. Wie reagieren Sie? Viele Chefs suchen direkt das Teamgespräch. Machen Sie diesen Fehler bitte nicht! Es hilft weder Ihnen noch Ihren Mitarbeitern, wenn Sie das Thema ansprechen und dann niemand so recht weiß, von was Sie eigentlich sprechen.
Führen Sie stattdessen im Vorfeld Gespräch mit den einzelnen Mitarbeitern, in denen Sie das Thema allgemein ansprechen. Achten Sie dabei ganz genau auf die Antworten und bekommen Sie so ein Gespür dafür, wie Ihre Mitarbeiter die Situation wahrnehmen. Coaching, Supervision oder erlebnispädagogische Aktionen können das Bewusstsein für die Situation schärfen und das Team zusammenführen – ein Erfolg ist jedoch keineswegs garantiert.
Die einfachere Alternative: Sprechen Sie das Thema im Team an – allerdings eben erst, nachdem Sie mit jedem Einzelnen gesprochen und das Thema so auf die Agenda gehoben haben. Ein solches Teamgespräch ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn der ausgegrenzte Mitarbeiter damit zurecht kommt. Ist das nicht der Fall, verschlimmern Sie seine Situation nur noch. Was bei Ihrem Mitarbeiter zutrifft, müssen Sie auf der Grundlage Ihrer Einschätzung des Mitarbeiters entscheiden. Ein Patentrezept gibt es dafür nicht.
Ist ein solches Gespräch keine Option, sollten Sie den Mitarbeiter gezielt mit Aufgaben betrauen, bei denen er eng mit seinen Kollegen zusammenarbeiten muss. Manchmal reicht es bereits, das Team intensiv an einem gemeinsamen Projekt arbeiten zu lassen und hier und da dafür zu sorgen, dass der bisher ausgegrenzte Mitarbeiter in die Arbeit integriert wird.
Mitarbeiter sind kein Human Kapital
Unabhängig von Ihrer Vorgehensweise sollten Sie immer das Wohl Ihrer Mitarbeiter im Blick haben. Das mag idealistisch und naiv klingen, doch wenn Sie Ihre Team-Mitglieder nur als Human Kapital sehen, werden Sie wahrscheinlich mit allen Maßnahmen scheitern. Die Mitarbeiter spüren sehr deutlich, ob ein Chef sich wirklich um Ihre Belange, oder nur um seine Quartalsergebnisse sorgt. Im zweiten Fall kann es zwar sein, dass das Team seine internen Konflikte beendet. Zum Vorteil des Vorgesetzten dürfte das allerdings nicht sein. Ganz im Gegenteil.
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Sibilla Klüsch
Sehr hilfreiche Tipps. Manchmal liegt es aber nicht nur an den Mitarbeitern des Teams, die einen Mitarbeiter ausgrenzen, sondern auch am Charakter des jeweiligen Mitarbeiters ist ebenso entscheidend. Ich selbst habe mir früher immer etwas schwer getan, im Team zu arbeiten, da ich von Haus aus sehr schüchtern war. In gewisser Weise hat es auch damit zu tun, wie die Chemie im Team und unter den Mitarbeitern selbst ist. Wenn man sich untereinander nicht leiden kann, dann kann es schon mal schwer werden, gut zusammenzuarbeiten.
Anonymous
Es ist doch garnicht erwünscht, dass alle Mitarbeiter integriert werden. Jeder Vorgesetzte hat ein paar Lieblinge, die sich bei ihm einschmeicheln konnten. Die will er schützen. Darum versucht jeder Vorgesetzte ganz bewußt ein, zwei, drei Leute heranzuziehen, die er als Bauernopfer opfern kann, um seine Lieblinge zu schützen. Leute, die vom Kernteam ausgeschlossen oder gemobbed werden kommen doch einem Vorgesetzten da gerade recht!
Die kann er beim Personalabbau als Kündigungskandidaten vorschlagen und den Grund frei Haus liefern, weil sie sich angeblich nicht integrieren.
Christian Mueller
Hallo,
das klingt für mich jetzt allerdings nach sehr negativen Erfahrungen, die ich so nicht bestätigen kann. Ich habe meine Chefs immer so erlebt, dass alle Mitarbeiter in das Team integriert haben und so sollte das auch sein.
Das Szenario, dass du beschreibst, ist dagegen alles andere als gut. In diesem Fall sehe ich das Problem jedoch primär beim Chef, denn wenn er eine solche Kultur fördert, passt sich das Team natürlich auch an. Das wäre für mich ein Grund, über einen Jobwechsel nachzudenken.
Gruß,
Christian
Stefan Bressel
“Mitarbeiter integrieren” ist auf jeden Fall richtig, denn es heißt ja auch: “Mit” – “Arbeiter” und nicht “Aussen” – “Arbeiter”.
Gruß von Stefan.