Arzt werden? Berufliche Alternativen für Mediziner

Am besten wirst Du Arzt – das sagen manche Eltern. Und übersehen dabei, dass die beruflichen Perspektiven des Arztberufs alles andere als verlockend sind. Im Klinikdienst winken beispielsweise unbezahlte Bereitschaften und relativ wenig Verdienst für die Verantwortung, die ein Mediziner tragen muss. Eine Praxis als niedergelassener Arzt wiederum ist eigentlich nur in der Stadt wirtschaftlich attraktiv – dort ist allerdings die Konkurrenz besonders groß, und eine berufliche Weiterentwicklung ist obendrein fast unmöglich. Zum Glück gibt es Alternativen

Arzt werden? Berufliche Alternativen für Mediziner

Berufliche Alternativen für Mediziner

Das Medizinstudium zählt noch immer zu den anspruchsvollsten und arbeitsintensivsten Studiengängen überhaupt. Die Karriere als Arzt muss deswegen aber nicht programmiert sein. In verschiedenen Unternehmen finden sich ebenso Karierechancen für Ärzte…

Hier sind die 7 attraktivsten Alternativen für Mediziner:

  1. Pharmaunternehmen

    Die naheliegendste Alternative für Mediziner ist die Pharmaindustrie. Hier finden Sie ein weites Aufgabenfeld von der Entwicklung von Substanzen und deren Überprüfung im Labor über die Konzeption, Durchführung und Evaluation von Anwendungsstudien bis hin zu Beratung von Ärzten und dem Vertrieb von Medikamenten.

    Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere in der pharmazeutischen Industrie sind fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse zusätzlich zum Medizinstudium. Schließlich kostet die Entwicklung eines Medikaments dreistellige Millionenbeträge, die das Produkt anschließend wieder einspielen muss. Empfehlenswert sind außerdem gute Praxiskenntnisse – beispielsweise, weil Sie über das passende Forschungsthema promoviert haben.

    Im Regelfall müssen Sie vor dem Einstieg in die Pharmabranche eine Fortbildung absolvieren – beispielsweise ein Aufbaustudium für Mediziner und Naturwissenschaftler. Wenn Sie das erfolgreich abgeschlossen haben, stehen Ihnen vom Laborleiter über den Gebietsdirektor für den Medikamentenvertrieb bis hin zum CEO eines renommierten Arzneimittelherstellers alle Wege offen. Nur der Weg zurück zum Patienten gelingt selten.

  2. Medizintechnik

    Auch bei der Entwicklung von Krankenhaustechnik, medizinischen Geräten und bildgebenden Verfahren ist neben technischem Know-how fundiertes Wissen über den Menschen und seine Reaktion auf Umweltbedingungen notwendig: Schließlich soll der Patient ja nicht etwa beim Einführen eines Katheters an inneren Blutungen oder einem allergischen Schock sterben.

    Auch für eine Karriere in der Medizintechnik-Branche ist betriebswirtschaftliche Erfahrung neben der medizinischen Qualifikation notwendig: Auch die Entwicklung neuer Geräte und Verfahren muss sich rechnen. Noch wichtiger sind allerdings ingenieurwissenschaftliche Kenntnisse, um das medizinisch Notwendige auch technisch umsetzen zu können – auch dafür bieten einige Hochschulen spezifische Weiterbildungen an.

    Die Karrieremöglichkeiten sind in der Medizintechnik noch besser als in der Pharmaindustrie: Weil die Unternehmen dieses Sektors der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt sind, ist die Strahlkraft ihrer Namen geringer – entsprechend kleiner ist das Interesse der Absolventen. Wenn Sie bei einem Anbieter den Einstieg geschafft haben, können Sie fast problemlos von einem zum nächsten Unternehmen der Sparte wechseln, wenn es bessere Perspektiven bietet.

  3. Medizininformatik

    Der Computer ist mittlerweile auch in der Medizin nicht mehr wegzudenken: Sein Einsatzgebiet reicht von der Klinikverwaltung über die Abrechnung mit den Krankenkassen und den Aufbau von Datenbanken zu Substanzen und deren (Neben-)Wirkungen bis hin zum Modellieren von Abläufen im menschlichen Körper, um den Einsatz von Versuchstieren bei der Erprobung von Wirkstoffen zu reduzieren. Logisch, dass es diese Software nicht von der Stange gibt.

    Auch wenn es Sie bei den großen Unternehmen der Branche in der Regel nichts selbst programmieren müssen, benötigen Sie zumindest grundlegende IT-Kenntnisse, um die Machbarkeit der Projekte abschätzen zu können. In kleineren Unternehmen ist die Beherrschung der einschlägigen Programmiersprachen dagegen zwingend nowendig, weil deren Mitarbeiter meist mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen.

    Karriereperspektiven finden Sie sowohl in der Entwicklung und der Implementierung der Software, im Support und auch im Vertrieb. Die Aufstiegsmöglichkeiten sind hervorragend, weil die Branche klein ist und viel Potenzial besitzt. Außerdem besteht immer die Chance, ein gefragtes Programm mit zu entwickeln – und anschließend an der Verkaufsprovision zu verdienen.

  4. Klinik-Management

    Krankenhäuser sind heutzutage Wirtschaftsunternehmen, die mit ihren Ressourcen haushalten müssen. Da hier aber der Mensch und nicht die Gewinnmaximierung im Mittelpunkt stehen sollte, müssen neben betriebswirtschaftlichen Aspekten auch medizinische Faktoren bei der optimierung der Abläufe berücksichtigt werden: Dabei kommen dann folgerichtig die Mediziner zum Zuge.

    Karriere-Voraussetzung ist eine Weiterbildung oder ein Aufbaustudium in Gesundheitsmanagement oder Krankenhaus-Betriebswirtschaft. Damit steht Ihnen dann allerdings der Weg bis ins Top-Management offen, denn im Lauf des Konzentrationsprozesses der Kliniken entstehen nationale wie internationale Versorgungs-Giganten, in deren oberster Führungsriege stets mindestens ein Mediziner tätig ist.

  5. Versicherungswesen

    Eine Einstiegsoption ist der medizinische Dienst der Krankenkassen: Hier beurteilen Mediziner die Pflegebedürftigkeit von Betreuten und sorgen für die Einordnung in die passende Pflegestufe. Obendrein beurteilen Ärzte für die Krankenversicherer neue Medikammente wie Verfahren und entscheiden über deren Aufnahme in den Leistungskatalog. So stellen sie sicher, dass die Patienten stets bestmöglich versorgt werden – in medizinischer wie finanzieller Hinsicht.

    So breit wie die Aufgaben sind auch die Anforderungen: Neben fundiertem Wissen über Krankheitsbilder und Wirkstoffe ist die sichere Beherrschung der einschlägigen Paragraphen des Krankenversicherungsrechts notwendig. Der Lohn ist eine Karriere, die mit der Behördenlaufbahn durchaus vergleichbar ist. Hier sind Sie richtig, wenn Sie Sicherheit und planbaren Aufstieg suchen.

    Anders sieht es bei Lebens- und Unfallversicherungen aus: Da das medizinische Wissen in den letzten Jahren stark zugenommen hat, sind Ärzte zu gefragten Experten geworden, die bei der Entwicklung von Produkten Risiken und finanzielle Folgen beurteilen und damit für den Versicherer kalkulierbar machen. Sie sind es auch, die die individuellen Risiken des Einzelnen bewerten und so essenziell über die Versicherungskonditionen entscheiden.

    Voraussetzung für den Einstieg ist eine mindestens fortgeschrittene Facharztausbildung. Dazu kommen idealerweise Kenntnisse in der Versicherungsmathematik. Weil auch die Versicherungsbranche einem internationalen Konzentrationsprozess unterliegt, ist eine ebenso globale Karriere möglich, wenn Sie mobil und bereit zur Weiterqualifikation sind.

  6. Interessenvertretungen

    Lobbyisten sorgen dafür, dass die Gesetzgebung die Interessen ihrer Auftraggeber berücksichtigt. Je nachdem, ob sie etwa für Krankenversicherungen, Pharmaindustrie oder Apotheken tätig sind, fallen diese Anliegen nicht nur verschieden aus, sondern stehen sich oft diametral gegenüber, denn jeder will den größten Nutzen aus seinen Leistungen ziehen.

    Voraussetzungen für die Arbeit als Interessenvertreter sind neben dem medizinischen Wissen das sichere Beherrschen der nationalen wie internationalen Sozialgesetzgebung. Weil die Arbeit der Lobbyisten meistens im Hintergrund stattfindet, ist ein hohes Maß an Diskretion erforderlich, obendrein ein ausgeprägtes diplomatisches Geschick, um die Parlamentarier zu überzeugen.

    Da außerdem die Grenze zwischen interessenfördernder Aufmerksamkeit für den Gegenüber und Abgeordnetenbestechung meist fließend verläuft, ist die Kenntnis der einschlägigen Rechtsnormen unabdingbar. Wer dadurch erfolgreich im Geschäft ist, muss aus Diskretionsgründen zwar auf Ruhm verzichten, kann sich seine Dienste aber fürstlich honorieren lassen.

  7. Consulting-Firmen

    Auf den ersten Blick hat die Arbeit bei einer Unternehmensberatung nichts mit dem Medizinstudium gemein. Weil so ein Doktortitel bei den Kunden aber gut ankommt, zeigen Beratungsunternehmen ein großes Interesse an Ärzten. Über den Titel hinaus schätzen Berater an Ärzten aber auch ihre strukturierte, analytische Arbeitsweise, weil dieses Vorgehen das Auffinden von Problemen und Lösungen beim Kundenunternehmen unterstützt.

    Zudem bereitet speziell der Klinikdienst hervorragend auf die Tätigkeit als Consultant vor: Da der Berater von Montag bis Donnerstag am Unternehmenssitz des Kunden tätig ist, bleibt kein Platz für Work-Life-Balance. Entschädigt werden die Ratgeber dafür mit hervorragenden Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten.

    Sie sollten schon im Studium für erste betriebswirtschaftliche Kenntnisse sorgen und idealerweise ein Praktikum bei einer Consulting-Firma absolvieren, wenn Sie sich für einen Einstieg in die Unternehmensberatung interessieren. Anschließend sorgen die großen Konzerne selbst für eine fundierte Ausbildung durch Trainee-Programme.

[Bildnachweis: Africa Studio by Shutterstock.com]
4. März 2013 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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