Ehrenamt im Lebenslauf: Beispiele, wie angeben?

Ein Ehrenamt im Lebenslauf hat zahlreiche Vorteile, ist aber kein Selbstläufer. Um damit in der Bewerbung zu punkten, müssen Sie genau auswählen, welches ehrenamtliche Engagement Sie nennen. Tipps und Beispiele, wie Sie ein Ehrenamt im Lebenslauf angeben und auf was Bewerber unbedingt achten sollten…

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Definition: Was ist ehrenamtliches Engagement?

Ein Ehrenamt bzw. eine ehrenamtliche Tätigkeit ist ein freiwilliges, unbezahltes Engagement für das Gemeinwohl, meist in oder über eine Organisation (z.B. Verein, Initiative, Hilfsorganisation). Wer sich ehrenamtlich engagiert, tut dies aus eigenem Entschluss, ohne rechtliche Verpflichtung und ohne Bezahlung, um damit anderen Menschen oder der Gesellschaft zu nutzen.

Zentrale Merkmale eines Ehrenamts sind:

  • freiwillig – nicht angeordnet oder vertraglich verpflichtend
  • unbezahlt – höchstens mit Aufwandsentschädigungen
  • nebenberuflich – es ist nicht die Hauptbeschäftigung
  • gemeinwohlorientiert – auf den Nutzen für Dritte ausgerichtet
  • langfristig – oft formal in Verein, Verband oder Organisation

Beispiele und Liste für typische Ehrenämter

Wer sich in Deutschland ehrenamtlich engagieren will, kann dies in zahlreichen Institutionen und Tätigkeiten tun. Zu den typischen Betätigungsfeldern im Ehrenamt gehören:

  • Vereinsarbeit (Trainer, Vorstand, Kassenwart)
  • Mitwirkung in der Freiwilligen Feuerwehr
  • Besuchsdienste in Pflegeeinrichtungen
  • Mitarbeit in kirchlichen oder sozialen Gruppen
  • Unterstützung der Flüchtlingshilfe oder Obdachlosenhilfe
  • Mitarbeit bei den Tafeln oder in Suppenküchen
  • Mitarbeit in der Telefonseelsorge oder Suchthilfe
  • Engagement im Umwelt- oder Tierschutz
  • Kostenlose Nachhilfe oder Tutorium
  • Gemeinderatsmitglied
  • Schülerlotse
  • Engagement als Schöffe, Betreuer oder Bewährungshelfer

Für all diese Aufgaben opfern die freiwilligen Helfer Zeit und Energie oder andere Ressourcen und setzen Ihre Fähigkeiten für andere ein, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Das Ehrenamt gilt damit – zurecht – als „Rückgrat der Gesellschaft“.

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Welche Vorteile hat ehrenamtliches Engagement?

Die Frage ist – zugegeben – latent widersinnig, weil es gerade zum wesentlichen Merkmal eines Ehrenamts gehört, dass sich Betroffene uneigennützig engagieren und nicht davon profitieren wollen. Dennoch hat ein Ehrenamt zahlreiche Vorteile, nicht nur für Bewerbung und Lebenslauf.

Durch das Ehrenamt zeigen Sie Interesse für die Gemeinschaft, erweitern Ihren (geistigen) Horizont, trainieren wichtige Soft Skills wie Empathie oder Organisationstalent und knüpfen oftmals wertvolle Kontakte. Überdies kann der selbstlose Akt dem eigenen Leben einen tieferen Sinn geben. Und all das wertet natürlich ebenfalls den eigenen Lebenslauf auf.

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Wo gebe ich mein Ehrenamt im Lebenslauf an?

Der Lebenslauf-Aufbau ist in Deutschland weitgehend standardisiert und folgt einer typischen Reihenfolge nach diesem Muster:

  1. Titel und Überschrift (z.B. „Lebenslauf“)
  2. Persönliche Daten
  3. Kurzprofil (optional)
  4. Beruflicher Werdegang
  5. Bildungsweg
  6. Besondere Kenntnisse
  7. Interessen und Hobbys
  8. Ort, Datum und Unterschrift

Erwähnt wird das Ehrenamt in der Regel im Abschnitt „Interessen & Hobbys“. Dieser Teil ist zwar freiwillig und keine Pflicht. Unterschätzen sollten Bewerber ihn dennoch nicht: Die Angaben dort werden von Personalern besonders aufmerksam gelesen, weil sie Einblicke in die Persönlichkeit von Kandidaten verraten und den Werdegang abrunden.

Alternativ können Sie es auch im Abschnitt „Besondere Kenntnisse“ angeben, wenn das Ehrenamt fachlich relevante Kompetenzen vermittelt hat. Beispiele:

  • „Ehrenamtliche Teamleitung: Jugendtrainer im FC Musterstadt (seit 2026)“
  • „Interkulturelle Kommunikation: Sprachpate für Geflüchtete (seit 2026)“
  • „Event-Organisation: Planung einer Sommerfreizeit (50 Teilnehmende)“

Falls Ihr Lebenslauf noch recht dünn ist, weil einschlägige Berufserfahrungen fehlen, können Sie dem Ehrenamt im Lebenslauf auch eine eigene Kategorie geben. Als Überschrift eignen sich in dem Fall:

  • „Ehrenamt“
  • „Ehrenamtliche Tätigkeit“
  • „Ehrenamtliches Engagement“
  • „Soziales Engagement“

So prominent platziert, sollten Sie soziale Engagement idealerweise mit einem Empfehlungsschreiben oder Arbeitszeugnis oder einer Urkunde in den Anlagen zur Bewerbung nachweisen.

Im Bewerbungsschreiben wird das Ehrenamt allenfalls indirekt angegeben, um relevante Soft Skills mit praktischen Beispielen zu belegen.

Wie viele Ehrenämter sollte ich angeben?

Idealerweise nennen Sie im Lebenslauf maximal 2-3 Ehrenämter, die Sie aktuell ausüben. Bei einer zu großen Anzahl entsteht sonst der Eindruck, dass Ihr ehrenamtliches Engagement später mit dem Vollzeitjob konkurriert. Außerdem können zu viele verschiedene Interessen und Aktivitäten fehlende Fokussierung und Sprunghaftigkeit signalisieren. Beides nicht gut in der Bewerbung.

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Wie mein Ehrenamt im Lebenslauf richtig angeben?

Ein Ehrenamt im Lebenslauf werten die meisten Personaler besonders positiv: Es gilt als Indiz für einen Charakter mit hohen moralischen Werten, ausgeprägter Integrität, Verantwortungsbewusstsein und Leistungsbereitschaft.

Wenn Sie sich dazu entscheiden, ein bestimmtes Ehrenamt oder Ihren sozialen Einsatz im Lebenslauf zu nennen, sollten Sie jedoch nicht nur Stichpunkte (z.B. „Ehrenamtliche Tätigkeit“) schreiben, sondern immer auch ein paar Details dazu nennen. Bewährt haben sich:

  • Art der ehrenamtlichen Tätigkeit
  • Dauer des Engagement (seit wann?)
  • Name der Hilfsorganisation und Ort
  • Kurze Beschreibung der Aufgaben in Stichworten

Beispiel & Formulierungen: Wie erwähnen?

Ehrenamt als Jugendleiter (Ev. Kirche, Musterstadt)
seit MM/JJJJ
– Leitung der Jugendgruppe
– Organisation von Jugendfreizeiten
– Streitschlichtung und Hilfe im Schulalltag

Freiwillige Mitarbeit im Flüchtlingshilfe e.V.
Musterstadt, seit August 2026
– Unterstützung bei Behördengängen
– Organisation gemeinsamer Abendveranstaltungen
– Sammeln von benötigten Nahrungs- und Kleiderspenden

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Wie lässt sich das Ehrenamt im Vorstellungsgespräch begründen?

Wenn Sie solche Angaben im Lebenslauf machen, sollten Sie jedoch stets mit Rückfragen im Vorstellungsgespräch dazu rechnen und diese vorbereiten. Personaler fragen schon mal:

  • „Warum haben Sie sich dort engagiert?“
  • „Welche Bedeutung hat das Ehrenamt für Sie?“
  • „Was nehmen Sie aus Ihrem Engagement mit?“

Zum einen prüfen Personalverantwortliche so, wie ernst es Ihnen damit ist oder ob der Eintrag nur dazu diente, den Lebenslauf aufzuwerten. Gleichzeitig interessiert Sie der Mensch hinter dem potenziell zukünftigen Mitarbeiter. Überlegen Sie sich deshalb im Vorfeld passende Antworten und stellen Sie zwischen Ihrem Ehrenamt idealerweise einen Bezug zur angestrebten Stelle her – zum Beispiel, warum die dabei gewonnenen Skills und Erfahrungen ebenso Vorteile für den Job haben.

Formulierungen für eine mögliche Begründung:

  • „Ich selbst hatte großes Glück in meinem Leben, wofür ich sehr dankbar bin. Mir ist es daher wichtig, etwas davon zurückzugeben und vor allem sozial benachteiligte Menschen zu unterstützen.“
  • „Durch mein Ehrenamt als Jugendleiter in der katholischen Kirche in Beispielstadt habe ich regelmäßig Freizeiten organisiert und Abendveranstaltungen vorbereitet. Dadurch habe ich nicht nur mein Interesse für Eventmanagement entdeckt, sondern konnte schon erste Erfahrungen sammeln. Diese möchte ich nun in Ihrem Unternehmen professionell weiterentwickeln und einsetzen.“
  • „Ich teile die Werte der ABC-Hilfsorganisation und möchte deren Arbeit unterstützen. Da das für mich finanziell nicht möglich ist, wollte ich wenigstens einen ehrenamtlichen Beitrag leisten.“

Unbedingt ehrlich bleiben!

Grundsätzlich gilt für alle Angaben und Qualifikationen im Lebenslauf, dass diese immer wahr sein müssen. Erfinden Sie kein Ehrenamt, das Sie nicht ausüben! Falsche Angaben im Lebenslauf werden immer zum Bumerang und untergraben Ihre Glaubwürdigkeit. Im schlimmsten Fall sind Sie damit sofort wieder raus.

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Welche Ehrenämter sollte ich nicht nennen?

Nicht jedes Ehrenamt sollten im Lebenslauf oder in der Bewerbung angeben. Sie sollten ohnehin jedes Mal individuell auswählen, welche Erfahrungen und sozialen Kompetenzen für die angestrebte Position wirklich relevant und aussagekräftig sind. Nur dazu passende ehrenamtliche Tätigkeiten sollten Sie in Ihrer Vita angeben. Der Lebenslauf dient schließlich allein der Dokumentation für Ihre Eignung.

Wählen Sie also immer aus. Der Grundsatz lautet: Qualität vor Quantität! Gleichzeitig müssen die sozialen Ämter authentisch bleiben und zum Gesamteindruck der Bewerbungsunterlagen und zu Ihren öffentlichen Profilen in Social Media passen, sonst sieht es nur nach Lebenslauf-Kosmetik aus.

Wann sollte ich ein Ehrenamt nicht angeben?

Überdies gibt es Fälle, in denen Sie besser auf die Nennung Ihres Ehrenamts im Lebenslauf verzichten sollten. Dazu gehören:

  • Engagement in politischen Parteien
  • Engagement in einer Gewerkschaft
  • Kein echtes Ehrenamt (z.B. Babysitten)
  • Einmalige oder sehr kurze Ehrenämter (nicht mehr aktuell)

Politische Überzeugungen sind generell Privatsache und können polarisieren. Eine Gewerkschaftsmitgliedschaft wird wiederum nicht von allen Arbeitgebern gerne gesehen und könnte auf potenzielle Konflikte hinweisen. Und wenn Sie sich ohnehin nicht oder nicht mehr regelmäßig engagieren, hat es auch keinerlei Relevanz für die Bewerbung und sieht erst recht wie Lebenslauf-Schminke aus. All diese Angaben sollten Sie daher besser weglassen.

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Ehrenamt im Lebenslauf erwähnen: Wann ist das sinnvoll?

Ehrenamt und soziales Engagement im Lebenslauf ist immer dann sinnvoll, wenn es zur Stelle, dem Beruf und Unternehmen passt und dem Arbeitgeber einen erkennbaren Mehrwert bietet. Bei Berufseinsteigern mit noch wenig Berufserfahrung oder Bewerbern mit Lücken im Lebenslauf können relevante Ehrenämter sogar ein ausgleichendes Plus sein.​

Besonders sinnvoll ist ein Ehrenamt im Lebenslauf bei…

Oder ganz generell, wenn Sie sich für einen Job bewerben, in dem Teamarbeit, Verantwortung, Organisation, Führung oder Kommunikationsstärke eine wichtiger Rolle spielen.​ In all den genannten Fällen können Sie sich damit positiv von Ihren Mitbewerbern abheben und zeigen, dass Sie selbst in beruflichen Auszeiten aktiv geblieben sind.

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Muss ich meinem Arbeitgeber eine ehrenamtliche Tätigkeit melden?

Wenn im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag nichts anderes geregelt ist, müssen Sie sich jede entgeltliche oder unentgeltliche Nebentätigkeit genehmigen lassen. Der Arbeitgeber darf diese aber nicht verbieten, wenn der Hauptjob dadurch nicht beeinträchtigt wird und Sie nicht für die Konkurrenz arbeiten.

Ist die Nebentätigkeit bzw. das Ehrenamt hingegen nicht genehmigungsfähig, sollten Sie das Amt nicht weiter ausüben. Andernfalls drohen Abmahnung bis hin zur fristlosen Kündigung. Kleine Ehrenämter, wie der Elternbeirat in der Schule, Elternvertreter im Kindergarten oder ein anderes kulturelles und karitatives Engagement gelten jedoch nicht als Nebentätigkeit, solange Sie dabei nicht Ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Dann müssen Sie diese dem Arbeitgeber nicht mal melden.

FAQ – Häufige Fragen zum Ehrenamt im Lebenslauf

Wie wichtig sind ehrenamtliche Tätigkeiten im Lebenslauf?

Ein bis zwei Ehrenämter sind ein echter Pluspunkt im Lebenslauf. Personaler verbinden damit hohe ethische Werte, sowie soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Hilfsbereitschaft oder Loyalität. Bei mehreren vergleichbaren Bewerbungen kann das den Auswahlprozess zu Ihren Gunsten beeinflussen und die Bewerbung positiv hervorheben.

Gilt ein Ehrenamt als Berufserfahrung?

Formal nein – ein Ehrenamt ersetzt keine klassische Berufserfahrung. Praktisch kann es aber gerade für Berufseinsteiger Gold wert sein: Im Engagement zeigen Sie zusätzliches Engagement und übernehmen Verantwortung. Außerdem können Sie damit gezielt Fähigkeiten hervorheben, die zur Stelle passen – beispielsweise Einfühlungsvermögen im sozialen Bereich oder digitale Skills, wenn Sie die Website eines Vereins betreuen.

Wo findet man geeignete Ehrenämter?

Ehrenämter finden Sie heute auf vielen Wegen – in Online-Plattformen wie GoVolunteer, über Städte, Gemeinden oder Lokalzeitungen sowie Freiwilligenagenturen oder Social Media. Auch Schulen und Hochschulen bieten auf Aushängen zahlreiche Kooperationsprojekte an.

Wie viel Geld darf ich im Ehrenamt verdienen?

Ein Ehrenamt ist grundsätzlich unbezahlt. Teilweise gibt es jedoch eine Aufwandsentschädigung von bis zu 840 Euro pro Jahr dafür. Dies ist auch der sogenannte Ehrenamtsfreibetrag (Stand: 2026).


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