Entscheidung-2-Jobs
Zugegeben, es handelt sich hierbei um ein Luxusproblem. Um Ihre Jobchancen zu erhöhen, haben Sie sich gleich auf mehrere Stellenangebote beworben. Doch es kommt besser als erwartet: Sie werden gleich von mehreren Unternehmen zu Vorstellungsgespräch eingeladen - und können am Ende zwischen mehreren Jobangeboten wählen. Ein ein Vorzug, den nur wenige genießen. Was das Dilemma allerdings nicht leichter macht. Wie treffe ich jetzt die richtige Entscheidung?, fragen sich dann viele. Es ist zwar legitim und auch professionell, dass wir das Beste für uns wollen und opportun entscheiden. Auf der anderen Seite wollen die einstellenden Unternehmen eine Vakanz besetzen (und das möglichst schnell) und dafür den besten Kandidaten - aber keinen Zocker. Eine allzu opportune Wahl hat den sublimen Beigeschmack, eben doch nicht am Unternehmen interessiert zu sein oder für den Job zu brennen, sondern ganz egoistisch das meiste für sich herausholen zu wollen. Das riecht schon im Ansatz nicht nach Teamgeist...

Warum es schwer fällt, eine Entscheidung zu treffen

Menschen entscheiden sich umso schwerer, je mehr Optionen zur Auswahl stehen. Das gilt für Konsumgüter, Dienstleistungen und eben auch für Jobangebote. Gerade Berufsanfänger möchten keine falschen Entscheidungen treffen und sich alle Optionen offenhalten.

Entsprechend verursacht jede Wahl einen inneren Konflikt: Die Entscheidung für das Eine ist immer auch eine Wahl gegen die anderen schönen Optionen.

Um zwischen mehreren Jobangeboten wählen zu können, sollten Sie sich vorab (und nur für sich) ein paar wichtige Fragen stellen und definieren, was Ihnen wirklich wichtig ist:

  • Geht es mir hauptsächlich um ein höheres Gehalt?
  • Ist eine bestimmte Ausstattung (Einzelbüro, moderne Technik, Dienstwagen, ...) ein Muss?
  • Wie wichtig ist mir gestalterische und inhaltliche Freiheit?
  • Zählt vor allem die neue Herausforderung und damit berufliche Veränderung?
  • Will ich neue Fähigkeiten, neues Wissen erlernen?
  • Wird es Zeit, eine Führungsposition einzunehmen?
  • Möchte ich mich langfristig entwickeln können (welche Perspektive bietet der Job)?
  • Möchte ich meine Vita mit einer renommierten Position bei einem namhaften Unternehmen aufhübschen?
  • Zählt in erster Linie die Jobsicherheit?
  • Oder möchte ich mehr Freiheiten gewinnen?
  • Oder möchte beispielsweise (in einem Startup) etwas völlig Neues mitentwickeln?

Nur selten stimmen alle Aspekte. Irgendeinen Haken gibt es immer. Entscheidend ist daher, dass Sie diese Punkte für sich priorisieren - und anschließend mit den vorliegenden Jobangeboten abgleichen. Oft trennt sich schon bei diesem ersten Schritt die Spreu vom Weizen, weil Ihnen zwar der eine oder andere Punkt höchst attraktiv vorkommt, auf Ihrer Prioritätenliste aber eben doch nicht an erster Stelle steht.

Dummerweise achten wir Menschen bei weniger strukturierten Entscheidungen mehr auf den mit der Wahl verbunden Verlust und trauern diesem hinterher, als uns über das Objekt unserer Wahl zu freuen. Genau dieses Dilemma gilt es mit einer solchen Checkliste aufzulösen.

Man könnte auch sagen: Solche Prioritäten helfen, fokussiert zu bleiben und sich nicht blenden zu lassen - was freilich nicht bedeuten muss, dass die anderen Angebote eine Mogelpackung sind - sie passen nur nicht so gut zu ihren Berufszielen.

Entscheidungshilfe: Zwischen zwei Jobs entscheiden

Das Wichtigste ist aber, dass Sie sich überhaupt entscheiden. Sonst ergeht es Ihnen wie Buridans Esel. Dieser stand vor zwei saftigen, gleich entfernten Heuhaufen. Doch weil er einfach keine Entscheidung treffen konnte, verhungerte das arme Tier. Auch Arbeitgeber haben nicht ewig Zeit.

Umgekehrt ist keine Entscheidung endgültig. Sie werden in Ihrem Berufsleben vermutlich noch ein paar Mal den Job wechseln. Nicht zuletzt, weil Sie sich weiterentwickeln. Nehmen Sie Ihrer Wahl also ruhig die Dramatik eines Fanals. Letztlich haben Sie sich auf beide Positionen beworben, weil Ihnen beide gefallen haben. Auch wenn Sie sich nur für ein Jobangebot entscheiden können, ist das damit immer noch eines, das zu Ihnen und Ihren Karriereplänen passt.

Um Ihnen die Wahl dennoch zu erleichtern, haben wir im Folgenden noch ein paar Entscheidungstechniken zusammengestellt...

Zwischen zwei Jobangeboten wählen: So geht's

  • Setzen Sie sich ein Zeitlimit.

    Nehmen Sie sich für eine so wichtige Entscheidung wie die Jobwahl ausreichend Zeit. Jedoch sollten Sie Ihre Bedenkzeit von Anfang an limitieren. Nutzen Sie diesen Zeitraum, um Informationen über beide Jobs zu sammeln. Doch dann sollten Sie eine Entscheidung treffen, denn ab einem gewissen Punkt bringen auch weitere Informationen keine neuen Erkenntnisse mehr und verzögern Ihre Entscheidung unnötig.

  • Nutzen Sie Ihre Intuition.

    Auch wenn die oft als "Bauchgefühl" beschriebene Intuition etwas in Verruf gekommen ist, sollten Sie sie für Ihre Entscheidungen nutzen. Dabei verlassen Sie sich keineswegs nur auf Ihre Emotionen, sondern nutzen – unbewusst – auch Ihre umfangreiche Erfahrung und Informationen, die Sie bewusst vielleicht gar nicht abrufen können. So fand etwa die Psychologin Sian Leah Beilock von der Universität Chicago heraus, dass Profi-Golfspieler am besten spielen, wenn sie keine Zeit haben, über ihren Schlag nachzudenken. Nur bei Anfängern ist es umgekehrt.

  • Holen Sie Feedback ein.

    Idealerweise besprechen Sie wichtige Entscheidungen mit Menschen, auf deren Meinung Sie Wert legen und die Ihre Argumente kritisch hinterfragen. Auch wenn beispielsweise Ihre Eltern nicht viel zu dem Berufsbild eines Social Media Managers sagen können, so kennen diese Sie als Person. Bei der Jobwahl geht es schließlich nicht nur um objektive Kriterien, sondern auch um die eigene Persönlichkeit und ob der Beruf dazu passt.

Der Trick mit der Münze

Extra-Tipp-IconWenn Sie vor einer schwierigen Wahl stehen, werfen Sie eine Münze!

Sicher, das klingt total banal und auf den ersten Blick sogar widersprüchlich: Sie wollen eine wichtige Entscheidung treffen und sollen diese Wahl nun einer dummen Münze überlassen?! Stimmt schon. Es geht aber auch gar nicht darum, was das Metallorakel sagt. In den meisten Fällen haben Sie nämlich längst eine Entscheidung getroffen. Leider ist uns diese Tatsache aber nicht bewusst, und genau deshalb ist der Münztrick so hilfreich.

Kopf oder Zahl? – Es ist egal, welche Seite der Münze beim Auffangen oben landet. Sie müssen sich das Ergebnis des Wurfes nicht einmal ansehen. Viel wichtiger: Solange die Münze noch durch die Luft wirbelt, horchen Sie bitte ganz ehrlich (!) in sich hinein, was Ihre Wunschseite ist. Genau das ist die Entscheidung, die Sie sich nur noch nicht eingestehen wollen. Sie kennen doch sicher die Situation, dass jemand die Münze so lange wirft, bis ihm oder ihr das Ergebnis gefällt.

Genauso war es, wenn wir früher Gänseblümchenblüten gezupft haben: Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich, er liebt mich nicht... Mist. Nächstes Gänseblümchen ... Endlich, er liebt mich! So ein Münzwurf kann den geistigen Nebelschleier, der manche Entscheidung umgibt, beiseite wehen und eine bereits getroffene Entscheidung sichtbar machen, ohne dass man sich dabei wirklich einem 50:50 Risiko aussetzen müsste. Und falls die trübe Wolke mal etwas tiefer hängt, müssen Sie eben höher werfen, um sich etwas mehr Zeit zu verschaffen.

Methoden zur Entscheidungsfindung

Vielen Menschen hilft es, sich bei einer wichtigen Entscheidung alle wichtigen Informationen aufzuschreiben. Folgende Methoden bringen Systematik in Ihren Entscheidungsprozess:

Das Entscheidungskreuz

  • Teilen Sie hierfür ein DIN-A4-Blatt in vier gleich große Quadranten ein.
  • In den Quadranten oben links tragen Sie alle Pro-Argumente ein.
  • In den Quadranten oben rechts tragen Sie alle Kontra-Argumente ein.
  • Unten links notieren Sie alle Unklarheiten und offenen Fragen. Oftmals fehlen einem Informationen, wenn man Schwierigkeiten hat, eine Entscheidung zu treffen.
  • Unten rechts notieren Sie sich, was Sie tun müssten, um die nötigen Informationen zu beschaffen.

Diese Methode ist im Grunde eine erweitere Pro- und Kontraliste.

Die einfache Entscheidungsanalyse

  • Listen Sie für diese Methode alle Kriterien auf, die Ihnen bei der Jobwahl wichtig sind, bespieilsweise Gehalt, berufliche Veränderung, Führungsposition, vielfältiger Aufgabenbereich, flache Hierarchien und so weiter. Welche Kriterien Sie in Ihre Entscheidung einfließen lassen, können Sie dabei selbst entscheiden.
  • Nun vergleichen Sie Job A mit Job B unter diesen Kriterien. Jedes Kriterium erhält Punkte auf einer Skala von 1 bis 5. Dabei ist 5 der bestmögliche Wert.
  • Am Ende addieren Sie die Punkte der Kriterien und sehen auf diese Weise, welche Option die "bessere" ist.

Hier ein Beispiel:

Einfache-Entscheidungsanalyse-Beispielgrafik

Die gewichtete Entscheidungsanalyse

  • Auch für diese Methode vergleichen Sie die von Ihnen gewählten Kriterien. Allerdings vergeben Sie auch eine Gewichtung von 1 bis 5. Beispielsweise ist Ihnen ein gutes Arbeitsumfeld besonders wichtig. Damit erhält das Kriterium Arbeitsumfeld eine Gewichtung von 5. Gehalt ist Ihnen weniger wichtig und erhält eine Gewichtung von 3. Durch die Gewichtung kommt Ihren persönlichen Präferenzen eine größere Bedeutung zu.
  • Nun vergeben Sie abermals für jedes Kriterium Punkte auf einer Skala von 1 bis 5, wobei 5 der beste Wert ist. In einem zweiten Schritt multiplizieren Sie diese Punkte jedoch mit Ihrer Gewichtung.

Hier ein Beispiel:

Gewichtete-Entscheidungsanalyse-Beispielgrafik

Das 10-10-10 Modell

Von Suzy Welch (das ist die Frau des Ex-General-Electric-Bosses Jack Welch) stammt das sogenannte 10-10-10-Modell, mit dem sich Entscheidungen relativ simpel und schnell treffen lassen. Dazu rät sie zunächst alle wesentlichen Informationen zum Entscheidungsproblem zu recherchieren und zu sammeln, jedoch unter folgenden Prämissen:

  • Welche Auswirkungen hat meine Entscheidung in 10 Tagen?
  • Welche Auswirkungen hat sie in 10 Monaten?
  • Welche Auswirkungen hat sie in 10 Jahren?

Klingt trivial. Ist es auch. Jedoch hilft ein solcher Auswahlprozess den Blick in Richtung Zukunft und den langfristigen Auswirkungen der Wahl zu schärfen.

Wie kommunizieren Sie Ihren Entscheidungsprozess gegenüber den Unternehmen?

Wir hatten HIER schon ausführlich über die drei Handlungsalternativen geschrieben:

  • Zum Schein zusagen
  • Bedenkzeit erbeten
  • Hinhalten

Bei der dazugehörigen Leser-Umfrage hat sich die Mehrheit von zwei Dritteln für die Alternative "Bedenkzeit erbeten" entschieden. Also die jeweiligen Arbeitgeber anrufen und höflich sagen, dass Sie weiterhin an der Stelle interessiert sind, aber noch weitere Termine für Bewerbungsgespräche oder Angebote haben. Und weil Sie sich ganz bewusst für die Stelle entscheiden möchten, bitten Sie um etwas Bedenkzeit...

Das ist auch die ehrlichste Variante.

Ergänzend dazu aber noch zwei Attitüden, die Sie unbedingt zeigen sollten:

  1. Seien Sie dankbar. Nicht nur weil es ein Luxusproblem ist. Aus HR-Managersicht gibt es wohl nichts Schlimmeres als einen arroganten Bewerber. Selbstvertrauen, ja. Auch wer seinen Marktwert kennt, muss das nicht verbergen. Aber das ist kein Grund überheblich zu werden und Master of the Universe zu spielen, egal wie groß die Freude über die offenbar große Nachfrage ist. Wer hier auf dem Boden und ganz sachlich bleibt, beweist umso mehr Souveränität und Profession.
  2. Seien Sie realistisch. Und zwar in Bezug auf die Zeit, die Sie sich nehmen dürfen. Wie gesagt: Auch die werbenden Unternehmen haben Zeitpläne und müssen die offenen Stellen besetzen. Am liebsten mit dem besten Kandidaten. Erweist sich der aber als entscheidungsarm, ist er schnell nur noch die zweitbeste Wahl. Überdehnen Sie den Prozess also nicht. Drei Tage gesteht Ihnen jeder zu, besonders geduldige Personalabteilungen auch bis zu einer Woche. Dann aber sollten Sie wissen, wen und was Sie wollen.

Tipps für das Nachverhandeln

Es kann natürlich sein, das Ihre beiden Favoriten dicht beieinander liegen. So dicht, dass es vielleicht nur an einer kleinen Nachbesserung in einem Punkt bedarf, um den Job perfekt zu machen.

Nachzuverhandeln ist in dem Fall durchaus erlaubt. Und hier schadet es auch nicht, die Karten ehrlich auf den Tisch zu legen, Motto: Ihr Jobangebot reizt mich inhaltlich am meisten, aber Firma XY bietet einfach 200 Euro mehr im Monat. Ließe sich da noch etwas machen?

Machen Sie hierbei ruhig ein konkretes Gegenangebot:

Für fünf Prozent mehr Gehalt fange ich sofort bei Ihnen an.

Einzige Bedingung: Stehen Sie unbedingt zu Ihrem Wort. Gibt man Ihnen die fünf Prozent, unterschreiben Sie bitte auch. Ein absoluter Fauxpas wäre es jetzt, damit zum konkurrierenden Arbeitgeber zu gehen und dies dort als Druckmittel für eine Art Auktion einzusetzen. Wer so zockt, wirkt wie ein Falschspieler - und ist sofort wieder draußen. Womöglich bei beiden Seiten.

Es muss bei solchen Nachverhandlungen natürlich nicht immer nur um Geld gehen. Das ist nur das eingängigste Beispiel. Denke Sie ruhig an die obige Prioritätenliste: Es könnte zum Beispiel auch um eine großzügigere Home-Office-Regelung gehen.

Entscheidung treffen - Konsequenzen ziehen

Sobald Sie Ihre Wahl getroffen haben, sollten Sie das auch dokumentieren und kommunizieren. Schon aus Fairnessgründen. Teilen Sie so rasch wie möglich den anderen Unternehmen mit, dass Sie sich leider gegen sie entschieden haben. Gründe müssen Sie nicht nennen, Sie bedanken sich aber nochmals und bitten um Verständnis.

Und zeigen Sie auch in Ihren Online-Profilen, dass Sie nicht mehr auf dem Markt sind. Das ist zugleich ein gutes Signal an den neuen Arbeitgeber: Ja, Sie haben hart verhandelt, aber nun stehen Sie auch voll hinter dem Job und freuen sich darauf.

[Bildnachweis: ra2studio by Shutterstock.com]