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Auch beim besten Rechte dazu, lasse man sich nicht zum Selbstlobe verführen, warnte schon Arthur Schopenhauer und bringt damit die Herausforderung einer guten Selbstbeurteilung auf den Punkt. Einerseits sollen darin Fach- und Führungskräfte ihre Leistungen objektiv-analytisch präsentieren, andererseits aber allzu viel Eigenlob vermeiden. Die Formulierung einer überzeugenden Selbstbeurteilung ist immer eine Gratwanderung zwischen Substanz und Selbstmarketing. Mit den richtigen Formulierungen und Tipps lässt sich die Selbstbeurteilung einfach verfassen und bietet enorme Chancen...

Selbstbeurteilung: Vorbereitung und Grundlage des Mitarbeitergesprächs

So manchen Arbeitnehmer trifft die Aufforderung des Chefs, für das nächste Mitarbeitergespräch eine Selbstbeurteilung zu verfassen, unerwartet. Was auf den ersten Blick nach dem Delegieren von Arbeit und Verantwortung aussieht, ist tatsächlich ein sinnvoller Schritt: Die meisten Vorgesetzten sind für mehrere Mitarbeiter verantwortlich und können schlicht nicht alle Entwicklungen und Leistungen im Auge behalten.

Eine vom Mitarbeiter verfasste Selbstbeurteilung kann daher als Grundlage für das Mitarbeitergespräch und dem Vorgesetzten als Ansatzpunkt für seine Analyse und Beurteilung dienen.

Für Arbeitnehmer ist die Selbstbeurteilung daher die Chance, um...

  • die eigene Leistung im richtigen Licht darzustellen.
  • Stärken und Kompetenzen zu präsentieren.
  • Verbesserungsmöglichkeiten klar zu benennen.
  • Bedarf für Weiterbildung zu verdeutlichen.
  • Entwicklungsoptionen und Perspektiven vorzuschlagen.

Diese Chancen sind natürlich nur dann nutzbar, wenn der Vorgesetzte die Selbstbeurteilung einfordert und deren Inhalt offen gegenübersteht.

Wer in ein solches Feedbackgespräch geht und unaufgefordert seine Selbstbeurteilung auf den Tisch legt, Motto: "Ich hab da mal was vorbereitet..." könnte die bisher gute Atmosphäre schlagartig kippen lassen. Schließlich ist die Leistungsbeurteilung zunächst die Ägide des Chefs. In diesen Hoheitsbereich dringen Sie aber nun ein - was nicht alle Chefs mögen.

Deshalb: Eine Selbstbeurteilung verfassen und mitbringen, sollten Sie nur, wenn Sie dazu aufgefordert werden. Erfolgt im Vorfeld keine Aufforderung zur Selbstbeurteilung, können Sie allenfalls - diplomatisch - anfragen, ob eine solche gewünscht ist.

Entscheidend sind dabei Tonfall und Formulierung und natürlich gute Argumente: Machen Sie deutlich, dass...

  • die Selbstbeurteilung nur eine Ergänzung darstellt und die abschließende Beurteilung natürlich bei Ihrem Vorgesetzten liegt.
  • Sie damit eine Arbeitserleichterung liefern wollen.
  • der Vorschlag für eine Selbstbeurteilung keinen Zweifel an den Fähigkeiten Ihres Chefs darstellt.

Tipps fürs Mitarbeitergespräch

Mitarbeitergespräche gehören für viele Arbeitnehmer in die Kategorie der notwendigen Übel. Die folgenden Artikel können dabei helfen, das Gespräch optimal vorzubereiten und zu nutzen:

Selbstbeurteilung schreiben: Strategie und Aufbau

Der wichtigste Grundsatz beim Erstellen einer Selbstbeurteilung: Konzentrieren Sie sich auf konkrete Projekte und objektive Beispiele und vermeiden Sie allgemeine Aussagen.

Widerstehen Sie also der Versuchung, eine Gesamtleistung zu beurteilen. Die kann so nicht nachvollzogen werden. Darüber hinaus wirkt es viel überzeugender, wenn Sie das Fazit Ihrem Leser überlassen. Kommt der selber (aufgrund der aufgelisteten Fakten) zu dem Schluss, war es seine Idee - und der glaubt er mehr als Ihrer subjektiven Bilanz.

Versuchen Sie daher in der Selbstbeurteilung...

  • die wichtigsten Leistungen und Erfolge aufzulisten
  • diese durch konkrete Beispiele zu belegen
  • und dabei durchweg ehrlich zu bleiben.

Als Hilfestellung zur Beurteilung können Sie auch sogenannte Selbsteinschätzungsfragen für die wichtigsten Bereiche nutzen:

    Funktionale Kompetenz

  • Welche Projekte habe ich unterstützt/geleitet?
  • Welche Probleme habe ich gelöst?
  • Welche Ziele habe ich erreicht?
  • Konnte ich mich gegenüber dem Vorjahr steigern?
  • Wie konnte ich damit quantitativ zur Wertschöpfung beitragen?
  • Soziale Kompetenz

  • Wie trage ich zum positiven Arbeitsklima bei?
  • Kommuniziere ich klar und konstruktiv?
  • Welche Konflikte konnte ich lösen (wie)?
  • Wie kooperiere ich mit anderen?
  • Wie engagiere ich mich?
  • Entwicklungskompetenz

  • Welche Stärken sollte ich weiterentwickeln?
  • Was habe ich aus Fehlern gelernt?
  • Woran muss ich noch arbeiten?
  • Welchen Teil kann ich selber zu meiner Entwicklung beitragen?
  • Was würde mir helfen, meine Leistungen weiter zu verbessern?


Sie sehen schon: Neben den positiven Beispielen und Kompetenzen, sollten auch die Schwächen Teil der Selbstbeurteilung sein. Wer diese aktiv und als Verbesserungspotenziale anspricht, sammelt durchaus Pluspunkte und erhöht zugleich die Glaubwürdigkeit der Selbstbeurteilung.

Sie dürfen im Anschluss auch gerne und in moderater Form passende Unterstützung oder Fortbildungen einfordern. Verzichten Sie aber immer darauf, andere Kollegen oder Umstände für die Defizite verantwortlich zu machen. Das macht Sie klein und wirft immer ein schlechtes Licht auf einen selbst.

Schönreden bringt hierbei gar nichts, im Gegenteil. Auch Floskeln und Formulierungen wie "Ich bin teamfähig" oder "Meine Organisationsfähigkeit ist hervorragend ausgeprägt" sind bitte zu vermeiden. Ohne Beleg ist das keine Beurteilung, sondern eine Behauptung.

Selbstbeurteilung: Formulierung und Tipps

YURALAITS ALBERT/shutterstock.comBei der konkreten Formulierung der Selbstbeurteilung sollte der Grundton stets positiv und bestimmt sein. Vermeiden sollten Sie dagegen den Konjunktiv. Also zum Beispiel Formulierungen, wie...

  • könnte ich mir eventuell vorstellen...
  • wäre möglicherweise eine Option...

Der Konjunktiv schwächt die Aussage und Beurteilung und macht sie zu einer vagen Vermutung. Warum die Einschränkung? Die Selbstbeurteilung beruht schließlich auf nachvollziehbaren Fakten. Dann stehen Sie bitte auch dazu.

Eine insgesamt positive Wirkung und Botschaft vermitteln Sie durch den Einsatz aktiver Ich-Aussagen.

Manche Mitarbeiter verstecken sich in der Selbstbeurteilung hinter Phrasen, wie...

  • man sollte...
  • könnte man...

Nur: Wer ist dieser "man"? Viel überzeugter und auch überzeugender wirken Aussagen, wie:

In den drei Monaten des Projektes konnte ich durch ________________ Kosten in Höhe von ________________ einsparen und zugleich ________________ verbessern helfen. Überdies ist uns im Team gelungen...

Zugegeben, die Kunst besteht darin, einen selbstbewussten und aktiven, jedoch nicht arroganten oder gar überheblichen Ton zu treffen. Im Zweifel sollten Sie die Selbstbeurteilung von ein, zwei Freunden vorab gegenlesen lassen, die Ihnen ehrlich sagen, wie diese auf sie wirkt. Nutzen Sie das Feedback dazu, kritische Punkte zu identifizieren und ungünstige Formulierungen umzugestalten.

In der Regel werden Sie die Selbstbeurteilung einige Tage vor dem eigentlichen Mitarbeitergespräch beim Chef einreichen müssen, damit der sich entsprechend vorbereiten kann. Stellen Sie sich bitte darauf ein, dass die Einschätzung Ihres Vorgesetzten in einigen Punkten von Ihrer Selbstbeurteilung abweicht. Das ist völlig normal. Die Differenzen dienen im Mitarbeitergespräch als Diskussionsgrundlage und dessen Ergebnis maßgeblich beeinflussen - mit einer perfekten Selbstbeurteilung durchaus zu Ihren Gunsten.

Der Begründungs-Effekt

Extra-Tipp-IconDen sogenannten Begründungs-Effekt haben die beiden Psychologen Ellen Langer und Robert Cialdini entdeckt. Offenbar reagieren Menschen enorm auf Begründungen, beziehungsweise auf das Wort "weil". Selbst wenn eine Begründung fadenscheinig ist, machen die Leute, was von ihnen zuvor verlangt wurde.

Für Ihre Selbstbeurteilung können Sie diesen Effekt - dosiert - einsetzen. Streben Sie beispielsweise eine bestimmte Fortbildung an, könnten Sie diese durch den Begründungs-Effekt beziehungsweise ein "weil" verstärken und ihre Notwendigkeit unterstreichen: "Eine Fortbildung im Bereich xxxxxxxx schafft Mehrwert, weil..."

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