Beurteilungsschreiben: Beispiel und Formulierungen

Üblicherweise lassen sich Arbeitnehmer ihre beruflichen Tätigkeiten am Ende eines Arbeitsverhältnisses schriftlich in einem Arbeitszeugnis bestätigen. Das dient als Referenz für den nächsten Arbeitgeber, um sich ein Bild von den Fähigkeiten und vom Verhalten des Bewerbers machen zu können. In einigen Fällen ist ein Arbeitszeugnis jedoch nicht möglich oder nicht üblich: Beispielsweise, wenn Sie selbständig arbeiten. Ein Beurteilungsschreiben ist hier der Ausweg, um Ihre Qualifikation und Berufserfahrung nachzuweisen. Was Sie dazu wissen sollten…

Beurteilungsschreiben: Beispiel und Formulierungen

Beurteilungsschreiben: Was verbirgt sich dahinter?

Das Beurteilungsschreiben wird teilweise auch als Referenz, Referenzschreiben oder Empfehlungsschreiben bezeichnet. Die Funktion ist in allen drei Fällen im Wesentlichen dieselbe:

Der Arbeitnehmer braucht einen Nachweis über seine beruflichen Tätigkeiten und seine erworbenen Kenntnisse, ein Arbeitszeugnis kommt jedoch aus verschiedenen Gründen nicht infrage. Das kann der Fall sein, wenn kein Anspruch darauf besteht oder wenn ein qualifiziertes Arbeitszeugnis aufgrund der kurzen Dauer des Arbeitsverhältnisses nicht möglich ist.

Es gibt allerdings ein paar feine Unterschiede zwischen Empfehlungsschreiben einerseits und Beurteilungsschreiben/Referenzschreiben andererseits:

  • Empfehlungsschreiben

    Wie der Begriff es vermuten lässt, geht es hierbei um eine konkrete Empfehlung an einen bestimmten Arbeitgeber. Das Schreiben ist auf die Zukunft ausgerichtet.

  • Beurteilungsschreiben

    Das Beurteilungsscheiben – auch Referenzschreiben oder Referenz genannt – wird eher allgemein verfasst. Es listet vor allem rückblickend auf, welchen Tätigkeiten Sie nachgegangen sind, welche Qualifikationen und Kenntnisse Sie erworben haben. Dies ist natürlich für einen potenziellen Arbeitgeber umso interessanter, je näher es an dem Stellenprofil ist.

Sinn und Zweck einer Beurteilung

In Deutschland umfasst eine Bewerbung üblicherweise folgende Unterlagen:

Ein Beurteilungsschreiben oder Referenzen sind kein zwingender Bestandteil einer Bewerbung, können aber von Interesse sein, wenn ein Arbeitszeugnis aus genannten Gründen fehlt. In den letzten Jahren sind Beurteilungsschreiben vermehrt in Mode gekommen.

Das liegt zum einen an dem Einfluss vom angloamerikanischen Arbeitsmarkt, wo Arbeitszeugnisse wie sie in Deutschland existieren unbekannt sind. Somit eignet sich ein Beurteilungsschreiben besonders für diejenigen, die sich im Ausland bewerben möchten, da Beurteilungs- und Empfehlungsschreiben dort einen deutlich höheren Stellenwert haben.

Zum anderen liegt es an den sich ändernden Beschäftigungsverhältnissen: Freelancer und Arbeitnehmer in Projektarbeit haben im Gegensatz zu festangestellten Arbeitnehmern keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis.

Erwerb eines Beurteilungsschreibens

Um ihre Fähigkeiten dennoch dokumentieren zu können, sind sie auf Beurteilungsschreiben angewiesen. Aber wie kommt man an ein Beurteilungsschreiben?

Anhand der nachfolgenden Interessensgruppe ist ersichtlich, dass eine Vielzahl von Bewerbern von einem Beurteilungsschreiben profitiert, die bisher noch gar keine Gelegenheit hatten, Berufserfahrung zu sammeln – oder zumindest nicht in dem Umfang, dass ein Arbeitszeugnis daraus resultieren würde:

  • Berufseinsteiger (von ihrem Ausbilder, Dozenten oder Doktorvater)
  • Praktikanten (von ihrem Betreuer im Praktikum)
  • Trainees (von ihrem Mentor oder Vorgesetzten)
  • Studenten (von ihrem Dozenten)
  • Stipendiaten (von ihrem Professor oder Förderer)
  • Azubis (von ihrem Ausbilder)
  • Schüler (von ihrem Lehrer)
  • Ehrenamtler (von ihrem Verein)

In diesen Fällen kann also gar kein Arbeitgeber das Beurteilungsschreiben ausstellen, sondern gegebenenfalls der Dozent, Lehrer, Mentor und dergleichen. Prinzipiell kann es von jeder Person geschrieben werden, mit der Sie schon zusammengearbeitet haben und die sich lobend und wohlwollend für Sie verbürgt.

Idealerweise handelt es sich um eine namhafte Organisation, beispielsweise wenn Sie aus Ihrem Ehrenamt ein Beurteilungsschreiben möchten. Das verleiht dem Ganzen deutlich mehr Gewicht und Seriosität. Am besten, Sie rückversichern sich, dass Ihr Aussteller für weiterführende Informationen an einen potenziellen Arbeitgeber telefonisch zur Verfügung steht.

So können Sie guten Gewissens die Telefonnummer Ihres Beurteilers bekannt geben und verhindern, dass dieser völlig überraschend einen Anruf mit Nachfragen zu Ihrer Person erhält.

Tipp: Es wird geschätzt, dass bisher lediglich jede vierte Bewerbung ein Beurteilungsschreiben enthält – es ist somit eine Möglichkeit, sich von anderen Bewerbungen positiv abzuheben.

Beurteilung schreiben: Formulierungen und Besonderheiten

Da es keine rechtliche Verpflichtung für ein Beurteilungsschreiben gibt und der Verfasser dieses freiwillig ausstellt, muss der Empfänger im Gegensatz zur Zeugnissprache wenig versteckte Codes fürchten.

Zumeist fällt ein Beurteilungsschreiben positiv aus. Ebenfalls im Gegensatz zum Arbeitszeugnis sind die Form und der Inhalt deutlich flexibler – was allerdings nicht heißt, dass Romane verfasst werden sollten. Auch hier gilt: In der Kürze liegt die Würze, also eine DIN-A4-Seite reicht in der Regel.

Worauf der inhaltliche Schwerpunkt gelegt wird, bleibt dem Beurteilenden überlassen: Üblicherweise sollte mit einigen pointierten Sätzen die Tätigkeit, Funktion oder Arbeitsleistung des Beurteilten geschildert werden. Hierzu wird auf freie Formulierungen in eigenen Worten zurückgegriffen, floskelhafte Sprache vermieden.

Um dem potenziellen Arbeitgeber eine Kontaktmöglichkeit für Nachfragen zu geben, ist es üblich, dass der Beurteilende eine Telefonnummer oder E-Mailadresse angibt, unter der er erreichbar ist.

Hinsichtlich des Aufbaus ist zu sagen, dass dieser zwar nicht normiert ist, aber bestimmte Kernelemente enthalten sollte:

  • Briefkopf mit Hinweis auf den Beurteiler, Name der Person und Name des Unternehmens/der Organisation
  • Telefonnummer zwecks Kontaktierungsmöglichkeit
  • Datum
  • Betreff mit Namensangabe des Beurteilten
  • Beschreibung des Unternehmens und der Stelle
  • Zeitangabe der Zusammenarbeit
  • Beschreibung der konkreten Aufgaben und der angewendeten Fähigkeiten
  • Qualitative Beurteilung der Arbeitsleistung
  • Beurteilung des Sozialverhaltens, Kollegialität, Soft Skills
  • Zukunftswünsche
  • Unterschrift

Musterbeispiel für das Beurteilungsschreiben für einen Freiberufler

Name des Beurteilungsschreibers
Anschrift
PLZ Wohnort
Telefonnummer

Datum

Beurteilungsschreiben für XXX

Seit vielen Jahren arbeitet unser Unternehmen mit Herrn/Frau XXX als freie(n) Mitarbeiter/in zusammen. Herr/Frau XXX ist in dieser Zeit für unterschiedliche Projekte im Einsatz gewesen.

In der Zeit von xx.xx.xxxx bis yy.yy.yyyy hat Herr/Frau XXX uns als Position YYY unterstützt und dabei seine/ihre Aufgaben stets zu meiner vollsten Zufriedenheit und mit großer Begeisterung und viel Engagement bewältigt.

Ich habe ihn/sie als selbstständig denkende(n) und verantwortungsvolle(n) und immer zuverlässige(n) Kollegen/in kennen und schätzen gelernt, der/die selbst in stressigen Situationen immer freundlich bleibt und einen kühlen Kopf bewahrt.

Herr/Frau XXX genießt bis heute einen hervorragenden Ruf bei seinen/ihren Kollegen und Kunden – nicht zuletzt wegen seiner/ihrer zahlreichen konstruktiven Vorschläge zur Lösung damaliger Probleme.

Neben der einwandfreien fachlichen Qualifikation zeichnet sich Herr/Frau XXX durch Optimismus, Freundlichkeit und hohe Teamfähigkeit aus. Ich halte ihn/sie etwa für eine Position als ZZZ für bestens geeignet und empfehle ihn/sie jederzeit für eine Beschäftigung in diesem Bereich.

Falls Sie hierzu noch Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne für telefonische Rückfragen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift Beurteilungsschreiber


Tipp: Dieses Beurteilungsschreiben können Sie sich gerne bei uns – wie immer kostenlos – als Word-Vorlage oder als PDF-Dokument herunterladen:

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13. Juli 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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