Zerrüttetes Verhältnis: Wie lässt sich das noch retten?

Ein zerrüttetes Verhältnis zu einem Kollegen oder Chef kann viele Ursachen haben – doch in jedem Fall belastet es Sie und die Zusammenarbeit. Die Arbeitsatmosphäre ist vergiftet, Kommunikation und Teamwork sind gestört, während sich der Konflikt hochschaukelt. Lässt sich ein solch zerrüttetes Verhältnis wieder normalisieren? Wenn Sie wollen: Ja! Tipps, wie Sie ein gestörtes Verhältnis retten…

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Wann spricht man von einem zerrütteten Verhältnis?

Von einem zerrütteten Verhältnis spricht man, wenn eine Beziehung nachhaltig und schwerwiegend gestört ist und das gegenseitige Vertrauen, die Wertschätzung oder die Bereitschaft zur Zusammenarbeit weitgehend verloren gegangen sind. Entscheidend hierfür ist die Dauer: Ein heftiger Streit allein macht ein Verhältnis noch nicht „zerrüttet“. Der Begriff beschreibt vielmehr einen Zustand, bei dem die Beziehung grundsätzlich beschädigt ist. Im Arbeitsrecht bedeutet ein „zerrüttetes Verhältnis“ zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer meist das Ende des Beschäftigungsverhältnisses und es kommt zur – teils einvernehmlichen – Kündigung.

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Wie entsteht ein zerrüttetes Verhältnis?

Ein zerrüttetes Verhältnis entsteht nicht durch einen einzelnen Streit, sondern durch Konflikte, die über längere Zeit ungelöst bleiben. Enttäuschungen, verletzende Äußerungen und gegenseitige Vorwürfe können das Vertrauen und Arbeitsverhältnis nachhaltig zerstören. Besonders sind folgende Ursachen:

  • Fehlende Kommunikation

    Probleme oder offene Konflikte werden nicht angesprochen, sondern ignoriert oder totgeschwiegen.

  • Wiederholte Konflikte

    Dieselben Streitpunkte kommen immer wieder auf, ohne dass eine gemeinsame Lösung gefunden wird.

  • Vertrauensbruch

    Lügen, gebrochene Versprechen oder Illoyalität beschädigen die Beziehung nachhaltig.

  • Mangelnde Wertschätzung

    Respektlose Kritik und persönliche Angriffe führen zu zunehmender Distanzierung.

  • Unterschiedliche Interessen

    Unvereinbare Ziele, Werte oder Arbeitsweisen machen die Zusammenarbeit unmöglich.

Verstärkt wird dieses Konfliktpotenzial oftmals noch durch Missverständnisse – bis die Bereitschaft verloren geht, aufeinander zuzugehen und den Streit zu schlichten. Spätestens jetzt wird aus einem angespannten ein zerrüttetes Verhältnis. Ein Teufelskreis entsteht, und der Konflikt eskaliert.

Was sind die Gründe für ein zerrüttetes Verhältnis?

Sogenannte „unüberbrückbare Differenzen“ entstehen selten durch eine einzelne Auseinandersetzung. Oft sind sie das Ergebnis eines langwierigen Prozesses aus wiederkehrenden Reibereien mit zunehmender Aggression und Feindseligkeit. Zu den häufigsten Konfliktarten im Job gehören:

Beziehungskonflikt

Bei einem Beziehungskonflikt liegt die Ursache auf der persönlichen und emotionalen Ebene. Kollegen finden sich unsympathisch, fühlen sich nicht respektiert oder haben durch frühere Auseinandersetzungen das Vertrauen ineinander verloren. Problematisch ist, dass solche Konflikte häufig als Sachstreit beginnen. Tatsächlich aber geht es längst nicht mehr um Argumente, sondern um persönliche Abneigung oder alte Kränkungen. Bleiben diese Probleme ungelöst, können sich beide Seiten immer weiter voneinander entfernen – bis das Verhältnis dauerhaft zerrüttet ist.

Rollenkonflikt

Auch ein Rollenkonflikt kann Beziehungen im Job dauerhaft belasten. Er entsteht, wenn Erwartungen an Aufgaben, Verantwortung oder Hierarchie nicht zusammenpassen oder eine neue Rolle nicht akzeptiert wird. Typisches Beispiel: Ein Kollege wird zum Vorgesetzten befördert, seine ehemaligen Kollegen erkennen ihn in dieser Rolle jedoch nicht an. Werden Zuständigkeiten und Erwartungen nicht geklärt, entstehen schnell Machtkämpfe, Frust und persönliche Spannungen.

Sachkonflikt

Ein Sachkonflikt ist zunächst kein Grund für ein zerrüttetes Verhältnis. Unterschiedliche Meinungen über Entscheidungen, Projekte oder die beste Vorgehensweise gehören zum Berufsleben und lassen sich meist durch Argumente und Kompromisse lösen. Kritisch wird es, wenn der Sachkonflikt eskaliert oder nur als Fassade für einen tiefer liegenden Konflikt dient. Persönliche Spitzen, ständige Gegenpositionen und gegenseitige Schuldzuweisungen sind Warnzeichen dafür.

Wertekonflikt

Bei einem Wertekonflikt treffen unterschiedliche Überzeugungen, Prinzipien und Vorstellungen darüber aufeinander, was richtig oder wichtig ist. Das kann die Arbeitsmoral, Pünktlichkeit, Loyalität, Nachhaltigkeit oder den Umgang miteinander betreffen. Wertekonflikte sind besonders schwer zu lösen, weil persönliche Werte eng mit der eigenen Identität verbunden sind. Wer das Verhalten des anderen als grundsätzlich falsch empfindet, verliert schnell den Respekt – ein starker Grund für ein dauerhaft zerrüttetes Verhältnis.

Verteilungskonflikt

Ein Verteilungskonflikt entsteht, wenn begrenzte Ressourcen wie Geld, Stellen, Kompetenzen, Arbeitszeit oder attraktive Aufgaben verteilt werden. Besonders bei Beförderungen und Umstrukturierungen können dadurch Konkurrenzdenken und Neid entstehen. Fühlen sich Beschäftigte übergangen oder unfair behandelt, richtet sich der Ärger häufig gegen vermeintlich bevorzugte Kollegen. Aus dem Streit um Ressourcen kann so ein Konflikt entstehen, der die weitere Zusammenarbeit unmöglich macht.

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Welche Nachteile hat ein zerrüttetes Verhältnis?

Wenn Sie merken, dass Sie ein zerrüttetes Verhältnis zu einem Arbeitskollegen haben, können Sie versuchen, das zu ignorieren. Das führt aber in der Regel nur zu noch mehr Problemen und vielen weiteren Nachteilen:

  • Sie starten bereits schlecht gelaunt in den Arbeitstag.
  • Ihre Demotivation überträgt sich auf andere.
  • Das Arbeitsklima verschlechtert sich.
  • Unbeteiligte Kollegen geraten in Loyalitätskonflikte.
  • Ihre negative Erwartungshaltung verstärkt den Konflikt.
  • Ihnen fehlt ein Kollege als mögliche Unterstützung.
  • Wichtige Informationen erreichen Sie womöglich nicht mehr.

Im schlimmsten Fall wird aus dem schwelenden Konflikt eine offene Konfrontation – etwa in Form von Intrigen oder Mobbing.

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Wie kann ich ein zerrüttetes Verhältnis retten?

Ein zerrüttetes Verhältnis am Arbeitsplatz ist belastend und auf Dauer unerträglich. Umso wichtiger, dass Sie frühzeitig gegensteuern und die Situation retten. Ob dies gelingt, hängt primär von der Dauer und dem Ausmaß des Konflikts ab. Auch wenn die Fronten verhärtet sind, können folgende Tipps helfen, ein zerrüttetes Verhältnis noch zu retten:

1. Signalisieren Sie Gesprächsbereitschaft

Der beidseitige Wille ist Grundvoraussetzung, damit sich ein zerrüttetes Verhältnis normalisieren kann. Dazu bedarf es Ihrer Offenheit: Haben Sie eine festgefahrene, negative Meinung von dem Kollegen oder Chef, versuchen Sie, diese Vorurteile und Emotionen auszublenden. Überdenken Sie Ihre Einstellung, und machen Sie den ersten Schritt auf den Kollegen oder Chef zu!

2. Vermeiden Sie Rechthaberei

Wollen Sie ein zerrüttetes Verhältnis reparieren, müssen Sie auf Rechthaberei verzichten: Was gewinnen Sie damit? Langfristig? Zeigen Sie Größe, und geben Sie im Zweifelsfall nach. Damit tragen Sie deutlich zur Entspannung bei und deeskalieren den Konflikt. Wer im Unrecht ist und es vielleicht sogar weiß, fühlt sich sonst permanent unterlegen.

3. Wechseln Sie die Perspektive

Es ist ein Zeichen von Empathie, die Dinge aus dem Blickwinkel des anderen zu betrachten. Wer etwas nicht nur von seiner Warte aus sieht, sondern sich in den anderen hineinversetzt, gewinnt Verständnis und kann nachvollziehen, warum der Kollege oder Chef so handelt oder ist, wie er oder sie ist.

4. Holen Sie sich Unterstützung

Bei einem zerrütteten Verhältnis kann eine Mediation oder Supervision von außen helfen. Vorteil: Ein Mediator ist überparteilich. Er schaut genau auf das Problem und bezieht beide Parteien und Interessen bei der Aussprache mit ein. Das erhöht die Friedenschance, wenn keiner von beiden auf den anderen zugehen will.

5. Demonstrieren Sie Ihren guten Willen

Verzichten Sie auf Vorwürfe und verhalten Sie sich nicht nachtragend. Zerrüttete Verhältnisse lassen sich nur durch Respekt und Zuverlässigkeit kitten. Zeigen Sie durch Ihr Verhalten, dass Sie wirklich etwas ändern und das Verhältnis wieder normalisieren wollen. Sie müssen deswegen ja keine besten Freunde werden.


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