Lässt sich Sinn finden in einem sinnlosen Job?

Was könnte man nicht alles mit der Zeit anfangen – sich seinem Hobby widmen, mit Freunden treffen, schlafen, andere Aufgaben erledigen wie die Wohnung/den Garten/den Keller auf Vordermann bringen… doch leider ruft mal wieder die Arbeit. Und die macht Ihnen so gar keinen Spaß. Wofür das Ganze – so ganz ohne Perspektiven? Wegen des Geldes? Und ist es das wert? Immerhin verbringen wir die Hälfte unseres Lebens auf der Arbeit. Studien zufolge sind aber mehr als die Hälfte der Bundesbürger unzufrieden mit ihrem Job. Erschreckend! Doch wie findet man (wieder) den Sinn in einem scheinbar sinnlosen Job?

Lässt sich Sinn finden in einem sinnlosen Job?

Sinnkrise: Leben, um zu arbeiten oder arbeiten, um zu leben?

Wozu, wofür arbeiten wir? Sicher, die meisten gehen einer geregelten Arbeit nach, um damit ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Kurz: Sie brauchen das Geld. Von irgendwas muss man ja schließlich leben, seine Miete zahlen, seine Versicherungen und sein Auto… Liebgewonnene Annehmlichkeiten möchten wir nur ungerne opfern. Es gibt also gewisse Sachzwänge.

Auf der anderen Seite – und mit Blick auf ein rund 40-jähriges Erwerbsleben – wird schnell klar: Geld allein macht nicht glücklich. Im Gegenteil: Wer 40 Jahre lang einem Beruf nachgeht, den er oder sie nur des Geldes wegen ausübt, dürfte weder gut darin noch glücklich werden. Es droht vielmehr ein Leben im Hamsterrad, in dem man sich von Wochenende zu Wochenende schleppt und von Montagsblues zu Montagsblues.

40 Jahre lang? Der blanke Horror! Leben geht jedenfalls anders.

Entsprechend suchen die meisten Menschen nicht nur einen Sinn in ihrer Arbeit – sie suchen zugleich nach Selbstverwirklichung, nach persönlichem Wachstum, nach Persönlichkeitsentwicklung und Individualität.

Das aber ist gar nicht so leicht. Mehr noch: Es ist unbequem, weil es uns dazu zwingt, uns permanent zu verändern – und auch den Job (gegebenenfalls) dieser Entwicklung anzupassen. Jobwechsel gehören mitunter ebenso dazu wie Ortswechsel und Umzüge.

Auch müssen wir uns immer wieder entscheiden, ob wir eine klassische, hierarchische Karriere anstreben. Oder eher eine Fachkarriere und damit einen sogenannten horizontalen Karriereplan verfolgen.

Die Folge sind meist Patchwork-Laufbahnen und Brüche im Lebenslauf, die beim nächsten Wechsel aber auch wieder erklärt werden müssen.

Immerhin: Mit dem Maß wie sich die Arbeitswelt verändert, werden die Erklärungen leichter, das Verständnis größer, der Wandel zur Normalität.

Was bleibt, ist allerdings die Erwartungshaltung an unsere Tätigkeit, die Arbeit und den Beruf. Und damit auch das Potenzial einer veritablen Sinnkrise.

Selbsttest: 12 Indizien, dass Sie Ihren Job nicht mögen

12 Signale, woran Sie erkennen, dass Sie Ihren Job nicht mögenApropos: Wie steht es gerade mit Ihrem Job – sind Sie glücklich damit? Die folgenden 12 Aussagen können Ihnen dabei helfen, herauszufinden, ob Sie Ihren Job mögen oder nicht. Je öfter Sie sich darin selbst erkennen und innerlich nicken, desto mieser der Job…

  • Die Bettdecke klemmt recht häufig. Ich komme so gerade eben pünktlich zur Arbeit.
  • Mir graust schon sonntagmorgens vor der neuen Woche und jeden Tag aufs Neue.
  • Ich bin häufig krank. Ich habe immer öfter Kopfschmerzen, Sodbrennen, Magenbeschwerden und fühle mich gestresst.
  • Ich mag meinen Chef, meine Kollegen nicht besonders.
  • Ich finde hier keine Herausforderungen mehr. Mir ist oft furchtbar langweilig, obwohl ich genug zu tun habe.
  • Ich bekomme keine Anerkennung für meine Arbeit.
  • Das Gehalt sehe ich eher als Schmerzensgeld. Es ist das Einzige, was mich funktionieren lässt.
  • Ich fühle mich überfordert: Der Chef weist mir Aufgaben zu, die mit der ursprünglichen Stellenbeschreibung nichts zu tun haben.
  • Ich finde kaum noch Zeit für Familie und Freunde oder irgendetwas anderes nach der Arbeit.
  • Ich kann mich nicht mehr mit dem Job identifizieren: Weder mit dem Unternehmen, dem Produkt noch dem Service.
  • Eigentlich habe ich diesen Beruf gar nicht selbst gewählt, sondern wurde durch meine Eltern hineingedrängt.
  • Ich denke nur noch an die Kündigung, traue mich aber nicht.

Sinnloser Job oder sinnvoller?

Es hängt natürlich von Ihrer eigenen Leidensfähigkeit und Frustrationstoleranz ab, ob Sie etwas verändern wollen oder nicht. Aber genau genommen ist kein Argument stichhaltig genug, um einen Job auszuüben, den man nicht sinnvoll findet.

Deshalb steht am Anfang eine zentrale Frage: Was wollen Sie?

Also, was wollen Sie wirklich aus Ihrem Leben machen? Welche Ziele wollen Sie erreichen? Und welcher Beruf passt dazu?

Nur weil man mal Jobfrust hat, ist das noch kein Grund für eine (vorschnelle) Kündigung. Solche Phasen gibt es in jedem Beruf. Was zählt, ist die langfristige Perspektive: Wo wollen Sie hin? Passt der aktuelle Job noch in zehn Jahren – oder dient er eher einer Art Überbrückung? Beispielsweise, bis der Kredit fürs Auto abbezahlt oder die Kinder aus dem Gröbsten raus sind?

Das alles kann völlig legitim und sinnvoll sein – nur sollten Sie diese Entscheidung eben bewusst treffen. Mit Plan und Hintergedanken. Dabei kann Ihnen die sogenannte 10-10-10-Analyse helfen:

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Vielleicht brauchen Sie gerade auch einfach nur ein bisschen Motivation, um eine berufliche Durststrecke zu überwinden.

Machen Sie sich immer klar, Sie haben stets ein Minimum von drei Optionen: Love it, leave it or change it – also: Wenn Sie Ihre derzeitige Arbeit nicht verlassen mögen, dann überprüfen Sie konkret:

Was genau nervt mich an dieser Arbeit?

Finden Sie die entsprechenden Elemente und schauen Sie: Kann ich sie verändern? Fragen Sie Ihren Vorgesetzten, ob er Ihnen neue Aufgabenbereiche zuteilen kann. Manchmal kann ein Teamwechsel auch frischen Wind bringen.

Scheidet das auch aus, gibt es vorläufig nur eine Möglichkeit, um nicht völlig zu verzweifeln: Love it.

Sie ändern etwas, indem Sie Ihre Einstellung ändern, die Gegebenheiten zunächst einmal akzeptieren. Geben Sie Ihrem Job wieder Sinn zurück.

Wie genau geht das? Diese zehn Tipps können Ihnen dabei helfen:

  • Nehmen Sie die Dinge mit Humor. Klingt leichter als getan, aber wirklich: Mit Kollegen herumalbern zu können, wertet die Arbeit ungemein auf.
  • Fokussieren Sie die positiven Dinge. Das, was gut läuft – seien es Freundschaften, Familie, Hobbys oder vielleicht die Tatsache, dass Sie in den Urlaub fahren können. Geben Sie auch Kleinigkeiten eine Chance, beispielsweise das Lächeln eines Kollegen oder die kurze Wartezeit in einer Schlange. Notieren Sie jeden Tag drei Dinge!
  • Fahren Sie nur noch mit halber Kraft. Powern Sie sich nicht aus, damit Sie in Ihrer Freizeit sich nur noch von der Arbeit erholen müssen. Lassen Sie stattdessen Energie übrig.
  • Gewichten Sie anders. Wenn jeder erwartet, dass Arbeit nicht nur das große Geld, sondern auch noch eine unglaubliche Selbstverwirklichung bringen soll, dann entsteht enormer Druck. Überlassen Sie die Selbstverwirklichung Ihren Hobbys.
  • Suchen Sie sich Verbündete. Geht es anderen Kollegen genauso? Vielleicht lassen sich doch ein paar Schräubchen an der einen oder anderen Stelle drehen.
  • Seien Sie dankbar. Auch wenn dieser Job total öde ist: Es gibt sicherlich Millionen von Menschen, denen es schlimmer geht. Nicht nur in den Favelas brasilianischer Großstädte – Armut gibt es auch in Deutschland. Dankbarkeit ist nicht nur ein Schlüssel zum Erfolg – Sie macht auch glücklicher.
  • Stiften Sie selber Sinn. Stellen Sie sich vor, was passieren würde, wenn Sie diesen Job nicht erledigen würden? Egal, ob als Würstchenverkäufer, Altenpfleger oder Sachbearbeiter: Machen Sie sich Zusammenhänge bewusst, wie Ihre Arbeit dazu beiträgt, Menschen zu helfen.
  • Bleiben Sie optimistisch. Dieser Job ist nur eine Übergangslösung, auch er wird irgendwann ein Ende finden. Blockieren Sie sich nicht, indem Sie sich am Tag vorher schon verrückt machen à la Der Tag kann ja nur schrecklich werden.
  • Machen Sie sich frei von der Angst vor Arbeitslosigkeit. Angst lähmt und vielleicht ist es auch diese Sichtweise, die Sie Ihren Job verdammen lässt? Abgesehen davon halten Sie kurz inne: Was bewerten Sie stärker – Freiheit oder Stabilität, Glücklichsein oder Sicherheit?
  • Bauen Sie Frust durch Bewegung ab. Das ganze positive Denken in Ehren, aber manchmal hilft nichts mehr, dann muss ein Ventil her. Sport (Bewegung im Allgemeinen, Laufen und Spazieren im Besonderen) ist ein hervorragendes Ventil. Adrenalin wird abgebaut und Sie kriegen Ihren Kopf wieder frei.

Bestandsaufnahme: Funktioniert es?

Stehen Sie am Scheideweg? Haben Sie versucht, Ihre Arbeit sinnvoll zu gestalten, aber können sich beim besten Willen nicht vorstellen, noch bis zur Rente dort zu bleiben? Dann ist es Zeit, sich neu zu orientieren! Es ist nie zu spät.

Machen Sie sich klar:

Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat bereits verloren. (Rosa Luxemburg)

Aber auch:

Siegen wird der, der weiß, wann er kämpfen muss und wann nicht. (Sunzi)

Sie haben vielleicht für eine Weile diesen Job gemacht, weil es nicht anders ging. Dieser Grund ist weggefallen, das heißt, jetzt ist die Zeit zum Kämpfen gekommen. Resignation ist keine Option. Die vorweg genannten zehn Motivationstipps können ein Anfang sein, wenn Sie wollen. Lesen Sie sie erneut.

Sie sind der Anfang von Ihrem nächsten größeren Projekt: Der Jobsuche. Sie bedingen sich alle. Wer negativ an die Sache herangeht, hat bereits verloren. Wer seine ganze Energie im Job verpulvert, wird keinen klaren Gedanken fassen können, wenn es darum geht, sich anderweitig umzuschauen.

Sinnvolle Arbeit will auch erarbeitet werden

Natürlich bedarf auch das einer soliden Vorbereitung. Vor allem, wenn Sie die Jobsuche neben Ihrer derzeitigen Stelle betreiben. Sich aus geschützter Position heraus umzugucken und zu bewerben hat auch Vorteile: Es sieht im Lebenslauf besser aus als Arbeitslosigkeit und verschafft Ihnen Zeit.

Klären Sie folgende Fragen:

  1. Finanzen

    Sie sollten wenigstens für die Übergangszeit über die Runden kommen.

    • Was sind meine wöchentlichen beziehungsweise monatlichen Ausgaben?
    • Was verstehe ich unter Lebensqualität?
    • Wie viel Geld brauche ich, um diese Lebensqualität aufrechtzuerhalten?
  2. Arbeit

    Wie sollte sinnvolle Arbeit aussehen? Selbstreflexion ist angesagt.

    • Sie sollte Sie als Person widerspiegeln. Also: Was zeichnet Sie aus? Was macht Sie glücklich oder auch traurig? Was mögen Sie an sich besonders?
    • Sie sollte Ihre Interessen widerspiegeln. Also: Welche Werte und Normen haben Sie? Welche Erlebnisse haben Sie geprägt?
    • Sie sollten Ihre Erfahrungen einbringen können. Also: Was sind Ihre Stärken und Fähigkeiten? Welche davon würden Sie gerne in Ihrer Arbeit umsetzen wollen? Was würden Sie noch gerne ausbauen wollen?
    • Sie sollten Herausforderungen haben. Also: Gibt es Möglichkeiten, noch dazu zu lernen? Das Lernen durch die Arbeit hilft auch dabei zu erkennen, was einem wichtig ist.
  3. Maßnahmen

    Vieles davon können Sie unmittelbar umsetzen.

    • Halten Sie Ihren tabellarischen Lebenslauf auf dem neusten Stand. Damit erst anzufangen, wenn eine interessante Stelle ausgeschrieben ist, bereitet unnötigen Stress und raubt wertvolle Zeit.
    • Betreiben Sie Recherche. Es gibt genügend Möglichkeiten, im Internet nach Jobs zu gucken, beispielsweise auf Karrieresprung.de – unserer eigenen Jobbörse mit derzeit rund 250.000 Stellenangeboten. Oder achten Sie auf Aushänge, Tageszeitungen.
    • Bauen Sie Ihr Netzwerk aus. Gehen Sie auf Veranstaltungen wie spezielle Tagungen oder Barcamps und lassen sich inspirieren.
    • Nehmen Sie eine Auszeit. Manchmal braucht es einen Tapetenwechsel, um sich neu sortieren zu können. Neue Eindrücke im Urlaub und ein freier Kopf in entspannter Umgebung helfen dabei.
    • Bilden Sie sich weiter. Was interessiert Sie besonders? Ihre Interessen lassen sich unter Umständen mit einem neuen Job verbinden. Oder anders herum: Welche Jobs interessieren Sie, aber Ihnen fehlen noch die entsprechenden Kenntnisse?

Sie sind nicht hilflos! Es ist jetzt an Ihnen, eine Entscheidung zu treffen. Können Sie sich doch mit Ihrer derzeitigen Tätigkeit arrangieren? Umso besser – dann haben diese Punkte Ihnen offenbar dabei geholfen, Ihre Arbeit wieder wertzuschätzen und einen Sinn zu erkennen.

Falls Sie nach eingehenden Überlegungen jedoch zu dem Schluss kommen, dass Sie etwas ändern möchten, dann gilt es, Schritt für Schritt vorzugehen.

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]
7. Oktober 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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