Definition: Was ist eine Sisyphusarbeit?
Der Begriff „Sisyphusarbeit“ (Englisch: Sisyphean task) beschreibt eine Aufgabe, die trotz großen Aufwands und vieler Anstrengungen nie abgeschlossen werden kann oder immer wieder von Neuem beginnt. Kurz: Die ständige Wiederholung einer aussichtslosen und unbefriedigenden Tätigkeit. Der Begriff und die Redewendung geht auf die griechische Mythologie und den König von Korinth – Sisyphos – zurück.
Wer war Sisyphus?
Sisyphos galt – ähnlich wie Odysseus – als besonders klug, listig und gerissen. Der Überlieferung nach täuschte er sogar die Götter und versuchte, dem Tod zu entkommen. Als Strafe verurteilten sie ihn jedoch dazu, einen schweren Felsblock einen Berg hinaufzurollen, der jedoch kurz vor dem Gipfel jedes Mal wieder herunterrollte, sodass Sisyphos die Arbeit immer wieder von Neuem beginnen musste. Diese mühsame und endlose Aufgabe wurde schließlich zum Sinnbild für nie endenwollende Arbeit ohne Erfolg – die „Sisyphusarbeit“.
Was sind Synonyme für Sisyphusarbeit?
Je nach Kontext gibt es verschiedene Synonyme oder ähnliche Begriffe für Sisyphusarbeit:
- Knochenarbeit – für besonders schwere und anstrengende Arbeit
- Mammutaufgabe – für eine übergroße und anspruchsvolle Aufgabe
- Dauerjob – für eine Aufgabe, die nie vollständig endet
- Endlosarbeit – für eine Arbeit ohne erkennbares Ende
- Fleißarbeit – für Arbeit, die viel Ausdauer erfordert
- Strafarbeit – umgangssprachlich für eine unangenehme Aufgabe
- Vergebliche Mühe – für Arbeit, deren Aufwand nicht zum gewünschten Ergebnis führt
Sisyphusarbeit steht damit synonym für endlose Mühen, für Blut, Schweiß und Tränen – ohne jedes Erfolgserlebnis.
Beispiele für Sisyphusarbeit im Job
Arbeit, die immer wieder von vorn beginnt oder ein „Kampf gegen Windmühlen“ bleibt, gibt es auch heute noch in zahlreichen Jobs. Typische Beispiele hierfür sind:
- Ein Kundendienstmitarbeiter muss täglich dieselben Fragen der Anrufer beantworten.
- Ein Social-Media-Manager löscht Spam-Kommentare, die immer wieder neu erscheinen.
- Ein IT-Mitarbeiter behebt immer wieder denselben Softwarefehler, ohne dass die eigentliche Ursache beseitigt wird.
- Ein Lagerarbeiter sortiert Waren, die durch neue Lieferungen erneut umgeräumt werden müssen.
- Ein Projektleiter passt Zeitpläne ständig an, weil sich Anforderungen fortlaufend ändern.
- Eine Reinigungskraft putzt Bereiche, die schon kurz darauf wieder verschmutzt werden.
Zwar besteht für all diese Beispiele und Arbeiten eine gewisse Notwendigkeit. Die Arbeit muss also irgendwie erledigt werden. Gleichzeitig wirken der fehlende Abschluss oder die ewige Wiederholung auf die Betroffenen unglaublich zermürbend und demotivierend.
Positiver Blick Sisyphusarbeit
Der französische Autor und Philosoph Albert Camus setzte sich bereits 1942 in einem Essay mit der Figur des Sisyphos auseinander. Zwar sieht auch Camus in ihm einen Arbeitnehmer, der sich tagein, tagaus abplagt und dessen Arbeit nie zu Ende ist. Er sagt aber auch, dass sich Sisyphos nicht unentwegt abmüht. Er habe ebenso Ruhepausen – nämlich dann, wenn der Fels den Berg hinabrollt und er erst einmal hinabsteigen muss, um ihn wieder hinaufzurollen. Das seien durchaus glückliche Phasen der Regeneration. Ob das wirklich ein Trost ist, wissen wir aber nicht.
Was kann ich gegen Sisyphusarbeit im Job tun?
Sisyphusarbeit gehört wohl in vielen Berufen zum Alltag. Lästige und wiederkehrende Aufgaben lassen sich nie vollständig vermeiden. Sie müssen aber auch nicht unnötig Zeit und Energie kosten. Der erste Schritt besteht deshalb stets darin, genau zu analysieren, warum eine Tätigkeit immer wieder anfällt und scheinbar nie endet:
- Handelt es sich um eine unvermeidbare Routinen?
- Oder um ein Problem, dessen Ursache nie behoben wird?
Oft lohnt es sich an dieser Stelle, bestehende Prozesse kritisch zu hinterfragen sowie Möglichkeiten zu suchen, Arbeitsabläufe zu vereinfachen oder zu automatisieren – etwa durch digitale Tools, Künstliche Intelligenz (KI) oder standardisierte Vorlagen. Diese können häufig helfen, wiederkehrende Aufgaben schneller und effizienter zu erledigen.
Zeitmanagement verbessern
Im nächsten Schritt empfehlen wir, das eigene Selbstmanagement zu verbessern, bzw. andere Prioritäten zu setzen: Nicht jede Aufgabe muss sofort erledigt werden. Nutzen Sie zum Beispiel das Pareto-Prinzip und konzentrieren Sie sich auf Tätigkeiten mit hoher Bedeutung, und planen Sie regelmäßige Zeitfenster (siehe: Timeboxing) für Routinearbeiten ein, statt sich ständig davon unterbrechen zu lassen. So behalten Sie den Überblick und vermeiden das Gefühl, ausschließlich mit endlosen Aufgaben beschäftigt zu sein.
Weitere Zeitmanagement-Methoden und Artikel, die wir hierzu empfehlen, sind:
- Batching: Mehr Produktivität, weniger Arbeitszeit
- 1-3-5-Methode: Ganz einfach Prioritäten setzen
- Eisenhower-Prinzip: Was ist wirklich wichtig und dringend?
- Eat that Frog: 21 Regeln für einfaches Zeitmanagement
Auch ein Tagesplan, den Sie am Vorabend erstellen, kann helfen, Aufgaben besser zu priorisieren oder Unwichtiges zu delegieren.
Sprechen Sie überdies offen mit Ihrer Führungskraft darüber, wenn sich bestimmte Arbeiten dauerhaft wiederholen, ohne einen erkennbaren Mehrwert zu schaffen. Häufig lassen sich Prozesse gemeinsam optimieren, wenn Probleme frühzeitig angesprochen werden. Auch der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen kann neue Lösungen liefern, die den Arbeitsalltag erleichtern. Auch wer sich realistische Zwischenziele setzt und Erfolge sichtbar macht, erlebt Routinearbeiten weniger als frustrierende Sisyphusarbeit und behält langfristig Motivation und Zufriedenheit im Beruf.
Sisyphusarbeit oder fehlender Sinn?
Hinter der Sisyphusarbeit im Job kann jedoch auch ein anderer Grund stecken: ein fehlender Sinn hinter der Arbeit. Zwar gibt es in jedem Beruf Aufgaben, die keinerlei Spaß machen, aber erledigt werden müssen. Hierbei geht es aber um die Gesamtbewertung Ihrer Arbeit: Ist es einfach nur zu viel – oder letztlich sinnlos? Fühlen Sie sich längst wie ein nutzloses Rädchen im Getriebe und erkennen nicht (mehr), warum Sie den Job überhaupt machen?
Auch in diesem Fall empfehlen wir zunächst ein offenes Gespräch mit dem Chef. Wenn Sie aber auch nach längerer Selbstreflexion für sich partout keinen Sinn mehr in Ihrer Arbeit erkennen, sollten Sie das als Weckruf interpretieren und vielleicht mal über eine berufliche Neuorientierung nachdenken.
Das ist zwar ein radikaler Schritt. So ein bewusster Jobwechsel kann aber auch eine Art Befreiungsschlag sein und beugt weiterer Frustration – inklusive Quiet Quitting – sowie negativen gesundheitlichen Folgen vor. Überhaupt ist es besser, einen solchen Schritt immer nüchtern und aus einer Position der Stärke heraus zu wagen, statt später im Affekt zu kündigen oder gar gekündigt zu werden…
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