Weiterbildung
Arbeitgeber erwarten von ihrem Mitarbeitern heute stets aktuelles Fachwissen und Qualifikationen auf höchstem Niveau. Am lebenslangen Lernen führt deshalb kein Weg vorbei. Eine solide Berufsausbildung ist zwar eine gute Basis für den Berufsweg und Einstieg. Berufliche Weiterbildung aber sichert nicht nur die Arbeitsmarktchancen (insbesondere im Alter), sondern erhöht auch die Chancen für einen schnelleren Aufstieg auf der Karriereleiter. Worauf Sie dabei achten müssen, wie Sie seriöse Anbieter finden und unterscheiden und wie Sie Ihren Chef dafür gewinnen, erfahren Sie im folgenden Dossier zur berufsbegleitenden Weiterbildung...

Berufliche Weiterbildung: Motivation und Zielsetzung

Private WeiterbildungFür nicht gerade wenige Arbeitnehmer stellt das Diktat des lebenslangen Lernens eher eine Bedrohung und lästige Pflicht dar. Sie haben teils gar keine Wahl: Ihr Arbeitgeber erwartet eine regelmäßige Weiterbildungsaktivität pro Jahr. Das erzeugt - zugegebenermaßen - einen gewissen Druck, und der macht wenig Spaß.

Statt als notwendiges Übel können Sie darin allerdings auch eine Chance zur Weiterentwicklung sehen: Sie werden sich neues Wissen aneignen und später nutzen können. Daneben werden Sie sich aber auch persönlich weiterentwickeln. Schließlich erschließen sich die neue Arbeits- und Kompetenzbereiche selbstständig. Und das kann Ihnen keiner nehmen.

Dennoch spielen VOR der Wahl für eine berufliche Weiterbildung vor allem zwei Fragen eine zentrale Rolle:

  1. Welches Ziel verfolgen Sie mit der Weiterbildung?

    Planen Sie einen Jobwechsel oder arbeiten Sie auf eine Beförderung hin? Oder möchten Sie sich mit den gewonnenen Kompetenzen einmal selbstständig machen? Je besser Sie Ihr (langfristiges) Ziel kennen, desto besser können Sie auch passende Angebote aus den zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten auswählen.

  2. Was ist Ihre Motivation?

    Möchten Sie aus freien Stücken eine berufliche Weiterbildung machen oder sehen Sie sich von Ihrem Arbeitgeber dazu gezwungen? Diese Frage ist mitunter entscheidend für die Mühe und den Zeitaufwand, den Sie in die Weiterbildung stecken - und natürlich für die Eigeninitiative und -motivation.

Weiterbildung fördert Karrierechancen

Extra-Tipp-IconWeiterbildung lohnt sich. Sie fördert Karrierechancen - und erhöht die Aussicht auf eine Gehaltserhöhung. Das ist das Ergebnis der TNS-Infratest-Studie "Weiterbildungstrends in Deutschland 2016", an der 300 Personalverantwortliche beteiligt waren. 87 Prozent der Personaler sagten, Weiterbildung fördere den beruflichen Aufstieg, für 78 Prozent war sie Anlass für eine Gehaltssteigerung - allerdings mit einer Einschränkung: Entscheidend sei die Eigeninitiative des Mitarbeiters, sich beruflich weiterzubilden. Für 83 Prozent der Befragten war das ausschlaggebend. Geht es um die Einstellung neuer Mitarbeiter, schauen gar 77 Prozent auf die Eigeninitiative.

Berufliche Weiterbildung in Eigenregie: Die Kosten-Nutzen-Analyse

Wollen Sie sich auf eigene Faust und eigene Kosten beruflich weiterbilden, müssen Sie sich selbst auf die Suche nach geeigneten Anbietern und Seminaren machen. Angesichts der Auswahl kein leichtes Unterfangen, aber auch keine Raketenwissenschaft.

Zur Vorbereitung sollten Sie am besten folgende Fragen beantworten:

  • Qualifikationen

    Welche Abschlüsse bringe ich schon mit?

  • Anforderungen

    Welche Fertigkeiten und welches Fachwissen wird in der von mir angestrebten Position gebraucht?

  • Stärken

    Wo liegen meine Stärken? Welche Fertigkeiten für die angestrebte Position bringe ich bereits mit?

  • Arbeitgeberangebote

    Wie kann mein Arbeitgeber mich unterstützen? Welche Weiterbildungsmaßnahmen werden in meinem Unternehmen angeboten? Auf welche Pflichtangebote meines Arbeitgebers kann ich möglicherweise mit weiteren Seminaren aufbauen?

  • Empfehlungen

    Welche Erfahrungen haben Kollegen und Bekannte gemacht? Was können die empfehlen?

  • Lerntyp

    Welcher Lerntyp bin ich? Kann ich gut selbstständig lernen? Lerne ich besser in Gruppen?

Haben Sie sich beste Voraussetzungen für eine sinnvolle berufliche Weiterbildungsauswahl geschaffen, sollten Sie diese ebenfalls im Vorfeld durchkalkulieren und das verfügbare Budget möglichst genau festlegen.

Am einfachsten geht das durch eine recht simple Kosten-Nutzen-Rechnung.

Zu den Kosten gehören beispielsweise...

  • die Seminarkosten selbst
  • Fahrt- und Übernachtungskosten
  • Anschaffungskosten für Bücher und Lernmaterialien
  • Eventuelle (unbezahlte) Sonderurlaubstage für Präsenzveranstaltungen oder Prüfungen (berechnen Sie hier den Verdienstausfall)

Lassen Sie sich zusätzlich immer noch einen kleinen Spielraum und planen Sie einen finanziellen Puffer für Unvorhergesehenes ein.

Der Nutzen ist umgekehrt wesentlich schwieriger zu bestimmen. Schließlich spekulieren Sie in der Regel auf diesen, garantiert ist er aber nicht. Hier hilft daher nur eine schonungslos ehrliche Analyse statt Wunschdenken. Dabei sollten Ihnen die folgenden Fragen Orientierung geben:

  • Welchen Stellenwert hat die Weiterbildung in meiner Karriere?
  • Bietet die berufliche Weiterbildung erst mit dem Abschluss Vorteile oder bereits während der Lernphase?
  • Ist der Abschluss allgemein anerkannt?
  • Habe ich mit der Weiterbildung Chancen auf eine Beförderung oder einen neuen Job, bei dem ich dann signifikant mehr verdiene?
  • Wie viel mehr verdiene ich dann - und rechnet sich das? Wann sind die Kosten wieder eingespielt?
  • Kann ich die Kenntnisse nur im Beruf oder auch anderweitig anwenden?
  • Kann ich mir das Wissen auch auf anderen Wegen aneignen?

Autodidaktische Weiterbildung: Mentoren finden

Neben formalen Weiterbildungsmöglichkeiten stehen Ihnen auch autodidaktische Wege des Lernens offen. Diese Weiterbildungswege sind nicht standardisiert und das Lernen findet hier oft in der Freizeit statt. Das hat einerseits den großen Vorteil, dass die so erworbenen Kenntnisse praxisnah und direkt anwendbar sind. Der Nachteil ist - zumindest in Deutschland - jedoch ebenso offensichtlich: Autodidaktisch erworbene Kenntnisse lassen sich nicht nachweisen und sind in der Bewerbung daher nur bedingt hilfreich.

Falls Sie sich dennoch für autodidaktisches Lernen interessieren, sollten Sie sich hierzu Experten und Mentoren suchen. Diese finden Sie entweder in Ihrem beruflichen Umfeld oder in Fachforen, auf Messen, bei Vorträgen und anderen Events. Nur gehen Sie bei der Kontaktaufnahme bitte behutsam vor. Diese Menschen sind in der Regel ebenso gefragt wie beschäftigt und Zeit ihr knappstes Gut. Haben Sie daher im Blick, wie auch diese Person von Ihnen profitieren kann.

Dann allerdings kann diese Partnerschaft enorm weiterbringen: Handelt es sich bei dem Mentor um eine Person mit einer ausgeprägter Reputation, können deren Empfehlungen fast so gut - in manchen Branchen sogar besser - als offizielle Zertifikate sein.

Weiterbildung-Checkliste: So finden Sie seriöse Anbieter und Kurse

Check-Icon-TransparentQualität hat in der Regel ihren Preis. Umgekehrt trifft das leider nicht immer zu: Was teuer ist, muss nicht automatisch gut sein. Manchmal reicht schon ein Volkshochschulkurs: Wie die Stiftung Warentest einmal ermittelt hat, sind die qualitativ vergleichbar zu vielen kommerziellen Instituten und Weiterbildungsanbietern, aber meist deutlich günstiger.

Auch Arbeitsagenturen, Berufsverbände, (Fach-)Hochschulen und IHKs sollten in die Recherche einbezogen werden. Weil es aber überall auch schwarze Schafe auf dem Weiterbildungsmarkt gibt, lohnt sich bei der Vorab-Recherche der detaillierte Blich auf den jeweiligen Anbieter:

  • Welche Qualifikationen haben die Dozenten?
  • Welche Lehrmethoden werden angewendet?
  • Wie sehen die Unterrichtsräume aus?
  • Wie sind sie ausgestattet?
  • Was kosten die jeweiligen Kurse?
  • Welches Zertifikat wird angeboten?
  • Was ist das Zertifikat auf dem Markt wert? Welche Reputation besitzt es?

Falls Sie auf der Website des jeweiligen Anbieters nicht weiterkommen, lohnt sich auch ein Probeanruf. Anbieter, die Ihre Frage spürbar ungerne, ausweichend oder nichtssagend beantworten, sollten Sie tendenziell meiden.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Warnzeichen. Zwar reicht keines davon für sich genommen aus, um einen Anbieter als unseriös abzustempeln. Wenn sich die Warnzeichen aber häufen, ist der Anbieter vielleicht nicht die beste Wahl...

  1. Niedrige Preise

    Qualifizierte und kompetent durchgeführte Weiterbildungen haben ihren - teilweise hohen - Preis. Bei Ihrer Recherche sollten Sie daher auf jeden Fall verschiedene Anbieter miteinander vergleichen. Tut sich einer davon mit signifikant niedrigeren Preisen hervor und handelt es sich dabei nicht um ein Aktionsangebot, sollten Sie misstrauisch werden. Umgekehrt gilt der Schluss allerdings nicht: Hohe Preise garantieren leider keine hohe Qualität.

  2. Fehlende Referenzen

    Ein seriöser Weiterbildungsanbieter wird im Normalfall Aussagen und Beurteilungen von ehemaligen Absolventen und Seminarteilnehmern vorweisen können. Sind die nicht vorhanden und kann der Anbieter dafür keine schlüssige Erklärung liefern, ist das ein deutliches Warnsignal.

  3. Fehlerhafte Unterlagen

    Tippfehler und kleinere Ungenauigkeiten können auch bei den besten Unternehmen und Weiterbildungen vorkommen. Sind die im Vorfeld ausgehändigten Unterlagen oder Werbematerialien jedoch übermäßig voller Fehler, sollte Sie das misstrauisch machen.

  4. Keine Vorabinformation

    Seriöse Weiterbildungsanbieter erlauben einen Teil der Unterlagen im Vorfeld einzusehen. Solche Musterexemplare stehen zwar nicht bei allen Unternehmen zum Download bereit, auf Nachfrage sollten diese jedoch verfügbar sein. Ist das nicht der Fall, ist Vorsicht geboten.

  5. Erster Eindruck

    Bei der Entscheidung für oder gegen eine Weiterbildung sollte auch Ihre Intuition eine Rolle spielen. Vertrauen Sie Ihrem Gefühl und achten Sie vor allem auf Ihren ersten Eindruck beim Beratungs- oder Gesprächstermin. Ist dieser negativ, muss das zwar nicht zwingend gegen die Seriosität des Anbieters sprechen, kann aber auf Missstände hindeuten.

  6. Schlechte Bewertungen

    Finden Sie bei Ihrer Recherche im Internet hauptsächlich schlechte Bewertungen des Anbieters, sollten Sie kritisch nachhorchen oder die Finger davon lassen. Lesen Sie die Erfahrungsberichte aber bitte vollständig durch und achten Sie auch auf das Erstellungsdatum. Vielleicht hat sich seitdem viel verändert und verbessert.

  7. Kein Konzept

    Seriöse und qualifizierte Weiterbildungen beruhen immer auf einem schlüssigen und fachlich begründeten Konzept. Dieses müssen die Mitarbeiter des Trägers vermitteln können und es sollte auch in den Werbe- und Informationsunterlagen schlüssig dargestellt werden. Ist ein solches Konzept nicht ersichtlich, verschwenden Sie bei einer Weiterbildung vermutlich Zeit und Geld.

  8. Keine Testsitzung

    Viele Weiterbildungsträger bieten Interessenten die testweise Teilnahme an einem Seminar an. Das ist zwar nicht unbedingt Standard, doch sollte für das Fehlen eines solchen Angebotes eine nachvollziehbare Erklärung geliefert werden. Fehlt diese, kann das ein Alarmsignal sein.

  9. Unsichere Antworten

    Ein im Vorfeld stattfindender Beratungstermin dient in erster Linie der Information. Kritische Nachfragen sind bei der Gelegenheit daher zulässig. Können die Mitarbeiter des Trägers diese nicht oder nur unsicher beantworten, ist Misstrauen berechtigt.

  10. Wenig Inhalte

    Zum Standard jedes Weiterbildungsangebotes gehört die Möglichkeit, die Themen und Lehrpläne im Vorfeld - zumindest als Übersicht - einzusehen. Stellen Sie dabei jedoch fest, dass im Verhältnis zu Preis und Zeit nur wenig Inhalte vermittelt werden, sollten Sie von einer Teilnahme Abstand nehmen.

  11. Garantierter Erfolg

    Wirklich seriöse Weiterbildungsangebote betonen im Vorfeld eines Seminars die Mitwirkungspflicht der Teilnehmer. Eine Erfolgsgarantie geben sie in der Regel daher nicht ab. Ist eine solche jedoch vorhanden, sollten Sie sich den Rest des Angebotes mit einer gesunden Portion Misstrauen näher anschauen.

Bevor Sie jedoch irgendwo unterschreiben und einen Weiterbildungsvertrag unterschreiben, lesen Sie bitte immer auch das Kleingedruckte. Seriöse Anbieter erlauben, dass Sie noch nach 14 Tagen kostenlos (!) vom Vertrag zurücktreten können. Auch sollten Sie etwaige Kursgebühren ohne Zusatzkosten in Raten zahlen können oder sich auch bei langfristigen Weiterbildungen eine Auszeit nehmen können (es kann privat ja immer mal was dazwischen kommen).


Checkliste: Das richtige Zertifikat

An Weiterbildungszertifikaten mangelt es nun wirklich nicht. Alleine in Deutschland gibt es mehrere hundert Zertifikate verschiedenster Träger. Hinzu kommen verschiedene Qualitätssiegel und allerlei Wortlametta, was die Abschlüsse zwar beeindruckend klingen lässt, aber selten hält, was es verspricht.

Eine pauschale Antwort, wie Sie die Spreu vom Weizen trennen, gibt es leider nicht. Allenfalls ein paar Tendenzen...

  • In technisch, handwerklich und betriebswirtschaftlich orientierten Branchen genießen IHK-Weiterbildungen und -Abschlüsse einen hohen Stellenwert. Diese haben den Vorteil, dass sie – größtenteils – gesetzlich anerkannt sind und von den Unternehmen der jeweiligen Branchen geschätzt werden.
  • Bei geisteswissenschaftlichen oder sprachlich orientierten Weiterbildungen gelten – als Pendant zur IHK – verschiedene Institute und Hochschulen als Weiterbildungsträger der Wahl (siehe auch unsere Anbieter-Übersicht). Ob Sie sich für ein Institut, einen privaten Träger oder doch eine IHK-Weiterbildung entscheiden, hängt von Ihrer Branche und dem Ruf des jeweiligen Bildungsträgers in diesem Bereich ab.
  • Bei rein betriebsinternen Weiterbildungen gilt: Inhaltlich sind diese meist gut, doch außerhalb des Unternehmens können Sie damit nicht viel anfangen. Hier lohnt sich auf jeden Fall die Suche nach einem anerkannten Weiterbildungsträger.
  • Und falls Sie sich gar für ein Fernstudium interessieren: Unseren Quickcheck zum Fernstudium können Sie hier kostenlos als PDF herunterladen und ausdrucken. Wenn Sie sich ausführlicher über E-Learning oder das Fernstudium informieren wollen, empfehlen wir unseren Artikel zu berufsbegleitenden Bachelor- und Master-Studiengängen.

Berufliche Weiterbildung: So holen Sie Ihren Chef ins Boot

Berufliche Weiterbildung FinanzierungHaben Sie das passende Weiterbildungsangebote gefunden können und sollten Sie versuchen, Ihren Chef für die Weiterbildung zu begeistern und mit ins Boot zu holen. Idealerweise steht am Ende des Gespräches eine finanzielle Förderung der Weiterbildung durch den Arbeitgeber.

Argumente, mit denen Sie Ihrem Chef die Weiterbildung schmackhaft machen, können sein:

  • Sie gewinnen neue Kenntnisse, die unmittelbar der Abteilung und dem Arbeitgeber zugute kommen.
  • Der Abschluss stellt auch gegenüber den Kunden und Kooperationspartnern eine Aufwertung der Unternehmensleistung dar.
  • Auch die Kollegen profitieren mittelbar von dem Erkenntnisgewinn und möglichen Verbesserungen.
  • Die finanzielle Förderung durch den Arbeitgeber kann Sie einige Jahre an das Unternehmen binden.

Und selbst wenn das nicht möglich ist, sollten Sie zumindest für Verständnis werben und vielleicht eine Entlastung im Blick auf Arbeitspensum und Aufgaben heraushandeln. Diese Entlastung ist in Kombination mit dem Rückhalt im privaten Umfeld bei langfristigen Weiterbildungen enorm wichtig: Nur dann können Sie sich voll und ganz auf die berufliche Weiterbildung konzentrieren.

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