Lügen-Lügner-Grafik-Wahrheit
Die Wahrheit ist: Wir alle lügen. Sogar mehrmals am Tag. Das Spektrum der Unwahrheiten reicht dabei von Ausreden, Notlügen, Meineiden, Prahlerei, Heuchelei, Intrigen bis hin zur faustdicken Lüge. Bei einer Untersuchung der Universität von Massachusetts Amherst kam einmal heraus, dass allein 84 Prozent der Bewerber im Vorstellungsgespräch die Realität mindestens aufmotzen. Vor allem Extrovertierte nahmen es mit der Wahrheit im Jobinterview nicht so genau. Bemerkenswert: Auch Kindermund tut nicht durchweg Wahrheit kund - schon mit vier Jahren beginnen Kinder bewusst zu mogeln. Der amerikanische Psychologe John Frazer behauptet gar, dass jeder Erwachsene täglich im Schnitt rund 200 Mal lügt, mitgezählt allerdings auch jede gepimpte Prahlerei. Nur warum lügen wir überhaupt - obwohl das Flunkern seit Menschengedenken verpönt ist, Philosophen wie Aristoteles, Augustinus oder Immanuel Kant die bewusste Täuschung als unmoralisch und verwerflich stigmatisieren und die Bibel sie gar Sünde nennt?

Warum lügen wir?

Lügnerin-Meineid-gekreuzte-FingerDie Wahrheit ist auch: Unwahrheiten und Übertreibungen sind evolutionärer Alltag, in dem die Tiere uns Menschen in Sachen Hochstapelei kaum nachstehen.

  • Die Schwebfliege Syrphidae zum Beispiel sieht der Wespe zum Verwechseln ähnlich und versucht so ihre Fressfeinde abzuschrecken. Signalfälschung oder Mimikry heißt das in der Fachsprache.
  • Die Glühwürmchenweibchen der Art Photuris Versicolor wiederum verführen mit gefälschten Blinksignalen die Männchen einer anderen Würmchenart: Die so angelockten liebestollen Glühwurmmännchen werden allerdings anschließend aufgefressen.
  • Die im tropischen Regenwald lebenden Brüllaffen wiederum machen zwar Lärm wie eine Horde Hunnen, sind aber kaum schwerer als neun Kilogramm.

Und wir Menschen - warum lügen wir (so oft)?

Durchschnittlich wird der Mensch alle acht Minuten belogen, hat der Psychologe Gerald Jellison von der Universität von South Carolina einmal ermittelt. Während einer zehnminütigen Konversation belügen sich 60 Prozent aller Gesprächspartner bis zu drei Mal.

Solche beiläufigen Flunkereien sind den Urhebern im Augenblick der Konversation meist gar nicht bewusst, machen aber fast ein Drittel aller Lügen aus. Der Rest, hat Jellison ermittelt, sagt vor allem aus vier Kernmotiven heraus die Unwahrheit:

  • 41 Prozent lügen, um sich Ärger zu ersparen ("Dein Essen schmeckt super!").
  • 14 Prozent schummeln, um sich das Leben bequemer zu machen ("Morgen? Oh, da kann ich nicht!").
  • 8,5 Prozent manipulieren, um geliebt zu werden ("Ich denke nur an dich!").
  • 6 Prozent schwindeln aus Faulheit ("Klar, hab ich daran gedacht!").

Die Lüge - sie ist eben eben auch so etwas wie ein sozialer Kitt. Den Schluss legt zum Beispiel auch eine britische Studie um Jean D.M. Underwood von der Nottingham Trent Universität nahe. Die Wissenschaftler werteten dazu das Verhalten von Facebook-Nutzern aus und identifizierten dabei vor allem drei Gruppen:

  • Selbstdarsteller

    Sie posteten überwiegend Neuigkeiten aus ihrem Alltag, Meinungen, Bilder, die sie gut aussehen ließen.

  • Interaktive

    Diese Gruppe postete weniger Eigenes, kommunizierte dafür aber mehr mit anderen über Kommentare.

  • Mitteilende

    Die letzte Gruppe teilte hauptsächlich private Befindlichkeiten und tauschte sich darüber mit anderen aus.

Das eigentlich Bemerkenswerte aber war: Während die ersten beiden Gruppen vorwiegend logen, um Eindruck zu schinden und ihr Image zu verbessern, diente den Letzten die Lüge dazu, ihre Beziehungen zu pflegen. Das klingt schizophren, funktioniert aber, indem sie beispielsweise ihre Meinung der Mehrheit anpassten oder andere Gemeinsamkeiten vorgaben. Hauptsache, weiterhin dazu gehören.

Mag sein dass der Deutsche sonntags die Wahrhaftigkeit preist und feiert, aber alltags wird geschummelt, erfunden, vernebelt, vertuscht, verfälscht, erstunken und erlogen, dass sich die Balken biegen.

Insbesondere wenn um die Karriere geht, drücken 25 Prozent der Männer und 12 Prozent der Frauen gerne mal ein Auge zu. Dann, so eine schon etwas ältere, aber repräsentative Umfrage von TNS Emnid, finden die Betroffenen Lügen ganz okay. Überhaupt zeigt sich bei dieser Umfrage: Gezielte Falschaussagen rechtfertigen Männer viel öfter als Frauen – allerdings vorrangig um im menschlichen Miteinander zu punkten:

In welchen Situationen manche Lügen okay finden

  • Um einem Freund zu helfen Frauen: 51 Prozent; Männer: 59 Prozent
  • Um ein Kompliment zu machen Frauen: 28 Prozent; Männer: 44 Prozent
  • Um eine Beziehung zu retten Frauen: 28 Prozent; Männer: 41 Prozent
  • Um weniger Steuern zu zahlen Frauen: 12 Prozent; Männer: 26 Prozent
  • Um die Karriere zu fördern Frauen: 12 Prozent; Männer: 25 Prozent
  • Um sich vor Strafe zu schützen Frauen: 7 Prozent; Männer: 22 Prozent
  • Gar nicht, lügen ist nie okay Frauen: 22 Prozent; Männer: 14 Prozent

Aber auch sonst wird wohl an keinem Ort so oft gelogen wie im Büro (außer im Bett vielleicht). Wer kennt nicht solche Sätze, wie:

  • "Der Chef ist leider den ganzen Tag in Besprechungen."
  • "Können Sie dazu eine kurze Mail schreiben? Wir rufen dann zurück."
  • "Jetzt haben Sie ihn gerade verpasst!"


Ausreden nennen wir das und akzeptieren sie als solche. Aber natürlich wissen beide genau: Alles gelogen. Bewerber schwindeln, weil sie glauben, dass es im Jobinterview nicht auf Tatsachen ankommt, sondern auf Selbstdarstellung; Manager mogeln, weil das Ausreizen von Fakten und die Kunst, bei der Wahrheitsdehnung nicht ertappt zu werden, noch immer als Königsdisziplin in der Beletage gilt. Denn wer die Realität geschickt umspielt, gilt eben nicht nur als Schlitzohr, sondern auch als intelligentes Smart-Ass.

Die Welt will offenbar belogen werden: Sechs von zehn Deutschen sind überzeugt, dass sich Ehrlichkeit nicht immer auszahlt. Fast jeder Zweite meint, dass einem die Wahrheitsliebe leicht als Naivität und Dummheit ausgelegt werden könne und weit mehr als jeder Dritte glaubt sogar, dass zur Lüge greifen muss, wer Karriere machen will. Die Lüge - sie gehört zum Alltag wie Zähneputzen oder Stuhlgang.

Lob verleitet zum Betrügen

Daumenhoch_tDie Psychologie-Professorin an der Stanford-Universität, Carol Dweck, lobte die Probanden ihrer Studie auf unterschiedliche Weise: Den einen sagte sie: "Sie sind wirklich sehr smart!", den anderen: "Das haben Sie sich wirklich hart erarbeitet!" Zwei Komplimente – aber mit diametraler Wirkung: Wer für seine Intelligenz gelobt wurde, neigte dazu künftig weniger zu lernen. Stattdessen nutzten die Probanden ihre Energie dazu den Cleverness-Status zur Not auch durch Lügen, Betrügen und Schummeln aufrecht zu erhalten. Und zwar bis zu drei Mal häufiger als jene, die für ihre Leistung und harte Arbeit gelobt wurden.

Alles Lüge oder was?

Tatsächlich bringt Lügen die grauen Zellen auf Trab. Bestätigt wird das etwa durch ein Experiment des Bielefelder Hirnforschers Hans J. Markowitsch. Der bat Studenten, erst eine wahre Geschichte zu erzählen – danach eine Lügengeschichte. Aber nur während ihm die Probanden einen Bären aufbanden, gab es im hinteren Schädelbereich "ein wahres Neuronengewitter", sagt der Forscher.

Bis heute treibt das Paradoxon des Epimenides aus Kreta – "Alle Kreter lügen" – Logiker und Philosophen bis zur Rabulistik. Evolutionspsychologen sind gar davon überzeugt, dass wir nur geworden sind, was wir sind, weil wir im Laufe der Evolution das Lügen perfektioniert haben. "Man kann sagen, dass sich die menschliche Intelligenz an Lügen- und Täuschungsstrategien schärfte", schreibt der Managementtrainer Günther Beyer in seinem Buch "Der Lüge auf der Spur".

Heute sind Internet, E-Mails und Telefone buchstäblich schwindelerregende Medien, wie Befragungen der Unternehmensberatung German Consulting Group ergaben. Danach belügen 63 Prozent der Befragten ihre Geschäftspartner mit Hilfe von SMS.

Beliebter sind nur noch E-Mails oder Blackberry-Botschaften, mit denen drei von vier Befragten bluffen.

In einem wissenschaftlichen Experiment, dessen Ergebnisse im amerikanischen "Social Justice Research Journal" publiziert wurden, untersuchten US-Forscher, ob Probanden per E-Mail eher bereit sind zum Lügen als solche, die handschriftlich Botschaften austauschten. Ergebnis: Nahezu alle E-Mailer logen ihre Partner an; von den Briefschreibern waren hingegen nur 64 Prozent zur Unwahrheit bereit. Immerhin.

Lügen gehört zum Spiel mit der Macht. Schon Niccolò Machiavelli gab den Potentaten 1513 auf den Weg:

Auch wird es einem Fürsten nie an guten Gründen fehlen, um seinen Wortbruch zu beschönigen. Denn die Menschen sind so einfältig und gehorchen so sehr dem Eindruck des Augenblicks, dass der, welcher sie hintergeht, stets solche findet, die sich betrügen lassen.

Dabei ist es nicht wirklich klug zu lügen. Die Wahrheit sorgt für Klarheit und Konstanz in den Arbeitsbeziehungen. Würden sich Verhandlungspartner nach Strich und Faden belügen, liefen sie nicht nur Gefahr, sich in ihren Unwahrheiten immer weiter zu verstricken, sondern riskierten auch einen wackeligen Abschluss, mit fatalen Folgen:

  • überzogene Preise
  • unhaltbare Terminzusagen
  • juristische Auseinandersetzungen
  • jede Menge Ärger und Ansehensverluste

Lügen kostet. Doch diese Einsicht ist rar. Noch wird die Wahrheit im Arbeitsalltag aus Nützlichkeit häufig gebeugt. Auch das ist – leider – die Wahrheit.

Rechtschaffenheitsgrenze bremst Lust am Lügen

Menschen betrügen zwar gerne und vor allem dann, wenn es ihnen nützt, jedoch nicht in maximalem Umfang – selbst wenn Wahrscheinlichkeit erwischt und bestraft zu werden praktisch nicht gegeben ist. Das haben Wissenschaftler um Nina Mazer und Dan Ariely von der MIT-Universität herausgefunden. In den Experimenten dazu mussten die Probanden einen Fragebogen ausfüllen, bei dem es für jede richtige Antwort Geld gab. Die Forscher teilten die Teilnehmer in zwei Gruppen: Bei der ersten wertete der Versuchsleiter den Fragebogen selbst aus, bei der zweiten durften die Studenten ihre Ergebnisse selber bewerten - konnten also durch Betrug ihren Profit beeinflussen.

Wenig überraschend fielen die Ergebnisse in der zweiten Gruppe durchweg besser aus: Die Probanden betrogen - allerdings nur bei maximal 20 Prozent der Fragen. Danach setzte offenbar eine natürliche Hemmschwelle ein, auch wenn die Forscher das Risiko, entdeckt zu werden, in einem zweiten Durchlauf weiter verringerten. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass es neben dem materialistischen Belohnungssystem in unserem Gehirn auch eines für Rechtschaffenheit geben muss.

7 Wahrheiten über das Lügen

Hand aufs Herz: Hätten Sie diese Fakten über das Lügen gewusst?

  1. Wer lügt, bekommt eine größere Nase

    Lügner-lange-Nase-PinoccioDeswegen wird dieses Phänomen auch Pinocchio-Effekt genannt. Entdeckt haben es Wissenschaftler um Emilio Gómez Milán und Elvira Salazar López von der spanischen Universität von Granada. Danach strömt beim Lügen tatsächlich mehr Blut in die Nase, die wird dadurch wärmer, fängt an zu jucken und dehnt sich (allerdings kaum merklich) aus. Gleichzeitig sinkt die Temperatur des Gesichts. Grund: Das Blut wird vor allem für das geistig anstrengende Lügen im Hirn benötigt. Auch wenn die Nase letztlich nicht so deutlich wächst wie bei der gleichnamigen Holzfigur, lässt sich der Effekt mit moderner Thermografie nachweisen.

  2. Wer ehrlich zugibt, häufig zu lügen, tut es auch

    So paradox es klingt: Bei der Lüge sind Lügner wahrheitsliebend. Wer zugibt, ein notorischer Lügner zu sein, ist es wirklich, fanden niederländische Wissenschaftler um Rony Halevy von der Universität Amsterdam heraus. Mehr als 500 Psychologiestudenten sollten Auskunft darüber geben, wie oft sie in den vergangenen 24 Stunden gelogen hatten. Resultat: Ein Durchschnitt von 2,04 Unwahrheiten pro Tag. Allerdings hatte die Sache einen Haken: Der Wert beruhte auf Selbstauskünften - und kein Mensch weiß, wer dabei wirklich die Wahrheit sagte. So fiel den Forschern auch prompt auf, dass 41 Prozent damit prahlten, nie zu lügen. Andere wiederum outeten sich als wahre Lügenbarone. Daher folgte Experiment zwei: Diesmal luden die Forscher 51 Probanden der jeweiligen Extremfraktion ein - Wahrsager und notorische Lügner - und spielten mit ihnen Spiele, bei denen es einen gewissen Anreiz zum Schummeln gab. Und Überraschung: Jene, die sich zuvor als Lügner bezeichnet hatten, hatten damit ausnahmsweise die Wahrheit gesagt und mogelten am meisten. Und umgekehrt.

  3. Testosteron macht ehrlicher

    Man sollte meinen, dass Testosteron, dieses Macho-Männlichkeitshormon, Männer nicht nur aggressiver macht, sondern auch das typische Imponiergehabe fördert und damit eben auch Prahlerei, Lug und Betrug... Falsch! Der Ökonom Armin Falk von der Universität Bonn konnte zusammen mit Kollegen der Maastricht Universität zeigen, dass das Hormon auch soziales Verhalten fördert. Mehr noch: Probanden, die für einige Spieltests Extra-Testosteron bekamen, logen deutlich seltener als jene, die nur ein Placebo erhielten. "Der Nachteil vieler Studien dazu ist, dass sie lediglich den Testosteronspiegel der Probanden mit deren Verhalten vergleichen", sagt Studien-Co-Autor Matthias Wibral. Das gebe aber lediglich statistische Zusammenhänge wieder und erlaube keine Einblicke in die Ursachen des Verhaltens. Denn das Testosteron beeinflusse eben nicht nur das Verhalten, sondern das Verhalten umgekehrt auch den Hormonspiegel. Die Wissenschaftler suchten in ihrer Studie daher nach einem Ansatz, der auch Rückschlüsse auf Ursache und Wirkung erlaube.

  4. Wer sich in die Augen sieht, lügt seltener

    Sieh mir in die Augen dabei... - Die Aufforderung hat einen wahren Kern. Denn wenn sich Menschen von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen – etwa bei Verhandlungen –, fällt ihnen das Lügen schwerer, wie Kathleen Valley, Joseph Moag und Max Bazerman in Ihren Studien dazu zeigen konnten. Allerdings – und das ist die Kehrseite der Geschichte – betrügen und belügen sich die Menschen dafür umso lieber am Telefon, also wenn sie sich dabei nicht ins Auge sehen müssen. Und traurig, aber ebenfalls wahr: Am meisten belügen wir jene, die uns nahe stehen.

  5. Unsere Instinkte erkennen Lügner besser

    Wenn es darum geht, einen Lügner zu entlarven, sollten Sie Ihren Instinkten am meisten vertrauen. Unser Unterbewusstsein ist einer der besten Lügendetektoren überhaupt, sagt Leanne ten Brinke von der Universität von Kalifornien in Berkeley. Bei ihren Versuchen erzielten die Probanden mittels klassischer Methoden zur Entlarvung eines Lügners nur eine Erfolgsquote von 43 Prozent - mit dem Instinkt lagen sie hingegen zu 48 Prozent richtig.

  6. Lügen macht erfinderisch

    So klingt es immerhin noch positiv. Aber es gibt auch eine dunkle Seite der Kreativität: Kreative sind tendenziell unehrlicher, stellte unter anderem Francesca Gino von der Harvard Business School fest. Kreativität sei sogar ein besserer Indikator für unethisches Verhalten als Intelligenz. Der Grund: Weil sie es können. Eben weil Kreative gut darin sind, glaubhafte (Lügen-)Geschichten zu entwickeln und Begründungen zu ersinnen, kommen sie öfter damit durch und nutzen das auch aus.

  7. Männer lügen mehr als Frauen.

    Wie eine Umfrage des Marktforschers OnePoll unter 3000 Erwachsenen herausgefunden haben will, lügen Männer im Schnitt 1092 Mal im Jahr, Frauen dagegen nur 728 Mal per anno. Während die Männer jedoch in nur 70 Prozent der Fälle hernach ein schlechtes Gewissen plagt, sind es bei den Frauen schon ganze 82 Prozent. Allerdings sagten auch 75 Prozent der Befragten, es sei okay zu lügen, wenn man dadurch nicht die Gefühle eines anderen verletzt. Beim Blick auf die Top 10 der Lügen von Männern und Frauen fällt jedoch auf, dass gar nicht mal so sehr die Gefühle des anderen geschützt werden, sondern überwiegend das eigene Verhalten gerechtfertigt wird. Offenbar belügen sich die Leute sogar selbst noch bei Lügen...

    Die Top10-Lügen der Männer
    • Ich habe kaum was getrunken.
    • Alles okay, mir geht’s prima.
    • Ich hatte keinen Empfang
    • Es war nicht so teuer.
    • Ich bin auf dem Weg.
    • Ich stecke im Stau.
    • Nein, dein Hintern sieht nicht dick aus.
    • Ich habe deinen Anruf nicht gehört.
    • Hast du abgenommen?
    • Das wollte ich schon immer haben!
    Die Top10-Lügen der Frauen
    • Alles okay, mir geht’s gut.
    • Ich habe keine Ahnung, wo es ist. Ich hab’s nicht angefasst.
    • Es war gar nicht teuer.
    • Ich habe kaum was getrunken.
    • Ich habe Kopfschmerzen.
    • Es war ein Schnäppchen.
    • Ich bin schon unterwegs.
    • Ich hab das schon seit Ewigkeiten.
    • Ich habe nichts weggeschmissen.
    • Das wollte ich schon immer haben!

Lügendetektor: 12 Indizien für einen Lügner

Auch wenn der Instinkt - wie oben beschrieben - sichere Anhaltspunkte liefert, gibt es doch einige Hinweise, wie sich Lügner regelmäßig als solche verraten. Jedes einzelne Indiz für sich isoliert betrachtet, muss allerdings noch keinen Lügner entlarven. Hinter dem Weggucken kann auch Schüchternheit stecken, feuchte Hände können eher Stress verraten. In Summe aber und wenn mehrere Symptome gleichzeitig auftreten, verraten sie den Täuschungsversuch.

So kommen Sie einem Schwindler auf die Spur:

  1. Augenblicke.

    Augen sind besonders verräterisch. Je nachdem, in welche Richtung man beim Erinnern schaut, kann das eine handfeste Lüge anzeigen. Der Blick nach links oben etwa deutet auf eine konstruierte Wahrheit hin, der Blick nach rechts oben auf eine visuell erinnerte.

  2. Blicktkontakt.

    Auch die Dauer des Augenkontakts selbst deutet teilweise auf Unwahrheiten hin. Ungeübte Lügner vermeiden oft den Augenkontakt – aus Scham und schlechtem Gewissen. Notorische Lügner oder Quacksalber wird man so aber kaum entlarven. Es ist ein Irrglaube, dass Menschen, die wegblicken, jedesmal lügen – und umgekehrt. Wer sich etwa an wichtige Details erinnern muss, wird zwangsläufig wegschauen (siehe vorheriger Punkt). Andere blicken aus Unterwürfigkeit vor ihrem Chef nach unten. Das umgekehrte Signal verrät mehr: Wer nichts erinnert, sondern konstruiert, kann die ganze Zeit dem andern in die Augen starren.

  3. Wortwahl.

    Lügner versuchen so gut wie immer die Begriffe zu vermeiden, die mit der Tat in Zusammenhang stehen. Der Klassiker: Sie haben Ihren Sohn im Verdacht, sich 10 Euro aus Ihrem Portemonnaie gemopst zu haben und fragen: "Hast Du Dir 10 Euro aus meinem Portemonnaie genommen?" Falls er es war, wird er möglichst viel Abstand zwischen sich und die Tat bringen wollen und antworten: "Nein, ich habe DAS nicht gestohlen!" Oder: Zwei Kinder prügeln sich, am Ende fließen Tränen und Sie fragen den Aggressor: "Hast Du Deinen Bruder geschlagen?" Die meisten Schuldigen sagen darauf: "Nein, ich habe DEN nicht gehauen." Häufig kommt noch die Strategie des Relativierens hinzu: "Ich habe den nicht gehauen – höchstens angerempelt." Beides sind starke Signale einer versuchten Täuschung.

  4. Indirekte Rede.

    Profis mit moralischen Werten versuchen auf schwierige Fragen ausweichend zu antworten. Sie wollen nicht lügen, die Wahrheit wollen Sie aber auch nicht sagen – etwa, wenn die Schwiegermutter fragt, wie der Sonntagsbraten geschmeckt hat. Indirekte Antworten sind deshalb ein sehr starkes Indiz dafür, dass die Wahrheit verschleiert werden soll. In diese Kategorie fällt ebenso Humor oder Sarkasmus, der von der eigentlichen Aussage ablenken soll.

  5. Vorauseilende Rechtfertigung.

    Wenn Menschen erklären, warum sie sich etwa an eine Begebenheit oder ein Detail ganz besonders genau erinnern können, ist Skepsis geboten. Bisher hat ja noch niemand die Qualität ihrer Aussage infrage gestellt.

  6. Abnehmende Tonlage.

    Wer die Wahrheit sagt, wird bei seinen Erzählungen meist lauter und schneller, er redet sich sprichwörtlich in Rage. Lügner dagegen werden eher leiser, sprechen monotoner. Ihren Aussagen fehlen zudem beschreibende Details. Oft sind sie auch lückenhaft, und sie haben beim Erzählen Aussetzer.

  7. Langsame Antwort.

    Lügen dauert länger. So lassen sich die Untersuchungen des britischen Psychologen Aiden Gregg von der Universität von Southampton zusammenfassen. Im Gegensatz zu ehrlichen Menschen haben Lügner in 90 Prozent der Fälle eine längere Reaktionszeit.

  8. Wechselnde Körpersprache.

    Lügner wechseln oft unvermittelt ihre Körpersprache oder verraten sich duch unwillkürliche Mikrogesten, wie etwa das Reiben der Nase, Fingertippen auf den Mund oder Zupfen am Ohr. Das allerdings sind nur schwache Indizien, weil sie auch unter normalen Umständen vorkommen können, etwa weil es dort juckt.

  9. Barrikaden.

    Lügner versuchen oft Schutzwälle zu errichten. Natürlich nicht sprichwörtlich, sondern symbolisch. Wenn also jemand, während er Ihnen eine Geschichte erzählt, plötzlich einen Stift oder ein Buch zwischen Sie beide legt, ist das eine gutes Signal für einen Täuschungsversuch.

  10. Zeitversetzte Gestik.

    Bei nicht wenigen Lügen ist das Timing von Aussage, Gestik und Mimik zeitversetzt. Ein Schwindler würde beispielsweise erst sagen: "Das ist aber ein schönes Geschenk!" und erst dann dazu lächeln. Bei Menschen, die das auch so meinen, geschieht dies in der Regel zeitgleich.

  11. Verknappte Mimik.

    Wenn jemand von Herzen lacht, dann spiegelt sich die Freude auf seinem ganzen Gesicht wider: in den Mundwinkeln, den Augen, der Stirn. Bei einem falschen Lächeln hingegen grinst nur der Mund.

  12. Stress.

    Lügen verursacht Stress. Um nicht aufzufallen, versucht der Lügner Inhalt, Stimme und Körpersprache zu synchronisieren. Ohne Stress funktioniert das automatisch. Jetzt aber verlangt das seine volle, kräftezehrende Konzentration. Meist bleibt es nicht bei einer Lüge, sondern führt zu einem kompletten Lügengebäude – einer intellektuell anspruchsvollen Konstruktion, die wie ein Kartenhaus bei einem kleinen Fehler schon zusammenstürzen kann. Im Bewusstsein, ständig entlarvt werden zu können, dringt dieser Stress aber früher oder später nach außen: Das Gesicht versteinert zum Pokerface, nervöse Mikrogesten, wie Jucken an Ohr oder Nase, das Spielen mit dem Fingerring treten verstärkt auf, der Augenkontakt reißt entweder abrupt ab oder wird besonders intensiv (stechender Blick). Ein guter Trick, Lügner zu entlarven, ist daher auch, deren Stresslevel zu erhöhen – und zwar an einer Stelle wo sie es nicht vermuten: Jeder Mensch hat körperliche Tabuzonen. Jemandem sprichwörtlich auf die Pelle zu rücken, ist nur intimen Freunden vorbehalten. Wer in diesen Bereich unerlaubt eindringt, verursacht also Stress und unwillkürliche Abwehrmechanismen, wie Zurückweichen oder Entrüstung. Diese Gegenmaßnahmen rauben allerdings die Konzentration zum Erhalt des Lügengebäudes. Lenken Sie das Gespräch also zu dem Punkt, wo Sie die Lüge vermuten, dann dringen Sie in sein Revier ein: Schieben Sie wie zufällig einen Block über die unsichtbare Tischgrenze, breiten Sie Ihre Unterlagen in seinem Territorium aus. Im klassischen Polizeiverhör, würde der Beamte sogar mit dem Stuhl um die Ecke rücken und dem Verdächtigen nahe kommen. Folge: Es bringt ihn aus dem Lügen-Konzept.

Darüber hinaus gibt es laut dem Kriminalpsychologen Rüdiger Wilmer insgesamt sieben sogenannte Realitätsmerkmale, die darauf hinweisen, dass jemand tatsächlich die Wahrheit sagt:

  • Der Verdächtige schildert die Situation/Abläufe widerspruchsfrei und logisch.
  • Die Erzählung ist unstrukturiert. Es werden viel Details berichtet, darunter ebenso ungewöhnliche wie überflüssige. Teilweise werden sogar körpersprachliche Merkmale des Gegenübers beschrieben.
  • Die Geschichte wird räumlich und zeitlich verknüpft und ist dadurch nachprüfbar.
  • Zudem wird viel Interaktion geschildert: Gespräche werden wiedergegeben, aber auch Gefühle und eigene Gedanken dabei. Womöglich auch Komplikationen und unverstandene Handlungen.
  • Der Betroffene zieht Querverbindungen zu ähnlichen Vorgängen.
  • Im Gespräch werden spontan eigene Aussagen korrigiert – man hat ja nichts zu verbergen.
  • Es kommt manchmal sogar zur Selbstbelastung, bzw. der Verdächtige äußert Bedenken gegen die eigene Glaubwürdigkeit seiner Aussagen.
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