Mobile Recruiting
Der Prozess der Mitarbeitersuche und Rekrutierung hat sich längst weiterentwickelt und den Klassiker der gedruckten Stellenanzeige weit hinter sich gelassen. Diese werden zwar immer noch genutzt - sowohl von Unternehmen als auch von Bewerbern - doch der Trend geht immer weiter in eine andere Richtung. Smartphones spielen nicht nur in der Kommunikation eine dominante Rolle. Auch beim Recruiting werden sie immer wichtiger. So nutzen Bewerber sie zunehmend zur Suche nach freien Stellen - allerdings mit unterschiedlichen Erfahrungen: Nicht, weil Bewerber die Jobsuche per Smartphone noch nicht beherrschen, sondern weil viele Unternehmen beim Mobile Recruiting hinterher hinken...

Mobile Recruiting Definition: Was verbirgt sich dahinter?

Das Prinzip des Mobile Recruiting ist noch recht einfach: Die Jobsuche und auch die Bewerbungen sollen den Sprung aus Zeitungen oder dem heimischen Computer auf die mobilen Endgeräte potenzieller Bewerber schaffen. Da heutzutage fast jeder ein Smartphone besitzt, braucht man sich dabei auch über die Zielgruppe keine Sorgen zu machen.

So soll der gesamte Prozess - von Stellenangebot, über die nötigen Informationen zu Arbeitgebern, bis hin zum fertigen und ausgefüllten Bewerbungsformular - einfach und mobil per Smartphone möglich sein. So viel zur Theorie. In der Praxis sieht es hingegen oft anders aus: Eine aktuelle Studie zeigt etwa, dass nicht einmal die Hälfte (44 Prozent) der großen Personaldienstleister über eine Karriereseite verfügen, die für mobile Endgeräte optimiert ist. Und nur 45 Prozentder Bewerbungsformulare sind so gestaltet, dass sie per Smartphone zu nutzen sind.

Eine Zahl, die man vielleicht noch akzeptieren könnte, doch gegenüber steht eine Umfrage, die bereits im Jahr 2013 gezeigt hat, dass 85 Prozent der Bewerber mobil optimierte Unternehmens-Informationen und 79 Prozent der Kandidaten mobil optimierte Stellenanzeigen für absolute Must-Haves eines Arbeitgebers angeben. Auch drei Jahre später hinken also viele Anbieter noch hinterher und so kann das Mobile Recruiting auch Grund für Frustration sein, wenn man etwa verärgert feststellen muss, dass man zwar Informationen und auch ein Bewerbungsformular auf dem Smartphone erhält - dieses dann aber doch nur am Computer ausfüllen kann.

Die Vorteile des mobile Recruiting

GaudiLab/shutterstockMan könnte einfach argumentieren, dass die mobile Verfügbarkeit des Bewerbungsprozesses eine unaufhaltsame Entwicklung durch moderne Technologie ist. Dies ist sicherlich ein Faktor, der zum Trend des Mobile Recruiting beiträgt, doch gibt es auch ganz konkrete Vorteile - für Bewerber und Unternehmen gleichermaßen - die dafür sprechen, sich verstärkt auf die mobile Optimierung zu konzentrieren.

Für Bewerber steht dabei vor allem die schnellere und einfachere Verfügbarkeit von Informationen im Vordergrund. Bei Interesse kann man sich schnell und (hoffentlich) unkompliziert von überall bewerben. So kann man sich etwa per App über aktuelle Stellenangebote im eigenen Bereich informieren lassen, sich direkt über den möglichen Arbeitgeber informieren und gleich das Bewerbungsformular ausfüllen.

Große Vorteile gibt es auch auf Seiten der Unternehmen: Die verkürzte Bewerbungszeit sorgt dafür, dass auch für kurzfristig zu besetzende Stellen schneller ein passender Kandidat gefunden wird. Hinzu kommt, dass sich die Zahl der Bewerbungen insgesamt steigern lässt. Je einfacher es einem potenziellen Mitarbeiter gemacht wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass dieser sich tatsächlich bewirbt. Lässt sich mit einigen Klicks von unterwegs bereits das erste Bewerbungsformular einreichen, anstatt große Mappen zu erstellen oder Unterlagen einzuscannen, wirkt sich dies positiv auf die Bewerberzahlen aus.

Ein weiterer wichtiger Faktor: Kandidaten können konkreter und direkter angesprochen werden. So können etwa Bewerber, die bestimmte Qualifikationen angegeben haben oder in einem bestimmten Bereich wohnen, direkt auf neue Stellenangebote, die zu Ihnen passen, aufmerksam gemacht werden. Dies kommt natürlich auch möglichen neuen Mitarbeitern entgegen, die bei der Jobsuche unterstützt werden.

Mobile Recruiting: Vorteil im Employer Branding

So manches Unternehmen scheut den Einstieg ins mobile Recruiting aus zwei Gründen: dem hohen Aufwand und den damit verbundenen Kosten. Die mobile Optimierung - oder responsive Gestaltung - von Karriereseiten kann durchaus anspruchsvoll und aufwendig sein. Das gilt vor allem dann, wenn bestehenden Unternehmenswebseiten auf einer technisch veralteten Basis aufsetzen und beispielsweise mit zahlreichen Flash-Elementen arbeiten.

Re-Design und technische Überarbeitung nehmen dann Zeit und Ressourcen in Anspruch - und lohnen sich dennoch. Denn Unternehmen können damit nicht nur mehr Bewerber erreichen, sondern sich auch im Blick auf das Employer Branding von anderen Unternehmen abheben. Viele Bewerber erwarten heute bei Bewerbungen eine positive User Experience, fast so, als würden sie ein Produkt kaufen. Wer dies mit seiner Mobile Recruiting Lösung schafft, wird gleich als kompetent, professionell und grundsätzlich besserer Arbeitgeber wahrgenommen, der die Anliegen von Bewerbern und Mitarbeitern ernst nimmt.

Zudem gestalten Unternehmen ihre Karriereseiten und -kanäle auch gleich zukunftssicher und schaffen die Grundlage für effektives Recruiting.

Eine Studie des Instituts für Personalwirtschaft der Ludwigs-Maximilians-Universität München hat die die zunehmende Bedeutung des Mobile Recruitings bereits im Jahr 2014 gezeigt - wobei davon auszugehen ist, dass diese heute noch gestiegen ist:

Mobile Jobsuche 1

Auch wenn in der Studie und den Infografiken von der Generation Y die Rede ist, wirken sich die Vorteile von Mobile Recruiting auf Bewerber und Fachkräfte aller Altersgruppen positiv aus. Die Nutzung von Smartphones und Tablets geht längst durch Generationen.

Positive Erfahrungen mit Mobile Recruiting und einer für diesen Zweck entwickelten Applikation hat der US-Konzern Pepsi gemacht. Recruiter Chris Hoyt teilt die äußerst positiven Erfahrungen im folgenden Video.

20 Tipps fürs Mobile Recruiting

Damit es mit dem Mobile Recruiting auch wirklich klappt und in Zukunft hoffentlich noch mehr Unternehmen und Arbeitgeber diese Möglichkeit anbieten, haben wir 20 Tipps zusammengefasst, mit denen Unternehmen ihr Mobile Recruiting beginnen und optimieren können:

  • Gestalten Sie Ihre Karriereseiten und Stellenausschreibungen im responsiven Design.
  • Eigene Bewerbungs-Apps sollten - beispielsweise durch Push-Notifications - einen klaren Mehrwert gegenüber der mobilen Webseite bieten.
  • Achten Sie darauf, Stellenangebote auch im Blick auf die präsentierte Informationsmenge auf mobile Geräte zu optimieren.
  • Prüfen Sie Stellenangebote in sozialen Netzwerken unbedingt auch in den jeweiligen Smartphone Apps.
  • Gestalten Sie die Navigation der mobilen Seiten klar und übersichtlich.
  • Bieten Sie die Möglichkeit, sich durch Benachrichtigungen automatisiert über neue Jobs informieren zu lassen.
  • Testen Sie Ihre responsive Seite auf Smartphones mit verschiedener Displaygröße.
  • Verzichten Sie unbedingt auf jegliche Flash-Elemente.
  • Halten Sie das Design schlicht und verzichten Sie auf knallige Farben.
  • Achten Sie beim Text auf hohe Lesbarkeit, auch auf kleineren Bildschirmen.
  • Wenn Sie Videos einsetzen, sollten diese idealerweise kürzer als fünf Minuten sein.
  • Stellen Sie Videos unbedingt in verschiedenen - oder variablen - Auflösungen bereit, um auch mobile Internetverbindungen bedienen zu können.
  • Bieten Sie idealerweise auch die Möglichkeit der 1-Klick-Bewerbung.
  • Dafür können Sie beispielsweise die Xing Schnittstelle nutzen.
  • Bieten Sie die Option, sich Stellenangebote mit einem Klick auch per E-Mail schicken zu lassen.
  • Gestalten Sie Ihren Bewerbungsprozess mehrstufig und bieten Sie die Möglichkeit, eine erste Kurzbewerbung mobil einzureichen.
  • Wenn Sie Formularfelder verwenden, müssen diese auch auf Smartphones gut nutzbar sein.
  • Achten Sie auf schnelle Ladezeiten, damit die Seiten auch mobil nutzbar sind.
  • Bieten Sie Stellenangebote auch als PDFs zum Download an. Diese können Bewerber dann abspeichern oder sich per E-Mail schicken.
  • Weisen Sie in Jobbörsen auf Ihre mobilen Angebote hin.
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