SOMMAI/shutterstock Smartphones. Sie spielen nicht nur für die Kommunikation, sondern auch für die Aufnahme von Informationen eine wichtige Rolle und sind aus dem Arbeitsalltag nicht mehr weg zu denken. Logischerweise werden sie von Bewerbern auch für die Suche nach freien Stellen und neuen Jobs genutzt. Dieser Einsatz hält sich aktuell jedoch noch in Grenzen. Nicht, weil Bewerbern die Jobsuche via Smartphone lästig wäre, sondern weil viele Unternehmen schlicht noch keine mobil optimierten Karriere- und Jobseiten anbieten. Mobile Recruiting wächst in Deutschland zwar, hat jedoch noch viel Entwicklungspotenzial. Wir zeigen, wie Unternehmen es nutzen können.

Mobile Recruiting: Vorteil im Employer Branding

So manches Unternehmen scheut den Einstieg ins mobile Recruiting aus zwei Gründen: dem hohen Aufwand und den damit verbundenen Kosten. Die mobile Optimierung - oder responsive Gestaltung - von Karriereseiten kann durchaus anspruchsvoll und aufwändig sein. Das gilt vor allem dann, wenn bestehenden Unternehmenswebseiten auf einer technisch veralteten Basis aufsetzen und beispielsweise mit zahlreichen Flash-Elementen arbeiten.

Re-Design und technische Überarbeitung nehmen dann Zeit und Ressourcen in Anspruch - und lohnen sich dennoch. Denn Unternehmen können damit nicht nur aktuell mehr Bewerber erreichen, sondern sich auch im Blick auf das Employer Branding von anderen Unternehmen abheben. Zudem gestalten Unternehmen ihre Karriereseiten und -kanäle somit auch gleich zukunftssicher und schaffen die Grundlage für effektives Recruiting Studie des Instituts für Personalwirtschaft der Ludwigs-Maximilians-Universität München im Auftrag von Absolventa zeigt die Bedeutung des Mobile Recruitings.

Mobile Jobsuche 1

Auch wenn in der Studie und den Infografiken von der Generation Y die Rede ist, wirken sich die Vorteile von Mobile Recruiting auf Bewerber und Fachkräfte aller Altersgruppen positiv auf. Die Nutzung von Smartphones und Tablets geht längst durch Generationen.

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Mobile Recruiting: Erreichen Sie mehr Bewerber

Die positive Wirkung auf das Unternehmensimage ist sicherlich angenehm, adressiert jedoch nicht den Kern der Unternehmensbedürfnisse. Hier liegt der Fokus auf dem Recruiting qualifizierter Fachkräfte, die als künftige Mitarbeiter das Unternehmen verstärken können.

Die bereits erwähnte Absolventa Studie zeigt, dass mit mobil optimierten Karrierekanälen tatsächlich mehr Bewerber erreicht und zur Bewerbung animiert werden können. 53 Prozent der befragten Arbeitnehmer würden sich mobil bewerben. Unternehmen können davon ausgehen, dass sich unter den mobil eingereichten Bewerbungen auch solche befinden, die sonst nicht zustande kämen.

Mobile Jobsuche 2

Diesen Zahlen stehen jedoch die ernüchternden Ergebnisse der Mobile Recruiting Studie 2014 gegenüber. Sie zeigen zwar eine positive Entwicklung im Mobile Recruiting, die allerdings eher schleppend verläuft.

Mobile-Recruiting-Studie-2014

Positive Erfahrungen mit Mobile Recruiting und einer für diesen Zweck entwickelten Applikation hat der US-Konzern Pepsi gemacht. Recruiter Chris Hoyt teilt die äußerst positiven Erfahrungen im folgenden Video.

Mobile Recruiting: Best Practice Beispiele

Neben dem US-Konzern gibt es jedoch auch deutschsprachige Beispiele die zeigen, wie gut gemachtes Mobile Recruiting aussieht. Eines davon ist die Otto Group, die mit ihrer mobil optimierten Karriereseite schon ein ganzes Stück weiter ist, als viele andere Unternehmen.

Über die Seite können Bewerber offene Stellen nicht nur recherchieren. Durch den Einsatz der Xing Schnittstelle können sich Bewerber - ein gut ausgefülltes Xing-Profil vorausgesetzt - auch schnell und unkompliziert vom Smartphone aus bewerben. Ein Ansatz, den andere Unternehmen gerne übernehmen dürften.

OTTO Karriereseite

Das zweite Beispiel stammt aus der Schweiz. Die Verkersbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) setzen ebenfalls auf eine mobil optimierte Karriereseite, deren Navigation zu überzeugen weiß. Sowohl die Menüpunkte als auch die dargestellten Informationen lassen sich mobil hervorragend nutzen.

Das i-Tüpfelchen bilden hier die Videos, mit denen die VBZ die offenen Stellen und Jobs bewerben. Diese funktionieren auch auf Smartphones und Tablets sehr gut, sind mit mehr als fünf Minuten Länge jedoch etwas zu lang. Dennoch zeigt das Beispiel, wie gut gemachtes Mobile Recruiting aussehen kann.

Individuelle Bewerbungstipps im Employer Branding

My_ToysLeider nicht mobil optimiert, dafür jedoch ein hervorragender Ansatz, sind die Bewerbungstipps auf der Karriereseite des Unternehmens myToys. Statt der vielerorts zu findenden allgemeinen Bewerbungstipps bietet das Unternehmen Bewerbern ganz konkrete Hilfestellung und Hinweise für die Bewerbung by myToys.

Der Effekt: Bewerbern wird der Zugang deutlich erleichtert und die Angst vor einer Bewerbung genommen. myToys erhält im Gegenzug Bewerbungen, die den eigenen Standards sehr nahe kommen und sich leichter bearbeiten und sichten lassen. Ein Ansatz, den wir definitiv empfehlenswert finden. Jetzt müsste ihn nur noch ein Unternehmen mobil optimiert umsetzen.

20 Tipps fürs Mobile Recruiting

Aus den genannten Beispiele und Entwicklungen lassen sich einige Tipps ableiten, mit denen Unternehmen ihr Mobile Recruiting beginnen und optimieren können. Im Folgenden haben wir die wichtigsten für Sie zusammengestellt.

[] Gestalten Sie Ihre Karriereseiten und Stellenausschreibungen im responsiven Design.
[] Eigene Bewerbungs-Apps sollten - beispielsweise durch Push-Notifications - einen klaren Mehrwert gegenüber der mobilen Webseite bieten.
[] Achten Sie darauf, Stellenangebote auch im Blick auf die präsentierte Informationsmenge auf mobile Geräte zu optimieren.
[] Prüfen Sie Stellenangebote in sozialen Netzwerken unbedingt auch in den jeweiligen Smartphone Apps.
[] Gestalten Sie die Navigation der mobilen Seiten klar und übersichtlich.

[] Bieten Sie die Möglichkeit, sich durch Benachrichtigungen automatisiert über neue Jobs informieren zu lassen.
[] Testen Sie Ihre responsive Seite auf Smartphones mit verschiedener Displaygröße.
[] Verzichten Sie unbedingt auf jegliche Flash-Elemente.
[] Halten Sie das Design schlicht und verzichten Sie auf knallige Farben.
[] Achten Sie beim Text auf hohe Lesbarkeit, auch auf kleineren Bildschirmen.

[] Wenn Sie Videos einsetzen, sollten diese idealerweise kürzer als fünf Minuten sein.
[] Stellen Sie Videos unbedingt in verschiedenen - oder variablen - Auflösungen bereit, um auch mobile Internetverbindungen bedienen zu können.
[] Bieten Sie idealerweise auch die Möglichkeit der 1-Klick-Bewerbung.
[] Dafür können Sie beispielsweise die Xing Schnittstelle nutzen.
[] Bieten Sie die Option, sich Stellenangebote mit einem Klick auch per E-Mail schicken zu lassen.

[] Gestalten Sie Ihren Bewerbungsprozess mehrstufig und bieten Sie die Möglichkeit, eine erste Kurzbewerbung mobil einzureichen.
[] Wenn Sie Formularfelder verwenden, müssen diese auch auf Smartphones gut nutzbar sein.
[] Achten Sie auf schnelle Ladezeiten, damit die Seiten auch mobil nutzbar sind.
[] Bieten Sie Stellenangebote auch als PDFs zum Download an. Diese können Bewerber dann abspeichern oder sich per E-Mail schicken.
[] Weisen Sie in Jobbörsen auf Ihre mobilen Angebote hin.

Abschließend haben wir noch eine Infografik der Kollegen des Wollmilchsau-Blogs für Sie, die den Stand des Mobile Recruitings aus dem Jahr 2013 hervorragend visualisiert. 2014 sieht es zwar etwas besser aus, die Fortschritte sind jedoch - leider - gering.

Mobile_Recruiting_infografik_FINAL

[Bildnachweis: SOMMAI by Shutterstock.com]