Studieren in Holland: Was Sie wissen müssen
Studieren in Holland: Für junge Deutsche die vielleicht leichteste Möglichkeit, um sich ein Auslandssemester und internationale Erfahrung zu gönnen. Auch bietet sich im Nachbarland die Chance für Bachelors, den begehrten Master-Abschluss draufzusatteln. Gerade in Zeiten, in denen Master-Plätze an deutschen Unis zur Rarität werden. Worauf Sie achten sollten, wenn Sie mit einem Studium in den Niederlanden liebäugeln.

Studium: Hup Holland Hup

Über 25.000 Deutsche studieren nach offiziellen Angaben in den Niederlanden. Das sind 18 Prozent aller akademischen Auslandsdeutschen. Nur Österreich ist beliebter, dahinter folgen schon mit einigem Abstand die Schweiz und Großbritannien. Was aber muss ich beachten, wenn ich zwischen Windmühlen und Tulpen studieren will?

Wir liefern Überblick und Orientierungshilfe.

Studieren in Holland: Was spricht dafür?

Der Ruf holländischer Unis ist tadellos. Vor allem gelten sie als stark praxisorientiert. Darüber hinaus spricht für ein Holland-Studium, wenn ...

  • Sie in Deutschland keinen Studienplatz bekommen (z.B. für Ihren Master) haben
  • Sie eine weitere Fremdsprache (Niederländisch) lernen und/oder Ihr Englisch perfektionieren wollen
  • Sie Ihre beruflichen Perspektiven durch ein Auslandsstudium und Auslandserfahrung verbessern wollen
  • für Sie ein Studium in den USA oder England aus finanziellen Gründen nicht infrage kommt
  • Sie von zuhause pendeln möchten und im erweiterten Grenzgebiet wohnen

Welche Optionen habe ich?

In Holland gibt es 13 staatliche Universitäten (plus die Fernuni in Heerlen), dazu noch mehrere Dutzend Fachhochschulen. Die Fächerauswahl unterscheidet sich naturgemäß von Uni zu Uni, ist aber insgesamt mit der an deutschen Unis vergleichbar.

BWL zählt auch unter deutschen Holland-Studenten zu den Favoriten. Nach Angaben der niederländischen Uni-Vereinigung VSNU gibt es im Lande insgesamt 424 Bachelor- und 799 Master-Programme. Rund 70 Prozent der Master-Studiengänge werden demnach in englischer Sprache durchgeführt.

Studienbeginn ist jeweils der 1. September (mit Ausnahmen), eine Einschreibung kurz vorher meist noch möglich.

Alle 13 niederländischen Universitäten

  • Universität von Amsterdam
  • Freie Universität Amsterdam
  • Technische Universität Delft
  • Technische Universität Eindhoven
  • Reichsuniversität Groningen
  • Universität Leiden
  • Universität Maastricht
  • Radboud-Universität Nijmegen
  • Erasmus-Universität Rotterdam
  • Universität Tilburg
  • Universität Twente
  • Universität Utrecht
  • Universität Wageningen

Unter Wirtschaftswissenschaftlern bekannt sind zudem die TIAS School of Business (gemeinsame Business School der Uni Tilburg und TU Eindhoven) und die private Wirtschaftsuniversität Nyenrode.

Hinweis für Pendler: Direkt hinter der Grenze liegen die Städte Maastricht, Nijmegen, Wageningen, Enschede (Uni Twente) und Groningen (von Süden nach Norden). Hierhin sind tägliche Fahrten aus dem Elternhaus also am ehesten machbar.

Bekomme ich überhaupt einen Platz?

Die gute Nachricht: Einen strengen Numerus clausus, der schon viele Studienträume in Deutschland hat platzen lassen, gibt es in Holland nicht. Die schlechte Nachricht: Einen Freifahrtschein leider auch nicht.

Theoretisch hat jeder eine gute Chance auf seinen Wunschplatz. In der Praxis sind die Aufnahmeverfahren an holländischen Unis teilweise recht komplex. Für einige (besonders beliebte) Fächer gibt es örtliche Aufnahmebeschränkungen: Manche Plätze werden dabei über ein Losverfahren vergeben (Numerus fixus), andere erst nach mehreren Bewerbungsrunden.

Bewerber müssen dabei oft fachspezifische Voraussetzungen erfüllen. Für Medizin etwa sind naturwissenschaftliche Fächer im Abitur nachzuweisen. Auch um ein Bewerbungsschreiben ("Letter of motivation") kommen Interessenten in der Regel nicht herum. Wer einen Master-Studiengang belegen will, muss logischerweise bereits über einen Bachelor-Abschluss verfügen.

Muss ich Niederländisch sprechen?

Eine weitere Hürde: Ganz ohne Fremdsprachenkenntnisse geht es nicht. Für Studiengänge in holländischer Sprache ist die Landessprache Pflicht. Holländisch-Kurse können auch vor Ort belegt werden, was aber einen enormen Zusatzaufwand bedeutet.

Für die englischen Studiengänge genügt meist auch Englisch. Entsprechende Kenntnisse müssen Sie allerdings per TOEFL-, IELTS- oder Cambridge-Zertifikat seriös belegen.

Speziell für Deutsche gelten allerdings manchmal Ausnahmeregelungen. Und: Es gibt insgesamt sogar ein gutes Dutzend Studiengänge, die in deutscher Sprache abgehalten werden, unter anderem in Leiden und Amsterdam.

Was kostet mich das?

Noch ein Haken: Das Studium in den Niederlanden ist deutlich teurer als in Deutschland. Das liegt auch an den erhöhten Miet- und Lebenshaltungskosten.

Während aber die Studiengebühren in den deutschen Bundesländern wie Dominosteine gekippt wurden, muss ein Student aus der EU in Holland knapp 2000 Euro pro Jahr hinlegen. Konkret waren es im Studienjahr 2014/15 für einen regulären Vollzeit-Studiengang 1.906 Euro, im Studienjahr 2015/16 steigt der Betrag auf 1.951 Euro.

Zwar gibt es zugleich solide Möglichkeiten der Studienfinanzierung (staatliche Stipendien, Studentenkredite), die aber natürlich an Auflagen gebunden sind. Auch möchte sich nicht jeder fürs Studium verschulden.

Fazit

Dass ein Studium in Holland eine hervorragende Alternative ist, steht außer Frage. Top-Unis, straffe Lehrpläne, international anerkannte Abschlüsse und angenehme Städte locken Studenten aus ganz Europa in den Nordwesten.

Ganz so locker, wie man es von den holländischen Nachbarn gewohnt ist, sind die Rahmenbedingungen aber nicht (was aber natürlich auch ein Vorteil sein kann). Die Aufnahmeregelungen sind gar nicht so lax, das Studium selbst gilt als extrem verschult, die Wohnungsnot ist angeblich noch größer als hierzulande und mit höheren Kosten ist es auch verbunden.

Darum: Wer sein Holland-Studium perfekt plant, gewinnt.

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