Angst vor der Angst: So besiegen Sie sie

Es gibt viele Arten, wie Sie sich selbst im Weg stehen können. Die Angst vor der Angst ist so eine Form der Selbstsabotage. Sie hält Sie fest im Griff – dabei ist sie oft völlig unbegründet. Menschen, die darunter leiden, unterschätzen sich und ihre Fähigkeiten meistens. Das ändert natürlich nichts an ihrer Bedrohlichkeit. Was die Angst vor der Angst für die Betroffenen bedeutet, welche Auswirkungen sie hat und wie Sie damit umgehen können…

Angst vor der Angst: So besiegen Sie sie

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Angst vor der Angst: Was ist darunter zu verstehen?

Die Angst vor der Angst beschreibt einen Zustand, demzufolge es keinen rationalen Grund und keinen unmittelbaren Anlass dafür gibt, dass eine Person das Gefühl der Angst verspürt.

Angst, das ist das Gefühl, wenn einem der Schweiß ausbricht und es im Magen ganz flau wird. Typische Symptome: Das Herz schlägt schneller, die Atmung wird flacher, manche beginnen zu zittern. Viele haben das Gefühl, im nächsten Moment ohnmächtig zu werden oder sogar zu sterben. Kein angenehmes Gefühl, das die meisten Menschen gewillt sind zu verhindern.

Manche gehen dann in eine Vermeidungshaltung, versuchen bestimmte Orte und Situationen auszuklammern, um von vornherein solche Angstgefühle nicht heraufzubeschwören.

Für eine geraume Zeit mag das funktionieren. Spätestens wenn das nicht mehr gelingt, bahnt sich eine Angsterkrankung an. Es reicht bereits das Wissen darum, dass Angstgefühle jederzeit auftreten können, um eine Angst vor der Angst zu entwickeln.

Dieses auch als „Erwartungsangst“ bezeichnete Gefühl kann eine direkte Folge von einem Gedankenkarussell sein, bei dem sich Menschen durch ständiges Grübeln in ihre Angst hineinsteigern.

Etwa 20 bis 30 Prozent aller Menschen haben im Laufe ihres Lebens eine Panikattacke. Fünf Prozent entwickeln daraus eine Angst- beziehungsweise Panikstörung, Frauen doppelt so häufig wie Männer.

Angst als Lebensretter

Angst an sich hat evolutionsbiologisch gesehen eine wichtige Funktion. Hätten wir keine Angst, würden wir lächelnd auf die Giftschlange zugehen, uns am Feuer verbrennen und in den Abgrund stürzen.

Lange nahm man an, dass die Menschheit komplett aus Nachfahren lauter Alpha-Männchen und -Weibchen bestünde, die sich im Laufe von Millionen von Jahren Auslese durchgesetzt hätten. Mittlerweile weiß man, dass wir alle von Feiglingen abstammen.

Während die Alphas mutig die Höhle verließen und so häufiger von Säbelzahntigern gefressen wurden, warteten andere Individuen lieber etwas zögerlich ab und beobachteten. So auch heute im Prinzip. Wir sind uns bestimmter Gefahren bewusst und handeln entsprechend umsichtig.

Angst ist also ein Schutzmechanismus. Ausgelöst wird sie durch die Amygdala (Mandelkern), den Teil des Gehirns, der für Emotionen zuständig ist. Man vermutet sogar, dass Albträume von nächtlichen Aktivitäten der Amygdala ausgelöst werden. Hier werden Situationen mit anderen Erfahrungen abgeglichen und bewertet.

Kommt die Amygdala zu dem Ergebnis, dass für den Körper Gefahr besteht (beispielsweise werden Herzklopfen und Zittern als beunruhigend eingestuft), verstärkt sich die Angst.

Die Amygdala bereitet den Körper dann auf angemessene Reaktionen vor: Erhöhte Wachsamkeit, Ausloten der Fluchtmöglichkeiten, Angriff oder angsterfülltes Erstarren. (Auch letzteres ist unter Umständen lebensrettend, da viele Raubtiere auf Bewegung reagieren.)

All diese Abläufe sind aber eigentlich nur für den lebensbedrohlichen Ernstfall gedacht, denn sie verhindern, dass wir die Situation ruhig und analytisch betrachten. Stattdessen funktioniert der Körper nur noch auf Sparflamme, sämtliche Energiereserven werden für die Flucht gebündelt und der Teil des Hirns, der für komplexere Denkvorgänge zuständig ist, wird ausgeschaltet – es kommt zum berühmten Tunnelblick.

Das passiert auch bei der Angst vor der Angst, denn die Symptome sind dieselben bei real begründeter Angst als auch bei irrationaler Angst: Wenn Ihr Auto auf einen Abgrund zurast, bedeutet das eine Gefahr für Leib und Leben. Wenn Sie hingegen eine Prüfung versemmeln, ist das nicht lebensbedrohlich.

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Ursachen der Angst vor der Angst

Solche als lebensbedrohlich empfunden Situationen können sich nach einer langen Phase voller Stress oder einschneidenden Erlebnissen (wie etwa dem Verlust einer geliebten Person) ereignen. In einigen Fällen wird die Angst vor der Angst von außen geschürt, genauer: Von den Menschen, von denen wir in irgendeiner Form abhängig sind. Das kann…

  • der eigene Partner sein, der zu verstehen gibt, dass er einen mit dieser Figur nur noch halb so attraktiv findet,
  • ein Elternteil sein, der angesichts der Zensur deutlich seinen Ärger gegenüber dem Kind zum Ausdruck bringt,
  • der Chef sein, der ständigen Druck auf seine Mitarbeiter ausübt und/oder cholerische Wutanfälle bekommt.

Oft ist es so, dass mehrere Faktoren zusammen kommen. Ganz gleich, ob als unglücklicher Partner, hilfloses Kind oder abhängiger Mitarbeiter – der ängstliche Part hat meist ohnehin bereits ein geringes Selbstbewusstsein. Wüssten alle diese Betroffenen um ihre Qualitäten, würde die Kritik nicht auf so fruchtbaren Boden fallen.

Und wer bereits in jungen Jahren mehr Kritik als Lob und Anerkennung erfährt, hat es besonders schwer, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln.

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Angst vor der Angst als Selbstsabotage

Schlimmstenfalls werden die in der Kindheit erlernten Muster im Alter in Partnerschaft und Beruf reproduziert.

Mit anderen Worten: Jemand sucht sich immer wieder (unbewusst) Menschen, die sein negatives Selbstbild bestätigen. Partner, die ständig an ihm mäkeln, Chefs, die ihm immer wieder sagen, wie unfähig er doch sei. Dass das Verharren in derartigen Beziehungen ungesund ist, liegt auf der Hand.

Bis zu einem gewissen Grad ist die Angst vor der Angst auch eine Frage des Persönlichkeitstyps. Wer eine eher negative Sicht auf die Dinge hat, wird sich unbewusst in Situationen begeben, die ihn in seiner Wahrnehmung bestätigenselbsterfüllende Prophezeiung ist das dann.

Ein Beispiel: Sie wissen, dass Sie Schwierigkeiten haben, vor anderen Menschen zu reden. Sie fühlen sich unwohl, wenn alle Augen auf Sie gerichtet sind. Sie stellen sich im Vorfeld bereits vor, wie Sie sich auf der Bühne verhaspeln werden, wie angespannt Sie sein werden und dass man vielleicht Schweißflecken auf Ihrem Hemd entdecken wird.

Und dann kommt der große Tag, Sie müssen einen Vortrag halten, versprechen sich, kommen ins Stocken und der Schweiß bricht aus – eigentlich alles kein Drama, sondern nur menschlich. Ihnen ist es aber so peinlich und da Sie sich dieses Horrorszenario schon im Vorfeld in allen Details ausgemalt haben, kommt es auch genau so und wird als furchtbar empfunden.

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So können Sie die Angst vor der Angst besiegen

Die Tatsache, dass die Angst vor der Angst auch in nicht lebensbedrohlichen Situationen auftaucht, ist nicht nur lästig, sondern auf Dauer schädlich. Erhöhte Aufmerksamkeit ist nützlich und willkommen dort, wo sie angebracht ist. Wenn der Körper jedoch für etwas, was bei genauerer Betrachtung eine Lappalie ist, in ständige Alarmbereitschaft versetzt wird, zehrt das am Betroffenen.

Nach einer Panikattacke normalisieren sich die Körperfunktionen wieder, das Herz schlägt ruhig, der Blutdruck sinkt. Es machten sich allgemeine Erschöpfung und extreme Müdigkeit breit, die in Konzentrationsschwierigkeiten münden können. Allesamt Begleiterscheinungen, die Ihre Leistungsfähigkeit reduzieren und Sie in beruflichen Kontext behindern.

Die gute Nachricht: Sie können etwas dagegen tun. Wie lässt sich also die Angst vor der Angst besiegen? Zum einen können Sie sich Unterstützung in Form von Selbsthilfe und Therapie holen. Ob das für Sie der richtige Weg ist, können Sie nur durch Probieren herausfinden.

Im Wesentlichen sind es diese Dinge, die Ihnen dabei helfen:

  • Therapie bei Angst vor der Angst

    Unter Experten besteht die einhellige Meinung, dass die Angst vor der Angst vor allem durch Konfrontation überwunden wird. Das heißt, die Situationen, die Ihnen am meisten Angst bereiten, müssen Sie gezielt suchen.

    Das klingt im ersten Moment paradox, aber es geht darum zu erleben, dass Sie – auch wenn es sich unangenehm anfühlt – diese Situation überstehen. Ganz gleich, ob Sie Angst vor Hunden, Menschenmengen oder beengten Aufzügen haben: Zu realisieren, dass es Sie nicht umbringt, reduziert die Angst vor der Angst.

  • Ablenkung bei Angst vor der Angst

    Bei der Angst vor der Angst wird übertrieben genau auf jedes körperliche Signal geachtet – ist der Herzschlag noch normal? Wieso zittert der Körper, obwohl es so warm ist? Die körperlichen Symptome können nicht erklärt werden, also werden leicht Krankheiten als Ursache angenommen.

    Dieses penible Beobachten und Ableiten vermeintlich schlüssiger Begründungen verstärkt die Angst vor der Angst. Um genau das zu unterbinden, sollten Sie sich ablenken, bis die Panikattacke vorbei ist. Musikhören oder lesen, witzige Videoclips schauen oder einfach hinausgehen in die Natur und sich bewegen, kann Sie auf andere Gedanken bringen.

  • Entspannungsübungen bei Angst vor der Angst

    Eine Reihe von Entspannungsübungen ist darauf ausgelegt, den Geist auf das Hier und Jetzt zu richten und damit weg von quälenden Gedanken, die überhaupt nicht zielführend sind. Eine Folge der Angst vor der Angst ist eine schnellere Atmung bis hin zur Hyperventilation.

    Praktiken wie Yoga und Meditation beinhalten häufig Atemübungen, die Ihnen dabei helfen, Ihre Atmung wieder zu kontrollieren und langsam und gelassen wieder zur Ruhe zu kommen.

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
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17. Februar 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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