Kündigungsfristen: Beispiele, Informationen, Tipps

Für einen Jobwechsel gibt es viele Gründe, auch viele gute. Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch viele Wechsel des Arbeitgebers, die nicht der eigenen Planung entspringen. Doch zwischen Kündigung und dem eigentlichen Abschied steht immer die Kündigungsfrist – diese hat für Mitarbeiter einige wichtige Vorteile, die unbedingt genutzt werden sollten, kann teils aber auch unvorhergesehene Risiken bergen. Immerhin müssen noch einige Wochen zusammen gearbeitet werden. Wir erklären Ihnen, was es mit der Kündigungsfrist auf sich hat, wie lang die gesetzlich vorgeschriebene Kündigungsfrist ist und wie Sie die letzten Arbeitstage optimal nutzen…

Kündigungsfristen: Beispiele, Informationen, Tipps

Kündigungsfrist Definition: Warum gibt es überhaupt Kündigungsfristen?

Kündigungsfristen berechnen Probezeit Arbeitnehmer TVÖD DefinitionJeder Arbeitnehmer und auch jedes Unternehmen weiß es: Soll ein bestehendes Arbeitsverhältnis beendet werden, muss dabei die Kündigungsfrist eingehalten werden. Allerdings beschäftigen sich nur wenige gründlicher mit der Thematik, was gerade für Arbeitnehmer ein Problem sein kann – denn von der Kündigungsfrist und den damit verbundenen Regeln kann profitiert werden.

Die Kündigungsfrist bezeichnet den Zeitraum zwischen dem Aussprechen beziehungssweise dem Zustellen einer Kündigung und dem darauf folgenden Ende des Arbeitsvertrages.

Wird eine ordentliche Kündigung vom Arbeitgeber (oder auch vom Arbeitnehmer) ausgesprochen, liegen somit bis zum wirklich letzten Arbeitstag noch einige Wochen. Dies dient in erster Linie dem Arbeitnehmerschutz: Durch die Kündigungsfristen können Sie nicht von einem Tag auf den anderen vor die Tür gesetzt werden. Ihnen bleibt also selbst im Falle einer unerwarteten Kündigung noch eine gewisse Zeit, um sich darauf einzustellen.

Sie arbeiten in dieser Zeit normal weiter, erhalten dementsprechend auch bis zum Ende der Kündigungsfrist Ihre Bezahlung und können sich außerhalb der Arbeitszeiten um mögliche Umstellungen oder Anpassungen kümmern.

Die Kündigungsfrist können und sollten Sie daher nutzen, um sich bereits einen neuen Job zu suchen. Da aber auch Arbeitnehmer sich an eine Kündigungsfrist halten müssen, gibt diese auch dem Arbeitgeber die Chance, sich auf die veränderte Personalsituation einzustellen oder sich auf die Suche nach einem Nachfolger zu machen.

Kündigungsfrist: Wie lang ist die gesetzliche Kündigungsfrist?

Kündigungsfristen sind daher bei jeder ordentlichen Kündigung unbedingt einzuhalten. Diese sind auch im Bürgerlichen Gesetzbuch in § 622 geregelt und gelten für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber einheitlich.

Die sogenannte Grundkündigungsfrist beträgt vier Wochen zum 15. oder zum Monatsende. Diese Frist bleibt für Arbeitnehmer immer gleich lang – solange nicht explizit etwas anderes vereinbart wurde. Heißt für Sie im konkreten Fall: Egal, ob Sie seit einem oder seit 15 Jahren bei Ihrem Arbeitgeber beschäftigt sind, wenn Sie kündigen wollen, müssen Sie in der Regel vier Wochen vorher die Kündigung einreichen.

Lediglich für die Kündigung durch den Arbeitgeber verlängert sich die Kündigungsfrist bei längerer Betriebszugehörigkeit des Arbeitnehmers:

Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt, wenn das Arbeitsverhältnis in dem Unternehmen…

  • zwei Jahre bestanden hat, einen Monat zum Ende eines Kalendermonats.
  • fünf Jahre bestanden hat, zwei Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • acht Jahre bestanden hat, drei Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • zehn Jahre bestanden hat, vier Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • zwölf Jahre bestanden hat, fünf Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • 15 Jahre bestanden hat, sechs Monate zum Ende eines Kalendermonats.
  • 20 Jahre bestanden hat, sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats.

Aus diesem Grund kann es eine große Rolle spielen, wann genau es zur Kündigung und damit zum Beginn der Kündigungsfrist kommt, da dies großen Einfluss auf die tatsächliche Dauer der Kündigungsfrist haben kann.

Ausnahmeregelungen zur Kündigungsfrist

Kündigungsfrist Berechnungsbeispiele berechnen Tarifvertrag Kleinbetriebe Ausnahmen BetriebszugehörigkeitDie gesetzliche Kündigungsfrist gilt erst einmal allgemein für jeden, allerdings kann es Ausnahmen von dieser Regel geben. Eine davon betrifft Kleinbetriebe, die regelmäßig nicht mehr als 20 Arbeitnehmer beschäftigen. In diesen kann im Arbeitsvertrag festgehalten und geregelt werden, dass die vierwöchige Kündigungsfrist durch den Arbeitnehmer nicht nur zum 1. und 15. eines Monats, sondern ohne festen Kündigungstermin geschehen kann.

Eine weitere Ausnahmeregelung bei der Kündigungsfrist gibt es für Aushilfstätigkeiten, die einen Zeitraum von drei Monaten nicht überschreiten. In diesem Fall kann im jeweiligen Vertrag auch eine kürzere Kündigungsfrist vereinbart werden.

Wann beginnt die Kündigungsfrist?

Es ist eine häufige Frage, mit der sich bereits Arbeitsgerichte befassen mussten: Wann genau beginnt die Kündigungsfrist? Also ab welchem Zeitpunkt kann mit der Berechnung der fälligen Zeit, bis das Arbeitsverhältnis endgültig endet, begonnen werden?

Grundsätzlich beginnt die Kündigungsfrist an dem Tag, nachdem ein Mitarbeiter die Kündigung erhalten hat. Wird das Ende eines Arbeitsverhältnisses beispielsweise am 1. November ausgesprochen, ist der 2. November der erste Tag der Kündigungsfrist. Nun stellt sich jedoch die Anschlussfrage: Zu welchem Zeitpunkt gilt eine Kündigung als erklärt und zugestellt?

Dabei ist entscheidend, wann genau ein Mitarbeiter die Kündigung erhält, wann er also Zugang zu der Information erhält, dass das Arbeitsverhältnis beendet wird. Wenn Ihr Chef Ihnen die schriftliche Kündigung persönlich in die Hand drückt, stellt sich diese Frage nicht. In diesem Fall ist es ganz klar, wann die Kündigung bei Ihnen eingeht und wann die Kündigungsfrist somit beginnt. Dennoch kann es im Zweifelsfall sinnvoll sein, sich den Erhalt bestätigen zu lassen, um tatsächlich nachweisen zu können, dass die Kündigung zugeteilt wurde.

Deutlich schwieriger wird es, wenn das Dokument für die Kündigung mit der Post verschickt wird. Hier lässt sich nicht mehr eindeutig sagen, wann der Mitarbeiter tatsächlich die Kündigung erhalten hat. Hierbei geht die Rechtsprechung davon aus, dass die Kündigungsfrist beginnt, wenn das Schreiben in den Machtbereich des Empfängers gekommen ist.

Klingt bürokratisch und kompliziert, heißt aber eigentlich nur: Sobald der Brief im Briefkasten des Mitarbeiters liegt, ist dieser im Machtbereich des Empfängers und dieser hat somit die Möglichkeit zur Kenntnisnahme. Allerdings kommt es zusätzlich noch darauf an, wann genau das Dokument im Briefkasten landet.

Kommt die Kündigung bis zum Nachmittag, beginnt die Kündigungsfrist in der Regel noch am selben Tag, da der Arbeitnehmer die Chance hatte, seine Post zu kontrollieren und somit von der Kündigung zu erfahren. Wird die Sendung jedoch erst am Abend zugestellt, wird davon ausgegangen, dass die Kündigung erst am folgenden Tag beim Empfänger eingeht.

Auch der Tag der Zustellung ist entscheidend, gerade wenn es sich um ein Wochenende handelt. Gerichte gehen davon aus, dass Samstagabend und Sonntag Briefkästen nicht regelmäßig kontrolliert und geleert werden. Geht die schriftliche Kündigung also beispielsweise am Samstagabend ein, gilt sie erst am Montagmorgen als zugestellt und auch erst dann kann die Kündigungsfrist beginnen.

Kündigungsfrist Beginn: Beispiel 1

Der Chef bestellt einen Angestellten in sein Büro, überreicht die schriftliche Kündigung und lässt sich durch eine Unterschrift bestätigen, dass diese dem Mitarbeiter erteilt wurde. Die Kündigungsfrist beginnt somit automatisch sofort ab dem nächsten Tag.

Kündigungsfrist Beginn: Beispiel 2

Die Personalabteilung verschickt die schriftliche Kündigung am 10. Oktober 2017 – einem Dienstag – per Post an einen Mitarbeiter. Am darauffolgenden Mittwoch-Vormittag wird diese von der Post zugestellt und landet im Briefkasten des Empfängers. Dieser hat den ganzen Tag lang die Gelegenheit, Kenntnis von dem Schreiben zu erlangen.

Somit gilt die Kündigung am Mittwoch als erteilt, unabhängig davon, ob der Mitarbeiter an diesem Tag tatsächlich seinen Briefkasten geleert und das Dokument gelesen hat.

Kündigungsfrist Beginn: Beispiel 3

Ein Chef entscheidet sich dazu, das Schreiben über die Kündigung persönlich in den Briefkasten zu werfen. Dies geschieht am 15. September, einem Samstagabend um 21:15 Uhr. Für den Mitarbeiter besteht kein Grund zur Annahme, dass in dieser Zeit oder am darauffolgenden Sonntag neue Post ankommt, es kann somit auch nicht von ihm erwartet werden, in diesem Zeitraum seinen Briefkasten zu leeren.

Letztlich geht die Kündigung dem Angestellten deshalb erst am folgenden Montag, dem 17. September, zu.

Kündigungsfrist Beginn: Beispiel 4

Die Zustellung der Post ist verspätet, weshalb der Briefträger die Kündigung erst um 20 Uhr am Mittwoch, den 13. Juni, in den Briefkasten des Empfängers wirft. Zu einer solch späten Uhrzeit ist niemand mehr verpflichtet, nach seiner Post zu schauen.

Der Zugang der Kündigung fällt deshalb auf den Donnerstag, den 14. Juni.

Kündigungsfrist berechnen: Beispiele für das Ende des Arbeitsvertrages

Immer wieder gibt es Unklarheiten und daraus resultierende Fehler bei der Berechnung der Kündigungsfrist. Wann ist nun wirklich der Zeitpunkt, an dem der Arbeitsvertrag endet? Hält der Arbeitgeber sich wirklich an die vorgeschriebene Kündigungsfrist? Am besten lassen sich Fragen wie diese an einigen Beispielen erklären. Für alle folgenden Beispiele gehen wir davon aus, dass das fiktive Arbeitsverhältnis seit dem 1. Juni 2011 besteht und das die gesetzlichen Kündigungsfristen gelten.

Kündigungsfrist berechnen: Beispiel 1

Am 1. März 2013 erhält der Arbeitnehmer von seinem Chef eine ordentliche Kündigung. Zu diesem Zeitpunkt besteht das Arbeitsverhältnis noch keine zwei Jahre, es gilt somit die Grundkündigungsfrist von vier Wochen zum 15. eines Monats oder zum Monatsende.

Da die Kündigung bereits am Anfang des Monats eingegangen ist, kann die vierwöchige Kündigungsfrist bis zum Ende des Monats eingehalten werden und das Arbeitsverhältnis am 31. März 2013 enden.

Kündigungsfrist berechnen: Beispiel 2

Erhält der Arbeitnehmer die Kündigung am 6. Juni 2013, sieht der Fall ein wenig anders aus. Nun besteht das Arbeitsverhältnis bereits mehr als zwei Jahre, wodurch sich die gesetzliche Kündigungsfrist verändert. Der Arbeitgeber kann jetzt mit einer Kündigungsfrist von einem Monat bis zum Ende eines Kalendermonats (nicht mehr bis zum 15. eines Monats) kündigen.

Heißt im konkreten Fall: Da der Juni bereits angebrochen ist, ist der mögliche Kündigungstermin der 31. Juli 2013. Die Zeit zwischen tatsächlicher Kündigung und Ende des Arbeitsverhältnisses ist also einen ganzen Monat länger.

Dies gilt übrigens auch dann, wenn die Kündigung bereits am 01. Juni 2013 zugegangen wäre. Da die Kündigungsfrist erst am Tag nach Erhalt der Kündigung beginnt, wird die Kündigung auch hier erst am 31. Juli 2013 wirksam.

Kündigungsfrist berechnen: Beispiel 3

In diesem Beispiel erhält der Arbeitnehmer die ordentliche Kündigung durch seinen Arbeitgeber am 12. September 2016. Das Arbeitsverhältnis vom 1. Juni 2011 besteht zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als fünf Jahre, wodurch eine gesetzliche Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Ende eines Kalendermonats greift.

Die Kündigungsfrist endet deshalb am 30. November 2016.

Kündigungsfrist berechnen: Beispiel 4

Bei unserem letzten Beispiel geht die Kündigung beim Arbeitnehmer am 7. Oktober 2019 ein. Die Beschäftigung hatte bis hierhin bereits mehr als acht Jahre Bestand, weshalb sich die Kündigungsfrist auf drei Monate bis zum Ende eines Kalendermonats erhöht hat.

Somit zieht sich die Kündigungsfrist noch bis ins folgende Jahr und endet erst am 31. Januar 2020.

Die Übersicht über die gesetzlichen Kündigungsfristen sowie die obigen Beispiele haben wir auch noch einmal als kostenloses PDF für Sie zum Download bereitgestellt!

Was sagt das Datum auf der Kündigung aus?

Kündigungsfristen berechnen Beispiel Datum gesetzliche Kündigungsfrist ArbeitnehmerDie Kündigung eines Arbeitsverhältnis erfordert laut Gesetz in jedem Fall der Schriftform, um wirksam zu sein. Wenn ein Chef frustriert und genervt einen Mitarbeiter mit den Worten Sie sind gefeuert! anbrüllt – wie es in Filmen gerne zu sehen ist, hat dies also erst einmal noch absolut keine Wirkung. Die Kündigung gilt zu diesem Zeitpunkt noch nicht als erteilt und somit beginnt auch noch keine Kündigungsfrist.

Verwirrung gibt es aber auch bei schriftlichen Kündigungen regelmäßig. Auf diesen ist schließlich ein Datum angegeben und Arbeitnehmer stellen sich die Frage: Ist nun das Datum auf der Kündigung ausschlaggebend für den Beginn und die Berechnung der Kündigungsfrist?

Die Antwort ist ein klares Nein! Das Datum auf dem Dokument hat keinerlei Einfluss, schließlich kann das Schreiben nach der Erstellung noch zwei Wochen in einer Schublade gelegen haben oder es könnte einfach ein älteres Datum angegeben werden, um eine Kündigung zurückzudatieren.

Entscheidend ist einzig und allein der Zugang beim Empfänger.

Kündigungsfrist im Arbeitsvertrag und Tarifvertrag

Auch im Arbeitsvertrag finden sich gerne Regelungen über die Kündigungsfrist. Meist wird hier noch einmal auf die konkreten gesetzlichen Regelungen hingewiesen, die für das Arbeitsverhältnis gelten. Dennoch sollten Sie diesen Punkt nicht einfach übergehen, sondern noch einmal genauer hinsehen, denn es gibt einige Regelungen und Klauseln zu Kündigungsfristen, die im Arbeitsvertrag unwirksam.

Dabei gilt grundsätzlich: Die Kündigungsfrist kann über den Vertrag zwischen Mitarbeiter und Unternehmen festgesetzt werden, doch darf die Kündigungsfrist nie unterhalb der gesetzlichen Frist liegen. Ein Arbeitgeber darf also nicht einfach eine Kündigungsfrist von lediglich einer Woche vorschreiben. In einem solchen Fall würde trotz anderer Regelung des Arbeitsvertrags die gesetzliche Frist angewendet werden.

Eine Verlängerung der Kündigungsfrist ist hingegen möglich. So wird beispielsweise häufig die Kündigungsfrist von Arbeitnehmern an die des Arbeitgebers angeknüpft. Soll heißen: Bei einer Betriebszugehörigkeit von mehreren Jahren muss nicht nur das Unternehmen eine längere Frist einhalten, um den Vertrag zu beenden, sondern auch Sie als Mitarbeiter. Unzulässig ist es wiederum, die Kündigungsfrist des Arbeitnehmers über die des Unternehmens hinaus zu verlängern.

Die gleiche Frist für beide Seiten scheint fair zu sein, bringt für Sie als Arbeitnehmer aber Nachteile mit. Ein schneller Jobwechsel wird schwieriger, stattdessen müssen Sie möglicherweise mehrere Monate im Voraus planen. Für Arbeitgeber macht es entsprechend Sinn, um kurzfristige Absprünge zu verhindern und die Personalplanung zu vereinfachen. Mit der längeren Kündigungsfrist ist eine bessere Suche nach einem geeigneten Nachfolger möglich.

Noch einmal anders sind die Regelungen in Tarifverträgen. Der Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVÖD) unterscheidet beispielsweise zwischen befristeten und unbefristeten Arbeitsverhältnissen. Die Kündigungsfristen sind dabei länger als in anderen Verträgen. So sind die Vorgaben für unbefristete Verträge:

  • Weniger als sechs Monate: Zwei Wochen Kündigungsfrist zum Monatsende
  • Bis zu einem Jahr: Ein Monat Kündigungsfrist zum Monatsende
  • Zwischen einem und fünf Jahren: Sechs Wochen Kündigungsfrist zum Quartalsende
  • Zwischen fünf und acht Jahren: Drei Monate Kündigungsfrist zum Quartalsende
  • Zwischen acht und zehn Jahren: Vier Monate Kündigungsfrist zum Quartalsende
  • Zwischen zehn und 12 Jahren: Fünf Monate Kündigungsfrist zum Quartalsende
  • Mehr als 12 Jahre: Sechs Monate Kündigungsfrist zum Quartalsende

Anders als im normalen Arbeitsvertrag kann ein Tarifvertrag die Kündigungsfrist allerdings auch deutlich verkürzen und dabei auch von der gesetzlichen Kündigungsfrist abweichen. Je nach Branche kann so die Kündigungsfrist auch bei einer Beschäftigungsdauer von mehreren Jahren auf beispielsweise zwei Wochen reduziert werden.

Kündigungsfrist Probezeit: Welche Regelung gilt in den ersten Monaten?

Kündigungsfrist Probezeit Arbeitnehmer BerechnungEinen Sonderfall der Kündigungsfrist gibt es während der Probezeit. Diese ist wie der Name bereits andeutet, die Zeit, in der Mitarbeiter und Arbeitgeber sich gegenseitig besser kennenlernen können, um herauszufinden, ob das Arbeitsverhältnis so ist, wie beide Seiten es sich vorgestellt haben.

In der vereinbarten Probezeit – höchstens für die Dauer von sechs Monaten – gilt daher eine kürzere Kündigungsfrist von zwei Wochen – diese gilt sowohl für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen.

Auch hier kommt es am Ende darauf an, wann die Kündigung der anderen Vertragspartei zugeht, denn dies muss innerhalb der Probezeit passieren. So kann ein Unternehmen theoretisch am letzten Tag der Probezeit kündigen und den Arbeitsvertrag zwei Wochen nach der Probezeit beenden.

Gibt es eine Kündigungsfrist bei einer außerordentlichen Kündigung?

Für eine sogenannte außerordentliche Kündigung braucht es nach § 626 BGB immer einen wichtigen Grund – egal, ob diese vom Unternehmen oder vom Mitarbeiter selbst ausgesprochen wird. Dies ist der Fall, wenn eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr zumutbar ist – nicht einmal bis zum Ablauf einer Kündigungsfrist.

Die außerordentliche Kündigung wird deshalb oftmals auch als fristlose Kündigung bezeichnet. Es ist jedoch auch möglich, eine außerordentliche, fristgemäße Kündigung auszusprechen.

Um wirksam zu sein, braucht es vor einer außerordentlichen Kündigung oftmals eine Abmahnung von seiten des Arbeitgebers und auch die Verfehlungen müssen entsprechend gravierend sein. Es reicht nicht, wenn ein Chef mit der Leistung eines Mitarbeiters bei einem Projekt nicht einverstanden ist. Wichtige Gründe sind vielmehr anhaltendes Mobbing, Diebstahl am Arbeitsplatz oder auch unberechtigte Arbeitsverweigerung.

Kündigungsfrist: Mitarbeiter unter 25 Jahren

Kündigungsfrist berechnen Arbeitnehmer 25 Jahre Beispiel BerechnungFür besonders große Verwirrung sorgt immer wieder ein Absatz im Gesetzestext zu den Kündigungsfristen in § 622 BGB. Hier heißt es:

Bei der Berechnung der Beschäftigungsdauer werden Zeiten, die vor der Vollendung des 25. Lebensjahrs des Arbeitnehmers liegen, nicht berücksichtigt.

Dies würde bei Anwendung dazu führen, dass Mitarbeiter, die am gleichen Tag eingestellt wurden, aber unterschiedlich alt sind, bei der Kündigungsfrist unterschiedlich behandelt würden. Zur Verdeutlichung noch ein Beispiel zur Berechnung der Kündigungsfrist:

Ein 21-jähriger und ein 31-jähriger Bewerber werden am gleichen Tag eingestellt. Nach etwas mehr als acht Jahren erhalten beide gleichzeitig eine ordentliche Kündigung. Der ältere Mitarbeiter hätte laut Gesetz eine Kündigungsfrist von drei Monaten zum Ende eines Kalendermonats, seinem jüngeren Kollegen hingegen würden nur die vier Jahre nach Vollendung seines 25. Lebensjahres angerechnet – was eine Kündigungsfrist von nur einem Monat zur Folge hätte.

Eine solche Diskriminierung jüngerer Mitarbeiter wurde durch den Europäischen Gerichtshof aufgehoben und ist deshalb nach heutiger Rechtssprechung unzulässig.

Kündigungsfrist Checkliste: Tipps für die Kündigungsfrist

Die letzten Arbeitstage im alten Job sollten Sie dazu nutzen, alle losen Enden zuzubinden und offene Projekte abzuschließen. Ganz Wichtig: Dokumentieren Sie jeden Ihrer Schritte dabei. Auch ohne böse Absicht zu unterstellen, ist es sinnvoll, sich selbst gegen spätere Vorwürfe abzusichern und alle offenen Flanken zu schließen.

Die folgende Checkliste kann Ihnen dabei helfen:

  1. Liste erstellen.

    Nehmen Sie sich die Zeit und notieren Sie zuerst alle Projekte und Aufgaben, an denen Sie aktuell beteiligt sind. Im zweiten Schritt fügen Sie dann all das zur Liste hinzu, was Sie noch im Unternehmen erledigen wollen. Dabei kann es sich um ein Gespräch mit einem Kollegen, eine Frage an Ihren Chef oder Ähnliches handeln. Diese Liste arbeiten Sie dann in der verbleibenden Zeit konsequent ab.

  2. Übergaben vorbereiten.

    Es kann sein, dass Sie nicht alle offenen Projekte abschließen können. In dem Fall bereiten Sie bitte eine saubere Übergabe an Ihren Nachfolger im Team vor. Schreiben Sie minutiös alle wichtigen Punkte auf und gehen Sie Ihre Notizen mit dem dann zuständigen Kollegen durch. Stellen Sie sicher, dass er oder sie versteht, was Sie mit Ihren Notizen meinen und das alle Fragen zum Projekt geklärt sind. Erst dann können Sie ruhigen Gewissens gehen und müssen sich keine Gedanken machen.

  3. Archiv ausmisten.

    Im Lauf der Monate und Jahre sammeln sich eine Menge Unterlagen im Archiv(schrank) an. Gehen Sie Ihre persönlichen Akten vor Ihrem Abschied in Ruhe durch und misten Sie aus, was nicht notwendig ist oder nur Ihnen etwas sagt. Das mag nicht viel sein, doch es ist auch ein psychologisch wichtiger Vorgang, an Ihrem alten Arbeitsplatz Ordnung zu schaffen und sich zu vergewissern, dass Sie alles ordentlich zurücklassen.


  4. Fragen und Konflikte klären.

    Sie haben einen Kollegen, mit dem Sie immer wieder aneinander geraten sind? Es sind noch Fragen offen oder bestimmte Dinge unklar? Dann gehen Sie diese Themen jetzt an und suchen Sie das Gespräch mit Ihren Kollegen. Sie werden – und sollen – sicher nicht auf einmal Freundschaft mit Ihnen unsympathischen Menschen schließen. Doch Sie können durchaus dafür sorgen, dass alle Fragen geklärt sind und Sie keine schwelenden Konflikte zurücklassen.

  5. Nachfolger einarbeiten.

    Ihr Nachfolger steht bereits fest? Klasse, dann können Sie ihn gleich einarbeiten und sicherstellen, dass er Ihre Aufgaben optimal übernehmen kann. Das ist auch in Ihrem Interesse, denn so kann niemand im Nachhinein sagen, dass Sie gegen Ende nur noch Dienst nach Vorschrift geschoben und Ihre Arbeit vernachlässigt haben. Fertigen Sie deshalb auch umfassende Übergabeprotokolle an. Das ist wichtig, denn nach der Kündigung arbeiten Sie genau genommen nicht mehr für Ihren Chef, sondern für Ihren guten Ruf.

  6. Netzwerk pflegen.

    Die letzen Wochen in einem Unternehmen sind der perfekte Zeitpunkt, um Ihr Netzwerk genau unter die Lupe zu nehmen und für sich zu entscheiden, mit wem Sie weiterhin in Kontakt bleiben wollen und mit wem nicht. Neben Sympathie und zwischenmenschlichen Aspekten dürfen dabei auch strategische Überlegungen eine Rolle spielen.

  7. Kontaktdaten austauschen.

    Sie wissen, mit welchen Kollegen Sie in Kontakt bleiben wollen? Dann gehen Sie ins Gespräch, sprechen Sie offen an, dass Sie auch nach Ihrer Zeit beim Unternehmen den Kontakt gerne halten würden und tauschen Sie Kontaktdaten aus. Dass Sie den Kontakt danach auch aktiv pflegen müssen, ist selbstverständlich.

    Arbeitszeugnis anfordern.

    Mit dem Ex-Chef in spe sollten Sie natürlich auch intensiv sprechen. Einerseits, um alle noch offenen Fragen zu klären; andererseits, weil Sie noch ein abschließendes Arbeitszeugnis brauchen. Ein vorläufiges haben Sie vielleicht schon, die endgültige Version ist dennoch wichtig. Wenn Ihr Chef wenig Zeit hat oder sich mit der Formulierung von Arbeitszeugnissen schwer tut, können Sie ihm auch anbieten, einen Entwurf zu formulieren. Seien Sie damit allerdings vorsichtig, mancher Chef wird bei diesem Angebot misstrauisch.

  8. Abschied vorbereiten.

    Wenn Sie sich auch nur halbwegs mit Ihren Kollegen verstanden haben, werden Sie sich wahrscheinlich angemessen verabschieden wollen. Beginnen Sie rechtzeitig mit den Vorbereitung, schließlich soll Ihr Abschied nicht in Stress ausarten.

  9. Rückblick halten.

    Parallel zu den bisher beschriebenen Aktivitäten sollten Sie die Zeit nutzen, um sich in die Aufgaben Ihres neues Arbeitsplatzes einzulesen. Das können Sie logischerweise nicht während Ihrer Arbeitszeit tun, doch ein wenig Freizeit sollte Ihnen die Vorbereitung auf Ihren neuen Job wert sein.

[Bildnachweis: George Rudy by Shutterstock.com]
24. August 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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