Als der sächsische König Friedrich August III. im November 1918 von seinem Thron abdanken musste, hinterließ er eine Botschaft, die Geschichte schrieb: “Machd doch eiern Drägg alleene!”, lauteten seine kurzen Abschiedsworte. Nicht wirklich nobel oder royal, aber dafür ungemein authentisch und ehrlich. Nicht wenige Mitarbeiter dürften ähnlich denken, wenn Sie ihren aktuellen Job mehr oder weniger freiwillig quittieren. Die Versuchung ist groß, in einer letzten Abschiedsmail den Kollegen eine kühle Generalabrechnung zu schicken, Motto: Rache ist ein Gericht, dass man ab besten kalt serviert… Fatal! Denn so sehr man sich auch ärgert und sich nach Genugtuung sehnt: Die Wut vergeht – die E-Mail bleibt.

Die Palette solcher Abschiedmails reicht von Fanalen à la “Und tschüss, ihr Arschlöcher!” über Betriebsklimabomben vom Typ “Ich bedanke mich für die gute Zusammenarbeit, auch wenn ich mich immer darüber amüsiert habe, dass Simone für die gleiche Arbeit 1000 Euro wenige bekommt als Klaus…” bis hin zu Pietäts-Prosa wie “Ich werde euch und meine Arbeit hier nie vergessen. Ihr behaltet immer einen Platz in meinem Herzen!”. Die wohl bekannteste Abschiedsmail schrieb seinerzeit Jason Shugar. Er verabschiedete sich von seinen rund 5000 Google-Kollegen damals mit der Zeile: “So long, suckers! I’m out!” – “Bis dann, ihr Lutscher! Ich bin raus!”, was ihm einigen Applaus im Netz bescherte. Gleichwohl dürften sich seine Berufschancen danach nicht unbedingt verbessert haben.

Auch solche Reaktionen gibt es, auch wenn die arbeitsrechtlich sicher nicht unproblematisch sind:

Quit

Und genau das ist das Problem solcher Abschiedsworte: Man schreibt sie nicht für sich, sondern für seinen künftigen Ruf.

Zwischen Pathos und Profession

Eine gute Abschiedsmail zu schreiben, ist gar nicht so leicht. Eigentlich ist es sogar eine Kunstform. Es gilt, die perfekte Mitte zu finden zwischen professionell, aber nicht zu sachlich und emotional, aber nicht allzu pathetisch. Brandreden, üble Nachrede und garstige Abrechnung sind dabei freilich tabu. So etwas läuft einem immer nach.

Die neutralste, aber eben auch sachlich-kühle Formulierung lautet:

…Ich möchte mich herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken und wünsche Ihnen/Euch alles Gute für die persönliche aber auch weitere Zukunft des Unternehmens.

Kann man so machen, wenn einem nichts Besseres einfällt. Optimal ist das aber nicht.

Bevor Sie auf “Senden” drücken, sollten Sie sich überlegen, wie sie in Erinnerung bleiben wollen: Auch wenn der Frust groß ist, meist hat man ja doch etwas gelernt, Chancen nutzen können und auch einige schöne Momente erlebt, für die man dankbar sein kann. Ebenso stellt sich die Frage, ob nicht derjenige viel mehr Größe zeigt, der mit seiner Goodbye-Mail den Kollegen ein gutes Gefühl hinterlässt und nicht einen Scherbenhaufen.

3 Tipps: So verfassen Sie eine gute Abschiedsmail

Wenn Sie also ein paar letzte Worte auf schriftlichem Wege an den Chef und die Kollegen hinterlassen wollen, sollten Sie sich an diesen drei Grundregeln orientieren:

  1. Positiv bleiben. Wer sich nach einer Kündigung bei seinen bisherigen Kunden und Kollegen verabschieden will, sollte nur positive Worte finden. Alles andere hinterlässt einen negativen Beigeschack und Rufschädigung ist strafbar.
  2. Privates verlinken. Es ist nicht professionell in einer solchen Mail (falls vorhanden) auf den neuen Arbeitgeber zu verweisen. Verlinken Sie lieber Ihre private Seite (Blog, Xing-Profil, etc.) und erklären Sie dort, wie es mit Ihnen weitergeht.
  3. Geist beweisen. Lassen Sie an keiner Stelle Bitterkeit durchklingen, sondern Humor oder noch besser: Geist. Finden Sie ein gutes Zitat, das auch andere aufbaut. Wer weiß, vielleicht sind die Empfänger gerade in einer ähnlichen Situation. So bleiben Sie als Souverän in Erinnerung – und setzen Ihrem Abschied buchstäblich die Krone auf.

Und als Extra-Tipp: Verfassen Sie Ihren Abschiedsbrief, schlafen Sie dann eine Nacht drüber und lassen Sie die Abschiedsmail auch noch mal einen Freund gegenlesen. Wenn der uns Sie danach immer noch ein gutes Gefühl dabei haben, können Sie immer noch auf “Senden” klicken…