Aufschieben-Parkinson-Gesetz
Die traurige Wahrheit ist: Wir alle schieben gerne mal wichtige Aufgaben auf. Lernen, Fensterputzen oder die Steuererklärung sowieso. Aber eben nicht nur solche lästigen Aufgaben, sondern erstaunlicherweise auch Dinge, die uns eigentlich Spaß machen sollten. Prokrastination heißt das Phänomen in Fachkreisen, bei dem wir Dinge aufschieben. Und diese sogenannte Aufschieberitis ist gefährlicher als viele ahnen. Sie kann sogar krank machen...

Warum wir selbst schöne Aufgaben aufschieben

Aufschieben-DefinitionAls die beiden Verhaltensökonominnen Suzanne Shu von der Anderson School of Management an der Universität von Kalifornien in Los Angeles und Ayelet Gneezy von der Rady School of Management an der Universität von Kalifornien in San Diego typische Fälle von Aufschieberitis untersuchten, stellten sie verblüfft fest: Sobald Menschen ein längerer Zeitraum zur Verfügung steht - selbst für eine erfreuliche Aufgabe -, reden sie sich zwar ein, diese Aufgabe in Angriff zu nehmen, tun es aber seltener.

Bei den Experimenten dazu erhielten rund 80 Probanden zum Beispiel Geschenkgutscheine für einen Café-Besuch, die entweder schon nach drei Wochen (42 Teilnehmer) verfielen oder erst nach zwei Monaten (38 Teilnehmer).

Nun passierte das eigentlich Erstaunliche: Weil diejenigen Teilnehmer mit der langen Frist annahmen, den Gutschein ganz sicher einlösen zu können, schoben sie den Café-Besuch immer weiter hinaus - bis es zu spät war. Der ideale Zeitpunkt - er kommt eben nie.

Am Ende lösten aus dieser Gruppe gerade einmal sechs Prozent (!) der Probanden die Gutscheine ein - deutlich weniger als aus der Gruppe mit der strammen Deadline von wenigen Wochen: Da waren es immerhin 31 Prozent.

Aufschieben? Extreme Weitsichtigkeit ist schuld

Das Ganze erinnert nicht ganz zufällig an das sogenannte Parkinson’sche Gesetz, das auf den britischen Historiker und Publizisten Cyril Northcote Parkinson zurückgeht.

Danach dehnt sich Arbeit in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht – und nicht etwa wie viel Zeit man tatsächlich dafür bräuchte.

Denken Sie nur an Meetings: Stundenlang werden die Themen diskutiert, alle können mitreden, auch wenn nicht jeder davon Ahnung hat. Aber erst fünf Minuten vor Schluss werden die entscheidenden Beschlüsse gefasst und keine Minute eher. Warum nicht gleich so?

Natürlich kennt jeder auch das Beispiel auch aus dem Urlaub: Als Tourist klappert man alle Sehenswürdigkeiten einer Stadt oder Region ab, weil man weiß, nur eine begrenzte Zeit vor Ort zu sein. Wer dagegen vor Ort lebt, hat das Gefühl dafür alle Zeit der Welt zu haben. Und so kommt es, dass Touristen manchmal die schönsten Flecken der Stadt besser kennen als deren Einwohner.

Ran Kivetz, ein Marketing-Professor an der Columbia Graduate School of Business, nennt diese Haltung auch "hyperopisch", oder laxer ausgedrückt: extrem weitsichtig: Betroffene bewerten eine künftige Belohnung oder einen Freizeitspaß zu hoch, sodass sie diesen aktuell gar nicht genießen können - und später umso mehr bedauern, diesbezüglich nichts unternommen zu haben.

Der Grund für dieses spaßraubende Verhaltensmuster sieht das obige Forscherinnen-Duo übrigens in einer Art Wahrnehmungsfehler: Wer eine lange Deadline bekommt, überschätzt regelmäßig die Zeit, die ihm tatsächlich zur Verfügung steht - und verpasst entweder den Spaß oder den spätesten Zeitpunkt, endlich loszulegen.

Die Empfehlung von Shu und Gneezy lautet deshalb: Setzen Sie sich enge Limits - egal, ob die Aufgabe lästig oder lustig ist!

Aufschieben macht krank und einsam

Wissenschaftler um Manfred Beutel von der Universitätsmedizin Mainz haben in einer groß angelegten Studie (Teilnehmer: 2.527 Personen im Alter von 14 bis 95 Jahren) herausgefunden: Das Phänomen des Aufschiebens ist vor allem bei jungen Menschen weit verbreitet - mit erheblichen Folgen: Menschen, die wichtige Tätigkeiten aufschoben, lebten häufiger ein Single-Dasein, waren vermehrt von Arbeitslosigkeit betroffen, verfügten über ein geringes Einkommen. Hinzu kommt: Sie litten auch öfter unter Stress, Depression, Angst, Einsamkeit und Erschöpfung.

Studienleiter Manfred Beutel dazu:

Die Repräsentativerhebung zeigte, dass Menschen, die Tätigkeiten häufig aufschieben, seltener in Partnerschaften lebten, häufiger arbeitslos waren und über ein geringes Einkommen verfügten. Betroffen waren vor allem junge Männer. Schüler und Studierende prokrastinierten dabei häufiger als ihre berufstätigen oder in einer Ausbildung befindlichen Altersgenossen.

Aufschieben sei allerdings ein erlerntes Verhalten, das unmittelbar durch Vermeidung unangenehmer Tätigkeiten verstärkt wird. Warum bestimmte Tätigkeiten negative Gefühle hervorrufen, wird von den Betroffenen dabei zu wenig hinterfragt. Leistungsanforderungen sind häufig mit Versagensängsten verbunden, eigene Leistungsansprüche sind möglicherweise zu hoch gesteckt und Zielsetzungen unrealistisch (siehe auch Tipps gegen das Aufschieben weiter unten). Ersatzhandlungen wie beispielsweise Medienkonsum haben überdies häufig unmittelbar positive Konsequenzen. Nachteilige negative Konsequenzen wie Versagen, Depression oder Einsamkeit treten hingegen erst langfristig auf und sind damit weniger verhaltensbestimmend.

Aufgaben aufschieben: Warum machen wir das überhaupt?

Die meisten von uns nehmen es sich Tag für Tag vor: "Heute werde ich dies oder das tun - ganz bestimmt!" Der Wille ist da. Trotzdem werden die Aufgaben - bewusst oder unbewusst - immer wieder vertagt.

Zugegeben, eine Aufgabe zu verschieben, kann Vorteile haben. Manchmal erledigt sich ein Problem so von selbst - Geduld und Abwarten können sind schließlich auch Tugenden.

Stimmt. Und gegen das bewusste und entschiedene Aufschieben ist auch schwer etwas zu sagen. Die Haltung wird aber dann gefährlich, wenn sie unbewusst und chronisch abläuft.

Wissenschaftler unterscheiden in dem Fall zwischen zwei Aufschieber-Typen:

  1. Den Erregungsaufschieber.

    Er reagiert erst auf den letzten Drücker und genießt den Kick, den der Hochdruck zum Schluss erzeugt. Meist behauptet er, erst dadurch kreativ zu werden.

  2. Den Vermeidungsaufschieber.

    Er leidet unter der Angst zu versagen. Deshalb meidet er den Leistungsdruck, den die Aufgabe erzeugt. Dafür ist er ein Meister der Ausreden.

Das Kernproblem vieler Aufschieber ist: Sie haben Schwierigkeiten Prioritäten zu setzen. Und viele setzen - fälschlicherweise - Erfolg mit Selbstwert gleich. Um dieses Gefühl zu erreichen, brauchen sie häufige und kurzfristige Erfolgserlebnisse. Sind die Aufgaben aber scheinbar zu groß, liegen diese Erfolgserlebnisse subjektiv zu weit entfernt. Mitunter entsteht sogar die Angst zu versagen, die Angst vor falschen Entscheidungen oder Angst vor Ablehnung.

Also ziehen sie kleinere Aufgaben vor (Aufräumen, Abwaschen, E-Mails lesen,...), weil die eine schnelle Belohnung versprechen. Und wer über viel Arbeit klagt, erntet meistens auch noch Mitgefühl...

Das Ergebnis sieht dann aus, wie in dieser Grafik:

Prokrastination-aufschieben-morgens

Dahinter steckt meist eine geringe Frustrationstoleranz. Die aber - und das ist die gute Nachricht - lässt sich trainieren.

Selbsttest: Welcher Aufschieber-Typ sind Sie?

Haben Sie Ihr Verhalten in der obigen Beschreibung bereits wieder erkannt? Falls nein, so entdecken Sie vielleicht einige Facetten Ihrer Aufschieberitis in den nachfolgenden Typologien. Die sollen natürlich nicht nur auf Fehler hinweisen, sondern auch einen positiven Effekt haben. Deswegen finden Sie zu jedem Aufschieber-Typ die passende Notlösung, wenn mal wieder akute Prokrastinationsgefahr besteht...

  1. Der Saubermann

    Ron Leishman/shutterstock.comNormalerweise stapeln sich Zeitschriften, leere Kaffeetassen, Akten und Projektunterlagen auf seinem Schreibtisch. Ein solches Arbeitsumfeld ist für ihn kein Problem. Er findet das Chaos eigentlich ganz gemütlich. Kommt allerdings eine wichtige Deadline auf ihn zu oder steht er vor einem unangenehmen Kundengespräch (bei Studenten ist es in der Regel eine Klausur in einem unliebsamen Fach), packt ihn die Ordnungswut. Plötzlich müssen der Schreibtisch oder die Wohnung blitzblank sein, bevor er durchstarten kann.

    • Standardausrede

      "Ich muss erst noch das Geschirr abwaschen, die Unterlagen sortieren und den Schreibtisch aufräumen, aber dann fange ich auch wirklich an."

    • Warum?

      Angesichts der vor ihm liegenden Aufgabe fühlt er sich überfordert und hat das Bedürfnis Ordnung zu schaffen, denn er weiß nicht, wo er anfangen soll.

    • Was tun?

      Zerlegen Sie große Aufgaben in kleine. Es ist wie mit dem physikalischen Gesetz der Trägheit: Ist ein schwerer Körper erst in Bewegung, wird es leichter, ihn in Fahrt zu halten. "Auch die längste Reise beginnt mit einem einzelnen Schritt", lautet ein chinesisches Sprichwort. Also beginnen Sie mit kleinen Schritten.

  2. Der Panikmacher

    Ron Leishman/shutterstock.comZu Beginn ist er noch ganz gelassen. Die Deadline liegt in weiter Ferne. Alles ist super. Genügend Zeit, um sich angenehmeren Dingen zu widmen. Kurz vor knapp fällt ihm dann doch ein, dass da noch eine Aufgabe offen ist. Jetzt wird ihm bewusst, wie viel Zeit er untätig hat verstreichen lassen und bekommt Panik. Er verrennt sich so sehr in seine Panik, dass er sich selbst im Weg steht und am Ende unzufrieden mit dem Ergebnis seiner Arbeit ist.

    • Standardausrede

      "Das hat noch Zeit."

    • Warum?

      Der Panikmacher hat ein schlechtes Zeitmanagement. Er schafft es einfach nicht, sich die Arbeitszeit sinnvoll einzuteilen. Oft unterschätzt er auch den Arbeitsaufwand einer Aufgabe.

    • Was tun?

      • Machen Sie weniger Druck. Sagen Sie sich selbst oft „Du musst“, „Du sollst“, „Mach jetzt, sonst…“? So wird das nichts. Aufschieber flüchten so erst recht. Ändern Sie stattdessen den Mechanismus und machen Sie sich bewusst, eine Wahl zu haben.
      • Setzen Sie Prioritäten. Entscheiden Sie, was wirklich wichtig und dringend ist und was noch Zeit hat oder delegiert werden kann. Die Eisenhower-Methode eignet sich dafür besodners gut. Aber auch die ABC-Technik.
  3. Der Listenmacher

    Ron Leishman/shutterstock.comBevor er sich an die Arbeit macht, muss er eine To-Do-Liste erstellen. Ohne Liste geht bei ihm gar nichts. Darauf schreibt er auch haarklein, was alles erledigt werden muss. Doch am Ende hat er zwar eine schöne Liste gemacht, die wichtigen Aufgaben darauf sind dennoch nicht erledigt.

    • Standardausrede

      "Ich mache mir schnell eine Liste."

    • Warum?

      Er liebt es einfach, etwas auf seiner Liste abhaken zu können. Das gibt ihm das wohlige Gefühl, produktiv zu sein und etwas geschafft zu haben. Doch leider hakt er oftmals nur Kleinkram ab und verzettelt sich in Nebensächlichkeiten.

    • Was tun?

      Beginnen Sie mit dem Unangenehmsten. Packen Sie den Stier bei den Hörnern: In der Regel wird es die unangenehmste Aufgabe sein, die Sie die ganze Zeit vor sich herschieben. Warum nicht sofort morgens hinter sich bringen, wenn man noch frisch ist? Der Rest des Tages wird Ihnen umso leichter von den Hand gehen.

  4. Der Multitasker

    Ron Leishman/shutterstock.comAm liebsten arbeitet er an mehreren Aufgaben und Projekten gleichzeitig. Er fängt eine Sache an, hat dann einen Einfall zu etwas ganz anderem und widmet sich dann dieser Aufgabe. Irgendwann stapeln sich lauter begonnene Aufgaben auf seinem Schreibtisch, doch keine davon hat er beendet.

    • Standardausrede

      "Mir fällt da etwas ein."

    • Warum?

      Er ist schnell gelangweilt von einer Aufgabe und kann sich schlecht konzentrieren. Kommt er in einem Punkt nicht weiter, wendet er sich einer neuen Aufgabe zu.

    • Was tun?

      • Bitten Sie Ihre Kollegen um Input. Stecken Sie in einer Sackgasse, lassen Sie sich von den Vorschlägen Ihrer Kollegen inspirieren. Vielleicht habe die bereits ähnliche Erfahrungen gemacht und haben einen guten Rat. Sie bekommen dadurch eine zusätzliche Perspektive.
      • Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie gerade tun. Unterbrechungsforscher (die gibt es wirklich) haben festgestellt, dass sich Büroarbeiter genauso oft selbst ablenken, wie sie unterbrochen werden. Zwingen Sie sich also dazu, sich auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren, statt in Gedanken schon bei der nächsten zu sein.
      • Vergessen Sie Multitasking. Einige Studien beweisen, Menschen sind nicht produktiver, wenn sie mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen. Im Gegenteil: Oft hindert es sie, konzentriert auf ein Ziel hinzuarbeiten. Außerdem verursacht Multitasking Stress. Versuchen Sie lieber Schritt für Schritt vorzugehen.
  5. Der Internet-Junkie

    Ron Leishman/shutterstock.comEr ist ständig online, wenn nicht am Rechner, dann mit dem Smartphone. Alle paar Minuten checkt er seine E-Mails, prüft, was in seinen sozialen Netzwerken los ist und schaut sich Videos an. Das macht er nebenbei, während er eigentlich mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist. Ohne es zu merken, vertrödelt er damit Stunden seiner Zeit.

    • Standardausrede

      "Was ist denn so auf Facebook los?"

    • Warum?

      Den unendlichen Versuchungen des Internets kann er einfach nicht widerstehen. Er lässt sich leicht vom Signal seines E-Mail-Postfachs und lustigen Youtube-Videos ablenken.

    • Was tun?

      • Begrenzen Sie Ihre Zeit in sozialen Netzwerken. Achten Sie bewusst darauf, wie lange Sie dort verbringen. Damit verhindern Sie, dass unbemerkt zwei oder drei Stunden vergehen, in denen Sie nur die Timeline checken und Videos schauen.
      • Seien Sie offline. Gerade wichtige Aufgaben, die viel Konzentration erfordern, sollten Sie offline erledigen. Sie erliegen damit nicht der Versuchung, auf interessante Beiträge zu stoßen und sich dann treiben zu lassen.
      • Lesen Sie Ihre Mails nicht sofort. Es gibt bereits eine so genannte Slow-E-Mail-Bewegung. Anhänger öffnen ihre Post nur noch zweimal am Tag. Dasselbe gilt für Anrufbeantworter oder Anrufe.

Der Depletion-Effekt: Paradoxon der Prokrastination

Es liegt in unserer Natur, den kürzesten Weg zu nehmen. Warum den langen Weg gehen, wenn es eine Abkürzung gibt? Es ist schließlich effizient so zu denken - und es spart Energie. Auch beim modernen Aufschieben, versuchen wir eine Abkürzung zu gehen: Da gibt es eine Aufgabe, aber sie kostet uns viel emotionale Energie und Überwindung. Aufschieben ist wesentlich einfacher, effizienter - meinen wir. Zumal wir uns dabei oft noch suggerieren, dass uns die Aufgabe später wesentlich leichter fallen wird.

Genau dabei aber handelt es sich um das Paradoxon der Prokrastination - oder den sogenannten Depletion-Effekt: Bei dem Versuch, es uns leichter zu machen, machen wir es uns tatsächlich oft schwerer. Wir sparen vielleicht jetzt etwas Energie, drücken uns vor Verantwortung - aber das hat Konsequenzen: Es zehrt trotzdem an unseren Ressourcen, weil wir hinterher umso härter nachholen müssen, was wir vorher aufgeschoben haben.

Voilà, das ist der Depletion-Effekt (deplete, engl. abbauen, aufbrauchen, erschöpfen). Das Konzept der Abkürzung mag ein intuitives und richtiges sein - unter bestimmten Umständen. Es kann aber ebenso enorm kontraproduktiv sein, wenn es uns auf Irrwege leitet.

29 Tipps und Strategien gegen das Aufschieben

Prokrastination wird zu einem großen Problem, wenn das Verhalten chronisch wird. Damit es erst gar nicht so weit kommen kann, raten Experten zu den unterschiedlichsten Wegen aus der Aufschieberitis. Wir haben für Sie dazu recherchiert und die 29 hilfreichsten Tipps gegen Prokrastination zusammengetragen. Nicht alle werden zu Ihnen persönlich passen. Das können und sollen sie auch nicht. Dazu ist das Problem zu individuell. Verstehen Sie die Tipps also als Sammlung von Alternativen – und picken Sie sich die Besten für Sie raus:

  1. Beginnen Sie sofort.

    Zum Beispiel jetzt! Die 72-Stunden-Regel etwa sagt: Wer sich etwas vornimmt, muss innerhalb von 72 Stunden den ersten Schritt machen, sonst sinkt die Chance, dass er das Projekt jemals beginnt, auf ein Prozent.

  2. Hinterfragen Sie sich.

    Warum schieben Sie bestimmte Aufgaben auf? Aufschieberitis ist eine Gewohnheit, sie läuft automatisch ab. Ein Schritt in Richtung Besserung ist deshalb, sich sein Verhalten bewusst zu machen und die Gewohnheit zu durchbrechen. Dazu hilft auch, seine Verhaltensweisen über einen Zeitraum schriftlich zu notieren: Was machen Sie ungern? Warum? Was löst Stress aus? Was hätten Sie anders machen können?

  3. Seien Sie sehr konkret.

    Je genauer und konkreter Sie bei der Planung sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie von Ihren Plänen abweichen. Nehmen Sie sich beispielsweise vor: Morgen um 14 Uhr werde ich für eine Stunde für meine Statistikprüfung lernen, bevor ich eine Pause mache. Eine solch genaue Planung motiviert anstatt abzuschrecken.

  4. Setzen Sie Prioritäten.

    Entscheiden Sie, was wirklich wichtig und dringend ist und was noch Zeit hat oder delegiert werden kann. Die Eisenhower-Methode eignet sich dafür besonders gut. Aber auch die ABC-Technik.

  5. Zerlegen Sie große Aufgaben in kleine.

    Es ist wie mit dem physikalischen Gesetz der Trägheit: Ist ein schwerer Körper erst in Bewegung, wird es leichter ihn in Fahrt zu halten. "Auch die längste Reise beginnt mit einem einzelnen Schritt", lautet ein chinesisches Sprichwort. Also beginnen Sie mit kleinen Schritten.

  6. Nehmen Sie sich nicht zu viel vor.

    Behalten Sie lieber das große Ganze im Auge. Aus der Forschung weiß man, dass Menschen Aufgaben motivierter erledigen, wenn Sie die höheren Ziele dahinter erkennen.

  7. Machen Sie sich weniger Druck.

    Sagen Sie sich selbst oft "Du musst", "Du sollst", "Mach jetzt, sonst..."? So wird das nichts. Aufschieber flüchten so erst recht. Ändern Sie stattdessen den Mechanismus und machen Sie sich bewusst, ein Wahl zu haben.

  8. Bleiben Sie organisiert.

    Aufgaben zu zerlegen, sich einen Überblick zu verschaffen – vielleicht sogar mitilfe von To-Do-Listen oder Mindmaps – ist eine Sache. Konservieren Sie diesen Zustand aber auch. Sonst oszillieren Sie nur zwischen Chaos – Liste/Map – Chaos.

  9. Hören Sie auf, zu zweifeln.

    Jeder kennt die Phrase Wenn ich doch nur ..., dann ...! Solche Wenn-dann-Phasen tauchen immer wieder auf. Meistens dann, wenn man mit sich und seiner Situation unzufrieden ist. Aber diese Zweifel sind heikel. Ihr Unheil beginnt mit der Überzeugung, vor einem stünde ein unüberwindbarer Berg. Dann sehen wir nur noch den Berg und nicht mehr den Gipfel, verharren oder kehren gar um. Fatal! Ein Gipfelsturm gelingt auch in Etappen. Überlegen Sie sich also, wo Sie stehen und was als nächstes getan werden müsste. Dann gehen sie los, Basiscamp für Basiscamp.

  10. Seien Sie realistisch.

    Aufschieber neigen zur Alles-oder-Nichts-Haltung. Dahinter steckt die Angst nicht mehr akzeptiert zu werden, wenn etwas nicht vollkommen ist. Auch 80 Prozent sind oft gut genug. Was kann den schlimmstenfalls passieren, wenn Sie Ihr (!) Ideal nicht erreichen? Na und?!

  11. Hören Sie auf, perfekt zu sein.

    Perfektionismus hält auf. Er führt zu einem Tunnelblick, bei dem sich die Betroffenen auf zahllose Details konzentrieren, die für das große Ganze aber nur geringe Bedeutung haben. Dabei verrennen sie sich dann und kommen schließlich nicht mehr vom Fleck. Mängel dagegen können den Horizont erweitern. Denken Sie nur: Ohne Fehler hätte Christoph Kolumbus nie Amerika entdeckt.

  12. Belohnen Sie sich für Teilerfolge.

    Um das Aufschieben in den Griff zu bekommen, ist Selbstdisziplin nötig, manchmal auch Druck. Deshalb ist Belohnung am Ende wichtig, um sich bei Laune zu halten. Was alle Erfolgreichen letztlich eint: Sie halten die Lücke zwischen Absicht und Ausführung sehr klein. Und den Spaßfaktor groß.

  13. Loben Sie sich.

    Fehlen positive Rückmeldungen, tendieren Menschen dazu, aufzugeben. Umgekehrt wirkt Wertschätzung enorm positiv, wie etwa Albert Bandura, Psychologie-Professor an der Stanford-Universität, nachwies: Gelobte sind motivierter, stecken sich höhere Ziele, fühlen sich diesen stärker verpflichtet, teilweise unterstellen sie sich sogar bessere Fähigkeiten, was wiederum ihre Leistungskraft verbessert.

  14. Arbeiten Sie in Ihren Hochphasen.

    Bei jedem Menschen gibt es innerhalb eines Tages unterschiedliche Leistungsphasen. Entscheidend dafür ist die sogenannte Chronobiologie. Der Organismus, also Stoffwechsel, Organtätigkeit, Konzentrationsfähigkeit – alles schwankt innerhalb eines Tages erheblich. Dabei unterscheiden sich vor allem die Frühaufsteher (auch Lerchen genannt. Sie stehen schon früh morgens auf und sind sofort topfit). Und die Langschläfer (auch Eulen genannt), die auch abends noch hell wach sind und sich gut konzentrieren können. Diese Typen sind unabhängig von der Schlafmenge, die der Einzelne braucht. Ihre individuellen Leistungsphasen liegen stark zeitversetzt. Wer seinen eigenen Typ kennt und dies im Alltag berücksichtigt, kann seine Leistung, Kreativität und Produktivität deutlich verbessern. Schwierige Aufgaben legt möglichst in die Hochphasen, den lästigen Kleinkram in die Durchhängerphasen.

  15. Bemühen Sie sich um Routinen.

    Wer sich um einen geregelten Tagesablauf bemüht oder bestimmte Aufgaben immer wieder zur selben Zeit erledigt, sorgt zwar für Eintönigkeit und Langeweile, er verringert aber auch die Nischen, in denen er etwas aufschieben könnte.

  16. Vermeiden Sie Unterbrechungen.

    E-Mails kündigen sich im Posteingang an, mal klingelt das Telefon, mal das Handy, mal der Blackberry, mal platzen Kollegen ins Büro. Das ist schädlich für die Produktivität. Wissenschaftler der Universität Kalifornien fanden heraus, dass ein Büromensch sich gerade elf Minuten einer Aufgabe widmen kann, bevor er unterbrochen wird. Was noch schlimmer ist: Nach der unfreiwilligen Pause dauert es teils bis zu 25 Minuten, bis man den Faden wieder aufgenommen hat. So werden Sie nie fertig.

  17. Vergessen Sie Multitasking.

    Einige Studien beweisen, Menschen sind nicht produktiver, wenn sie mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen. Im Gegenteil: Oft hindert es sie, konzentriert auf ein Ziel hinzuarbeiten. Außerdem verursacht Multitasking Stress. Versuchen Sie lieber Schritt für Schritt vorzugehen.

  18. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie gerade tun.

    Unterbrechungsforscher (die gibt es wirklich) haben festgestellt, dass sich Büroarbeiter genauso oft selbst ablenken, wie sie unterbrochen werden. Zwingen Sie sich also dazu, sich auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren, statt in Gedanken schon bei der nächsten zu sein.

  19. Räumen Sie auf.

    Versiffte Kaffeetassen, meterhohe Papierstapel und vertrauliche Dokumente, die offen herumliegen, sind nicht nur Chefs ein Graus. Sie verleiten auch zu gedanklichem Schlendrian. Zumindest bei einigen Menschen. Darum: Misten Sie Ihr Büro regelmäßig aus, sortieren Sie Ihre E-Mails und hinterlassen Sie Ihren Schreibtisch jeden Abend akkurat. Ordnen Sie das Chaos, und bewahren Sie den Zustand. Das kann jeder, es erfordert nur Disziplin.

  20. Sagen Sie öfter NEIN.

    Menschen, die an akutem Helfer-Syndrom leiden, streben nach dem Gefühl, gebraucht zu werden. Die Vorstellung, ersetzbar zu sein, macht ihnen Angst. Ein Kurzschluss: Jeder Mensch ist ersetzbar! Das Helfer-Syndrom führt nur zu massivem Stress. Haben Sie also den Mut, Bitten auch mal mit einem Nein zu quittieren. Wenn Sie Prioritäten setzen, liegt der Erfolg darin, sich auch daran zu halten. Wer niemandem eine Bitte abschlagen kann, kommt zwangsläufig aus dem Trott.

  21. Schalten Sie Zeitfresser aus.

    Was raubt Ihnen am Tag die meiste Zeit? Womit halten Sie sich besonders gerne und lange auf? Muss das sein? Ist das sinnvoll und produktiv? Andernfalls: Setzen Sie sich bewusst Grenzen. Übrigens: Nicht nur in Zeitfragen!

  22. Betrügen Sie sich selbst.

    Wenn Sie Donnerstag fertig sein müssen, notieren Sie sich den Mittwoch als Deadline. Aus der Hirnforschung weiß man: Je öfter Sie einen Gedanken denken, desto stärker schleift er sich ein, und Sie akzeptieren ihn irgendwann als wahr. Irgendwann werden Sie also denken: Ich muss Mittwoch fertig werden! Und dann passiert das Wunder: Sie werden am Mittwoch fertig - überpünktlich - und können einen ganzen Tag lang das Ergebnis verbessern.

  23. Machen Sie Pausen.

    Immer nur Vollgas geben – das verträgt selbst der stärkste Motor nicht. Das Burnout-Syndrom – der rapide Verlust von Freude und Antriebskraft – kann sonst die Folge sein. Ab und an ausklinken, zur Ruhe kommen, aufstehen, strecken, ein paar Schritte an der frischen Luft gehen, Wasser trinken, Kraft tanken macht motivierter. Nutzen Sie die Pausen aber wirklich sinnvoll und nicht zum Trödeln!

  24. Machen Sie Ihre Ziele bekannt.

    Seine Entscheidung öffentlich zu machen, bewirkt zweierlei: Andere Menschen setzen Erwartungen in einen und man selbst ebenfalls. Es hilft, sich mental und emotional auf sein Ziel zu konzentrieren und alles daran zu setzen, um es zu erreichen. Seine Ziele anderen mitzuteilen, ist zwar kein Erfolgsgarant. Aber es ist ein gutes Indiz, wie sehr man sich seiner Sache verschrieben hat. Außerdem hilft es, die Ziele durch andere zu prüfen.

  25. Dulden Sie keine Entschuldigungen.

    Aufschieber sind Meister der Ausrede – für sich, andere und die Umstände. Betuppen Sie sich nicht selbst! Jedes Mal, wenn Sie wieder einen Grund (er)finden, warum Sie etwas jetzt nicht erledigen können, fragen Sie sich: Ist das wirklich wahr?

  26. Arbeiten Sie im Team.

    Wenn Sie es alleine nicht schaffen, suchen Sie sich Mitstreiter. Das ist beim Sport genauso wie bei einer Diät: Partner ermuntern einander, ziehen einen auf Durststrecken mit und ermahnen, wenn es sein muss. Nicht jeder ist so ein starker Selbstmotivator wie Boris Becker.

  27. Investieren Sie Geld.

    Auch das kann helfen. Wenn das Bummeln Sie erst wirklich etwas kostet, gibt es der Sache eine neue Dimension. Jedes Mal, wenn Sie eine Sache verschoben haben, stecken Sie zum Beispiel Geld in eine Spardose. So viel, dass es etwas wehtut. Und natürlich dürfen Sie an das Geld erst nach mindestens einem halben Jahr. Für viele ist das ein guter Grund, Gas zu geben, wenn sie es im Geldbeutel spüren.

  28. Seien Sie dankbar.

    Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg. Sie verbessert sowohl die Beziehungen zu anderen Menschen, wie auch deren Einstellung und Motivation. Dankbarkeit verbannt negative Gedanken und reduziert Stress. Lernen Sie also, dankbarer zu werden – etwa für die Dinge, die Sie schon erreicht haben, für Freunde, für Ihre Gesundheit.

  29. Geben Sie nicht auf.

    Wie sagte schon Friedrich Nietzsche: "Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel."

[Bildnachweis: Paul Schlemmer, Ron Leishman by Shutterstock]