Warten nach der Bewerbung
Als sei es nicht schon nervenaufreibend genug, wenn man das Anschreiben formuliert, den Lebenslauf gestaltet und seine Bewerbungsmappe gepackt und verschickt hat. Nein, dann kommt auch noch diese entsetzliche Warterei auf eine Antwort hinzu: Ist die Bewerbung überhaupt angekommen? Habe ich Chancen auf den Job? Werde ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen? Und gibt es überhaupt eine Reaktion? Das Gemeine: Manchmal gibt es nicht einmal die...

Kein Feedback ist ein Akt der Missachtung

Warten-Bewerbungsschreiben-Antwort-Reaktion-FeedbackIm Schnitt benötigen Unternehmen drei bis sechs Wochen, um die eingegangen Bewerbungsunterlagen zu sichten und zu sondieren. Heißt: Wer landet gleich auf dem Absagestapelt, wer kommt eine Runde weiter?

Doch manche Unternehmen machen sich nicht einmal die Mühe, überhaupt so etwas wie eine Bewerbungsabsage oder einen Zwischenstand zu verschicken. Null Reaktion, die Bewerber bleiben im Ungewissen. Das ist nicht nur unprofessionell, unseriös und respektlos, es frustriert die Betroffenen auch gewaltig.

Laut einer Umfrage der Jobbörse Monster ficht das gerade einmal 7 Prozent der befragten Bewerber überhaupt nicht an, wenn das Unternehmen gar nicht antwortet. Der Rest schäumt - so:

Frustrationslevel wenn ein Arbeitgeber auf die Bewerbung nicht antwortet

  • Völlig frustriert (21 Prozent)
  • Sehr frustriert (41 Prozent)
  • Mäßig frustriert (16 Prozent)
  • Ein wenig frustriert (15 Prozent)
  • Gar nicht frustriert (7 Prozent)

Und frustriert war sicher nur die vorgegebene Antwort. Der Mehrheit der zwei Drittel kräftig Frustrierten dürften dazu noch ganz andere Begriffe einfallen, die wir hier aus Rücksicht auf jüngere Leser nicht wiederholen wollen.

Im Ernst: Wer so mit Bewerbern umgeht, auch wenn diese für den Job nicht infrage kommen, schadet seinem Unternehmensimage nachhaltig. Denn so etwas spricht sich herum: auf Twitter, auf Facebook, in Arbeitgeberbewertungsportalen, ...

Beispiele gefällig?

Keine Antwort ist eben auch eine Antwort!

Bewerbung ins Nirwana - was tun?

Natürlich hat die fehlende Rückmeldung auf eine Bewerbung manchmal auch ganz banale, organisatorische Gründe - Gründe, die gar nicht mal an Ihnen liegen müssen:

Keine-Antwort-nach-Bewerbung-Gruende-Grafik

Oder aber - auch da muss man ehrlich sein - es liegt tatsächlich an Ihnen und Ihren Unterlagen. Zum Beispiel wenn folgende Bewerbungsfehler vorliegen:

  • Unvollständige Bewerbungsunterlagen
  • Bewerbungsfrist nicht eingehalten
  • Falscher Betreff, dadurch falsche Zuordnung
  • Völlig unzureichende Qualifikation

Das alles mag aus Unternehmenssicht zwar ein triftiger Grund sein, einen Kandidaten abzulehnen - eine Entschuldigung, ihn zu ignorieren, ist das allerdings nicht. Wer generell einstellt, muss mit Bewerbungen aller Art (auch unartigen) rechnen und sollte auf das gezeigte Interesse mindestens angemessen reagieren:

  • Mit eine kurzen E-Mail über den Bewerbungseingang.
  • Mit einem Zwischenstand.
  • Mit einer freundlichen Absage.
  • Oder der Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Was aber können Bewerber tun, wenn sich der Wunsch-Arbeitgeber so gar nicht meldet?

Ganz einfach: nachfragen. Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Es gibt einen schmalen Grat zwischen angemessenem Interesse und Aufdringlichkeit. Die Nachfrage erfordert viel Fingerspitzengefühl, Sie wollen dabei weder aufdringlich, noch verzweifelt wirken.

Menschlich ist es absolut nachvollziehbar, dass jemand gespannt ist, was mit seiner Bewerbung passiert, ob er oder sie den Job bekommt. Auf der anderen Seite sitzt aber meist ein Personaler, der in Arbeit ertrinkt und sich an Prozesse halten muss, die er sich selbst nicht ausgedacht hat. Deswegen hilft hier Druck am wenigsten. Umso mehr gewinnt Empathie und die richtige Taktik.

Nachfragen: Tipps für Bewerber

Die folgenden Tipps können helfen, damit die Bewerbung nicht ins Leere läuft...

  • Unterlagen prüfen.

    Der erste Tipp setzt schon vor dem Abschicken der Bewerbung an: Achten Sie darauf, dass Ihre Unterlagen korrekt und vollständig sind. Sprich: Vermeiden Sie die oben genannten formalen Fehler. Häufig hat schon das große Wirkung.

  • Timing beachten.

    Lassen Sie den Unternehmen genug Zeit für die üblichen internen Prozesse. Zwei bis drei Wochen nach dem Versenden der Bewerbung sollten schon vergangen sein. Oder mindestens 15 Werktage. Falls Ferien dazwischen liegen etwas länger - auch Personaler machen mal Urlaub und je nach Unternehmensgröße gibt es keine Vertretung oder die ist eh schon überlastet.

  • Kanal wählen.

    Wenn Sie nachfragen, sollten Sie ebenfalls förmlich bleiben. Kurznachrichten per SMS oder Anfragen auf Social-Media-Kanälen sind ein No-Go. Zumal sie in öffentlichen Kanälen das Unternehmen in eine Art Arena zerren. Es entsteht öffentlicher Druck, der Ihre Bewerbung nicht gerade sympathischer macht. Den Kanal sollten Sie daher nur wählen, wenn Ihnen nicht mehr viel an dem Job liegt oder das Unternehmen mehr als genug Zeit hatte, zu reagieren. Ansonsten schreiben Sie eine kurze E-Mail - oder besser: Sie rufen persönlich an. Am Telefon lässt sich vieles freundlicher klären als schriftlich.

  • Höflich bleiben.

    Wenn Sie das erste Mal nachfragen, fallen Sie bitte nicht mit der Tür ins Haus: "Ich wollte nur mal nachfragen, ob meine Bewerbung angekommen ist...". Ist sie, in 99 Prozent aller Fälle. Daher: doofe Frage. Der indirekte Weg ist charmanter und meist auch erfolgreicher. Sie melden sich und bekräftigen noch einmal Ihr Interesse für die Stelle: Die vergangenen Wochen und aktuellen Berichte in den Medien (vielleicht mit Beispiel) haben Sie noch einmal in Ihrem Wunsch bestärkt, für dieses Unternehmen zu arbeiten. Natürlich wissen Sie, dass der Personaler viel um die Ohren hat, aber, nunja, Sie wüssten halt auch gerne, wie Ihre Chancen stehen... Gibt es einen aktuellen Status? Das ist wenigstens ehrlich, zeigt aber auch Verständnis.

  • Alternativen erwähnen.

    Je mehr Sie drängeln, desto verzweifelter wirkt das. Das Argumentieren mithilfe von Alternativen ist ein gefährliches Pokerspiel. Oft ist es schlicht erfunden, zumindest wird der Personaler das vermuten. Damit das weniger wie ein Bluff wirkt, sollten Sie weder übertreiben (Ich habe fünf andere Angebote...), noch arrogant oder erpresserisch wirken, Motto: Wenn ihr euch nicht sofort meldet, bin ich weg! Anderer Tenor: Sie möchten immer noch am liebsten dort arbeiten, kommen aber zunehmend in Entscheidungsnot. Sie möchten weder Druck machen, noch penetrant erscheinen, aber ein kurzes Feedback würde schon bei weiteren Bewerbungen helfen...

Keine Antwort? Der wichtigste Tipp zum Schluss

Egal, ob und wann Sie ein Feedback erhalten: Hören Sie sich weiter um! Alles auf eine Karte zu setzen, wäre töricht. Selbst nach einem (aus Ihrer Sicht) guten Vorstellungsgespräch, sollten Sie sich weiterhin bewerben und Einladungen zu Jobinterviews wahrnehmen.

  • Erstens, weil Sie so die Initiative behalten.
  • Zweitens, weil Sie Ihre Chancen auf einen Job erhöhen.


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