Brainstorming-Regeln-Gruppe-Team
Einfach hinsetzen, nachdenken und die Geistesblitze zählen: So einfach funktioniert Brainstorming leider nicht. Gute Ideen zu finden, ist oftmals harte Kopfarbeit, mehr Frust als Lust. Insbesondere in Meetings ist es oft so, dass sich die Teilnehmer keineswegs gegenseitig befruchten, sondern vielmehr behindern, blockieren und lähmen. Forscher um den Sozialpsychologen Wolfgang Stroebe von der Universität Utrecht kamen gar zu dem Ergebnis, dass Gruppen insgesamt weniger und auch weniger gute Ideen als Einzeldenker produzieren. Ein Grund dafür: Damit Brainstorming funktionieren kann, braucht der Freigeist trotzdem ein paar feste Regeln...

Brainstorming Methode: Die 4 Grundregeln

Brainstorming-Meeting-MethodeIrgendwann so um das Jahr 1930 hatte Alex Osborn die Schnauze voll. In der von ihm mitgegründeten Werbeagentur BDO (später BBDO) gab es zig Meetings, die alles andere als inspirierend waren: Sie dauerten ewig, ermüdeten und hemmten jede Form der Kreativität. Kurz: Sie waren der Gau für ein Unternehmen, das sein Geld damit verdient, kreativ zu sein.

Osborn war sich der Bedrohung bewusst und erinnerte sich an die mehr als 400 Jahre alte indische Kreativitätstechnik des Prai-Barshana. Aus deren Mantra – using the brain to storm a problem – leitete er das heutige Brainstorming ab.

Heute ist Brainstorming der Klassiker unter den Kreativitätsmethoden. Dabei geben die Teilnehmer eines Meetings (bewährt haben sich maximal zehn) in der Regel eine Zeit lang spontan ihre Ideen zur Lösung eines konkreten Problems ab. Der so entstehende Gedankensturm kann enorm produktiv sein – vorausgesetzt, alle halten sich an folgende vier Grundregeln:

  1. Brainstorming-Regel: Keine Kritik.

    Jede Idee - egal, wie verrückt - ist willkommen. Während des Prozesses findet keinerlei Bewertung statt. Diskutieren, Totschlagargumente und Kritik sind streng verboten.

  2. Brainstorming-Regel: Masse statt Klasse.

    Was zählt, ist zunächst allein die Anzahl der Ideen. Je mehr, desto besser. Sie sollten nur notiert und gesammelt werden.

  3. Brainstorming-Regel: Kein Copyright.

    Das Weiterspinnen von fremden Ideen ist erwünscht. Einen Urheberschutz oder so etwas wie meine Idee gibt es nicht.

  4. Brainstorming-Regel: Unbedingt Querdenken.

    Freies Assoziieren, aber auch Abschweifen und Phantasieren ist während des Gedankensturms nicht nur erlaubt, sondern unbedingt erwünscht, weil das das Lösungsfeld nur vergrößert.

Brainstorming hat sich schon vielfach bewährt und kann auch individuell angewendet werden. Allerdings wird die Methode häufig falsch eingesetzt, dann bleibt sie eher ein Sturm im Wasserglas.

Oft passiert dann das: Während einer seine Idee in den Raum wirft, müssen die anderen ihre eigene im Kopf behalten - und können sich weder auf das eine noch das andere richtig konzentrieren. Auch spielt die soziale Komponente eine große Rolle: Warum hat die Kollegin immer so gute Einfälle? Behalte ich die vermeintliche Schnapsidee vielleicht doch lieber für mich? Muss der Kollege immer so schreien, wenn er etwas vorträgt? Solche Gedanken lenken, würgen ab und lassen die Ideenfindung im Keim ersticken.

Entscheidend ist daher:

  • Die Voraussetzungen müssen stimmen.

    Die Kraft des kollektiven Gedankenaustauschs liegt darin, dass alle ungehemmt lossprudeln können. Wenn sie glauben, dass sie für ihre Vorschläge später gerügt werden, halten sie die Klappe. Ebenso muss ein Klima vermieden werden, das Vorschläge bewertet. Auch nach dem Brainstorming und auch im positiven Sinne. Auszeichnungen für die beste Idee sind daher ebenfalls kontraproduktiv.

  • Der Prozess muss geführt werden.

    Das klingt paradox, da es beim Brainstorming ja gerade darum geht, völlig frei zu denken. Ein Kurzschluss: Freiheit ohne Grenzen existiert nicht. Die Aufgabe des Gruppenleiters besteht darin, Freiheit zu erhalten, indem er andere beschränkt – etwa indem er Vielredner unterbricht.

  • Erst stürmen, dann umsetzen.

    Der Unterschied zwischen einem Ideenfeuerwerk und Innovation liegt in der Produktivität. Brainstorming fördert Kreativität, am Ende aber müssen daraus wenigstens Prototypen entstehen. Sonst verkommen solche Treffen zu Kaffeekränzchen und wirken demotivierend: Wenn Menschen merken, dass von ihren Vorschlägen nichts realisiert wird, stellen sie das Denken irgendwann wieder ein.

  • Nicht nur sammeln, sondern erweitern.

    Brainstorming nur einzusetzen, um Ideen aufzuwirbeln, ist eindimensional. Wenn verschiedene Abteilungen oder Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen daran teilnehmen, können sie ebenso voneinander lernen und Ressentiments abbauen.

Brainswarming: Alternative zum Brainstorming?

Postit-Brainswarming-Kreativmethode-ZettelDiese alternative Kreativtechnik geht auf den Amerikaner Tony McCaffrey zurück. Er entwickelte das Brainswarming als er feststellte, dass beim klassischen Brainstorming oft die extrovertierten Teammitglieder die Gruppe und damit auch die Ideenfindung dominieren. Dadurch aber gehen die Ideen der eher schüchternen Meeting-Teilnehmer meist unter oder gar verloren. Resultat: Ein suboptimales Ergebnis.

McCaffrey suchte also nach einem Weg, die übliche Selbstdarstellung oder das klassische Not-invented-here-Syndrom aus der Gleichung zu nehmen - und wurde fündig bei den Methoden des sogenannten Business Modelling und Post-it-Notes.

Beim Brainswarming schreiben die Teilnehmer zunächst ihre Ideen auf Klebezettel - jeder für sich. Anschließend werden diese auf eine gemeinsame Pinnwand geheftet und die Ideen miteinander verknüpft. So geht keine Idee verloren und auch die stilleren Teilnehmer können sich ungehindert einbringen.

Brainstorming: So nutzen Sie die Methode individuell

Brainstorming-Tipps-Tools-OnlineNatürlich lässt sich die Brainstorming Methode auch anwenden, wenn Sie alleine sind. Mit einigen Tricks und Kniffen können Sie so die Gehirnzellen ankurbeln und der eigenen Kreativität auf die Sprünge helfen. Das Wochenende eignet sich übrigens ideal dazu. Wir haben daher hier noch einige Anregungen zusammengestellt. Der Königsweg ist übrigens, möglichst viele davon miteinander zu kombinieren...

  • Hart arbeiten: Brainstorming ist keine Spaßveranstaltung für zwischendurch, sondern erfordert Konzentration und Disziplin. Nur wer seine Gehirnwendungen ernsthaft bemüht, wird am Ende belohnt.
  • Alleine sein: Das Dauerbombardement durch E-Mails, Handy, Facebook und Twitter macht es unmöglich, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Beseitigen Sie daher, zumindest vorübergehend, die diversen Störfaktoren. Die goldene Regel für Brainstormer: Kapseln Sie sich für eine Weile vollständig ab, denken Sie ganz alleine und in der Stille intensiv nach.
  • Spazieren gehen: Wer tagein, tagaus auf die gleiche graue Wand schaut, wird nicht sonderlich inspiriert. Neue Orte produzieren neue Eindrücke produzieren neue Ideen. Ein Spaziergang durch Wald und Flur stellt neue Assoziationen her, weckt Ideenreichtum und Erfindergeist. Noch vor wenigen Monaten bestätigten Forscher der Uni Stanford die kreative Kraft eines Spaziergangs.
  • Limits setzen: Kauen Sie auf einer mittelmäßigen Idee nicht zu lange herum. Wenn Sie merken, dass der Weg ins Nichts führt, biegen Sie lieber auf einen anderen ab.
  • Ideen aufschreiben: Nehmen Sie sich ein Blatt Papier mit und schreiben Sie alles auf, was Ihnen zum vorgegebenen Thema einfällt. Aus den ungeordneten Gedankenschnipseln können hinterher brauchbare Ansätze herausgefiltert werden.
  • Pausen einlegen: Dass Pausen die Produktivität erhöhen, dürfte bekannt sein. Effektiver als ein mühevoller Brainstorming-Marathon sind daher mehrere Sprints.
  • Erwartungen dämpfen: Ein Brainstorming führt noch nicht zu einem fertigen Produkt. Erst kommt die Grundidee, danach die Fein- und Fleißarbeit.
  • Ausschuss produzieren: Dass die meisten Ideen im Abfalleimer landen, sollte kein Grund für Frustrationen sein. Je mehr Ideen, desto größer die Wahrscheinlichkeit eines Treffers.

Schlechte Idee: Wie Sie auf zweifelhafte Anregungen reagieren

Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Leider sind manche Geistesblitze ihrer Zeit entweder weit voraus (bestenfalls) oder total daneben. Vor allem in Debatten, Podiumsdiskussionen und Brainstormings kommt es immer wieder vor, dass Sie mit einem Einwand oder Vorschlag konfrontiert werden, der, nun ja, unkonventioneller nicht sein könnte. Dann coram publico seinem Gegenüber zu sagen, was man wirklich davon hält, wäre aber taktisch unklug. Was also tun, wenn Sie mal in einem Meeting (aber keinem Brainstorming!) oder Workshop sitzen und ein Kollege einen Vorschlag macht, der so genial ist wie Kaminholzverleih im Internet?

Klar, Sie könnten sagen: "Was für eine bescheuerte Idee! So ein Bullshit!" oder "Hahahahaha" und dann weitermachen. Macht man aber nicht. Außerdem könnte unter der Oberfläche vielleicht doch noch ein guter Einfall lauern, den Sie gerade gnadenlos abbügeln. Zum Glück gibt es Alternativen...

  1. Fragen Sie nach Details.

    Ein Vorschlag ist schnell ventiliert. Wie gut durchdacht dieser ist, offenbart sich aber erst im Konkreten und in dessen Konsequenzen. Fragen Sie also zum Beispiel nach, wie diese Idee ganz pragmatisch umgesetzt werden soll, wie sie wirkt und warum. Auch das wirkt wie ein Ventil - und lässt bei vielen Ideen die heiße Luft raus.

  2. Bitten Sie um einen Beweis.

    Vor allem wenn Ihr Gegenüber eine steile und suggestive These formuliert, die zunächst sehr einleuchtend klingt, sollten Sie um einen Beleg bitten: "Hat das denn schon irgendwo bereits funktioniert? Wo? Warum?" Bekommen Sie hierauf eine gute Antwort, haben Sie auf jeden Fall was gelernt - oder aber Ihre Ruhe.

  3. Klären Sie die Variablen.

    Was zunächst nach einer cleveren Idee aussieht, funktioniert oft nur unter bestimmten Voraussetzungen (wie diese Tipps letztlich auch, weshalb sie nicht alle jederzeit gelten). Stimmen Sie dem Vorschlag zu, um weniger konfrontativ zu wirken, aber fragen Sie auch nach den entscheidenden Variablen: "Ein guter Einwand! Damit das funktioniert, muss aber X gegeben und Y tatsächlich vorhanden sein. Ist das so? Und was wäre, wenn nicht?"

  4. Kombinieren Sie ein Ziel.

    Bedanken Sie sich zunächst für den Vorschlag und dann verbinden Sie diesen anschließend mit einem Ziel: "Danke für die Anregung. Wir sind ja heute hier zusammen, um unseren Umsatz um zehn Prozent zu steigern. Wie, glauben Sie, wird uns das diesem Ziel näher bringen?" Vor allem Teilnehmer, die sich ständig in Nebenschauplätzen verrennen, bringen Sie damit schnell wieder auf die Spur zurück.

  5. Bitten Sie um eine Bewertung.

    Besonders elegant ist es, wenn Sie zunächst das Publikum fragen, die Anregung zu bewerten: "Wie finden die anderen das?" Damit gewinnen Sie nicht nur Bedenkzeit, sondern sammeln erst einmal Argumente, bevor Sie sich selbst dazu äußern und Stellung beziehen.

Und nicht zuletzt können Sie natürlich auch immer auf Ihre Gefühle rekurieren. Sie sagen also nicht, dass Sie die Idee für groben Unfug halten, sondern stattdessen:

Das klingt ja alles ganz gut. Aber ich habe bei diesem Vorschlag nach wie vor Bauchschmerzen. Mein Gefühl sagt mir, das ist noch nicht ausgereift. Lassen Sie uns das noch ein bisschen diskutieren.

Blafft Ihr Gegenüber sofort zurück, disqualifiziert er sich selbst. Andernfalls geben Sie sich beiden die Chancen, zu erkennen, was wirklich in dem Einfall steckt - und etwa mit einem Brainstorming weitermachen.

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