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Wir leben in einer Gesellschaft, in der sich der perfekte Lebenslauf liest, wie eine lineare Formel: geradeaus nach oben. Für Brüche im Lebenslauf bleibt da kein Platz. Zu viel Zickzack, zu wenig Zielstrebigkeit... Bullshit! Karrieren verlaufen nur in der Theorie so, die Praxis sieht andes aus: Das Studium erweist sich als Fehlentscheidung; der Berufseinstieg dauert länger als geplant; die Probezeit endet vorzeitig; der Jobwechsel gelingt nicht; eine Krankheit zwingt zum Berufswechsel. Sicher, so ein Bruch im Lebenslauf sieht erst mal nicht schön aus und zwingt im Vorstellungsgespräch zu Erklärungen. Viele Bewerber würden den Knacks in der Stromlinie deshalb am liebsten verschweigen. Sie fürchten, derlei Brüche im Lebenslauf führen zum Ausschluss. Müssen sie aber nicht. Entscheidend ist, wie Sie damit umgehen und diese verkaufen...

Bruch im Lebenslauf: Viele Bewerber empfinden ihn als Stigma

Die meisten Bewerber empfinden einen Bruch im Lebenslauf als Brandmal:

  • Wie begründe ich den Studienabbruch?
  • Wie soll ich erklären, dass mein Berufseinstieg so lange gebraucht hat?
  • Wie verkaufe ich meine Kündigung?
  • Wie begründe ich die Arbeitslosigkeit?
  • Wie meinen Wunsch, jetzt etwas ganz anderes zu machen?

Ecken und Kanten in der beruflichen Laufbahn entsprechen nicht der Norm. Sie stehen oft synonym für fehlende Willenskraft, mangelnde Disziplin, wenig Zuverlässigkeit. Alles Kardinaltugenden.

Doch dieses Denken ist falsch. Tatsächlich zeigen solche Lebensläufe nur eines: nicht das eigene Profil zählt, sondern die möglichst erfolgreiche Umsetzung standardisierter Erwartungen. Wer aber nur nach Standard-Bewerbern sucht, bei dem fallen Lebenslauf-Individualisten und Karriere-Exoten zwar durchs Raster - solche Unternehmen berauben sich aber auch zahlreichen kreativen Impulsen und hohem Querdenker- und Innovationspotenzial.

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Das Ergebnis sind Klon-Belegschaften, die von Glaubenssätzen blockiert sind, wie "Das geht nicht, das haben wir noch nie so gemacht, das funktioniert sowieso nicht!" Wer mit diesem Denken unterwegs ist, wird nie einen Schritt vom angeblich bewährten Pfad abweichen. Fatal! Eine bessere Vorlage für Stagnation gibt es nicht.

Und mal ehrlich: Wer bringt schon einen Lebenslauf mit, der im Windkanal perfektioniert wurde?

Mehr Mut zur Lücke: Bruch oder Brücke?

In den meisten Lebensläufen finden sich heute Brüche, Lücken und Ungereimtheiten. Auch die Unterscheidung zwischen unstetem Jobhopping und einem echten Bruch im Lebenslauf ist heute gar nicht so einfach: Neue Berufsbilder und Themengebiete erleichtern den Wechsel zwischen verschiedenen Bereichen und Unternehmen für hochqualifizierte Arbeitnehmer. Viele Aufgaben lassen sich nicht in die traditionellen Berufs- und Arbeitsfelder einordnen - und damit auch nur schwer im Lebenslauf abbilden.

Selbst ein offensichtlicher Bruch - beispielsweise ein längerer Auslandsaufenthalt ohne verbundene Berufserfahrung - stellt in den seltensten Fällen ein echtes Problem dar. Richtig präsentiert, kann die so erworbene Auslandserfahrung sogar zu einem Bewerbungsvorteil werden: International aufgestellte Unternehmen legen nicht selten mehr Wert auf derlei Erfahrungen und Kompetenzen als auf formale Qualifikationen.

Schon umgangssprachlich wird Karriere gemacht und nicht von langer Hand geplant. Neben Talent, Leistung und Entschlossenheit, handwerklichem Geschick und dem Nutzen einiger Regeln gehört oft auch eine gute Portion Glück zu einer steilen Laufbahn.

Und Glück lässt sich ebenso wenig planen wie ein Sechser mit Zusatzzahl.

Ein Karriereplan ist ein viel zu starres Konstrukt, das viele zudem in einer Zeit erstellen, in der Ihnen die Praxis und die Gepflogenheiten ihres Jobs noch gar nicht im Detail bekannt sind.

Überdies machen linear geplante Karrieren blind. Es spricht natürlich nichts dagegen, sich grundsätzlich zu überlegen, wo man in den nächsten drei bis fünf Jahren beruflich stehen will, wie man dorthin kommt und vor allem, was man dort für sich und das Unternehmen erreichen möchte. Das ist eine gute Sache, eine sehr gute sogar. Denn sie verschafft einem Klarheit.

Das Problem daran ist nur: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Wer krampfhaft auf die Erfüllung seines Plans stiert, übersieht höchstwahrscheinlich eine einmalige Chance, die sich ihm abseits des Weges auftut. Und gerade diese Gelegenheiten sind es, die Traumkarrieren hervorgebracht haben – auch wenn mancher Top-Manager im Nachhinein dazu neigt, seinen Aufstieg als von langer Hand geplant darzustellen.

Tatsächlich sind Karrierepfade weit verzweigt, sie haben Ecken, Macken, verlaufen auf Irr- und Umwegen. Sich frühzeitig festzulegen, hieße mit Scheuklappen durchs Leben zu rennen. Umgekehrt riskieren Sie mit einem zu detaillierten Plan, der dieses Manko beheben soll, sich unterwegs im selbstgeschaffenen Labyrinth gewaltig zu verirren. Dann sind Sie zwar unterwegs, biegen ständig ab – kommen aber nirgendwo mehr an.

Die einzig sinnvolle Empfehlung kann daher nur lauten:

  • Bleiben Sie offen und flexibel.
  • Formulieren Sie für sich ruhig ein paar wichtige Ziele, die Sie erreichen möchten – Positionen und Orte an denen Sie arbeiten möchten, Unternehmen für die Sie arbeiten wollen.
  • Überlegen Sie sich gerne auch, welche Voraussetzungen Sie dafür erfüllen müssen, welche Fähigkeiten Sie ausbauen oder noch trainieren müssen, um dorthin zu gelangen.
  • Aber seien Sie genauso wachsam und bereit, auf Veränderungen jederzeit zu reagieren, Ihre Strategie sowie den Ort Ihres Schaffens zu wechseln oder den Plan komplett zu beerdigen.

Improvisation ist schließlich das halbe Leben.

Letztlich bestimmen also Sie selbst, welches Gewicht diese für Sie haben. Sehen Sie nur noch die Zäsur, wird Sie zur unüberwindbaren Hürde. Wer sich stattdessen auf das Gesamtbild konzentriert, stellt fest, dass es nur eine Station im Lebenslauf ist.

Prominente Brüche: Geschichten vom Scheitern

Niederlagen und Misserfolge sind Teil des Weges, der zum persönlichen Erfolg führt. Es fällt Ihnen schwer, das zu glauben? Wir haben einige Beispiele für Sie:

  • Henry Ford gründete erst im dritten Anlauf die Ford Motor Company.
  • Abraham Lincoln verlor sieben Wahlkämpfe, bevor er es zum Präsidenten schaffte.
  • Astrid Lindgren fand für Pippi Langstrumpf zu Beginn keine Verleger.
  • Orson Welles fand für Citizen Kane zu Beginn keine Geldgeber.
  • Steve Jobs brach sein Studium ab, gründete Apple und wurde mit 30 bei der Firma, die er gegründet hatte, entlassen.
  • Thomas Alva Edison probierte um die 9000 Glühfäden aus, bevor er einen fand, der dauerhaft leuchtete.

Lebenslauf-gestalten-Karrieresprung-de

Tipps, wie Sie mit Brüchen im Lebenslauf umgehen

Lebensläufe, die nicht der Norm entsprechen, sogenannte Patchwork-Lebensläufe, sind für die meisten Personaler keine Seltenheit mehr. Daher bedeutet eine Lücke im Lebenslauf nicht, dass Sie automatisch aussortiert werden.

Entscheidend ist, wie Sie damit umgehen:

  • Einstellung ändern. Zunächst, und dieser Schritt sollte vor der Bewerbung stattfinden, müssen Sie Ihre Haltung ändern. Sehen Sie den Bruch im Lebenslauf nicht als etwas Negatives oder als etwas, das Ihnen den Karriereweg verbaut. Filtern Sie das Positive heraus, das was Sie aus dieser schwierigen Zeit gelernt haben. Sie haben Ihr Studium nicht in Regelstudienzeit absolviert? Das ist doch ein Zeichen dafür, dass Sie trotz Schwierigkeiten und nicht bestandener Klausuren, nicht aufgeben haben, sondern Durchhaltevermögen bewiesen haben. Für Personaler ist es interessant zu sehen, wie Sie mit Niederlagen umgehen.
  • Ehrlich sein. Versuchen Sie nicht die Lücke zu verschleiern. Personaler sind darauf trainiert, so etwas zu erkennen und sie werden Ihnen auf die Schliche kommen. Wer beispielsweise nur die Jahreszahlen statt der Monate angibt, macht sich verdächtig, etwas zu vertuschen. Auf keinen Fall sollten Sie versuchen, sich für diese Zeit etwas auszudenken, beispielsweise Sprachkurse oder Fortbildungsmaßnahmen. Wer versucht zu verschleiern oder zu täuschen, wird als Kandidat nicht näher in Betracht gezogen. Schlimmer noch, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass Sie gelogen haben, was Ihre Qualifikationen angeht, ist das ein Kündigungsgrund. Deswegen sollten Sie bei der Wahrheit bleiben.
  • Nicht um den heißen Brei herumreden. Wer im Vorstellungsgespräch auf den Bruch angesprochen wird, sollte nicht ins Stottern geraten oder versuchen, von dem Thema abzulenken. Auch das weckt in einem Personaler nur den Verdacht, Sie hätten etwas zu verbergen. Überlegen Sie sich lieber im Voraus eine schlüssige Erklärung. Im Anschreiben sollten Sie aktiv auf offensichtliche Brüche im Lebenslauf eingehen. Erklären Sie dort auch, wie Sie sich durch die Brüche und Ereignisse weiterentwickelt haben.
  • Keine langen Erklärungen. Zu sehr sollten Sie allerdings nicht ins Detail gehen. Es ist nicht notwendig und kann sogar schädlich sein, wenn haarklein erläutert wird, was Sie in dieser schwierigen Zeit durchgemacht haben. Es reicht zu benennen, wie die Lücke zustande gekommen ist und sich anschließend auf die positiven Aspekte, beispielsweise Willenskraft oder Disziplin, zu konzentrieren.
  • Erfahrung in den Vordergrund stellen. Wichtig ist es, dass Sie zeigen, was Sie aus dieser Zeit für sich mitgenommen und was Sie gelernt haben. Diese Aspekte sollten Sie in den Vordergrund stellen, denn Sie erweitern Ihre Fähigkeiten und Kompetenzen. Es beweist, dass Sie Herausforderungen erfolgreich gemeistert haben.
  • Verbindung schaffen. Nicht immer ist das möglich, aber soweit es geht, sollten Sie begründen können, inwieweit das, was Sie aus dieser schwierigen Zeit gelernt haben, wichtig für das Unternehmen ist. Warum helfen Ihnen die Erfahrungen, die Sie gemacht haben, den ausgeschriebenen Job besser zu meistern?
[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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