Es gibt typische Fragen im Bewerbungsgespräch, die nach der Motivation sich auf eben diesen Job zu bewerben etwa. Manchmal gibt es auch Fragen, die etwas mehr Raffinesse haben, vielleicht sogar Fangfragen sind. Auch der Kandidat sollte stets ein paar Rückfragen stellen – sie dokumentieren sein wahres Interesse an dem Job, aber auch wie intensiv er sich auf das Bewerbungsgespräch und das Unternehmen vorbereitet hat. Leider gibt es auch noch eine Fragen-Kategorie, die manche Bewerber ins Trudeln bringt, jedoch zu Unrecht – die der unzulässigen Fragen. Diese müssen aus juristischer Sicht nicht beantwortet werden, zumindest aber nicht wahrheitsgemäß.

Zu den bekanntesten unzulässigen Fragen gehört die nach einer akuten Schwangerschaft. Bewerberinnen dürfen diese Frage immer mit einer Lüge beantworten. Erst recht muss die Bewerberin nicht von sich aus offenbaren, dass sie schwanger ist.

Aber wo eine Regel ist, da gibt es auch Ausnahmen. Anders sieht es aus, wenn es sich um einen Job handelt, bei dem Schwangere nur bedingt oder gar nicht eingesetzt werden können, weil ihre Gesundheit oder die des Kindes sonst gefährdet wäre oder in welchem der notwendige körperliche Einsatz der Frau, beispielsweise als Model oder Tänzerin, mit einer Schwangerschaft unvereinbar ist. In diesen Fällen darf der zukünftige Chef sehr wohl nach einer Schwangerschaft fragen – und die Frage muss auch wahrheitsgemäß beantwortet werden. Andernfalls hat der Arbeitgeber das Recht zur Anfechtung des Vertrages.

Schwangere Schwangerschaftsvertretung

Einen anderen Sonderfall hatten wir erst kürzlich in unserer Arbeitsrecht-Kolumne: Eine Bewerberin sollte als Schwangerschaftsvertretung eingestellt werden. Doch diese war selbst schwanger und verheimlichte das. Der Arbeitgeber kam also vom Regen in die Traufe und der Fall landete vor Gericht.

Gut für die Bewerberin: Nach Auffassung des LAG Köln (Az.: 6 Sa 641/12) muss eine Frau dem Arbeitgeber vor Abschluss des Arbeitsvertrages nicht offenbaren, dass sie schwanger ist, selbst wenn sie befristet zur Vertretung einer schwangeren Mitarbeiterin eingestellt wird. Dies gelte sogar in dem Fall, in dem ein befristeter Arbeitsvertrag begründet werden soll und die Bewerberin während eines wesentlichen Teils der Vertragszeit nicht arbeiten kann. Pech für den Arbeitgeber. Dessen Anfechtung des Arbeitsvertrags war damit unwirksam.

Weitere unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer unerlaubter Fragen, die Bewerber nicht beantworten müssen oder – worauf es meist hinausläuft – mit einer Lüge antworten dürfen:

[✔] Fragen zur Familienplanung
[✔] Fragen zur Religion und Konfession
[✔] Fragen zur Parteizugehörigkeit
[✔] Fragen zur Gewerkschaftszugehörigkeit
[✔] Fragen zur sexuellen Neigung (homo- oder heterosexuell)
[✔] Generell Fragen zum Privatleben

Ähnliches gilt auch für die folgenden verbotenen Fragen, allerdings mit der Einschränkung, dass sie doch wahr beantwortet werden müssen, wenn dies für den Job relevant ist. Dazu gehören Fragen zu…

  • … den Vermögensverhältnissen, insbesondere Schulden (etwa bei Bankangestellten, Kassierern)
  • Vorstrafen (etwa bei Juristen oder angehenden (Polizei)Beamten)

Natürlich ist es schwierig im Bewerbungsgespräch einfach zu sagen: “Dazu sage ich nichts!” Oder: “Das dürfen Sie gar nicht fragen.” Erstens, weil man sich damit verdächtig macht, etwas verheimlichen zu wollen. Und zweitens, weil das Sympathiepunkte kostet.

Klar gilt auch die umgekehrte Frage: Will ich bei einem solchen Arbeitgeber anheuern, der schon so beginnt?

Das muss dann jeder für sich entscheiden. Und manche Heimlichtuerei fliegt sowieso spätestens in der Probezeit auf – etwa die Religionszugehörigkeit. Die steht auf der Lohnsteuerkarte. Da ist es dann manchmal besser die Wahrheit zu sagen. Oder aber eine überzeugende Begründung.