Ollyy/shutterstock.comEs gibt typische Fragen im Bewerbungsgespräch. Beispielsweise die nach der Motivation, sich auf eben diesen Job zu bewerben. Manchmal gibt es auch Fragen, die etwas mehr Raffinesse haben, vielleicht sogar Fangfragen sind. Auch der Kandidat sollte stets ein paar Rückfragen stellen - sie dokumentieren sein wahres Interesse an dem Job, aber auch wie intensiv er sich auf das Bewerbungsgespräch und das Unternehmen vorbereitet hat. Leider gibt es auch noch eine Fragen-Kategorie, die manche Bewerber ins Trudeln bringt, jedoch zu Unrecht - die der unzulässigen Fragen. Diese müssen aus juristischer Sicht nicht beantwortet werden, zumindest aber nicht wahrheitsgemäß.

Unzulässige Fragen: Ein bekanntes Beispiel

Zu den bekanntesten unzulässigen Fragen gehört die nach einer akuten Schwangerschaft. Bewerberinnen dürfen diese Frage mit einer Lüge beantworten. Erst recht muss die Bewerberin nicht von sich aus offenbaren, dass sie schwanger ist.

Aber wo eine Regel ist, da gibt es auch Ausnahmen.

Anders sieht es aus, wenn es sich um einen Job handelt, bei dem Schwangere nur bedingt oder gar nicht eingesetzt werden können, weil ihre Gesundheit oder die des Kindes sonst gefährdet wäre oder in welchem der notwendige körperliche Einsatz der Frau, beispielsweise als Model oder Tänzerin, mit einer Schwangerschaft unvereinbar ist.

In diesen Fällen darf der zukünftige Chef sehr wohl nach einer Schwangerschaft fragen - und die Frage muss auch wahrheitsgemäß beantwortet werden. Andernfalls hat der Arbeitgeber das Recht zur Anfechtung des Vertrages.

Schwangere Schwangerschaftsvertretung

Ollyy/shutterstock.comEinen anderer Sonderfall aus unserer Arbeitsrecht-Kolumne: Eine Bewerberin sollte als Schwangerschaftsvertretung eingestellt werden. Doch diese war selbst schwanger und verheimlichte das. Der Arbeitgeber kam also vom Regen in die Traufe und der Fall landete vor Gericht.

Gut für die Bewerberin: Nach Auffassung des Landesarbeitsgerichts Köln (Az.: 6 Sa 641/12) muss eine Frau dem Arbeitgeber vor Abschluss des Arbeitsvertrages nicht offenbaren, dass sie schwanger ist, selbst wenn sie befristet zur Vertretung einer schwangeren Mitarbeiterin eingestellt wird. Dies gelte sogar in dem Fall, in dem ein befristeter Arbeitsvertrag begründet werden soll und die Bewerberin während eines wesentlichen Teils der Vertragszeit nicht arbeiten kann. Pech für den Arbeitgeber. Dessen Anfechtung des Arbeitsvertrags war damit unwirksam.

Checkliste: Diese Fragen sind im Bewerbungsgespräch unzulässig

Doch auch über dieses Beispiel hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer unerlaubter Fragen, die Bewerber nicht beantworten müssen oder - worauf es meist hinausläuft - mit einer Lüge antworten dürfen. In dieser Checkliste finden Sie eine Übersicht der Fragen, auf die Sie in einem Vorstellungsgespräch eigentlich nicht treffen sollten.

[✔] Fragen zur Familienplanung
[✔] Fragen zur Religion und Konfession
[✔] Fragen zur Parteizugehörigkeit
[✔] Fragen zur Gewerkschaftszugehörigkeit
[✔] Fragen zur sexuellen Neigung (homo- oder heterosexuell)
[✔] Generell Fragen zum Privatleben

Ähnliches gilt auch für die folgenden verbotenen Fragen, allerdings mit der Einschränkung, dass sie doch wahr beantwortet werden müssen, wenn die Information für den Job relevant ist. Dazu gehören Fragen zu...

  • ... den Vermögensverhältnissen, insbesondere Schulden (etwa bei Bankangestellten, Kassierern)
  • ... Vorstrafen (etwa bei Juristen oder angehenden (Polizei)Beamten)

Manche Heimlichtuerei fliegt allerdings spätestens in der Probezeit auf - etwa die Religionszugehörigkeit. Die steht auf der Lohnsteuerkarte. Da ist es dann manchmal besser die Wahrheit zu sagen. Oder aber eine überzeugende Begründung vorzubringen.

Unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch: Wie Sie darauf reagieren sollten

Nun sind solche Fragen zwar grundsätzlich in einem Vorstellungsgespräch nicht erlaubt, aber es kann natürlich trotzdem vorkommen, dass ein Personaler Ihnen eine Frage nach Ihrem Privatleben stellt. Dann ist es entscheidend, wie Sie darauf reagieren.

  • Bleiben Sie ruhig. Lassen Sie sich von einer unzulässigen Frage nicht aus der Ruhe bringen. Bleiben Sie weiterhin freundlich und professionell. Wenn Sie wollen, können Sie die Frage auch beantworten - ob wahrheitsgemäß oder mit einer Lüge bleibt Ihnen überlassen.
  • Sprechen Sie den Fehler an. Eine weitere Möglichkeit ist es, die unzulässige Frage direkt anzusprechen. Fragen Sie zum Beispiel nach, was Ihre Familienplanung mit der Ausübung Ihrer Tätigkeit zu tun hat. Das kostet sicherlich etwas Überwindung, doch die Grenzüberschreitung erfolgte vom Personaler, nicht von Ihnen.
  • Bleiben Sie sachlich. Auch wenn Sie sich im ersten Moment angegriffen fühlen, sollten Sie sich fragen: Ist die Frage vielleicht relevant für die Stelle? Möglicherweise ist die Frage gar nicht in böser Absicht gestellt worden. Stellen Sie nicht jeden Personaler unter Generalverdacht.
  • Ziehen Sie die Konsequenzen. Schleppt sich ein Personaler Ihnen gegenüber von einer unzulässigen Frage zur nächsten, sollten Sie die Zeichen der Zeit erkennen. Dieser Arbeitgeber ist sicherlich nicht der richtige für Sie. Bedanken Sie sich das Gespräch und beenden Sie die Unterhaltung. Fühlen Sie sich diskriminiert, können Sie im Anschluss auch eine Klage in Betracht ziehen.

Bewerber dürfen und sollten Grenzen setzen

Ollyy/shutterstock.comKurzum: Ihre Stärken und Kompetenzen müssen Sie als Bewerber hervorheben. Auch Ihre Berufserfahrung, Ihre Erfolge und - wenn danach gefragt wird - Ihre Schwächen sollten Sie präzise und überzeugend darstellen können. Doch Ihr Privatleben müssen Sie nicht preisgeben. Ihre ehrenamtlichen Aktivitäten und sportlichen Interessen sind für den Personaler möglicherweise noch interessant. Doch Ihre Familienplanung, Ihr Freundeskreis, oder andere private Themen haben im Vorstellungsgespräch nichts verloren.

Natürlich ist es schwierig, im Bewerbungsgespräch einfach zu sagen: "Dazu sage ich nichts!" Oder: "Das dürfen Sie gar nicht fragen." Erstens, weil man sich damit verdächtig macht, etwas verheimlichen zu wollen. Und zweitens, weil das Sympathiepunkte kostet.

Aber es gilt eben auch die umgekehrte Frage: Will ich bei einem solchen Arbeitgeber anheuern, der schon so beginnt?

Vergessen Sie bitte nie: Auch wenn das Unternehmen wahrscheinlich die Wahl zwischen mehreren Bewerbern hat, sind Sie dennoch kein Bittsteller. Denn Sie haben etwas zu bieten: Ihre Arbeitskraft, Kompetenz, Erfahrung und Zeit. Das macht Sie zu einem Verhandlungspartner auf Augenhöhe und als solcher dürfen Sie selbstbewusst auftreten. Dazu gehört auch, Grenzen zu setzen.

Wo die liegen, muss dann jeder für sich entscheiden.


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