Hirndoping für Klausuren: Was wirklich hilft
Die Klausurphase ist für viele Studenten die Zeit des Schreckens. Man kommt aus dem Lernen nicht mehr raus, die Sonne kennt man nur noch vom Hörensagen und beim Thema Freizeit kann man nur ungläubig den Kopf schütteln. Seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge hat sich die Prüfungsdichte an Universitäten verschärft. Zählten im alten Studienmodell vorwiegend die Zwischenprüfungen, fließt nun jede Leistung in die Abschlussnote mit ein. Der Druck ist enorm gestiegen. Fünf Klausuren pro Woche zu schreiben ist kein Ausnahmefall mehr. Bei dem Gedanken daran, schlagen viele Studenten verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen und fragen sich: Wie soll ich das schaffen? Wir geben Tipps, wie Sie den Ablauf einer Klausur planen und wie Sie währenddessen konzentriert bleiben...

Panik kurz vor der Klausurphase

Je näher die Prüfungsphase rückt, desto größer wird der Stress bei den Prüflingen an. Spätestens an den letzten Tagen vor den Klausuren macht sich dann Panik breit. Das Gefühl, nicht genügend gelernt zu haben, erdrückt einen. Man beginnt sich selbst Vorwürfe zu machen: Hätte ich doch früher angefangen zu lernen oder Hätte ich während des Semesters kontinuierlich jede Sitzung nachgearbeitet.

Rechtzeitig mit der Klausurvorbereitung zu beginnen, ist durchaus sinnvoll, doch in einer Was-wäre-wenn-Schleife stecken zu bleiben, nützt Ihnen momentan gar nichts. Mit solchen Gedanken verschwenden Sie nur wertvolle Zeit und Energie. Zusätzlich blockieren Sie sich damit und halten sich selbst vom effektiven Lernen ab. Halten Sie sich vor Augen, dass Sie auch mit genügend Vorlaufzeit nicht alles hätten lernen können.

Drei Tipps für eine kurzfristige Vorbereitung

Creativa/shutterstock.comIhnen bleiben nur noch wenige Tage, um so viel Stoff wie möglich zu lernen? In eine Schockstarre zu verfallen, sich von der eigenen Angst lähmen lassen und panisch jedes Buch aufzuschlagen, hilft Ihnen in dieser Situation nicht weiter. Was Sie brauchen, ist ein Plan, mit dem Sie die Sache angehen können. Sich kopflos in den Lernstoff zu stürzen, erscheint zwar produktiv, führt aber nicht zwangsläufig zum Erfolg. Diese drei Tipps können Ihnen helfen:

  1. Gehen Sie positiv an die Sache ran. Wenn Sie sich von vornherein darüber ärgern, dass Sie für die Klausur und das entsprechende Fach lernen müssen, prägt sich das Wissen viel schlechter ein. Sie entwickeln eine innere Widerstandshaltung. Halten Sie sich lieber vor Augen, was Ihnen die Klausur bringen wird.
  2. Grenzen Sie den Lernstoff ein. Sichten Sie die besprochenen Unterlagen und Inhalte. Erinnern Sie sich daran, inwieweit Ihr Professor oder Lehrer den Lernstoff eingegrenzt hat. Vergleichen Sie diese Angaben mit alten Klausuren und fragen Sie bei Kommilitonen oder Mitschülern, was diese lernen. Das, was übrig geblieben ist, portionieren Sie und lernen die Inhalte Stück für Stück.
  3. Üben Sie die Wiedergabe des Wissens. Viele Studenten scheitern daran, dass Sie sich zwar eine Menge Wissen angeeignet haben, dieses aber nicht richtig wiedergeben können. Doch das kann man trainieren. Sprechen Sie mit anderen über das Gelernte. Hängen Sie sich in der Wohnung Fragen auf, wie zum Beispiel "Was ist das Fishbein-Modell?". Beantworten Sie diese gedanklich im Vorbeigehen.

Checkliste für den Klausurtag

Auch am Tag der Klausur gibt es einiges, das Sie tun können, um entspannter in die Prüfung zu starten.

  • Überlegen Sie sich rechtzeitig, was Sie brauchen. Überprüfen Sie, ob Ihre Stifte funktionieren. Wenn Sie bestimmte Hilfsmittel, wie Gesetzbücher oder Taschenrechner brauchen, schauen Sie nach, ob Sie diese in der Tasche verstaut haben. Packen Sie sich Getränke und einen Klausursnack ein.
  • Informieren Sie sich, wo die Klausur stattfindet. Schauen Sie am Abend vorher nach, in welchem Raum Ihre Klausur stattfindet. Überlegen Sie sich, wie Sie am besten dort hinkommen und suchen Sie sich rechtzeitig Bahn- und Busverbindungen raus. Dann wissen Sie, wie viel Zeit Ihnen nach dem Aufstehen bleibt.
  • Pflegen Sie Rituale. Beginnen Sie Ihren Morgen immer auf die gleiche Art und Weise? Dann halten Sie daran fest. Rituale geben Sicherheit und beruhigen in Stresssituationen.
  • Seien Sie rechtzeitig vor Ort. Planen Sie bei der Anreise genügend Pufferzeit mit ein. Nichts ist stressiger, als kurz vor knapp in den Klausurraum zu spurten. Wenn Sie jedoch ein paar Minuten eher da sind, bleibt Ihnen noch genügend Zeit runter zu kommen und sich zu entspannen.
  • Meiden Sie Panikmacher. Es gibt Menschen, die es schaffen mit ihrem Verhalten andere Menschen aus dem Konzept zu bringen. Das sind diejenigen, die ihre Lernunterlagen mit zur Klausur bringen und in die Runde fragen: Hast du auch das gelernt und jenen Randbereich wiederholt? Automatisch beginnen Sie daran zu zweifeln, was Sie gelernt haben. Halten Sie sich von solchen Menschen fern und konzentrieren Sie sich auf sich selbst.
  • Machen Sie eine Entspannungsübung bevor es losgeht. Atmen Sie tief durch. Richtiges Atmen kann Anspannung lösen. Schließen Sie kurz die Augen und denken Sie an etwas Positives. Vielen Menschen hilft es auch eine Grimasse zu schneiden. Das entspannt die Gesichtsmuskulatur und hebt die Laune.

Alle Tipps finden Sie hier als Checkliste zum Download zusammengefasst.

Hirndoping für Klausuren

Wenn man sich während einer Klausur im Raum umsieht, stellt man fest, dass die meisten sich mit aufputschenden Mitteln versorgt haben. In der Regel sind das Traubenzucker oder Energy Drinks. Dahinter steckt die Hoffnung, der eigenen Leistungsfähigkeit noch einen kleinen Boost zu verleihen.

Doch sollten Sie auf künstliche Energie-Liferanten verzichten. Diese sorgen lediglich für einen kurzfristigen Energieschub, der in der Regel nach 20 Minuten verflogen ist, und meistens folgt darauf auch sogleich ein Konzentrationstief. Schokolade hat leider denselben Effekt.

Was wirklich hilft:

  • Trinken Sie viel

    Am besten eignen sich Wasser oder leicht gesüßter Tee. Flüssigkeitsmangel führt erwiesenermaßen zu Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsproblemen. Gut einen Liter sollte man bei sich haben.

  • Essen Sie zum Frühstück Vollkornprodukte oder Haferflocken

    Komplexe und langkettige Kohlenhydrate liefern Ihrem Gehirn viel Energie. Diese braucht es für die anstrengende Klausur. Der Vorteil an langkettigen Kohlenhydraten ist, dass diese über einen längeren Zeitraum abgebaut werden und so kontinuierlich für Energie sorgen.

  • Greifen Sie auf die richtigen Snacks zurück

    Als optimale Zwischenmahlzeit für einen zusätzlichen Energiekick eignen sich Nüsse oder andere eiweißhaltige Produkte, wie beispielsweise Buttermilch. Die kleinsten Bestandteile der Eiweiße, die Aminosäuren, sind bereits Botenstoffe oder werden zu diesen umgewandelt. Die Botenstoffe sorgen dafür, dass Informationen zügig von einer Zelle zur nächsten gelangen. Das macht Sie leistungsfähiger. Auch ein guter Snack ist eine Banane. Bananen enthalten Magnesium und das stärkt die Nerven. Zusätzlich enthält sie Stoffe, die die Produktion von Glückshormonen anregen. Weitere sogenannte Brainfoods, die für Energie sorgen, finden Sie hier.

  • Essen Sie vorher nichts Mächtiges

    Sollte Ihre Klausur nicht direkt morgens stattfinden, sondern später am Tag, haben Sie noch genügend Zeit für ein Mittagessen. Achten Sie darauf, dass dieses leicht ausfällt und Sie keine schweren und fetthaltigen Produkte zu sich nehmen. Nach fettigem Essen verfallen Sie in das sogenannte Schnitzelkoma und Ihr Körper steckt alle Energie in die Verdauung, statt in Ihre Denkleistung. Das lässt Sie müde werden.

  • Verzichten Sie auf leistungssteigernde Medikamente

    Medikamente, wie beispielsweise Ritalin oder Modafinil, sollen konzentrierter und wacher machen. Doch das künstliche Doping ist gefährlich, denn es handelt sich meistens um Medikamente, die für psychische Erkrankungen entwickelt wurden. Durch die Einnahme von gesunden Menschen werden diese zweckentfremdet. Zum einen können sie abhängig machen und zum anderen zu Nebenwirkungen, wie beispielsweise Schlafstörungen, führen. Zudem ist die Wirksamkeit bei langfristiger Einnahme nicht belegt. Halten Sie sich folgendes vor Augen: Wenn Sie einen Bereich Ihrer Gedächtnisleistung künstlich steigern, geht das immer auf Kosten eines anderen. Aus diesem Grund raten wir von der Einnahme solcher Mittel dringend ab.

[Bildnachweis: Kamira, Creativa by Shutterstock.com]