Leistungssteigerung: Geht da noch was?

Die Leistungskurve sollte immer nach oben zeigen. So zumindest die Erwartungen von vielen Unternehmen und Vorgesetzten. Aber auch von uns selbst erwarten wir eine ständige Leistungssteigerung. Wir wollen über uns hinaus wachsen, die eigenen Fähigkeiten ausbauen, beruflich voran kommen und für unsere Leistungen respektiert werden. Klingt in der Theorie vielversprechend, so eindimensional läuft es aber leider in der Praxis nicht immer ab. Flauten lassen sich nicht immer vermeiden und manchmal treten Sie erst auf der Stelle, bevor es im Sprint weitergeht. Die entscheidende Frage lautet dann: Ist noch eine Leistungssteigerung möglich? In der Regel schon, da kaum jemand sein volles Potenzial ausschöpft. Wir erklären, wie Sie von einer Leistungssteigerung profitieren und was Sie tun können, um diese zu erreichen…

Leistungssteigerung: Geht da noch was?

Leistungssteigerung: In guten wie in schlechten Zeiten

Leistungssteigerung – grundsätzlich ein positives Thema, doch oftmals gibt es dennoch viele negative Assoziationen. Der Chef klagt darüber, dass die Ergebnisse in der letzten Zeit nachlassen, ein Kunde ist unzufrieden und verlangt nach besserer Betreuung, Aufträge gehen zurück, Projekte verlaufen weniger erfolgreich und auch den eigenen Ansprüchen werden Sie nicht mehr so gerecht, wie Sie es gerne würden.

Kurz gesagt: Der Ruf nach einer Leistungssteigerung wird immer dann besonders laut, wenn es gerade nicht so gut läuft. Es ist eine Form der Kritik – sowohl von außen, als auch an der eigenen Arbeitsleistung. Motto: Ist das etwas das Beste oder geht da noch was? In diesem Zusammenhang kann es sehr frustrierend sein, auf eine Leistungssteigerung angesprochen zu werden. Schließlich sind Sie sich selbst wahrscheinlich im Klaren darüber, dass die letzten Tage oder Wochen nicht der Höhepunkt Ihrer Karriere waren.

Falsch wäre es jedoch, wenn Sie davon ausgehen, dass eine Leistungssteigerung nur dann in Betracht kommt, um Fehler wieder gutzumachen oder eine den Ausweg aus einem Leistungstief zu finden. Auch wenn gerade alles gut läuft sollten Sie sich regelmäßig fragen: Kann ich vielleicht noch mehr? Hier geht es nicht darum, dass Sie sich selbst überfordern oder sich bis zur Erschöpfung verausgaben, sondern die eigenen Grenzen austesten und diese gezielt auch manchmal überschreiten, um eine Entwicklung zu ermöglichen.

Leistungssteigerung kann also auch der zusätzliche Schritt sein, der Sie weiter bringt und durch den Sie erkennen können, ob Sie an der Obergrenze Ihres Potenzials kratzen oder noch einige Luft nach oben haben, die bisher nur noch nicht ausgeschöpft wurde.

Warum sich eine Leistungssteigerung lohnt

Bei einer Leistungssteigerung wird zunächst immer an die Außenwirkung gedacht. Was denkt der Chef, wenn ich meine Aufgaben besser erledige? Kann ich einen Kunden beeindrucken? Bekomme ich mehr Handlungsspielraum zugesprochen und darf demnächst ein größeres Projekt betreuen? Allein diese Effekte sorgen dafür, dass es die Anstrengung wert ist, die mit einer Leistungssteigerung verbunden ist.

Denn selbst dem kritischsten Chef wird es nicht entgehen, wenn Sie sich spürbar verbessern und einen wahren Erfolgslauf hinlegen. Gerade im Anschluss an eine kleine Flaute zeigen Sie so auch deutlich: Auf mich können sie sich verlassen, ich kann aus schwierigen Situationen lernen und dadurch noch besser werden.

Eine Leistungssteigerung macht sich aber auch im eigenen Selbstbewusstsein bemerkbar. Es gibt einen ungemeinen Schub, wenn Sie sich verbessern und merken, dass Sie etwas geschafft haben, woran Sie selbst vielleicht gezweifelt haben. Dieser Stolz auf die eigenen Leistungen kann ein großer Antrieb sein, um über sich selbst hinauszuwachsen.

Leistungssteigerung: Aber bitte nicht mit allen Mitteln

Leistungssteigerung Gehirn Erfolg MittelOft ist mit einer Leistungssteigerung ein großer Druck verbunden. Nur wenn ich perfekt bin, kriege ich den Job, den ich haben will… Ich muss besser werden, um mich zu beweisen und meinen Job zu behalten… Eine Beförderung oder Gehaltserhöhung kriege ich nur, wenn die Leistungen entsprechend gesteigert werden… Als Motivation genutzt können diese Anreize noch durchaus positiv sein, allerdings sollten Sie vorsichtig sein, um eine Leistungssteigerung nicht um jeden Preis erzwingen zu wollen.

Der empfundene Zwang zu einer Leistungssteigerung ist oftmals so groß, dass Betroffene sich kaum noch zu helfen wissen. Unter Studenten gibt es beispielsweise einen großen Markt – mit ebenso großer Nachfrage – nach Tabletten, die eine Steigerung der Leistungsfähigkeit versprechen. Ähnliches gilt auch im späteren Berufsleben, wo manch ein Arbeitnehmer das Gefühl hat, den Anforderungen und Erwartungen nur noch mit aufputschenden Mitteln gerecht werden zu können.

So positiv eine Leistungssteigerung auch sein kann, so darf sie niemals auf Kosten der eigenen Gesundheit gehen. Nicht nur in Bezug auf Tabletten oder andere Drogen, sondern auch bei Selbstausbeutung, Überforderung und anhaltendem Stress.

Leistungssteigerung sollte immer nur so weit gehen, wie es für Sie richtig ist. Jeder hat sein persönliches Maß, an dem Sie sich orientieren sollten.

So können Sie eine Leistungssteigerung erreichen

Eine Leistungssteigerung können Sie natürlich dadurch erzielen, dass Sie jeden Tag Überstunden machen, Ihre Pausen streichen, noch einige Aufgaben mit nach Hause nehmen und auch am Wochenende nichts anderes machen, als sich mit der Arbeit zu beschäftigen. Sie sehen aber schon, dass dies nicht funktionieren kann und Sie stattdessen geradewegs auf einen Burnout zusteuern. Aber was lässt sich sonst tun, um mehr zu leisten?

Tatsächlich sind es oftmals bereits die kleinen Dinge, die den entscheidenden Unterschied machen können. Wir haben einige Tipps gesammelt, mit denen Sie eine Leistungssteigerung erreichen können:

  • Holen Sie sich Feedback ein

    Wenn Sie Ihre Leistung steigern wollen, sollten Sie sich zunächst Feedback über Ihre aktuelle Arbeit geben lassen. Fragen Sie am besten direkt bei Ihrem Chef nach einer Beurteilung oder einer Rückmeldung über Ihre Leistungen der letzten Wochen. Die darin enthaltene Kritik ist vielleicht nicht angenehm, ist jedoch ein wichtiger Ausgangspunkt für Ihre Entwicklung.


  • Verbessern Sie Ihr Zeitmanagement

    In vielen Fällen lässt sich die Leistung bereits deutlich steigern, wenn Sie Ihre Arbeitsabläufe verbessern und Ihr Zeitmanagement optimieren. Finden Sie heraus, wo Sie die meiste Zeit verschwenden und wie Sie Ihren Arbeitstag besser für sich nutzen können.

    Hier geht es nicht nur darum, mehr oder schneller zu arbeiten. Es kann auch bedeuten, dass Sie häufiger eine Pause einlegen müssen, um anschließend wieder voll bei der Sache zu sein und weniger Fehler zu machen, deren Korrektur noch mehr Zeit in Anspruch nimmt.


  • Sprechen Sie mit Kollegen

    Manchmal ist die nötige Hilfe für eine Leistungssteigerung gar nicht so weit weg, wie Sie vielleicht glauben. Die Aussprache mit einem Kollegen kann beispielsweise eine Menge positive Einblicke liefern. Orientieren Sie sich dabei am besten an Mitarbeitern, die selbst mit besonders guten Leistungen überzeugen und die als Vorbild dienen können.

    Lassen Sie sich Tipps geben und fragen Sie nach, worauf andere bei ihren Aufgaben achten. Ein solcher Wechsel der Perspektive kann Ihnen helfen, die eigene Arbeit zu hinterfragen und besser zu verstehen, wo Sie Potenzial ungenutzt lassen.


  • Stoppen Sie die Prokrastination

    Fast jeder schiebt Aufgaben vor sich her, lenkt sich mit eher unwichtigen Dingen ab, anstatt sich selbst zu disziplinieren und auch unangenehme Aufgaben zu erledigen. Wenn Sie die Prokrastination in den Griff bekommen, gehen damit ganz automatisch auch bessere Leistungen einher.


  • Machen Sie eine Fortbildung

    Auch eine Fortbildung bietet die Chance auf eine Leistungssteigerung. Sie erweitern dabei nicht nur Ihr Wissen und können dieses in den Arbeitsalltag übertragen, sondern lernen vielleicht auch neue Ansätze oder Ideen, die Ihnen dabei helfen, Ihre Arbeit besser zu erledigen. Fortbildungen können besonders nützlich sein, wenn Sie im Job mit Techniken zutun haben, die Sie noch nicht zu 100 Prozent beherrschen.

Die Schattenseiten der Leistungssteigerung

Leistungssteigerung Schattenseiten Folgen ProblemeMit der Leistungssteigerung geht es bergauf. Alles läuft wie geplant, die Erwartungen werden erfüllt, der Chef ist zufrieden und Sie glücklich. Zumindest in der Vorstellung. Doch eine Leistungssteigerung bringt leider oftmals auch einige Probleme mit – zumindest auf längere Sicht. Eine besonders große Gefahr: Haben Sie das Niveau einmal angehoben, tritt sehr schnell ein Gewöhnungseffekt ein. Soll heißen: Konnten Sie am Anfang noch von besseren Leistungen profitieren, werden diese guten Ergebnisse schnell zum neuen Standard, der keine Zusatzpunkte mehr bringt, sondern zur normalen Erwartung wird.

Kurze Zeit nach einer Leistungssteigerung erhöht sich somit auch die Fallhöhe. Veranschaulichen lässt sich dies am Beispiel eines Sportlers, der für den 100 Meter Sprint immer um die 11 Sekunden gebraucht hat. Als er festgestellt hat, dass die Konkurrenz ihm mehr und mehr davon läuft, steigerte er seine Leistung auf durchschnittliche 10 Sekunden – ein großer Erfolg, mit dem vielleicht sogar der ein oder andere Titel gewonnen werden kann.

Verschlechtern sich die Zeiten dann jedoch auf ungefähr 10,5 Sekunden, ist die Enttäuschung umso größer, obwohl dies immer noch ein gutes Stück schneller ist, als der ursprüngliche Wert. Die neuen Erwartungen haben eine viel höhere Fallhöhe geschaffen, die es schwer macht, ihr langfristig gerecht zu werden.

Auch wird es nach einer Leistungssteigerung umso schwieriger, andere noch weiter zu beeindrucken. Anfangs hat Ihr Chef noch gestaunt, als Sie die Umsatzzahlen verbessern konnten. Doch um den guten Eindruck langfristig zu festigen, reicht es nicht aus, die positiven Entwicklungen nur beizubehalten. Wollen Sie den Vorgesetzten wieder umhauen, braucht es immer mehr.

[Bildnachweis: baranq by Shutterstock.com]
11. Mai 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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