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Regelstudienzeit - ein Wort, das viele Studenten zum Nachdenken anregt. Seit Einführung des Bachelor- und Master-Systems machen sich immer mehr Studierende nicht mehr nur Gedanken über gute Noten im Studium, sondern auch über die damit verbundene Zeit. Ein schneller Abschluss - so scheint es zumindest - wird immer häufiger mit einer guten Leistung gleichgesetzt und gilt deshalb als besonders erstrebenswert. Gleichzeitig erscheinen die knapp bemessenen Regelstudienzeiten für viele fast schon unrealistisch. Sollten Studenten mit aller Macht versuchen, die Regelstudienzeit einzuhalten oder ist es mit Blick auf die spätere Arbeitsmarktsituation eine vergeudete Anstrengung?

Regelstudienzeit: Wird sie tatsächlich eingehalten?

Vorneweg zur Beruhig aller Studenten, die befürchten, die Regelstudienzeit nicht einhalten zu können: So geht es vielen. Genauer gesagt sogar mehr als der Hälfte. Gerade einmal knappe 40 Prozent der Studierenden schaffen es, alle erforderlichen Prüfungsleistungen innerhalb der angegebenen Regelstudienzeit zu leisten.

Da es aber auch möglich ist, diese Zeit zu überschreiten und das Studium in den folgenden Semestern abzuschließen, ist dies grundsätzlich erst einmal nicht weiter schlimm. Immerhin mehr als 75 Prozent der Studenten beendet das Studium innerhalb eines zusätzlichen Jahres - also zwei Semestern - nach der Regelstudienzeit. Wie lange es dauert, hängt aber offensichtlich auch vom Studiengang ab. So veröffentlichte das Statistische Bundesamt eine Studie, die eine Reihenfolge der Studiengänge enthält, für die Studenten kürzer oder eben länger brauchen.

  • Fast 99 Prozent der Verwaltungswissenschaftler brauchen maximal von zwei Semester zusätzlich zur Regelstudienzeit für ihren Abschluss.
  • Humanmediziner mit über 88 Prozent schaffen das Studium ebenfalls in der Regel mit zwei Extra-Semestern.
  • Länger brauchen hingegen Germanisten und Rechtswissenschaftler, bei denen jeweils nur zwei Drittel innerhalb von zwei zusätzlichen Semestern das Studium abschließen.

Sie brauchen daher keine Angst zu haben, komplett durchs Raster zu fallen, wenn Sie nach Ablauf der Regelstudienzeit noch nicht alle Leistungen erbracht haben. Viele haben aber dennoch die Sorge, bei zukünftigen Arbeitgebern von vornherein in einem schlechten Licht zu erscheinen, wenn das Studium länger gedauert hat.

Regelstudienzeit: Wie wichtig ist sie für den späteren Beruf?

wavebreakmedia/shutterstock.comDie Meinung vieler Studenten ist also klar: Schneller ist besser. So wird das Studium zum Wettrennen, um den Kommilitonen immer einen Schritt voraus zu sein. Aber was denken eigentlich die potenziellen späteren Arbeitgeber? Ist es wirklich ein Vorteil, die Regelstudienzeit einzuhalten oder sind andere Qualifikationen wichtiger?

Richtig ist, dass ein schnelles Studium den Vorteil mitbringt, dass diese Studenten früher als ihre direkten Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt aktiv werden können. Während die einen also schon Bewerbungen schreiben und vielleicht sogar schon eine Anstellung gefunden haben, sind die anderen noch an der Universität oder Hochschule eingeschrieben und absolvieren die letzten Prüfungen. Auf der anderen Seite müssen auch schnelle Studenten bei der Jobsuche die Konkurrenz aus den früheren Jahrgängen berücksichtigen, die vielleicht ein Jahr länger studiert hat, aber gerade deswegen nicht unterschätzt werden darf.

Denn Personaler achten nicht einfach nur auf die Dauer des Studiums und treffen danach eine Entscheidung. Zwar kann ein schnelles Studium im Einzelfall das Zünglein an der Waage sein, doch nur dann, wenn auch alle anderen Eignungen des Studenten stimmen. Die Personalverantwortlichen in den meisten Unternehmen sind gerne bereit, einen Bewerber einzustellen, der zwar die Regelstudienzeit überschritten hat, dafür aber an anderer Stelle besonders überzeugt.

  1. Praxiserfahrung

    Viele Unternehmen legen einen großen Wert auf Praxiserfahrung, beispielsweise in Form eines Praktikums oder als Werkstudent Können Sie eine solche Praxiserfahrung vorweisen - vielleicht sogar genau bei dem Unternehmen, bei dem Sie sich nun bewerben - wird kaum ein Personaler darauf achten, ob Sie Ihr Studium in Regelstudienzeit abgeschlossen haben oder das ein oder andere Semester anhängen mussten.

  2. Auslandsaufenthalt

    In einer globalen Geschäftswelt macht ein Auslandsaufenthalt immer einen guten Eindruck. Haben Sie Ihr Studium genutzt, um ein Semester oder auch ein ganzes Jahr im Ausland zu verbringen, ist es absolut kein Nachteil, wenn sich dadurch Ihre Studiendauer verlängert hat. Ganz im Gegenteil sogar. Gerade international agierende Unternehmen suchen oft explizit nach Arbeitnehmer, die bereits eine Zeit lang im Ausland gelebt, gearbeitet oder wie in diesem Fall studiert haben.

  3. Motivation

    Auch das schnellste Studium bringt keinen Erfolg, wenn die passende Motivation für die Stelle oder den Arbeitgeber nicht wahrgenommen wird. Um einen Personaler zu überzeugen, dass Sie tatsächlich der richtige Kandidat für die freie Stelle sind, wird es nicht reichen, ihm nur die Studiendauer vorzuhalten.

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