Ueberstunden-auszahlen-Arbeitsrecht-steuerfrei
Wie viele Stunden arbeiten am Tag: acht, zehn, zwölf? Immer mehr Berufstätige machen Überstunden und schuften rund um die Uhr - nach Feierabend und sogar an den Wochenenden. Irgendwas ist immer. Eine Erhebung der EU-Kommission zeigte, dass die Deutschen EU-Meister sind was Überstunden angeht. Jedes Jahr fallen bundesweit rund 800 Millionen bezahlte Überstunden an - und das sind nur die bezahlten! Im Durchschnitt arbeiten wir 40,5 Stunden pro Woche. Der Leistungsdruck ist enorm. Nicht wenige arbeiten dabei bis zur völligen Erschöpfung und schaden ihrer Gesundheit enorm. Doch wie viele Überstunden darf der Chef überhaupt anordnen? Welche müssen bezahlt werden? Und wie Sie können Sie sich gegen Mehrarbeit und Ausbeutung wehren...

Definition: Überstunden sind nicht gleich Mehrarbeit

Ueberstunden Mehrarbeit UnterschiedLaut Definition zählt zu Überstunden – auch Mehrarbeit oder Plusstunden genannt – jene Arbeitszeit, die über die vertraglich vereinbarte hinausgeht. Diese reguläre Arbeitszeit wird genau im Arbeitsvertrag, dem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung festgeschrieben. Sie ergibt sich aber auch als maximale Arbeitszeit aus dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) und liegt im Durchschnitt bei acht Stunden für Angestellte an einem Werktag. Wer dann mehr leistet und diese Zeit überschreitet, macht Überstunden.

In diesem Zusammenhang werden die Begriffe Mehrarbeit und Überstunden oft synonym verwendet. Es gibt einen feinen juristischen Unterschied:

  • Unter Mehrarbeit fällt all die Arbeit, die der Arbeitnehmer über die gesetzliche Regelarbeitszeit – acht Stunden werktäglich – hinaus leistet.
  • Als Überstunden wird dagegen die Arbeitszeit bezeichnet, die über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinausgeht.

Das kann unter Umständen auf dasselbe hinauslaufen. Es kann aber - zum Beispiel bei Teilzeitbeschäftigten - sein, dass die vereinbarte Arbeitszeit deutlich unter der Regelarbeitszeit liegt. In dem Fall machen die Arbeitnehmer also schon Überstunden, obwohl sie noch lange nicht acht Stunden am Tag erreichen.

Arbeitszeit: Überstunden sind der Normalfall

alphaspirit/shutterstock.comDie Arbeitszeit gilt als das wichtigste Kriterium für die Bezahlung. Keine andere Größe lässt sich so leicht als Grundlage für die Vergütung messen. Eine Studie, für die rund 280.000 Arbeitsverhältnisse ausgewertet wurden, kam jüngst zu dem Ergebnis: Was im Arbeitsvertrag steht, entspricht nicht immer der Realität. Die sieht eher so aus:

  • 64,2 Prozent aller Arbeitnehmer gaben an, mehr oder weniger regelmäßig Überstunden zu machen. Aber nur 42,1 Prozent bekommen einen Ausgleich dafür.
  • Aktuell macht jeder Beschäftigte in der Woche rund 4 Überstunden.
  • Auch die Firmengröße spielt eine Rolle: Bei 1 bis 5 Mitarbeitern werden im Schnitt 2,7 Überstunden gemacht, bei 51 bis 100 Mitarbeitern sind es bereits 4 Überstunden und bei über 5.000 Mitarbeitern steigt die Anzahl der Überstunden auf durchschnittlich 5.
  • Die Erhebung zeigt auch, dass die Überstunden mit dem Alter eines Arbeitnehmers steigen: 20- bis 30-Jährige machen im Schnitt 3,3 Überstunden pro Woche, während 30 bis 40-Jährige bei 4,1 Stunden pro Woche liegen.
  • Bei Männern sind Überstunden indes weiter verbreitet als bei den Frauen. Rund 60 Prozent der Männer leisteten bis zu 5 Überstunden wöchentlich, jedoch "nur" rund 39 Prozent der Frauen.

Apropos: Wie viele Stunden arbeiten Sie so pro Woche? Mehr als jeder dritte Karrierebibel-Leser arbeitet gut 50 Stunden pro Woche, weitere 25 Prozent kommen sogar auf mehr als 50 Stunden...


Überstunden berechnen: Eine einfache Formel

Der Wert der Überstunden lässt sich mit einer einfachen Formel berechnen: Das durchschnittliche monatliche Bruttogehalt geteilt durch die durchschnittliche Monatsstundenzahl. Heraus kommt dann der exakte Stundenlohn, den Sie nur noch mit den Zahl der geleisteten Überstunden multiplizieren müssen. Um die Monatsstundenzahl zu berechnen multiplizieren Sie einfach die Wochenstundenzahl mit 4,33.

Ein Beispiel:

Frau Müller verdient im Monat 2500 Euro brutto. Sie arbeitet in der Woche im Schnitt 38 Stunden, hat aber im vergangenen Monat 15 Überstunden geleistet.

  • Monatsstundenzahl = 38 x 4,33 = 165 (aufgerundet)
  • Stundenlohn = 2500 / 165 = 15,15 Euro
  • Überstundenlohn = 15,15 x 15 = 227,25 Euro (brutto)

Überstundenausgleich: Auszahlung oder Freizeit?

Generell gibt es zwei Wege, die angesammelten Überstunden ausgleichen zu lassen:

  • Auszahlung von Überstunden

    In diesem Fall erhält der Mitarbeiter zu seinem üblichen Lohn oder Gehalt eine finanzielle Vergütung - in der Regel in Form des regulären Stundenlohns. Der Arbeitgeber kann also für die mehr geleistete Stunde nicht einfach weniger bezahlen als sonst. Umgekehrt können aber Zuschläge hinzu kommen - zum Beispiel bei Nacht-, Sonn- oder Feiertagsarbeit. Oft liegen die rund 25 Prozent über dem üblichen Stundenlohn. Diese Überstundenzuschläge sind meist im Tarifvertrag geregelt, können aber auch per Einzelvereinbarung getroffen werden. Steuerfrei ist das alles aber nicht, sondern wird als normales (Zusatz-)Einkommen versteuert.

  • Freizeitausgleich

    Hierbei bekommt der Mitarbeiter als Ausgleich für die Mehrarbeit zusätzliche Urlaubstage beziehungsweise Freizeit. Vor allem bei Konzernen ist diese Regelung beliebt. Die Lohnkosten bleiben gleich und der Überstundenausgleich bleibt dank Gleitzeit und Arbeitszeitkonten unbürokratisch. Die Mitarbeiter können dann - in Absprache mit dem Chef - meist selbst entscheiden, wann sie den Freizeitausgleich nehmen. Manche Unternehmen erlauben auf diesem Weg und natürlich nur in einem vorgegebenen Rahmen auch Minusstunden, die zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgearbeitet werden müssen.

Überstunden: Was darf der Chef verlangen?

Africa Studio/shutterstock.comEine gesetzliche Pflicht zu Überstunden gibt es nicht. Wie viele Stunden Sie am Tag arbeiten müssen, ist zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Arbeitsvertrag vereinbart. Und das gilt. Sie müssen also darüber hinaus keine Überstunden machen.

Wie immer gibt es allerdings auch hierbei Ausnahmen. In besonderen Fällen kann der Arbeitgeber Überstunden verlangen. Allerdings...

  • nur in Krisen- oder Notfall-Situationen
  • und bei besonderem betrieblichen Bedarf.

Unter Notfall-Situationen verstehen Arbeitsrechtler allerdings nur jene Krisen, die für das Unternehmen existenzbedrohlich und nicht vorhersehbar waren. Also beispielsweise ein schwerer Betriebsunfall (Häuserbrand, Überschwemmung, ...). Eine betriebswirtschaftliche Krise - etwa, weil die Konjunktur flaut oder ein Großauftrag weggefallen ist - rechtfertigt hingegen keine verordneten Überstunden.

Das sieht bei dem besonderen betrieblichen Bedarf aber schon anders aus: Ist ein Auftrag beispielsweise zeitkritisch und für das Unternehmen von überdurchschnittlicher wirtschaftlicher Bedeutung, kann der Arbeitgeber Überstunden für die Mitarbeiter anordnen, damit der Kunde rechtzeitig beliefert wird. Er kann dann sogar die tägliche Arbeitszeit auf maximal zehn Stunden erhöhen. Jedoch nur vorübergehend und er muss dafür innerhalb von sechs Monaten einen entsprechenden Ausgleich schaffen.

Zudem darf auch weiterhin an Sonn- und Feiertagen nicht gearbeitet werden. Und nach einem solch überlangen Arbeitstag hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden.

Ausnahmen bestehen allerdings auch hier - einmal durch entsprechende Tarifverträge oder durch branchenspezifische Regelungen. So dürfen zum Beispiel Krankenhäuser Notdienstpläne erstellen, die auch Feiertagsarbeit einschließen. Schließlich werden Menschen auch an Sonn- und Feiertagen krank oder brauchen Hilfe.

Dazu gibt es einen interessanten Fall aus dem Arbeitsrecht (AZ 13 Sa 512/12):

Geklagt hatte ein Mitarbeiter eines privaten Pflegedienstes. Er war dort zur Nachtwache eingeteilt und hatte es geschafft in zehn Monaten stolze 540 Überstunden anzusammeln. Der Arbeitgeber verweigerte die Auszahlung mit der Begründung die Überstunden seien ja nicht angeordnet gewesen, niemand habe den Mann gezwungen, so lange zu arbeiten. Das Landesarbeitsgericht Hamm machte da aber nicht mit und verurteilte den Pflegedienst zur Bezahlung der Überstunden: Die müssten nicht angeordnet sein, es reiche schon wenn der Arbeitgeber sie sehenden Auges duldet. Das ergab sich in dem Fall eindeutig aus den Dienstplänen, ständigem Personalmangel und dem zwingenden Erfordernis, die Patienten kontinuierlich zu versorgen.

Ausnahmen, Verbote und Sonderregeln für Überstunden

ParagrafÜberstunden anzuordnen, ist gänzlich verboten, wenn...

  • die Arbeitnehmerin schwanger und dem Arbeitgeber das bekannt ist. Werdende und stillende Mütter unterliegen dem Mutterschutz nach § 8 MuSchG.
  • Sie eine Teilzeitstelle haben und im Tarifvertrag nichts anderes vereinbart ist.
  • Sie noch keine 18 Jahre (volljährig) sind, dann unterliegen Sie noch dem Jugendschutzgesetz, speziell § 8 JarbSchG. Falls Sie dennoch freiwillig Überstunden leisten, müssen diese sogar innerhalb von drei Wochen ausgeglichen werden.
  • Sie schwerbehindert sind und eine Überstunden-Freistellung gemäß § 124 SGB IX erwirkt haben.

Auch für Führungskräfte, speziell für sogenannte leitende Angestellte gelten Sonderregelungen. Das Arbeitszeitgesetz gilt für sie nicht. Der Leitende Angestellte schuldet laut Definition seine volle Arbeitskraft dem Unternehmen und ist zu allen erforderlichen Zeiten für das Unternehmen verfügbar. Er muss also Überstunden leisten, sobald diese vom Arbeitgeber verlangt werden. Leitender Angestellter ist im juristischen Sinne allerdings erst, wer eine unternehmerische Handlungsvollmacht besitzt und Mitarbeiter einstellen und entlassen kann.

Eine weitere Ausnahme bilden sogenannte Einzelvereinbarung. Solange Sie dem Arbeitszeitgesetz nicht zuwider handeln, können Sie mit Ihrem Arbeitgeber frei aushandeln, wie viele Überstunden Sie leisten wollen. Diese Einzelvereinbarung muss nicht einmal schriftlich fixiert werden. Dazu reicht schon eine mündliche Absprache oder eine sogenannte stillschweigende Übereinkunft.

Falls es in Ihrem Unternehmen einen Betriebsrat gibt, kann dieser ebenfalls mit dem Arbeitgeber eine sogenannte Betriebsvereinbarung zu den Überstunden schließen (§ 87 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG). Dort wird dann zum Beispiel geregelt, wann der Chef Mehrarbeit anordnen darf. Daran sind Sie dann allerdings auch gebunden.

Achtung: Leistet der Arbeitnehmer aus eigenem Antrieb heraus Überstunden, müssen diese nicht vergütet werden. In einzelnen Fällen wurden Arbeitnehmer aufgrund eigenmächtig absolvierter Überstunden sogar schon abgemahnt - und diese Abmahnungen wurden von Arbeitsgerichten als zulässig bestätigt.

Arbeitsrecht: Sind Überstunden mit dem Gehalt abgegolten?

In manchem Arbeitsvertrag finden sich sogenannte Pauschalabgeltungen, wonach die Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sein sollen. Das hat in der Vergangenheit häufig zu Streit und Arbeitsrechtsprozessen geführt. Denn tatsächlich gibt es keinen allgemeinen Rechtsgrundsatz, dass jede Überstunde zu bezahlen ist. Entscheidend sind vielmehr...

  1. Die Vertragsklauseln

    Vermeintlich findige Arbeitgeber formulieren im Arbeitsvertrag: "Mit dem Gehalt ... sind alle Überstunden des Arbeitnehmers abgegolten". So leicht geht das allerdings nicht. Diese Standardklauseln sind nach heutiger Rechtsprechung nicht zulässig, weil nicht klar ist, wie viele Überstunden damit erfasst sein sollen. Eine zeitlich unbeschränkte Klausel ("alle Überstunden") ist also immer unwirksam.

    Ausreichend klar wäre aber eine Formulierung, mit welcher "20 Überstunden pro Monat mit dem Gehalt abgegolten sind". Für beide Seiten ist damit hinreichend bestimmt, was auf einen zukommt. Abgeltungsklausen im Umfang bis zu zehn Prozent der vertraglichen Arbeitszeit gelten häufig als angemessen. Auch zehn Überstunden pro Monat bei einer 40-Stunden-Woche können mit dem Gehalt abgegolten werden (LAG Hamm, AZ 19 Sa 1720/11).

  2. Die Vergütungserwartung

    Im Gesetz heißt es leider nur, dass die "übliche Vergütung" gezahlt wird, "wenn die Dienstleistung den Umständen nach nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist". Das lässt Raum für Spekulationen: Wer darf denn nun erwarten, dass Überstunden bezahlt werden?

    Das Bundesarbeitsgericht hat hierzu klar gestellt: Sogenannte Geringverdiener haben eine Vergütungserwartung, Besserverdiener aber nicht. Besserverdiener ist man nach Ansicht der höchsten deutschen Arbeitsrichter dann, wenn das Entgelt die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung überschreitet (BAG, 5 AZR 765/10). In Westdeutschland liegt diese Grenze bei 5580 Euro brutto im Monat, in Ostdeutschland bei 4750 Euro. Beschäftigte unter dieser Beitragsbemessungsgrenze können also erwarten, dass ihre Überstunden extra bezahlt werden.

Damit Sie auf eine Bezahlung der Überstunden hoffen können, gilt es jedoch noch weitere Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Der Arbeitgeber muss die Überstunden angeordnet oder zumindest genehmigt haben.
  • Überstunden über die gesetzliche Grenze von zehn Stunden täglich dürfen nicht angeordnet werden.
  • Der Arbeitnehmer muss diese Anordnung dokumentieren und nachweisen können.
  • Die Zahl der Überstunden muss vom Arbeitnehmer dokumentiert werden.

Um also späteren Ärger zu vermeiden, sollten Sie die Voraussetzungen und die Vergütung der Überstunden im Vorfeld - idealerweise im Arbeitsvertrag - schriftlich klären. Achten Sie dabei bitte darauf, eventuelle Gleitzeit-Regelungen klar von den Überstunden zu trennen. Die Ausgestaltung der Arbeitszeit hat formal nichts mit Überstunden oder Mehrarbeit zu tun.

In diesem Zusammenhang noch der Hinweis auf einen gängigen Irrtum: Arbeitnehmer können nicht - zumindest nicht offiziell - die Mittagspause durcharbeiten, um danach früher Feierabend zu machen. Erstens muss nach spätestens sechs Stunden eine Pause gemacht werden und zweitens entscheidet allein der Arbeitgeber über die sogenannte Positionierung der Arbeitszeit.

Arbeitsrecht: Die Beweislast hat der Arbeitnehmer

ParagrafKommt es zum Streitfall liegt die sogenannte Darlegungs- und Beweislast meist beim Arbeitnehmer. Der muss dann nachweisen, dass der Chef die Überstunden angeordnet hat und wie viele er davon auch tatsächlich über seine normale Arbeitszeit hinaus geleistet hat.

Existiert eine offizielle Zeiterfassung (vulgo Stechuhr), ist die Sache relativ einfach. Gleiches gilt, wenn Sie die Mehrarbeit in einer Liste dokumentieren (vulgo Überstundenzettel) und sich vom Vorgesetzten unterschreiben lassen.

Existiert diese Dokumentation nicht - zum Beispiel weil es im Betrieb Vertrauensarbeitszeit gibt -, wird es schwierig: Für jede einzelne Überstunde muss dann der Beweis erbracht werden, wann welche Arbeit auf wessen Anweisung geleistet wurde. Das ist mitunter echte Sisyphusarbeit, denn einfaches Notieren reicht den Richtern hierbei nicht aus. An dieser Stelle scheitern die meisten Arbeitnehmer übrigens.

Immerhin: Können sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer darauf einigen, dass Überstunden geleistet wurden, darf das Gericht die zu bezahlende Stundenzahl schätzen (siehe auch hier).

Achtung Verfallsfristen: Der Anspruch auf die Bezahlung von Überstunden verjährt nach drei Jahren, solange im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag nichts anderes geregelt wurde. In den meisten Arbeits- und Tarifverträgen, manchmal auch in Betriebsvereinbarungen, sind allerdings oft wesentlich kürzere Verjährungsfristen verankert. Im Arbeitsvertrag müssen sie zwar mindestens drei Monate betragen, im Tarifvertrag reichen aber schon zwei Monate aus. Wer diese Frist versäumt und Ansprüche nicht rechtzeitig anmeldet, geht leer aus und die Überstunden verfallen.

Überstunden machen blöd: Mehr als 25 Stunden schaden dem Gehirn

Photographee.eu/shutterstock.comUnabhängig von der Frage der Bezahlung sind Überstunden aber auch so nicht gut: Wer länger als acht Stunden am Tag arbeitet, verdoppelt die Wahrscheinlichkeit an Depressionen zu erkranken, riskiert Herz-Kreislauf-Erkrankungen und betreibt Raubbau am eigenen Körper.

Nun könnte man einwenden, dass die Menschen früher auch sechs Tage in der Woche und teils noch mehr Stunden geschuftet haben, schließlich ist nur der siebte Tag als Ruhetag gedacht. Stimmt. Aber die Neuzeit hat uns nicht nur viele Errungenschaften wie Computer, WLAN und kollaboratives Arbeiten gebracht, sondern auch die Arbeit selbst stark verdichtet.

Die meisten von uns arbeiten heute hoch spezialisiert, konzentriert und enorm effizient wie effektiv. Modernes Management sucht ständig neue Wege, die Produktivität zu steigern. Die Folge ist, dass wir heute in gleicher Zeit nicht nur immer mehr schaffen (müssen) - wir haben auch deutlich mehr Stress als früher. Und der führt, wenn er chronisch wird, irgendwann in den Burnout.

Ueberstunden-Wirkung

In einer schon etwas älteren Studie absolvierten die Probanden eine ganze Reihe kognitiver Tests - einziger Unterschied: Der eine Teil der Teilnehmer hatte vorher 40 Stunden in der Woche gearbeitet, die andere Gruppe 55 Stunden. Sie ahnen, wie das ausging: Wer zuvor länger malocht hatte, schnitt deutlich schlechter ab, büßte Teile seines Wortschatzes ein und traf schlechtere Entscheidungen. Oder kurz: Zu langes Arbeiten macht blöd.

In dieselbe Kerbe schlägt eine erst kürzlich veröffentlichte Studie (PDF), wonach mehr als 25 Stunden Arbeit pro Woche dem Gehirn regelrecht schaden. Die Forscher um Colin McKenzie verglichen dabei die Arbeitszeiten und Ergebnisse von IQ-Tests von rund 7500 Männern und Frauen in Australien. Resultat: Vor allem über 40-Jährige und deren kognitive Fähigkeiten, wie Lernen, Merken, Erfinden leiden angeblich unter zu hohen Arbeitszeiten. Schuld sind insbesondere die abnehmende Belastbarkeit und der Stress im Job.

Arbeitszeit: Wie sag ich dem Chef, dass ich überarbeitet bin?

Extra-Tipp-IconDas ist in der Tat ein Dilemma. Denn der Boss sieht das vermutlich anders: Er sieht vor allem die Arbeit, die erledigt werden muss. Vielleicht sieht er auch die Erfordernisse, die dahinter stecken - durch die eigene Unternehmenslage, den Markt, die Wettbewerber. Und er zählt jetzt auf sein Team, dass alle die Situation mitschultern und ihren Teil zur Lösung beitragen. Wer da jammert und sich beschwert, wirkt schnell wie ein Verräter am Team. Auch wenn eigentlich das Gegenteil der Fall ist.

Es hat aber auch keinen Zweck, dem Management vorzugaukeln, die Arbeit sei mit der vorhandenen Belegschaft zu schaffen. Das Wichtigste dabei ist ein achtungsvoller Ton, gepaart mit einer subtilen Ausweichstrategie.

Oder anders formuliert: Zunächst einmal sollten Sie die Perspektive des Chefs einnehmen und Verständnis für seine Lage zeigen. Die Arbeit muss gemacht werden. Punkt. Und Sie sind auch grundsätzlich bereit dazu. Zählen Sie also ruhig noch mal auf, was Sie aktuell schon alles leisten. Machen Sie aber auch klar, dass Sie mehr machen könnten - theoretisch -, doch dann würde die Qualität darunter massiv leiden.

Sie verweigern sich also nichts, zeigen aber die negativen Konsequenzen auf. Zugegeben, das alles bleibt trotzdem ein schwieriger Drahtseilakt. Auf keinen Fall darf man dabei klingen, wie ein nicht belastbarer Jammerlappen oder schlimmer: wie ein renitenter Phlegmatiker, der seinen Job nicht im Griff hat.

Selbsttest: Wie viel Stress haben Sie?

Falls Sie herausfinden wollen, wie hoch Ihr individuelles Burnout-Risiko ist, haben wir hier noch einen kurzen Test für Sie. Zählen Sie dazu bitte zusammen: Wie viele der folgenden Aussagen treffen auf Sie zu?

    Psychische Symptome

  • Meine Arbeit macht mir immer weniger Spaß.
  • Mir werden meine täglichen Aufgaben allmählich zuviel.
  • Ich habe das Gefühl, nichts zu bewirken und nur ein Rad im Getriebe zu sein.
  • Ich mache mir viele Sorgen, manche davon sind regelrecht Ängste.
  • Ich traue mir weniger zu als früher.
  • Mir fällt es zunehmend schwer, mich zu konzentrieren.
  • Ich habe kaum noch neue Ideen, fühle mich unkreativ.
  • Ich kann mich aber auch kaum zu Neuem aufraffen.
  • Ich kann mich kaum noch entspannen – auch nicht in den Pausen.
  • Ich fühle mich leer und ausgelaugt.
  • Ich spüre eine wachsende Traurigkeit über meinem Leben.
  • Körperliche Symptome

  • Ich komme morgens schwerer aus dem Bett.
  • Ich leide neuerdings unter Schlafstörungen.
  • Ich wache morgens kaputt und matt auf.
  • Ich bin tagsüber häufiger und schneller müde.
  • Ich trinke abends schon mal mehr Alkohol, um zu entspannen.
  • Ich habe seit kurzem Magen-Darm-Probleme.
  • Ich habe seit kurzem Rückenschmerzen.
  • Ich habe seit kurzem Herz-Kreislauf-Probleme.
  • Ich leide öfter unter Kopfschmerzen.
  • Ich nehme Tabletten, um die körperlichen Symptome zu unterdrücken.
  • Ich nehme Drogen, um mein Pensum zu schaffen.
  • Soziale Symptome

  • Ich fühle mich häufig angespannt und gereizt.
  • Ich fühle mich im Job zunehmend isoliert und alleinegelassen.
  • Ich werde neuerdings schnell aggressiv.
  • Meine Familie findet, ich habe mich verändert.
  • Die Lust am Sex hat bei mir deutlich nachgelassen.
  • Ich treffe mich seltener mit meinen Freunden.
  • Meine Hobbys pflege ich kaum noch.

Auswertung

Natürlich ist dieser Test nicht als Ersatz für eine medizinisch-psychologische Beratung gedacht. Das kann er nicht leisten. Aber er gibt Ihnen womöglich wichtige Anhaltspunkte, dass Sie auf dem besten Weg sind, sich gesundheitlich und mental zu gefährden.

Weitere 10 Anzeichen, dass Sie überarbeitet sind

  1. Sie kommen morgens kaum aus dem Bett. Der Wecker klingelt, doch Sie können sich einfach nicht dazu aufraffen aufzustehen. Die Nacht war nicht erholsam und sie fühlen sich immer noch hundemüde. Letztendlich müssen Sie sich dazu zwingen. Sie schleppen sich mehr oder weniger ins Büro.
  2. Ihre Kollegen nerven nur noch. Einer Ihrer Kollegen telefoniert lautstark und Sie könnten ihn dafür erwürgen. Der Praktikant hat etwas ausgedruckt und vergessen Papier nachzulegen. Kleinigkeiten, über die Sie normalerweise hinwegsehen können, beginnen Sie zu nerven und führen nicht selten zu Wutausbrüchen gegenüber Ihren Kollegen.
  3. Sie gehen lustlos an die Arbeit. Ihre Motivation ist auf dem Nullpunkt angekommen. Ihre Aufgaben gehen Ihnen nicht leicht von der Hand. Sie haben den Eindruck, unglaublich langsam voranzukommen. In Gedanken sind Sie schon beim Feierabend und wollen Ihre Aufgaben nur schnell hinter sich bringen. Spaß und Freude empfinden Sie bei dem, was Sie tun, nicht.
  4. Sie können sich nicht konzentrieren. Am deutlichsten äußert sich das Aufmerksamkeitsdefizit, wenn man lesen will. Sind Sie gerade in einen Geschäftsbericht vertieft und merken, wie es Ihnen schwerfällt, den Sinn herauszufiltern. Sie haben bereits einen Abschnitt gelesen und begreifen trotzdem nichts und jetzt müssen Sie deswegen von vorne anfangen. Ohne, dass es Ihnen bewusst ist, driften Ihre Gedanken immer wieder ab.
  5. Ihr Arbeitsplatz wird immer chaotischer. Benutztes Geschirr, Unterlagen, Zeitschriften, Notizen - alles stapelt sich auf Ihrem Schreibtisch. Diesem Chaos können Sie keine Beachtung schenken, weil Ihre To-Do-Liste immer länger wird. Sie nehmen sich zwar vor mal wieder aufzuräumen, finden dann aber nicht die Kraft dazu.
  6. Sie werden schnell ungeduldig Dauerhaft denken Sie daran, was Sie noch alles zu erledigen haben. Müssen Sie am Telefon in der Warteschleife abwarten oder am Kopierer bis Ihr Kollege fertig ist, haben Sie das Gefühl, wertvolle Zeit wird Ihnen gestohlen. Das frustriert Sie, denn für Sie muss alles schnell gehen. Bloß keine Minute Zeit verlieren.
  7. Sie fühlen sich gehetzt. Ein Termin jagt den nächsten. Sie hetzen zwischen Besprechungen, Kundentelefonaten und - terminen hin und her. Für eine Pause bleibt kaum die Zeit. Bei jeder Aufgabe schauen Sie auf die Uhr und denken bereits an die nächste. Deadlines hängen Ihnen im Nacken und setzen Sie unter Druck.
  8. Sie machen Fehler. Oft sind es nur Kleinigkeiten: Beispielsweise vergessen Sie den Anhang einer E-Mail oder Ihnen fallen Tippfehler nicht mehr auf. Ihre Akkus sind leer, Ihre Aufmerksamkeit hat gelitten. Nun wird auch die Qualität Ihrer Arbeit leiden, denn immer mehr Fehler schleichen sich ein.
  9. Sie können nach Feierabend nicht abschalten. Die Arbeit bringen Sie mit nach Hause. Selbst nach Feierabend denken Sie bereits an den nächsten Arbeitstag. Sie sorgen sich darüber die Deadlines einzuhalten und die Ansprüche Ihres Chef und Ihrer Kunden zu erfüllen. Diese Gedanken gehen Ihnen nicht mehr aus dem Kopf und nicht selten arbeiten Sie von zuhause weiter.
  10. Sie gönnen sich kaum Freizeit. Sie haben zahlreiche Überstunden angehäuft und nehmen sich kaum die Zeit, etwas für sich zu tun. In letzter Zeit vernachlässigen Sie Ihre Hobbys und Ihre Freunde. Meistens sind Sie nach der Arbeit zu erschöpft, um etwas zu unternehmen.

Überstunden vermeiden: So wehren Sie sich gegen Ausbeutung

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Job, Ihr Leben regelrecht auffrisst, ist es an der Zeit aktiv zu werden. Deshalb zum Schluss noch ein paar Anregungen, um Ihren Arbeitsalltag zu verändern und Überstunden zu vermeiden:

  • Legen Sie sich einen gesunden Egoismus zu.

    Niemand anders wird sich um Ihr Wohl sorgen, wenn Sie es selbst nicht tun. Schützen Sie Ihre Ressourcen. Ihre Kreativität, Ihre Leistungsfähigkeit, aber auch Ihre Gesundheit sind wertvolle Güter. Viel zu leichtfertig werden hier Abstriche gemacht. Nach dem Motto: "Mir reichen auch fünf Stunden Schlaf." Eine solche Einstellung führt zu Selbstausbeutung. Lernen Sie stattdessen, auf sich zu achten und hören Sie auf die Signale Ihres Körpers. Das hilft Ihnen, Überlastung vorzubeugen und frühzeitig zu erkennen, wenn die Arbeit Ihnen zu viel wird.

  • Konzentrieren Sie sich auf das Positive.

    Immer mehr, besser und schneller - viele Arbeitnehmer haben das Gefühl nicht genügend zu leisten, nicht mit der Konkurrenz Schritt halten zu können. Sie sehen nur alles, was sie noch nicht erreicht haben und werden rastlos. Steuern Sie dagegen, indem Sie sich Ihre Erfolge in Erinnerung rufen.

  • Zeigen Sie Grenzen auf.

    Arbeit ist immer genug da. Haben Ihre Kollegen und Ihr Chef erst einmal erkannt, dass Sie bei jeder Anfrage bereitwillig JA sagen, sind Sie schnell der Depp vom Dienst. Nein zu sagen, fällt vielen schwer, vor allem wenn der Chef mit einer Sonderaufgabe um die Ecke kommt. Trotzdem: Egal, wie unangenehm es ist - das "Nein" ist eines Ihrer wichtigsten Schutzmechanismen. Zeigen Sie dem Chef lieber, welche Arbeit liegen bleibt, wenn Sie die zusätzliche Aufgabe übernehmen.

  • Gönnen Sie sich Pausen.

    Wer seine Pausen streicht und durcharbeitet, tut sich selbst und seinem Arbeitgeber keinen Gefallen. Am Ende Ihres Arbeitstages sind Sie nur ausgelaugt und auch am nächsten Tag nicht leistungsfähig. Auch wenn viel zu tun ist, disziplinieren Sie sich selbst dazu mehrmals täglich kleine Pausen einzulegen, vom Schreibtisch aufzustehen, sich auszustrecken oder sogar kurz frische Luft zu tanken. Sie werden sehen, danach arbeitet es sich gleich viel besser und am Ende des Tages sind Sie weniger erschöpft.

  • Nehmen Sie Warnungen aus Ihrem Umfeld ernst.

    Das Schlimmste an der Selbstausbeutung ist, dass wir es oft gar nicht merken und erst recht nicht wahrhaben wollen. Selbst wenn der Partner sich beschwert, dass man abends viel zu lange im Büro bleibt oder die Freunde sich beschweren, dass man nie die Zeit für einen Kaffee oder einen Kinobesuch hat, hören die meisten nicht hin. Nicht wenige fühlen sich davon regelrecht angegriffen und interpretieren die Warnungen aus dem privaten Umfeld als mangelndes Verständnis für die eigene Situation. Auch wenn es schwer fällt und die Erkenntnis schmerzhaft ist, fragen Sie sich, ob an dem, was Ihr Umfeld sagt, nicht doch etwas dran ist.

  • Lassen Sie Hilfe zu und geben Sie Arbeit ab.

    Es ist ein Irrglaube, dass Sie alles alleine schaffen müssen. Delegieren Sie Aufgaben. Vielen Arbeitnehmern fällt auch das schwer, weil Sie das Abgeben von Aufgaben als Kontrollverlust erleben. Dabei ist richtiges Delegieren eine Arbeitserleichtung. Auf diese Weise schaffen Sie Zeit, um sich auf Ihre Kernaufgaben zu konzentrieren.

  • Gewinnen Sie Abstand zum Job.

    Damit sich Druck und Stress nicht aufbauen, ist es essenziell, dass Sie die Arbeit auch einfach mal Arbeit sein lassen. Schaffen Sie Rituale, um nach Feierabend abschalten zu können. Treiben Sie beispielsweise Sport oder pflegen Sie ein Hobby, dass Ihnen Freunde bereitet und Sie entspannt. Durchbrechen Sie außerdem den Teufelskreis der Erreichbarkeit, indem Sie etwa nach 19 Uhr keine Dienstmails mehr lesen oder verschicken.

15 Dinge, die Überstunden über Sie sagen

  • Sie sind sehr fleißig.
  • Ihr Chef mag Sie.
  • Sie besitzen Leidensfähigkeit und Ausdauer.
  • Sie können schlecht Nein sagen.
  • Sie arbeiten nicht besonders effizient.
  • Sie können sich nicht allzu gut selbst organisieren.
  • Sie vergeuden zu viel Zeit vor dem Computer.
  • Ihr Gehalt sollte höher sein - ist es aber nicht.
  • Und bewegen sich zu wenig.
  • Ihre Familie kennt Sie vor allem von Fotos.
  • Sie treffen Ihre Freunde viel zu selten.
  • Sie leben nur noch für Ihren Beruf.
  • Sie schlafen zu wenig, um sich langfristig gut konzentrieren zu können.
  • Sie sind auf dem besten Weg zu einem Burnout.
  • UND: Sie arbeiten zu viel.
[Bildnachweis: Visual Generation, Hannamariah, Alexskopje, Alphaspirit by Shutterstock.com]