alphaspirit/ShutterstockWenn Sie Ihren Job verlieren, haben Sie erst mal alle Hände voll zu tun, um sämtliche Angelegenheiten zu regeln. Und dann wollen Sie ja möglichst rasch mit der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle beginnen. Die Bewerbungsphase wird sich in der Regel über mehrere Monate hinziehen. Und in der neuen Firma bekommen Sie im ersten halben Jahr keinen Urlaub. Erholung wird es also erst in ferner Zukunft wieder geben. Doch eigentlich hätten Sie dringend eine Auszeit nötig, um nach dem Schock und Stress ein wenig Luft zu schöpfen und Abstand zu gewinnen. Aber dürfen Sie sich in dieser Situation überhaupt eine Pause gönnen und eine Weile dem Nichtstun frönen? Was wird die Familie, was werden Freunde, Bekannte und (Ex-)Kollegen dazu sagen?

Trauer braucht ihre Zeit

MobbingSorgenAngstDer Verlust des Arbeitsplatzes ist für viele eine traumatische Erfahrung und belastet die Seele ähnlich wie der Tod eines nahe stehenden Menschen. Es ist gut, wenn Sie den damit verbundenen Gefühlen wie Wut, Schmerz und schließlich Trauer Raum geben. Versuchen Sie nicht, die emotionale Belastung zu ignorieren oder unter den Teppich zu kehren. Sonst verschafft sich die Seele anderweitig ein Ventil, und Sie werden körperlich krank. Bei meinen Klienten erlebe ich das oft: die Symptome reichen von Kopf- oder Rückenschmerzen über den Verlust der Stimme bis zum Hörsturz mit mehrwöchigem Krankenhausaufenthalt. Chronisch Kranke erleiden häufig einen akuten Schub, und bisher leichte Beschwerden verschlimmern sich dramatisch.

Wer hingegen bewusst trauert und sich dafür Zeit nimmt, kann sich normalerweise viel früher mit voller Kraft seinen Bewerbungsaktivitäten widmen.

Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl

In der Phase der beruflichen Neuorientierung eine Auszeit oder einen Urlaub einzuplanen, ist also nicht nur sinnvoll, sondern sogar sehr wichtig. Deshalb folgen Sie Ihrem eigenen Gefühl, wenn es Ihnen sagt, dass Sie Ruhe und Abstand brauchen. Möglicherweise werden Sie dann zwar Bemerkungen zu hören bekommen wie

Wie kannst du nur in den Urlaub fahren, obwohl du noch keine neue Stelle hast?

Schenken Sie solchen kritischen Stimmen keine Beachtung, und lassen Sie sich in diesem Punkt auf keine Diskussionen ein. Berufen Sie sich notfalls darauf, dass Ihr Arzt Ihnen den Urlaub verordnet hat - was ein fürsorglicher Arzt auch sicherlich tun wird.

Manche nutzen die Zeit zwischen zwei Jobs auch, um endlich die lange aufgeschobene Kur zu beantragen. Aus Erfahrung weiß ich, dass die aus der Kur Zurückgekehrten sich mit ihren Bewerbungen viel leichter tun als vorher.

Wann also ist der beste Zeitpunkt für den Urlaub zwischen zwei Jobs?

  1. Direkt am Anfang, unmittelbar nach der Kündigung?
  2. Am Ende der Phase, kurz vor Antritt des neuen Jobs?
  3. Mittendrin?

Der Reihe nach - für jeden Zeitpunkt gibt es unterschiedliche Argumente:

  1. Günstig: Am Anfang

    Günstig ist die Zeit direkt nach der Kündigung, nachdem Sie mit Ihrem Noch-Arbeitgeber alle offenen Fragen geklärt und sich vorsorglich bei der Arbeitsagentur arbeitsuchend gemeldet haben. Das ist normalerweise die Zeit, in der Sie am dringendsten Erholung brauchen, denn Schock und Schmerz sind noch groß. Wenn Sie danach Ihre Bewerbungskampagne starten, haben Sie Ihre Kraftreserven aufgefüllt und können sich mit vollem Elan Ihrer Jobsuche widmen.

  2. Ganz ohne schlechtes Gewissen: Am Ende

    Der glücklichste Zeitpunkt für einen unbeschwerten Urlaub ist hingegen die Zeit vor Antritt der neuen Stelle, wenn Sie Ihren Arbeitsvertrag bereits unterzeichnet haben. Völlig unbelastet können Sie die freie Zeit genießen und sich auf die neue Aufgabe freuen, die Sie dann nach dem Urlaub gut erholt und mit frischen Kräften in Angriff nehmen.

  3. Unruhig: In der Mitte

    Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass der Urlaub mitten in die Bewerbungskampagne fällt - etwa weil er schon lange im Voraus gebucht war und/oder aus Rücksicht auf die Familienmitglieder (Lebenspartner, Kinder), die nicht beliebig frei machen sind. Optimal ist dieser Zeitraum nicht: Auch wenn manch potenzielle Arbeitgeber ihre Kandidaten lange auf Antwort warten lassen, wenn der Zeitpunkt der Entscheidung einmal gekommen ist, dann haben viele Einsteller es plötzlich eilig. Dann wird erwartet, dass Sie hoppladihopp für ein Vorstellungsgespräch zur Verfügung stehen. Und wenn der Zuständige Sie beim ersten Versuch nicht erreicht, fliegen viele gleich wieder aus dem Rennen. Auch wenn die Zeit der laufenden Jobsuche nicht wirklich optimal ist: Auf Ihre Ferien verzichten sollten Sie trotzdem nicht. Wenn Sie den Urlaub nicht anders als mitten in die Bewerbungsphase legen können, dann sorgen Sie aber unbedingt dafür, dass Sie gut erreichbar sind. Dazu müssen Sie nicht zwingend beim Strand-Volleyball alle fünf Minuten auf Ihr Handy schauen. Aber einmal am Tag kann schon zu wenig sein. Vergessen Sie auch nicht, Ihren E-Mail-Eingang regelmäßig zu kontrollieren. In Einzelfällen kann ebenso sinnvoll sein, wenn eine Person Ihres Vertrauens zu Hause die Briefpost öffnet. Und wer schon in seinem Bewerbungsanschreiben vermerkt, dass er von dann bis dann im Urlaub, aber über Mobiltelefon erreichbar ist, geht auf Nummer Sicher.

Den allgemein perfekten Zeitpunkt gibt es also nicht - nur den jeweils individuell besten. Den können zwar nur Sie selber finden, aber sich einen Urlaub gönnen - und sei es nur ein Kurzurlaub - sollten Sie auf jeden Fall.