Vorstellungsgespräch auf Englisch: Tipps zur Vorbereitung
"Please tell us about your career so far" Die Bitte kann einen Bewerber völlig unerwartet treffen. Bis dahin wurde das Vorstellungsgespräch auf Deutsch geführt. Alles kein Problem. Darauf haben Sie sich eingestellt und vorbereitet. Nun aber folgt der Wechsel in eine Fremdsprache: Das Vorstellungsgespräch wird auf Englisch fortgesetzt. Blöd, wenn Sie jetzt kein Wort mehr herausbekommen und nur wirres Zeug stottern. Wie Sie eine solche Situation überstehen...

Wann sollten Sie mit einem Wechsel ins Englische rechnen?

Wenn Sie die Stellenausschreibung genau studiert haben, dürfte ein möglicher Sprachwechsel nicht überraschend für Sie sein. Wird dort beispielsweise von "sehr guten", "exzellenten" oder "verhandlungssicheren" Englischkenntnissen gesprochen, können Sie davon ausgehen, dass diese auch überprüft werden. In der schriftlichen Bewerbung haben Sie solche Kenntnisse ja auch schon angegeben. Einen Teil des Vorstellungsgespräches auf Englisch zu führen, ist also nur die logische Fortsetzung dessen, was Sie versprochen haben.

Weitere Signale dafür, dass Sie Ihre Englischkenntnisse bereits im Vorstellungsgespräch demonstrieren sollen sind:

  • Das Unternehmen ist international tätig.
  • Das Unternehmen ist eine Tochter eines international tätigen Unternehmens.
  • In der Stellenanzeige wird auf die Internationalität des Teams verwiesen.

Damit Sie von dem Wechsel ins Englische nicht überrumpelt werden und Gelegenheit haben sich darauf vorzubereiten, sollten Sie die Stellenanzeige also genau lesen und bei der Recherche über das Unternehmen Ihr Augenmerk auf diesen Aspekt legen.

Wie bereiten Sie sich auf ein Vorstellungsgespräch auf Englisch vor?

Sie haben sich über Ihren potenziellen Arbeitgeber informiert und bei der Recherche festgestellt, dass der gegenseitige Wissensaustausch unter den Standorten für das Unternehmen eine große Rolle spielt. Sie wurden zwar nicht explizit darauf hingewiesen, dass das Vorstellungsgespräch auf Englisch geführt wird, doch Sie wollen vorbereitet sein. Was nun?

In erster Linie ist es wichtig, dass Sie bei der Einschätzung Ihrer Englischkenntnisse realistisch waren und diese nicht beschönigt haben. Nichts ist peinlicher als im Lebenslauf fließende Englischkenntnisse anzugeben und wenn es darauf ankommt kein Wort sprechen zu können. Damit hätten Sie sich sofort ins Aus katapultiert.

Gehen wir aber mal davon aus, dass Sie Ihre Englischkenntnisse wahrheitsgemäß angegeben haben und diese nun etwas auffrischen möchten. Vielen Bewerbern geht es so, dass Sie zwar über sehr gute Englischkenntnisse verfügen, diese jedoch nicht täglich nutzen. Damit ist ihr Englisch etwas eingerostet.

Keine Panik, wenn Sie ein bis zwei Wochen vor dem Termin mit der Auffrischung beginnen, wird es für Sie kein Problem sein das Gelernte wieder zu aktivieren.

Sprachkenntnisse im Lebenslauf

Wie geben Sie Sprachkenntnisse in Ihrem Lebenslauf richtig an? Zwar gibt es keine allgemein gültige Norm, gängig ist jedoch die Angabe des Niveaus.

  • Grundkenntnisse

    bedeutet: Sie verfügen über einen Grundwortschatz, kennen die wichtigsten Grammatikregeln und können einer einfachen Konversation folgen.

  • Gut

    bedeutet, dass Sie sich an einer Unterhaltung beteiligen und fremdsprachige Texte verstehen, also beispielsweise eine Zeitung lesen können.

  • Sehr gut

    oder fließend bedeutet, dass Sie weitgehend fehlerfrei sprechen, anspruchsvolle Texte verstehen und sich auch über komplexe Themen flüssig unterhalten können.

  • Verhandlungssicher

    entspricht dem Niveau eines Muttersprachlers: Sie sprechen akzent- und fehlerfrei, verfügen über denselben umfassenden Wortschatz wie ein gebildeter Muttersprachler, beherrschen idiomatische Wendungen und können sich auch in kontroversen Verhandlungen mühelos (sprachlich) behaupten.

Weitere Tipps und Beispiele, wie Sie Sprachkenntnisse richtig angeben, finden Sie in diesem Artikel.

Wie Sie bei der Wiederholung vorgehen:

  • Beginnen Sie damit, Ihre Bewerbungsunterlagen auf Englisch zu übersetzen. Besonders wichtig ist es, dass Sie die Stationen Ihres Lebenslaufs auf Englisch parat haben.
  • Schauen Sie sich die englischsprachige Website des Unternehmens an. Damit komplementieren Sie Ihre deutschsprachige Recherche.
  • Eignen Sie sich das notwendige Fachvokabular Ihrer Branche an. Die Unternehmenswebsite wird Ihnen Aufschluss darüber geben, welche Vokabeln wichtig sind und Ihnen auf jeden Fall geläufig sein sollten. Schauen Sie diese in einem Fachlexikon nach und machen Sie sich eine Übersicht mit den wichtigsten Begriffen.
  • Lesen Sie auf Englisch. Beginnen Sie gezielt Text auf Englisch zu lesen. Das können Tageszeitungen sein oder ausländische Fachmagazine aus Ihrer Branche.
  • Trainieren Sie Ihr Hörverständnis. Durch das Hören von englischsprachigen Podcast oder das Schauen von englischsprachigen Filmen und Dokumentationen schulen Sie Ihr Sprachgefühl und Ihr Hörverständnis. Es ist auch eine gute Übung sich an das Sprechtempo eines Muttersprachlers oder an verschiedene Akzente, wie den britischen oder den amerikanischen Akzent zu gewöhnen.
  • Ergänzend können Sie sich auch Podcasts in englischer Sprache anhören. Unsere Empfehlung ist hier der Business English Pod, bei dem Sie gleichzeitig das passende Vokabular mitbekommen. Aprops Vokabular: Der Blick in ein Fachlexikon für Ihren Arbeitsbereich wird Ihnen - wenn Sie die Fachbegriffe nicht schon beherrschen - nicht erspart bleiben. Sie müssen dabei zwar nicht alles auswendig lernen, doch die wichtigsten Begriffe sollten sitzen.
  • Üben Sie das Sprechen. Lesen und hören allein reicht nicht aus, um ein Gespräch am Leben zu halten. Deswegen empfiehlt es sich die Situation im Vorstellungsgespräch zu simulieren. Bitten Sie Freunde oder Familienmitglieder, die ebenfalls gut Englisch sprechen, mit Ihnen die Situation zu trainieren. Trainieren Sie dabei gezielt die Selbstpräsentation und die Darstellung der Stationen in Ihrem Lebenslauf. Auf diese Weise gewinnen Sie Sicherheit für das bevorstehende Vorstellungsgespräch.
  • Trainieren Sie vor allem den Wechsel. Switchen Sie mehrfach zwischen Deutsch und Englisch hin und her. Denn der spontane Sprachwechsel macht den meisten Menschen zu schaffen. Ihr Gehirn braucht einige Minuten, um sich auf die neue Sprache einzustellen. Bereiten Sie sich gezielt darauf vor, wird Ihnen der Wechsel immer leichter fallen und Sie werden immer weniger das Gefühl haben, dass Ihnen die Worte fehlen.

Häufig gestellte Fragen im Vorstellungsgespräch auf Englisch

  • Tell us about your career so far?
  • What made you apply for this job in particular?
  • Could you summarize your background in a few sentences?
  • What makes you stand out from the other applicants?
  • Is there a common thread to your CV?
  • What have you achieved so far?
  • What are your strengths?
  • What evidence of successful work can you provide?
  • Which of your talents can you make use of in the advertised position?
  • What have been your two greatest achievements?
  • Which of our locations would you most like to work at?
  • What impression do you have of our company?
  • Are you familiar with our competitors?

Auf Gelassenheit kommt es an

Viel mehr als auf einen perfekten Wortschatz kommt es auf die richtige Präsentation an. Setzen Sie sich selbst nicht zu sehr unter Druck und lernen Sie nicht hunderte von Vokabeln auswendig. Beschränken Sie sich lieber auf die Wichtigsten, den Rest werden Sie vor lauter Nervosität wahrscheinlich nicht mehr zusammenbekommen. Sollte Ihnen im Gespräch mal ein Begriff fehlen, machen Sie sich deswegen nicht verrückt. Bleiben Sie gelassen und umschreiben Sie das, was Sie sagen wollen mit anderen Worten.

Wechselt der Personaler in einem Vorstellungsgespräch spontan ins Englische, will er in der Regel nur testen, dass Sie auch über die in der Bewerbung genannten Englischkenntnisse verfügen.

Zeigen Sie, dass es für Sie kein Problem ist eine Konversation auf Englisch zu führen und Ihren bisherigen Werdegang darzustellen. Fehlt Ihnen mal der ein oder andere Fachbegriff oder die Grammatik ist nicht zu 100 Prozent korrekt, wird das in der Regel nicht zu Ihrem Nachteil ausgelegt. Machen Sie sich also keine Sorgen und treten Sie selbstbewusst auf.

Was Sie jedoch dringend vermeiden sollten, ist umgangssprachlich zu werden. Es handelt sich immer noch um ein Vorstellungsgespräch. Aus diesem Grund sollten Sie auf umgangssprachliche Begriffe wie "gonna" oder "ain't" und ähnliche lieber verzichten.

Grundsätzlich gilt: Führen Sie das Gespräch so, wie Sie es auch auf Deutsch tun würden. Dann werden Sie nach wenigen Minuten gar nicht mehr merken, dass Sie sich mit Ihrem Gesprächspartner auf Englisch unterhalten. Good luck!

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