Wie bei einer späteren Festanstellung auch, durchlaufen Azubis zu Beginn Ihrer Ausbildung eine Probezeit. Diese Testphase erfüllt einen wichtigen Zweck. Auszubildender und Ausbilder sollen sich kennenlernen, einen ersten Eindruck voneinander erhalten und sich über zwei Dinge klar werden: Hat der Azubi sich für den für ihn richtigen Ausbildungsberuf entschieden und passen Auszubildender und Ausbildungsstelle zusammen? Die Probezeit gibt beiden Parteien die Möglichkeit, die Zusammenarbeit bei Unzufriedenheit frühzeitig zu beenden. Trotz der Ähnlichkeit gibt es für die Probezeit der Ausbildung einige wichtige Unterschiede. Wir zeigen Ihnen, was Azubis wissen müssen...

Ausbildung Probezeit: Wie lange dauert sie?

Anders als bei einem normalen Arbeitsvertrag, bei dem die Probezeit in den meisten Fällen bei sechs Monaten liegt, sieht § 20 des Berufsbildungsgesetz eine Probezeit zwischen einem und vier Monaten vor. In der Praxis trifft man am häufigsten auf eine Regelung von vier Monaten. Dies bietet beiden Seiten ausreichend Zeit, um sich ein Bild von der Situation zu machen und darüber zu entscheiden, ob die Ausbildung fortgesetzt werden soll.

Doch trotz der gesetzlichen Regelung kann die Dauer der Probezeit auch über diese Grenzen hinaus variieren. Es ist also sowohl eine verkürzte, aber auch eine verlängerte Probezeit möglich. Für diesen Fall müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen eintreten:

  • Die Probezeit kann verkürzt werden, wenn der Azubi bereits vor seiner Ausbildung in dem Betrieb gearbeitet hat. Zusätzlich muss die vorherige Tätigkeit eng mit der späteren Ausbildung verbunden sein.
  • Die Dauer der Probezeit kann sich verlängern, wenn beispielsweise aufgrund von Krankheit ein längerer Teil der Probezeit ausfällt. Nur in dieser Ausnahme darf nach vorheriger Vereinbarung die Probezeit den Zeitraum von vier Monaten überschreiten.

Ausbildung Probezeit: Was ist bei Kündigungen zu beachten?

Adam Gregor/shutterstock.comWenn Sie eine Ausbildung machen und noch in der Probezeit sind, gibt es in der Regel keinen Kündigungsschutz. Das hat auf der einen Seite den Vorteil, dass Sie jederzeit die Ausbildung beenden können, sollten Sie mit dem gewählte Beruf oder dem Ausbildungsbetrieb unzufrieden sein. Der negative Aspekt ist natürlich, dass Ihr Ausbilder die gleiche Option hat und Sie theoretisch kurzfristig vor die Tür setzen könnte.

Bestimmte Personen genießen während Ihrer Ausbildung allerdings auch in der Probezeit einen gesonderten Kündigungsschutz. Das gilt besonders für Schwangere und Menschen mit einer Behinderung. Diese können gegen eine Kündigung in der Probezeit vorgehen und Widerspruch einlegen. Im Falle der Kündigung einer schwangeren Auszubildenden muss diese dem Betrieb Ihrer Schwangerschaft mitteilen. Nur wenn er davon weiß, kann der Ausbildungsbetrieb sich auch an den Kündigungsschutz halten.

Ansonsten besteht keine Pflicht, eine Schwangerschaft während der Probezeit bekannt zu machen. Es ist Ihr gutes Recht, damit bis zum Ablauf der Probezeit zu warten, es sei denn, Ihr Arbeitsplatz stellt ein erhöhtes Risiko für die Gesundheit des Kindes dar.

Ausbildung Probezeit: So gelingt das Kündigungsschreiben

Sie haben sich ausführlich Gedanken zum Thema gemacht, nach Gründen und Ursachen gesucht und versucht, die Situation zu verbessern? Sollten Sie dennoch unglücklich mit dem gewählten Beruf oder Betrieb sein, bleibt in manchen Fällen nur noch die Kündigung. Im besten Fall haben Sie zu diesem Zeitpunkt bereits eine Alternative ins Auge gefasst, doch zunächst gilt es die Kündigung einzureichen:

  • Die Kündigung muss immer schriftlich mitgeteilt werden.
  • Sie müssen bei Ihrer Kündigung keine Gründe angeben, wenn diese in der Probezeit erfolgt
  • Sie können ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist das Ausbildungsverhältnis beenden.

Ausbildung Probezeit: So nutzen Sie diese am besten

Goodluz/shutterstock.comOb Sie die Probezeit zu Beginn Ihrer Ausbildung als lästiges Hindernis oder als Chance sehen, hängt am Ende davon ab, was Sie daraus machen. Besonders der fehlende Kündigungsschutz bereitet vielen Auszubildenden Sorgen. Davon sollten Sie sich aber nicht lähmen lassen, sondern die Probezeit aktiv nutzen, um wichtige Erfahrungen zu sammeln und daraus abzuleiten, ob der Beruf sowie die Ausbildungsstelle zu Ihnen passt. So wird bereits die Probezeit Ihrer Ausbildung zum Erfolg:

  1. Lernen Sie die neuen Kollegen kennen

    Sie werden die nächsten Jahre Seite an Seite mit Ihren neuen Kollegen zusammenarbeiten, da sollten Sie die Probezeit nutzen, um diese besser kennenzulernen. Wie ist das Arbeitsklima, wie gut verstehen Sie sich mit den Mitarbeitern und wie gut werden Azubis integriert? Denken Sie dabei langfristig: Entwickeln Sie bereits früh eine Abneigung gegen die Arbeit mit den Kollegen, lässt sich diese in der verbleibende Ausbildung nur schwer wieder rückgängig machen.

  2. Lernen Sie soviel wie möglich

    Dieser Punkt gilt natürlich für die gesamte Ausbildungsdauer, doch gerade in den ersten Wochen und Monaten - also genau in Ihrer Probezeit - prasseln eine ganze Menge an neuen Informationen auf Sie ein. Es empfiehlt sich daher immer Stift und Notizblock zur Hand zu haben. Auch sollten Sie nicht zu schüchtern sein, um Fragen zu stellen. Diese untermauern Ihr Interesse und helfen Ihnen dabei, Sachverhalte gleich richtig zu verstehen.

  3. Zeigen Sie Ihre Motivation

    Gerade zu Beginn sollten Sie durch Ihr Verhalten zeigen, dass Sie froh über die Ausbildungsstelle sind. Ein deutliches Zeichen setzen Sie durch Motivation und Engagement. Auch wenn Azubis in der Regel keine Überstunden machen, sollten Sie nicht pünktlich um Feierabend aus der Tür stürmen. Mehr Einsatzbereitschaft demonstrieren Sie, wenn Sie nachfragen, ob es noch etwas zu tun gibt.

  4. Verhalten Sie sich vorbildlich

    Ihnen macht der Gedanke an den fehlenden Kündigungsschutz Bauchschmerzen? Dann sorgen Sie durch Ihr Verhalten dafür, dass Ihrem Ausbilder erst gar nicht der Gedanke daran kommt. Verhalten Sie sich den anderen Azubis und natürlich auch den Vorgesetzten gegenüber freundlich und hilfsbereit. Gerade Teamfähigkeit wird in vielen Abteilungen hoch eingeschätzt. Anstatt sich offen darüber zu freuen, Ihre Aufgabe als erster erledigt zu haben, bieten Sie anderen Ihre Hilfe an.

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[Bildnachweis: michaeljung, Adam Gregor, Goodluz by Shutterstock.com]

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