Ausbildung Probezeit: Tipps für Azubis

Wie bei einer späteren Festanstellung, gibt es auch in der Ausbildung eine Probezeit. Diese Testphase erfüllt einen wichtigen Zweck: Auszubildender und Ausbilder sollen sich kennenlernen, einen ersten Eindruck voneinander gewinnen und sich über zwei Dinge klar werden: Hat der Azubi sich für den richtigen Ausbildungsberuf entschieden und passen Auszubildender und Ausbildungsstelle zusammen? Die Probezeit gibt beiden Parteien die Möglichkeit, die Zusammenarbeit bei Jobfrust frühzeitig zu beenden. Trotz der Ähnlichkeit gibt es für die Probezeit in der Ausbildung einige wichtige Unterschiede. Wir zeigen Ihnen, was Azubis wissen müssen…

Ausbildung Probezeit: Tipps für Azubis

Ausbildung Probezeit: Wie lange dauert sie?

Anders als bei einem normalen Arbeitsvertrag, bei dem die Probezeit in den meisten Fällen bei sechs Monaten liegt, sieht § 20 des Berufsbildungsgesetzes eine Probezeit zwischen einem und vier Monaten vor. In der Praxis trifft man am häufigsten auf eine Regelung von vier Monaten. Dies bietet beiden Seiten ausreichend Zeit, um sich ein Bild von der Situation zu machen und darüber zu entscheiden, ob die Ausbildung fortgesetzt werden soll.

Ist eine Verlängerung oder Verkürzung der Probezeit zulässig?

Trotz der gesetzlichen Regelung kann die Dauer der Ausbildungsprobezeit über diese Grenzen hinaus variieren. Es ist also sowohl eine verkürzte als auch eine verlängerte Probezeit in der Ausbildung möglich. Dafür müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen eintreten:

  • Die Probezeit kann verkürzt werden, wenn der Azubi bereits vor seiner Ausbildung in dem Betrieb gearbeitet hat. Zusätzlich muss die vorherige Tätigkeit eng mit der späteren Ausbildung verbunden sein.
  • Die Dauer der Probezeit kann sich verlängern, wenn beispielsweise aufgrund einer Krankheit der Azubi für einen längeren Zeitraum in der Probezeit ausfällt. Nur dann darf nach vorheriger Vereinbarung die Probezeit den Zeitraum von vier Monaten überschreiten.

Was passiert bei einer Kündigung der Ausbildung in der Probezeit?

Wenn Sie eine Ausbildung machen und noch in der Probezeit sind, gibt es in der Regel keinen Kündigungsschutz. Das hat auf der einen Seite den Vorteil, dass Sie jederzeit die Ausbildung beenden können, sollten Sie mit dem gewählten Beruf oder dem Ausbildungsbetrieb unzufrieden sein. Auf der anderen Seiten haben Sie den Nachteil, dass Ihr Ausbilder die gleiche Option hat und Sie kurzfristig vor die Tür setzen kann.

Kündigungsschutz während der Probezeit in der Ausbildung

Während in der Regel kein Kündigungsschutz in der Probezeit der Ausbildung besteht, können bestimmte Personengruppen trotzdem nicht oder nur sehr schwierig gekündigt werden.

Dazu zählen:

  • Schwangere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen im Mutterschutz oder Elternzeit

    Nach dem Mutterschutzgesetz (MuSchG) sind schwangere Mitarbeiterinnen vor einer Kündigung geschützt. Das gilt auch für Auszubildende im Betrieb. Dazu muss der Arbeitgeber jedoch von der Schwangerschaft wissen.

    Daher gilt im Falle einer Kündigung: Mitarbeiterinnen und Auszubildende müssen spätestens zwei Wochen nach Zugang der Kündigung ihren Arbeitgeber informieren. Tun sie das, fallen sie unter den Kündigungsschutz und die Kündigung ist in der Regel gegenstandslos. Dennoch sollten sie der Kündigung formal widersprechen.

    Ansonsten besteht keine Pflicht, eine Schwangerschaft während der Probezeit bekannt zu machen. Es ist Ihr gutes Recht, damit bis zum Ablauf der Probezeit zu warten, es sei denn, Ihr Arbeitsplatz stellt ein erhöhtes Risiko für Ihre oder die Gesundheit des Kindes dar.

    Azubis, die sich in der Probezeit ihrer Ausbildung befinden und ein Kind entbunden haben, sind für vier Monate nicht kündbar.

    Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen von dieser Regel. Diesen muss jedoch die jeweils zuständige oberste Landesbehörde zustimmen.

  • Azubis mit einer schweren Behinderung

    Schwerbehinderte Azubis können von einem besonderen Kündigungsschutz profitieren. In der Regel greift dieser nach sechs Monaten und damit nach dem Ende der Probezeit der Ausbildung.

    Aber schon davor können schwerbehinderte Auszubildende nicht einfach so gekündigt werden. Der Arbeitgeber muss zunächst das zuständige Integrationsamt darüber informieren, dass er eine Kündigung des behinderten Azubis plant. Das Amt prüft dann, ob es geeignete Maßnahmen gibt, mit denen der Azubi weiter beschäftigt werden kann.

  • Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)

    Die Jugend- und Auszubildendenvertretung ist gewissermaßen der Betriebsrat für junge Mitarbeiter unter Auszubildende unter 25 Jahren. Wer das Glück hat, schon in der Ausbildung während der Probezeit in die Vertretung gewählt zu werden, genießt besonderen Kündigungsschutz.

    Dieser gilt während der gesamten Amtszeit, die in der Regel zwei Jahre dauert.

    Nur mit Zustimmung des Betriebsrates und des zuständigen Arbeitsgerichts können Mitglieder der JAV gekündigt werden – und das nur dann, wenn es einen Grund für eine außerordentliche Kündigung gibt.

So gelingt das Kündigungsschreiben

Sie haben sich ausführlich Gedanken zum Thema gemacht, nach Gründen und Ursachen gesucht und versucht, die Situation zu verbessern? Sollten Sie dennoch unglücklich mit dem gewählten Beruf oder Betrieb sein, bleibt in manchen Fällen nur noch die Kündigung. Im besten Fall haben Sie zu diesem Zeitpunkt bereits eine Alternative ins Auge gefasst, doch zunächst gilt es, die Kündigung einzureichen:

  • Die Kündigung muss immer schriftlich mitgeteilt werden.
  • Sie müssen bei Ihrer Kündigung keine Gründe angeben, wenn diese in der Probezeit erfolgt.
  • Sie können ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist das Ausbildungsverhältnis beenden.
  • Sind Sie noch minderjährig, müssen der oder die Sorgeberechtigten die Kündigung unterschreiben.

Ausbildung Probezeit: So nutzen Sie diese am besten

Probezeit Bgb Tipps Dauer Urlaub FaqOb Sie die Probezeit zu Beginn Ihrer Ausbildung als lästiges Hindernis oder als Chance sehen, hängt am Ende davon ab, was Sie daraus machen. Besonders der fehlende Kündigungsschutz bereitet vielen Auszubildenden Sorgen. Davon sollten Sie sich nicht lähmen lassen, sondern die Probezeit aktiv nutzen, um wichtige Erfahrungen zu sammeln und daraus abzuleiten, ob der Beruf sowie die Ausbildungsstelle zu Ihnen passt.

So wird bereits die Probezeit Ihrer Ausbildung zum Erfolg:

  1. Lernen Sie die neuen Kollegen kennen

    Sie werden die nächsten Jahre Seite an Seite mit Ihren neuen Kollegen zusammenarbeiten, da sollten Sie die Probezeit nutzen, um diese besser kennenzulernen:

    • Wie ist das Arbeitsklima?
    • Wie gut verstehen Sie sich mit den Mitarbeitern?
    • Wie gut werden Azubis integriert?

    Denken Sie dabei langfristig: Entwickeln Sie bereits früh eine Abneigung gegen die Arbeit mit den Kollegen, lässt sich diese in der verbleibende Ausbildung nur schwer wieder rückgängig machen.

  2. Lernen Sie soviel wie möglich

    Dieser Punkt gilt natürlich für die gesamte Ausbildungsdauer, doch gerade in den ersten Wochen und Monaten – also genau in Ihrer Probezeit – prasseln eine ganze Menge an neuen Informationen auf Sie ein.

    Es empfiehlt sich daher, Stift und Notizblock zur Hand zu haben. Sie sollten nicht zu schüchtern sein, um Fragen zu stellen. Diese zeigen Ihr Interesse und helfen Ihnen dabei, Sachverhalte gleich richtig zu verstehen.

  3. Zeigen Sie Ihre Motivation

    Gerade zu Beginn sollten Sie durch Ihr Verhalten zeigen, dass Sie froh über die Ausbildungsstelle sind. Ein deutliches Zeichen setzen Sie durch Motivation und Engagement.

    Obwohl Azubis in der Regel keine Überstunden machen, sollten Sie nicht mit dem Glockenschlag aus der Tür stürmen. Einsatzbereitschaft demonstrieren Sie, wenn Sie nachfragen, ob es noch etwas zu tun gibt.

  4. Verhalten Sie sich vorbildlich

    Verhalten Sie sich den anderen Azubis und natürlich den Vorgesetzten gegenüber freundlich und zeigen Sie Hilfsbereitschaft.

    Gerade Teamfähigkeit wird in vielen Abteilungen hoch eingeschätzt. Anstatt sich offen darüber zu freuen, Ihre Aufgabe als erster erledigt zu haben, bieten Sie anderen Ihre Hilfe an.

[Bildnachweis: Iconic Bestiary by Shutterstock.com]
27. August 2019 Karrierebibel Autoren Logo Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.


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