Beförderung ablehnen: Wann und wie es der Karriere nützt
Endlich! Nach langer, harter Arbeit steht die ersehnte Beförderung an. Ihr Chef hat Sie ausgewählt, die nächste Stufe der Karriereleiter ist in Reichweite. Bei aller berechtigten Begeisterung und Euphorie: Sind Sie sicher, dass die Beförderung der richtige Schritt ist? Provokant gefragt: Sollten Sie vielleicht die Beförderung ablehnen? Die Frage mag absurd klingen, doch in manchen Situationen kann es der richtige Schritt sein, um Ihre Karriere perspektivisch voranzubringen. Eine Beförderung abzulehnen kann Ihrer Karriere enorm nützen...

Warum wollen Sie die Beförderung?

Lucky Business by shutterstock.comSollten Sie die lang ersehnte Beförderung wirklich ablehnen? Um diese Frage sinnvoll und fundiert beantworten zu können, sollten Sie sich zuerst einer anderen Frage widmen: Warum wollen Sie die Beförderung?

Die Antwort scheint banal und naheliegend. Beförderungen bringen Sie auf der Karriereleiter weiter, steigern Ihr Ansehen im Unternehmen und in Ihrem sozialen Umfeld, bringen (meistens) eine bessere Bezahlung mit sich und erhöhen insgesamt Ihre Lebensqualität. Dieser Schein kann jedoch trügen. Denn in manchen - erstaunlich vielen - Fällen ist die Motivation für eine Beförderung nicht intrinsisch, sondern extern motiviert.

  • Denken Sie bei einer Beförderung direkt daran, was andere dazu sagen würden?
  • Ist es Ihnen wichtig, was Ihre Kollegen, Ihr aktueller Chef und Ihr Umfeld von der Beförderung halten?
  • Verbinden Sie selbst positive Erwartungen mit der Beförderung?
  • Können Sie in drei Sätzen beschreiben, warum die Beförderung für Sie persönlich wichtig ist?
  • Ist die Beförderung integraler Teil Ihrer Karriereplanung?

Wenn Sie sich diese Fragen ernsthaft stellen werden Sie schnell merken, ob Ihre Motivation für die Beförderung wirklich aus Ihnen selbst kommt oder ob Sie primär die Erwartungen anderer befriedigen und erfüllen wollen. Ist Letzteres der Fall, sollten Sie einen Schritt zurücktreten und sich Zeit für Reflexion nehmen.

Denn eine Beförderung aus den falschen Gründen anzunehmen, kann ein schwerwiegender Fehler sein. Denken Sie nur an das Peter Prinzip!

Beförderung als Gefahr... für Karriere und Gesundheit

ra2studio/shutterstock.comEine Beförderung bringt in der Regel mehr Aufgaben, mehr Verantwortung und mehr Möglichkeiten mit sich. Forscher vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit der Universität Gatwick haben sich in diesem Zusammenhang in einer Analyse einer einfachen Frage angenommen: "Do People Become Healthier after Being Promoted?"

Die Antwort: Nein, im Gegenteil. Die Forscher fanden heraus, dass die psychische Belastung nach einer Beförderung um 10 Prozent ansteigt. Gleichzeitig nahmen die Arztbesuche um etwa 20 Prozent ab. Letzteres mag zunächst positiv klingen, die Forscher weisen jedoch daraufhin, dass die selteneren Arztbesuche eher Zeitmangel denn besserer Gesundheit geschuldet sind.

Chris Boyce, einer der Autoren der Studie, fasst die Ergebnisse so zusammen:

Getting a promotion at work is not as great as many people think. Our research finds that the mental health of managers typically deteriorates after a job promotion, and in a way that goes beyond merely a short-term change. There are no indications of any health improvements for promoted people other than reduced attendance at GP surgeries, which may itself be something to worry about rather than celebrate.

Sollten Sie eine Beförderung angesichts dieser Ergebnisse immer ablehnen? Keineswegs. Wenn die neue Aufgabe zu Ihnen passt, kann die wachsende Belastung absolut gerechtfertigt sein. Doch wenn Sie eine Beförderung aus den falschen Gründen annehmen, setzen Sie Ihre Gesundheit - und Ihre Karriere - einem unnötigen Risiko aus und bezahlen einen Preis, der für Sie vermutlich nicht gerechtfertigt ist.

Beförderung ablehnen: Wann es sinnvoll ist

Trotz der möglichen Risiken ist eine Beförderung für viele Arbeitnehmer durchaus attraktiv. Tut sich eine solche Chance auf, werden viele verständlicherweise zumindest nachdenklich. Dann stellt sich die Frage: Wann ist es sinnvoll, eine Beförderung anzunehmen oder abzulehnen?

Die endgültige Antwort können nur Sie selbst finden. Allerdings gibt es einige Situationen, in denen es erfahrungsgemäß sinnvoll sein kann, die Beförderung abzulehnen.

  1. Abweichende Karriereziele

    Pläne sind zwar da um geändert zu werden, doch das bedeutet nicht, dass Sie Ihre Karriereziele komplett ignorieren sollten. Passt eine Beförderung so gar nicht in Ihren Plan und sehen Sie in der neuen Aufgabe keine Perspektive, sollten Sie die Beförderung ablehnen. Sonst laufen Sie sehenden Auges in eine Sackgasse, aus der Sie sich - und Ihre Karriere - nur schwer heraus manövrieren können.

  2. Individuelle Prioritäten

    Die angebotene Beförderung passt im Grunde zu Ihrer Karriereplanung? Dann sollten Sie sich die Frage stellen, ob die neue Aufgabe - inklusive der wachsenden Verantwortung und Belastung - auch zu Ihrer Lebensplanung passt. Wie wichtig ist Ihnen Ihre Familie? Liegen Ihre Prioritäten aktuell auf dem Beruf oder eher im privaten Bereich? Wenn andere Lebensbereiche durch die Beförderung zu sehr hinten anstehen müssten, kommt sie vielleicht einfach zum falschen Zeitpunkt.

  3. Eingeschränkte Flexibilität

    Die neue Aufgabe passt zu Ihrer Karriereplanung und kollidiert auch nicht mir Ihren privaten Plänen? Dann gilt es noch einen letzten Aspekt zu bedenken: Die höhere Bindung an das Unternehmen. Nehmen Sie eine Beförderung an geben Sie damit meist einen Teil Ihrer Flexibilität auf. Zwar können Sie auch kurz nach der Beförderung kündigen, doch damit hinterlassen Sie vermutlich verbrannte Erde und schaden Ihrer Reputation und Ihren Zukunftschancen in der Branche.

Kommen Sie zu dem Schluss, dass die angebotene Beförderung für Sie nicht passt, stehen Sie vor einer weiteren Frage: Wie lehnen Sie die Beförderung ab, ohne Ihren Chef vor den Kopf zu stoßen und Ihre Position im Unternehmen zu schwächen?

Beförderung ablehnen: So erhalten Sie sich alle Chancen

EDHAR/shutterstock.comSie haben alle Pro- und Kontra-Argumente abgewogen und wissen, dass die Beförderung nichts für Sie ist. Die Argumente sind schlüssig, die Lage ist klar. Zumindest für Sie.

Das muss jedoch nicht für Ihren Chef gelten. Hat er Sie aufgrund fachlicher Erwägungen für die Beförderung ausgewählt, setzt er damit eine gewisse Hoffnung in Sie. Vielleicht musste er seine Wahl auch gegen Widerstände in der Chefetage oder Unternehmensführung durchsetzen. In jedem Fall erwartet er von Ihnen eher Begeisterung denn Ablehnung.

Ein Zitat von Henry Ford bringt das Dilemma auf den Punkt:

Geld und eine Beförderung sind die konkreten Mittel, mit denen ein Unternehmen jemandem bescheinigt, dass er/sie der wertvollste Mitspieler ist.

Angesichts dieser Voraussetzung sollten Sie viel Diplomatie und Fingerspitzengefühl walten lassen, wenn Sie eine Beförderung ablehnen. Grundsätzlich ist es sinnvoll, Ihre Entscheidung persönlich unter vier Augen mit Ihrem Chef zu besprechen. Im persönlichen Gespräch können Sie mögliche Missverständnisse vermeiden und Fragen direkt klären.

Um das Gespräch produktiv und für beide Seiten positiv zu gestalten, sind einige Punkte wichtig:

  • Machen Sie unbedingt deutlich, dass Sie sich über die Chance freuen und die dadurch gezeigte Anerkennung zu schätzen wissen.
  • Erklären Sie, dass die Entscheidung Ihnen nicht leicht fällt, für Sie jedoch richtig ist. Rechtfertigen Sie sich bitte nicht.
  • Ihr Chef sollte erkennen und verstehen, dass Sie das Unternehmen, das Team und ihn weiterhin loyal unterstützen werden.
  • Idealerweise können Sie, wenn Ihr Chef dafür offen ist (!), Impulse und Vorschläge für alternative Kandidaten einbringen.

Entscheidend ist, dass Sie nach dem Gespräch Taten folgen lassen und durch fortgesetzt hohes Engagement Ihre Loyalität unter Beweis stellen. Das mag unnötig klingen, ist jedoch in vielen Fällen wichtig. So mancher Chef sieht eine abgelehnte Beförderung als Anfang vom Ende und als Vorzeichen einer nahenden Kündigung.

Solche Bedenken können Sie nur durch Ihr Verhalten zerstreuen. Es ist (leider) klar, dass Sie nach einer abgelehnten Beförderung für längere Zeit keine weitere Chancen im Unternehmen bekommen werden. Wenn Sie eine Beförderung ablehnen, sollten Sie sich dessen bewusst sein.

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