Coaching-Gespräch
Coaching boomt. Jeder zweite Manager hat sich in den vergangenen fünf Jahren coachen lassen. Die Menschen lassen sich heute in allen Lebenslagen und Lebensfragen begleiten und beraten, angefangen bei der Gesundheit und der Ernährung, bis hin zur Partnerschaft und ihrem Sex, beim Image und in Stilfragen, bei Kapital und Kompetenz. Und natürlich bei der Karriere. Ob in Team- oder Einzelcoachings: Überall geht es darum, besser zu werden, Schwächen zu erkennen, sie auszubügeln, Stärken zu stärken, noch mehr aus sich heraus zu holen. Selbstoptimierung heißt das im Fachjargon...

Was hinter Coaching steckt

Coaching-FrauDahinter steckt nicht selten Angst:

  • Angst in der Masse unterzugehen.
  • Angst nicht mithalten zu können.
  • Angst stehen zu bleiben, während sich alle anderen schon lange weiterentwickeln.

Instinktiv spüren alle: Das Wirtschaftskarussell dreht sich immer schneller, Laufbahnen werden komplexer, die Leute wechseln öfter den Job. Nicht immer passiert das freiwillig.

Gleichzeitig wächst der Druck. Die sogenannte Halbwertzeit des eigenen Könnens und Wissens nimmt kontinuierlich ab. Für viele stellt das eine veritable Bedrohung dar, die sie zu mehr Initiative und Eigenverantwortung nötigt: Wer sich nicht um seine Karriere kümmert, wer nicht Schritt hält, der kann scheitern und ist daran am Ende auch irgendwie selber schuld.

Das Tragische daran: Beseelt vom ständigen Bedürfnis ein besserer Mensch zu werden, bleiben wir zugleich behaftet als Menschen in permanenter Not – halbwertig, mangelhaft.

Sind Sie schon bereit für einen Coach?

Sie denken über ein Coaching nach? Dann fragen Sie sich auch, ob Sie zu den folgenden Punkten nicken, beziehungsweise zustimmen können:

  1. Sind sie bereit, sich zu ändern? Wer glaubt, schon ziemlich perfekt zu sein, sucht eher Bestätigung. Coaching aber führt Sie in der Regel aus Ihrer Komfortzone heraus, stellt sie vor neue Herausforderungen und zwingt sie, mehr Verantwortung für Ihr Leben zu übernehmen.
  2. Freuen Sie sich auf neue Perspektiven? Ein guter Coach, wird Ihnen dabei helfen, Horizonte zu erweitern, neue Ziele zu entdecken und zu setzen. Damit daraus ein Erfolg wird, sollten Sie nicht nur Veränderungswille mitbringen, sondern echten Abenteuerwillen. Die Lust und Neugier darauf, Neues zu lernen. Das ist etwas anderes als: "Na gut, dann probier ich das halt mal..."
  3. Sind Sie bereit, die Wahrheit zu hören? Vor allem dann, wenn es weh tut? Ein guter Coach wird Ihnen den Spiegel vorhalten, womöglich auch Kritik üben. Zwar immer konstruktiv, aber wirken kann das nur, wenn Sie nicht sofort in die Defensive gehen, zuhören und das Gehörte ehrlich reflektieren.
  4. Sie offen gegenüber sich selbst? Der Punkt ist mit den ersten beiden verwandt, geht aber einen Schritt weiter: Er bedeutet, dass Sie sich wirklich auf Ihr neues Bild von sich einlassen, sich dafür engagieren. Aber auch ein komplettes und ehrliches Bild Ihrer aktuellen Situation akzeptieren.
  5. Sind Sie aufmerksam gegenüber anderen? Ein umfassendes Coaching beinhaltet auch Ihre Wirkung auf andere, den Abgleich von Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung. Auch dazu benötigt der Coachee Offenheit und Reflexionsvermögen. Andernfalls bleibt das Coaching inhaltlich eher schmalspurig.

Ein Coach für alle Fälle: Was ist Coaching?

Wer indes zum Coach geht, der tut etwas dagegen, der dokumentiert: Ich unternehme etwas, und ich bin bereit, dafür entsprechende Mittel zu investieren!

Falls der Arbeitgeber den Coach bezahlt, heißt das oft sogar nichts weniger als: Das bist du uns wert, denn wir sehen nicht nur deine Fehler, sondern vor allem dein Potenzial.

Entsprechend hat sich das Image des Gecoachtwerdens gewandelt: Wer sich einen persönlichen Ratgeber leistet, der gilt nicht mehr als ein Jemand mit Macken, sondern als Macher mit Möglichkeiten.

Zudem ist Coaching bequem:

  • Der Coachee bekommt einen privaten Schutzraum, in dem er ohne großes Karriererisiko an sich arbeiten kann.
  • Der Coach verdient gutes Geld, indem er den Mächtigen souffliert und dabei selbst ein wenig Macht inhaliert.
  • Die Personalmanager wiederum delegieren müßige Personalentwicklungsarbeit und haben obendrein das gute Gefühl, etwas für die Motivation der Mitarbeiter getan zu haben.

So gesehen: eine perfekte Win-Win-Win-Situation. Jedenfalls auf den ersten Blick.

Mit intimen Geständnissen auf der Couch hat Coaching jedoch herzlich wenig zu tun. Der Coach ist eher eine Art Trainer (im Sport heißt er bezeichnenderweise ja auch "Coach"), der seinem Gegenüber, dem Coachee, dabei hilft, das Beste aus sich herauszuholen – wenn es sein muss, auch schonungslos ehrlich.

Allerdings kann der Coach dabei nur vorhandene Begabungen wecken, Impulse geben, auf Verbesserungen in der Praxis hinarbeiten. Aus einem verschlossenen Eigenbrötler eine Rampensau machen, kann er nicht. Er trainiert auch nicht neue Fähigkeiten ein oder prüft diese ab. Ebenso wenig kann er die Arbeit eines Psychotherapeuten ersetzen. Kindheitstraumata, Angstzustände, Depressionen, Sucht oder die Behandlung eines Burnouts sind nicht sein Einsatzgebiet und sollte ihm ohne entsprechende Ausbildung auch nicht überlassen werden.

Ein sinnvolles Coaching entwickelt sich vielmehr zu einem Dialog auf Augenhöhe, bei dem der Coach, fragt, nachhakt und genau hinhört. Er gibt weniger eigene Lösungs-Ratschläge vor, sondern lässt sie seinen Coachee selber finden. Kurzum: Es geht darum, herauszufinden, was der Coachee wirklich will.

Ohne diese 3 Persönlichkeitsmerkmale funktioniert kein Coaching

  1. Beweglichkeit. Wer nur hören will, dass er Vieles richtig macht, braucht keinen Coach, sondern Fans. Wer dagegen um seine Imperfektionen weiß und diese verändern will sowie bereit ist, bisherige Komfortzonen zu verlassen, kann aus dem Coaching das Maximum herausholen.
  2. Kritikfähigkeit. Hand aufs Herz: Können Sie die Wahrheit ertragen? Und zwar ohne gleich in die Defensive zu gehen und sich zu rechtfertigen? Denn darauf kommt es an, wenn Sie dazu lernen wollen. Wer nicht will, findet Gründe - wer will, findet konstruktive Wege.
  3. Achtsamkeit. Das heißt nicht nur, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und eigene Verhaltensmuster reflektiert wahrzunehmen. Achtsamkeit umfasst auch die Bereitschaft, ständig neue Perspektiven einzunehmen, um aus diesen Unterschieden zu lernen und daran zu wachsen. Denn alles Leben ist Stückwerk.

Die Schattenseite des Coachings: Ein undurchsichtiger Markt

Coaching-ChecklisteDoch genau das ist das Problem der Branche. Der Coaching-Markt ist unübersichtlich, atomisiert und ein Biotop für Quacksalber und Trittbrettfahrer. Die Gefahr, an einen falschen Fragensteller zu geraten, ist groß.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Anbieter explodiert. Die meisten Coachs sind Einzelkämpfer, laut Branchenuntersuchungen liegt die durchschnittliche Unternehmensgröße bei 1,3 Mitarbeitern. Und überall tummeln sich fragwürdige Gestalten, die sich Coach, Trainer, Supervisor oder sonst was nennen (siehe auch Glossar weiter unten) und die mit ihrer gutgläubigen Klientel alles Mögliche zelebrieren, vom Glasscherbenlaufen bis zur Urschreitherapie – nur eben kein Coaching.

Rund 40.000 dieser selbst ernannten Menschenverbesserer praktizieren allein im deutschsprachigen Raum. Die Zahl der echten Profis dürfte weit darunter liegen: Experten schätzen sie auf höchstens 4000 Coachs, die zumindest irgendeine qualifizierte Ausbildung absolviert haben.

Wie so oft liegt es daher am Einzelnen, genau zu prüfen, wem er sich anvertraut, wie der Coach seine Leistung definiert, wie er Erfolg und Vertraulichkeit sicherstellt, welche Kompetenzen und Referenzen er nachweisen kann und wie er am Ende abrechnet. Der folgende Ratgeber soll Ihnen dabei helfen...

Glossar: Wie sich Coaching von Training & Co. unterscheidet

Coach ist keine geschützte Berufsbezeichnung, im Grunde kann sich jeder so nennen. Entsprechend tummeln sich im Markt allerhand fragwürdige Gestalten. Zur besseren Abgrenzung und Orientierung haben wir deshalb ein Glossar zu Coaching, Trainning, Supervision, Mentoring, Mediation & co. zusammengestellt:

  • Coaching

    hat in der Regel die Persönlichkeit des Klienten im Fokus. Der Coach hilft dem Coachee spezielle berufliche Fähigkeiten auszubauen oder zu verbessern, wobei dieser Entwicklungsprozess in erster Linie eine Art Selbstreflexion und Hilfe zur Selbsthilfe bleibt. Im Gegensatz zur Beratung soll der Coachee die Lösung selber finden. Coaching kann aber auch ein Mix sein aus Beratung, Feedback und praxisorientiertem Training.

  • Training

    dient in erster Linie dem Erlernen konkreter Fähigkeiten oder Verhaltensweisen. Dabei konzentriert sich der Trainer - anders als beim Coaching - weniger auf die Selbstreflexion seines Klienten, sondern auf konkrete Übungen und ein klares Trainingsziel. Die Rollen sind klar verteilt: Der Trainer ist der Experte und Meister, der Klient sein Schüler.

  • Mentoring

    ist ein Personalentwicklungsinstrument. Dabei kommt es zu einer Patenschaft zwischen einer unerfahrenen Führungskraft, dem Mentee und einem meist älteren, erfahreneren Manager, dem Mentor, der sein Wissen und seine Erfahrungen an den Protegé weitergibt. Ziel ist, dem Mentee bei seiner persönlichen oder beruflichen Entwicklung auf die Sprünge zu helfen. Im Unterschied zum Coaching nimmt der Mentor keine neutrale Position ein, auch hier herrscht vorrangig ein Meister-Schüler-Verhältnis. Falls beide für dasselbe Unternehmen arbeiten verfolgt der Mentor zudem oft die Interessen des Arbeitgebers und nicht zwingend die seines Mentees.

  • Mediation

    ist ein freiwilliges und außergerichtliches Schlichtungsverfahren bei akuten Konflikten. Beide mediierenden Parteien müssen dem Verfahren deshalb vorher zustimmen. Der Mediator ist zur Überparteilichkeit verpflichtet, er trifft daher auch keine Entscheidungen, sondern leitet neutral die Aussprache und unterbreitet anschließend Einigungsvorschläge. Auch Beratung ist dabei eher unüblich.

  • Supervision

    ist eine Beratungsform. Dabei werden in der Regel die Interaktionen und Verhaltensmuster innerhalb eines Teams oder einer Organisationen analysiert, um sie entweder zu verbessern oder potenzielle Konfliktherde zu beseitigen. Supervisor und Klienten legen vorher fest, nach welchen Spielregeln das Ganze abläuft. Im Prozess selbst werden dann oft konkrete Situationen und das Innenleben der Beteiligten reflektiert, um die jeweiligen Motive transparenter zu machen.

  • Psychotherapie

    konzentriert sich auf die Behandlung von Menschen mit geistig-seelischen, körperlichen und psychosomatischen Krankheiten. Diese Aufgabe dürfen nur entsprechend ausgebildete Psychotherapeuten (mit Einschränkungen auch Heilpraktiker) übernehmen. Zwei Formen sind dabei besonders häufig: In der Tiefenpsychologie setzt sich der Patient vor allem mit seinem Unterbewusstsein auseinander. In der Verhaltenstherapie wird ihm geholfen, sich seine Gedanken und Bewertungen bewusst zu machen und - falls gewünscht - zu verändern.

Die 7 typischen Phasen des Coachings

Coach-Coachee-ChoachingWie aber läuft eigentlich ein typisches Coaching ab? Gute Frage. Tatsächlich kann man den klassischen Verlauf dieser Hilfe zur Selbsthilfe in sieben Phasen einteilen. Natürlich werden diese in der Praxis nie so klar und scharf abgegrenzt, aber sie zeigen indirekt, was auf Sie beim Coaching zukommt und zukommen sollte:

  1. Vorgespräch

    In dieser ersten Aufwärmphase lernen sich Coach und Coachee kennen, klären berufliche Hintergründe und Arbeitsweisen, bauen gegenseitiges Vertrauen auf und identifizieren die Schwerpunkte des Coachings. Oft wird dabei schon die aktuelle Situation des Managers angesprochen sowie die Ziele und der zeitliche Rahmen für das Coaching.

  2. Vereinbarung

    Die Chemie stimmt. Doch bevor es losgeht, müssen beide noch den Rahmen fixieren: Ziele? Erwartungen? Wie viele Sitzungen soll es geben? Wo und wann finden sie statt? Was ist, wenn einer absagt? Und natürlich: Was wird es kosten?

  3. Analyse

    Das Coaching beginnt. Der Coach stellt nun vor allem Fragen, sammelt Informationen, identifiziert Problemfelder, konkretisiert sie und analysiert mögliche Blockaden und Potenziale beim Klienten. Konkrete Hinweise gibt er jetzt noch nicht.

  4. Veränderung

    Der Coach gibt nun erstes Feedback, reflektiert seine Analyse, stellt Handlungsoptionen und Strategien vor. Das sind jedoch keine Anweisungen, vielmehr moderiert er die vom Klienten gewünschten Veränderungsschritte. Allenfalls hinterfragt er noch Details oder verstärkt den Coachee in seiner Entscheidung.

  5. Umsetzung

    Jetzt gibt es Hausaufgaben: Der Coach überträgt die identifizierten Handlungsschritte in konkrete Alltagsaufgaben. Entscheidend ist jetzt vor allem der Wille und die Disziplin des Coachees.

  6. Erfolgskontrolle

    Was ist passiert? Was hat sich verändert? Coach und Coachee analysieren nun die Effizienz und den Erfolg der vereinbarten Strategien. Daraus leiten sie weitere Schritte ab oder aber beide orientieren sich neu und entwickeln neue Strategien und Hausaufgaben.

  7. Abschluss

    Das Coaching sollte nie einfach auslaufen. Es endet erst mit einem abschließenden Resümee: Was hat der Coachee gelernt? Welche Methoden und Kompetenzen hat er neu entwickelt? War er mit der Beratung zufrieden? Und traut er sich zu, die behandelten Probleme künftig ohne Coach zu meistern? Denn ein Ziel hat jedes Coaching: Die Hilfe zur Selbsthilfe - und sich selbst damit (in diesem Problemfall) überflüssig zu machen.

Wer bezahlt das Coaching? Argumente für Arbeitgeber

Coaching hat einige Vorteile, die Arbeitgeber und Unternehmen fast unmittelbar zu Gute kommen. Durch Coaching können...

  • sich Stressresistenz oder Stressbewältigungsstrategien der Mitarbeiter verbessern.
  • Mitarbeiter persönlich wachsen, ihren Horizont erweitern - und ihre neuen Erkenntnisse auch im Job einbringen.
  • Mitarbeiter ihre Prioritäten neu setzen und dadurch fokussierter an ihre Aufgaben gehen.
  • Mitarbeiter ihre Balance zwischen Arbeit und Privatleben finden - und das Burnout-Risiko so drastisch senken.
  • Mitarbeiter Kreativität freisetzen und neue Ideen auch am Arbeitsplatz einbringen.
  • Mitarbeiter ihre Ressourcen und Grenzen besser kennen lernen und so Überlastung vermeiden.

Die Punkte eignen sich allerdings nur dann als Argument für die Finanzierung eines Einzel- oder Gruppencoachings, wenn Chef und Geschäftsführung den Zusammenhang zwischen persönlicher Entwicklung und Arbeitsleistung verstehen und ihre Mitarbeiter als Menschen mit Interessen und Facetten begreifen.

Checkliste: So finden Sie den richtigen Coach

Das größte Problem der Problembeladenen ist allerdings oft: Wie finde ich den richtigen und persönlich passenden Coach. Der Markt ist einfach zu unübersichtlich und unreguliert, sodass die Gefahr groß ist, an einen Abzocker und Scharlatan zu geraten.

Misstrauisch sollten Sie zum Beispiel immer werden, wenn Ihnen vollmundige und nebulöse Versprechen gemacht werden. Umgekehrt ist das vielleicht wichtigste Pro-Kriterium die Chemie zwischen Coach und Coachee: Nur wer seinem Coach voll und ganz vertraut, kann von der Beratung profitieren.

Auf was Sie darüber hinaus achten und wie Sie Ihren Coach auswählen sollten, finden Sie in der folgenden Checkliste:

  • Recherche

    Viele Personalentwickler in Unternehmen haben inzwischen einen guten Überblick über den Coachingmarkt und arbeiten meist mit einem festen Trainer-Pool zusammen. Im Top-Management dagegen finden die Kunden ihren Coach fast ausschließlich über Empfehlungen. Das ist ohnehin eine der besten Quellen: Fragen Sie die Leute in Ihrem Umfeld (Personaler, Vorgesetzte, Kollegen, Bekannte), wer gute Erfahrungen mit einem Coach gemacht hat. Erste Orientierung bieten aber auch Datenbanken im Internet: Als seriös gelten zum Beispiel die Karriereexperten, Coach-Datenbank.de, Coach-Gutachten und Coachingportal.

  • Referenzen

    Seriöse Anbieter können nachprüfbare Referenzen nennen. Meist sind das Personalentwickler in Unternehmen. Obacht allerdings bei Zertifikaten: Im deutschsprachigen Raum gibt es rund 300 Institutionen, die Coaches ausbilden, zudem über 20 Coaching-Verbände, die allesamt teils eigene Qualitätsstandards propagieren und eigene Zertifikate vergeben. Gute Coachs haben sich hingegen meist auf bestimmte Branchen, Bereiche und Themen spezialisiert. Fragen Sie auch danach, ob sich der Coach selbst regelmäßig von einem Experten begutachten lässt.

  • Ausbildung

    Achten Sie auf die Qualifikation des Coachs. Er sollte mindestens 30 Jahre alt sein, ein Hochschulstudium (ideal sind Wirtschaftswissenschaften und Psychologie) sowie eine 12- bis 15-monatige Coachingausbildung absolviert haben. Zudem sollte er oder sie mindestens drei Jahre Berufserfahrung mitbringen und sich in der Wirtschaft auskennen. Jemand, der noch nie ein Unternehmen von innen gesehen hat, wird Ihre beruflichen Probleme nur schwer verstehen.

  • Methoden

    Top-Coaches sind in der Lage verschiedene Perspektiven einzunehmen und unterschiedliche Methoden anzuwenden. Fragen Sie also nach dessen praktischen Erfahrungen in unterschiedlichen Jobs und nach seinen Qualifizierungen. Ein guter Coach versteht es, verschiedene Gesprächstechniken passend zur Situation einzusetzen. Sätze wie "Wenn Sie Karriere machen wollen, müssen Sie...", haben dabei nichts zu suchen. Gute Coachs bilden sich regelmäßig weiter. Auch das sollten sie dokumentieren können.

  • Vorgespräch

    Üblich ist ein kostenloses Vorgespräch mit dem Coach. Seien Sie aber vorsichtig: Scharlatane laden gern zu unverbindlichen Schnuppersitzungen und stellen diese später in Rechnung, falls kein Auftrag folgt. Dagegen gibt es kaum eine juristische Handhabe, weil Sie vor Gericht nur schwer nachweisen können, nicht beraten worden zu sein. Im Vorgespräch geht es darum zu klären, was Sie erreichen wollen, ob der Coach Ihnen dabei helfen kann, mit welchen Methoden und ob Sie beide einen Draht zueinander finden. Sympathie ist für den weiteren Prozess essenziell. Bitten Sie den Coach aber auch, einen beispielhaften Prozess zu schildern. So sehen Sie konkret, wie er arbeitet.

  • Kosten

    Unterschreiben Sie nie einen Vertrag beim Erstkontakt. Erst recht nichts, das eine Mindeststundenanzahl festschreibt. Seriöse Anbieter gewähren Bedenkzeit. Bezahlt wird ohnehin nur die beanspruchte Beratung. Üblich sind Stundensätze zwischen 100 und 200 Euro. Eine Sitzung dauert zwischen drei Stunden und einem Tag. Im Top-Management werden allerdings auch Tagessätze zwischen 1500 und 10.000 Euro verlangt. Fixieren Sie also unbedingt schriftlich die Honorare für Einzelsitzungen.

Vorsicht Coach: 6 Sätze, die unseriöse Coachs entlarven

  1. "Sie werden sich danach auf jeden Fall besser fühlen." Die Aussage mag gut gemeint sein, doch wenn sich der Nutzwert des Coachings darauf beschränkt, sollten Sie lieber die Finger davon lassen. Ernsthaftes Coaching kann sogar dazu führen, dass Sie sich zwischenzeitlich schlechter fühlen und mit aufkommenden Emotionen oder unangenehmen Erkenntnissen zu kämpfen haben. Diese Phasen vergehen zwar, sind für manche Veränderung und manchen Prozess jedoch notwendig.
  2. Die Beförderung schaffen Sie, ist nur eine Frage der Zeit. Selbst wenn Ihr erklärtes Ziel eine Beförderung ist, sollte eine solche Aussage nicht von einem seriösen Coach kommen. Erstens kann der keine Erfolgsgarantie geben; zweitens kann sich im Coaching zeigen, dass eine Beförderung vielleicht gar nicht der für Sie passende Weg ist. Ein Coach, der Alternativen von vornherein ausschließt, ist keine echte Hilfe.
  3. Da habe ich genau die richtige Methode für Sie. Wenn dieser Satz im Coaching-Prozess und im Kontext eines konkreten Problems fällt, ist er unproblematisch. Wird er jedoch zu Beginn des Coachings und nach einem Einstiegsgespräch geäußert, sollten Sie den Coach wechseln. Wer versucht, Ihnen Standard-Methoden überzustülpen, ohne Sie richtig kennenzulernen, wird Sie sicher nicht weiterbringen.
  4. Meiner Meinung nach sollten Sie das ganz anders machen. Stopp! Die Meinung eines Coachs ist nicht gefragt. Selbst wenn er seine Haltung und Meinung begründen kann, ist Vorsicht geboten. Ein seriöser Coach wird Ihnen nicht seine Meinung aufdrücken, sondern Sie durch Fragen und Rückmeldungen zur Reflexion anregen. Welche Schlüsse Sie daraus ziehen, liegt allein bei Ihnen.
  5. Aber das brauchen Sie doch gar nicht. Auch hier gilt: Ein guter Coach wird Sie durch gezielte Fragen und Impulse dazu bringen, Ihren Ansatz und Ihre Ausrichtung zu hinterfragen. Er wird Ihre Entscheidung jedoch auch akzeptieren und respektieren und Ihnen - wenn Sie den Reflexionsprozess durchlaufen haben - nicht widersprechen. Und er wird auf keinen Fall versuchen, Ihnen etwas auszureden.
  6. Sie müssen einfach mal etwas mehr an sich glauben. Hier handelt es sich um eine klassische Durchhalteparole, die vielleicht von pseudo-professionellen Motivationsgurus, nicht jedoch von einem seriösen Coach kommen darf. Wer einfache Lösungen und Durchhalteparolen nutzt, hat inhaltlich schlicht nichts zu bieten und macht sich keine Gedanken über die mögliche Wirkung seiner Aussagen.

Anleitung zum Selbstcoaching: Diese Fragen sollten Sie sich stellen

Nachdem Sie nun viel über Coaches und Coaching gelesen haben, möchten wir Ihnen nicht vorenthalten, dass Sie natürlich auch ohne fremde Hilfe an sich arbeiten können - im Selbstcoaching.

Das kann bei ernsthaften Problemen eine professionelle Persönlichkeitsentwicklung zwar nicht ersetzen. Es kann Ihnen aber Hinweise und Impulse liefern, ob Sie noch immer Ihre eigenen Ziele verfolgen und auf dem richtigen Weg dazu sind.

Wie beim Coaching helfen auch hier gezielte Fragen, die Sie sich selbst stellen können. Am besten immer wieder - denn wer (sich) fragt, der führt (sich) auch...

  1. Was war die größte Leistung, der größte Erfolg der vergangenen Woche? Vorsicht: Sagen Sie jetzt nicht, Sie hatten keinen Erfolg. Es gibt immer einen – vielleicht ist es eben nur ein kleiner. Und hierbei geht es um den relativ größten davon. Loben Sie sich dafür, seien Sie stolz auf sich. Und fragen Sie sich gleich dazu, ob Sie dieses Paradestück in der kommenden Woche wiederholen können? Oder gar steigern? Wie?
  2. Mit wem sollte ich mich mal wieder treffen oder reden? In der Frage stecken gleich zwei mögliche Ziele. Das erste ist offensichtlich: netzwerken. Jobkontakte muss man schließlich pflegen. Das zweite ist jedoch oft wichtiger: persönliche private Beziehungen erhalten. Jeder Mensch braucht gute Freunde. Und wenn der Stress im Alltag wächst, verliert man solche Beziehungen leicht aus dem Blickfeld. Nicht gut. Denn hier stecken die wahren Stressreduzierer, Ratgeber, Leitplanken.
  3. Welchen Streit sollte ich dringend klären? Ärger gibt es immer wieder. Vor allem im Job. Wenn solche Auseinandersetzungen unausgesprochen bleiben und schwelen, können daraus leicht Intrigen oder gar veritable Feindschaften erwachsen. Ein offenes persönliches Gespräch (nicht per Telefon, schon gar nicht per E-Mail!) nimmt manchem Ärgernis den Stachel.
  4. Wem könnte oder sollte ich danken? Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg. Sie verbessert sowohl die Beziehungen zu anderen Menschen, wie auch deren Einstellung und Motivation. Und sie macht selber glücklicher.
  5. Wie komme ich zu neuer Kraft? Insbesondere falls hinter Ihnen eine Horrorwoche liegt. Natürlich gehört dazu auch die Frage: Wie kommen Sie jetzt erst einmal wieder runter von dem hohen Stresslevel? Beides gehört aber zusammen und wirkt meist symbiotisch.
  6. Fragen zum Job selbst

  7. Warum tue ich das? Haben Sie sich schon dabei erwischt, an etwas zu arbeiten ohne zu wissen warum? Das ist uns allen schon passiert, denke ich, also kein Grund zum Zweifel. Dennoch sollten wir uns alle ab und an fragen: Wozu ist das gut, was ich gerade mache? Wer profitiert davon? Was ist meine Motivation dafür? Wer die Antwort auf diese Fragen kennt, bekommt sofort bessere Laune und neuen Schwung für den Job.
  8. Welches Problem löse ich damit? Oder anders gefragt: Was ist überhaupt das Problem? Hilft das unseren Kunden? Hilft es uns? Und lost das, woran ich arbeite, wirklich ein reales Problem? Nicht wenige exekutieren nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, statt wirkliche Probleme aus der Welt zu schaffen. Und allein letzteres bringt einen persönlich und das Unternehmen weiter.
  9. Ist das nützlich, was ich tue? Die Frage korrespondiert mit der davor, geht aber noch einen Schritt weiter. Es reicht ja nicht nur ein Problem zu lösen – es muss dafür auch eine Nachfrage geben. Oder anders gesagt: Was immer Sie entwickeln, es muss Ihrer Zielgruppe einen gefragten Nutzen bringen. Denn nur so haben Sie eine Chance, dass daraus auch ein Geschäftsmodell wird.
  10. Wo liegt der Mehrwert? Und wie hoch ist dieser? Angenommen Sie entwickeln einen neuen Kugelschreiber: Sie lösen damit ein Problem (Wie schreibe ich es auf?) und Ihr Produkt ist nützlich (Schreibt immer und verschmiert nicht). Aber welchen Mehrwert liefern Sie damit? Kugelschreiber gibt es längst in allen Ausführungen. Es gibt sie in bunt und billig, in ausgefallen und simpel. Was also können die Kunden aus Ihrem Schreiber mehr herausholen? Und manchmal – aber das nur am Rande – ist weniger mehr wert. Ich denke da zum Beispiel an Apple-Produkte: Nicht 10 Knöpfe, sondern einer; nicht 10 Formen und Features, sondern nur die wichtigen. Herausgekommen sind dabei Kultprodukte wie der iPod oder das Mac Book Air.
  11. Was bewirkt es? Diese Frage sollten sich vor allem Forscher, Researcher, Berater & co. stellen. Macht es einen Unterschied, wenn ich weiß, es sind 41 Prozent statt 39 Prozent? Hat es Folgen sich mit 0,04 Minuten oder 2,1 Promille zu beschäftigen. Manchmal ja, manchmal nein. Aber bevor man solche Informationen beschafft und analysiert, hat es mehr Sinn sich zu fragen, ob die Daten und das Ergebnis wirklich zu Veränderungen führen (sollen).
  12. Geht es einfacher? Oft geht das so: Wir haben das Problem erkannt – und legen los, initiativ, inspiriert, intuitiv. Aber warum umständlich, wenn es auch leichter geht? Kurz darüber nachdenken, was der bessere Weg ist, kostet vielleicht etwas Zeit, spart hinterher aber mehr Ressourcen. Das Denken in Alternativen und Opportunitätskosten sollte zum Alltagsrepertoire gehören. Und diese Frage darf man sich nicht nur am Anfang stellen! Auch zwischendurch hat das immer wieder Sinn.
  13. Fragen zum Lernen

  14. Was habe ich vergangene Woche gelernt? Vielleicht ist es nur eine kleine Erkenntnis darüber, wie Sie Ihren Alltag künftig besser organisieren. Vielleicht aber auch eine persönliche Erfahrung mit Kollegen, denen Sie künftig besser nicht mehr trauen – oder jetzt erst recht. Vielleicht haben Sie aber auch etwas über die Liebe und das Leben gelernt. Jeder Mensch lernt jede Woche etwas hinzu. Wichtig ist nur, dass Sie die Lektion für sich festhalten und memorieren.
  15. Was waren die schönsten Momente der vergangenen Woche? Gedanken haben Macht. Womit wir uns gedanklich beschäftigen, worüber wir grübeln, das prägt uns, unsere Gefühle und unser Handeln. Memorieren Sie also – entgegen der üblichen Gewohnheiten – vor allem positive Erlebnisse.
  16. Was war der größte Fehler der Vergangenheit? Die Frage steht nicht im Widerspruch zur vorherigen. Sie soll nicht herunterziehen, sondern dient ebenfalls einem Lerneffekt. Denn daran schließen sofort die Fragen an: Machen Sie den Fehler chronisch? Können Sie ihn sich abgewöhnen? Wie? Was sind die typischen Folgen – und kann man das abändern?
  17. Bin ich meinen Zielen näher gekommen? Auch hier gibt es zwei mögliche Perspektiven: Sind Sie den Zielen Ihres aktuellen Projektes näher gekommen – oder Ihren langfristigen Karrierezielen? Letztere sollten Sie nicht aus den Augen verlieren. Natürlich müssen Sie dabei keine Karriere-To-Do-Liste abhaken. Das wäre albern. Aber sich hin und wieder zu fragen: Wo will ich eigentlich hin – und bin ich noch auf meinem Weg? bringt Sie Ihrem Ziel in jedem Fall näher, mindestens aber hält es Sie auf Kurs.
  18. Was hält mich ab? Oder anders gefragt: Was hindert Sie daran, Ihren Zielen näher zu kommen? Sind es (unbestimmte/unbegründete) Ängste, Kollegen, Konstellationen, mangelnder Mut, Planlosigkeit? Sie müssen in naher Zukunft ja nicht alle Hürden auf einmal ausräumen, Hauptsache Sie beginnen möglichst bald damit.
  19. Fragen an die Zukunft

  20. Was möchte ich verändern/verbessern? Das können Arbeitsabläufe sein, aber auch das eigene Image im Unternehmen sowie das Verhältnis zum Chef (was oft korreliert).
  21. Warum ist mir dieses Ziel so wichtig? Welche Bedürfnisse würden damit befriedigt: mehr Selbstwert, Freiheit, finanzielle Sicherheit?
  22. Was müsste ich tun, um diesem Ziel näher zu kommen? Und sind Sie bereit, jeden Preis dafür zu zahlen? Wann wäre Schluss? Worauf müssten Sie dafür verzichten? Könnten Sie das?
  23. Was sind die Herausforderungen der kommenden Woche? Es ist gut sich seine Kräfte einzuteilen und sich auf die dicksten Brocken zuerst zu konzentrieren. Erstens, weil man dafür die meiste Zeit braucht, aber auch die größten Lorbeeren ernten kann. Zweitens, weil der Rest einem dann wesentlich leichter von der Hand geht.
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