Diese 9 Dinge darf der Chef nicht fordern
Leider sind gute Chefs zur Mangelware geworden - der steigende Druck und die Komplexität der Unternehmen führen häufig dazu, dass die Führungskräfte überlastet sind, dass der Führungsstil darunter leidet und dass das wichtigste Element des Berufs vernachlässigt wird - die eigenen Mitarbeiter. So werden sie blind für Probleme oder zu selbstverständliche Dinge des Arbeitsalltags. Und so mancher Chef geht dann auch mal zu weit und verlangt Dinge, die kein Arbeitnehmer erfüllen muss. Dann kann es an Ihnen liegen, die Grenze zu ziehen und zu sagen So nicht! - zum Beispiel in den folgenden neun Fällen...

Was darf der Chef?

Die Rechte und die Pflichten des Arbeitnehmers werden im Arbeitsvertrag festgelegt und sind damit vor dem Gesetz gültig. Da in Deutschland Vertragsfreiheit herrscht, ist der Arbeitgeber bei der Gestaltung an keine rechtlichen Vorschriften gebunden – das ist ein wichtiger Punkt, den einige Arbeitnehmer nicht beachten und der im Streitfall dazu führen kann, dass sie den Kürzeren ziehen. Achten Sie deshalb auf folgende Punkte:

  • Die Befristung des Arbeitsvertrages: Das Ende der Arbeitszeit muss festgehalten werden – nach Ablauf des Vertrages muss keine Kündigung erfolgen.
  • Die Stellenbeschreibung: Sind die Aufgaben im Vertrag nicht genau beschrieben, darf der Chef den Arbeitnehmer flexibel einsetzen.
  • Die Überstunden: Sind im Arbeitsvertrag Überstunden erwähnt und festgelegt, darf der Chef diese auch verlangen - wurden sie angeordnet, müssen sie auch bezahlt werden.
  • Die Probezeit: Die Dauer der Probezeit wird schriftlich festgehalten – während dieses Zeitraums kann der Arbeitnehmer mit einer Frist von zwei Wochen entlassen werden.
  • Die Nebentätigkeit: Der Arbeitgeber kann jegliche Nebentätigkeit verbieten, wenn sie die Arbeitsleistung des Betroffenen behindert oder wenn ein Interessenkonflikt entsteht.
  • Die Kleidung: Der Arbeitgeber darf das Erscheinungsbild des Arbeitnehmers - insbesondere bei Kundenkontakt - bestimmen.
  • Der Arbeitsort: Sofern es im Arbeitsvertrag so festgehalten wurde, darf der Arbeitgeber den Mitarbeiter aus betrieblichen Gründen einen anderen Arbeitsort zuweisen.

Das darf der Chef nicht verlangen

Neben den verschiedenen Pflichten und Anforderungen, die aus dem Arbeitsvertrag hervorgehen, gibt es aber auch viele Dinge, die kein Chef von seinen Arbeitnehmern verlangen darf - und die auf der anderen Seite auch kein Mitarbeiter erfüllen muss, vor allem dann, wenn sie gegen die eigenen persönlichen Prinzipien verstoßen. Doch das hält viele Führungskräfte leider nicht davon ab, es trotzdem zu verlangen.

Auf folgende neun Dinge müssen Sie als Arbeitnehmer nicht eingehen:

  1. Für den Chef lügen

    Mal abgesehen davon, dass einige Menschen einfach schlechte Lügner sind und eine Lüge früher oder später ans Licht kommt, darf niemand von Ihnen verlangen, zu lügen. Natürlich kommt es immer wieder vor, dass eine Bestellung vergessen wird oder ein Auftrag sich verzögert und der Kunde immer wieder anruft, um sich über den Fortschritt zu informieren – der Chef darf aber nicht von Ihnen verlangen, dem Anrufer eine Lüge aufzutischen. Ohnehin ist Ehrlichkeit der bessere Weg. Mag sein, dass dieser Kunde danach keine weiteren Geschäfte mehr mit Ihrem Arbeitgeber machen wird – dafür haben Sie aber ein reines Gewissen.

  2. Die Schuld für seine Verfehlungen zu übernehmen

    Es gibt keinen idealen Chef – die Vorgesetzten sind auch nur Menschen mit Fehlern, die ab und zu falsche Entscheidungen treffen. Ihr Chef hat aber kein Recht, anderen die Schuld für seine eigenen Verfehlungen in die Schuhe zu schieben. Natürlich hat er eine größere Verantwortung und muss den Überblick behalten – dies gehört aber zu seiner Stellenbeschreibung, dafür hat er sich beworben und wird schließlich auch dafür bezahlt. Ist ein Fehler passiert, sollte er dazu stehen und daraus lernen, anstatt einen Sündenbock zu suchen – das zeichnet einen guten Chef aus.

  3. Einen genehmigten Urlaub zu verschieben

    Folgende Situation kann leider in jedem Unternehmen passieren: Es kommt zu einer unvorhergesehenen Krise und die volle Unterstützung der Mitarbeiter wird benötigt, also werden alle Urlaube gestrichen. Den genehmigten Urlaub darf der Arbeitgeber wenn überhaupt nur in einer Ausnahmesituation ohne die Zustimmung des Betroffenen streichen: Wenn etwa der Fortbestand des Unternehmens von den Fähigkeiten dieses Mitarbeiters abhängt, was nahezu nie der Fall ist. Führt der Chef keine wichtigen Gründe an und verbietet Ihnen, den wohlverdienten Urlaub anzutreten, können Sie sich wehren.

  4. Auf Pausen zu verzichten

    Nur ein erholter Mitarbeiter ist ein guter Mitarbeiter. Das sollte jedem Chef klar sein. Machen Sie aber wenige oder keine Pause und arbeiten acht Stunden durch und das mehrere Tage oder Wochen hintereinander, sinkt Ihre Arbeitsleistung erheblich, der Stress führt zu gesundheitlichen Problemen. Es ist also im Interesse des Unternehmens, Ihnen Pausen einzuräumen, der Chef sollte Sie sogar gegebenenfalls darauf hinweisen, statt sich zu beklagen. Die Dauer der Pause hängt von den täglichen Arbeitsstunden ab und ist gesetzlich vorgeschrieben.

  5. Im Büro zu spionieren

    Der Chef ist eine Autoritätsperson und hat eine gewisse Macht über seine Mitarbeiter. Entsprechend benehmen sich viele in seiner Gegenwart ganz anders. Es ist ein Zeichen eines schlechten Führungsstils, Sie zu bitten, jegliche Informationen über Ihre Kollegen preiszugeben. Ein solches Verhalten vergiftet die Arbeitsatmosphäre und sorgt für Unzufriedenheit bei allen Beteiligten. Sie müssen sich nicht für solche Aktivitäten einspannen lassen.

  6. Änderungsvorschläge für sich zu behalten

    Ein guter Chef sollte seine Mitarbeiter fördern, dazu gehört auch, sich neue Ideen und Vorschläge anzuhören und diese zu bewerten. Nur so kann sich ein Unternehmen entwickeln und wachsen. Will der Chef Ihre Ideen nicht hören, weil er beispielsweise um seine Stelle oder um sein Ansehen fürchtet, sollten Sie sich überlegen, ob Sie eine Zukunft in diesem Unternehmen haben. Fehlende Wertschätzung und Respektlosigkeit seitens des Chefs werden Ihren Arbeitstag mit der Zeit unerträglich machen.

  7. Unberechtigte Kritik anzunehmen

    Ein Feedback zu geben und Kritik zu üben, gehört zu den Aufgaben des Chefs, Sie sollten genau zuhören und aus den eigenen Fehlern lernen. Ist das schlechte Feedback aber unberechtigt, sollten Sie sich wehren, und zwar mit guten Argumenten und nicht mit Rechtfertigungen. Sie müssen sich unberechtigte Kritik nicht gefallen lassen, auch wenn es vielen schwer fällt, dem Chef die Stirn zu bieten.

  8. Probleme unter den Tisch fallen zu lassen

    Ungeklärte und lang anhaltende Probleme können sich zu einer Katastrophe entwickeln, wenn man sich ihnen nicht stellt. Der Arbeitsplatz wird dann für alle Mitarbeiter unerträglich. Ein guter Chef macht seine Mitarbeiter nicht mundtot, sondern möchte die Probleme besprechen und sie aus der Welt schaffen. Ein inkompetenter Chef hingegen kann oder will nicht sehen, dass die Mitarbeiter unzufrieden sind: Es hat doch bisher funktioniert, warum der Aufstand? Denken Sie daran: So wie Sie Kritik aufnehmen und akzeptieren können, so sollte der Chef diese Fähigkeit auch beherrschen.

  9. Im Krankheitsfall zu arbeiten

    Waren Sie beim Arzt und haben sich im Anschluss ordnungsgemäß bei Ihrem Arbeitgeber krank gemeldet, sollten Sie sich darum kümmern, möglichst schnell wieder gesund zu werden. In dieser Zeit darf der Chef nicht von Ihnen verlangen, wieder am Arbeitsplatz zu erscheinen oder von zuhause aus zu arbeiten, um Aufgaben oder Projekte fertigzustellen. Mal abgesehen davon, dass es in Fall einer ansteckenden Krankheit die Gesundheit der anderen Kollegen gefährden könnte.

Ist Ihr Chef ein Tyrann?

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